Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 10 Minuten
Kurz zusammengefasst
Warme Abluft ist die Aufgabe des Geräts, nicht sein Fehler. Draußen kommt an, was drinnen entzogen wurde plus der Strom des Verdichters, bei einem üblichen 3,5-kW-Gerät also rund 4,3 statt 3,5 Kilowatt. Die Luft verlässt das Gerät etwa sechs bis sieben Kelvin wärmer, als sie angesaugt wurde. Kritisch wird es erst, wenn das Gerät zu eng steht und seine eigene Abwärme wieder einsaugt.
Die kurze Antwort
Ja, das ist normal. Ein Außengerät im Kühlbetrieb bläst warme Luft aus, und
das Gehäuse wird dabei spürbar warm. Das ist keine Störung, sondern die Aufgabe des
Geräts: Es gibt genau die Wärme ab, die das Innengerät dem Raum entzogen hat, plus die
Wärme, die der Verdichter selbst erzeugt.
Wie warm die Abluft wird, lässt sich ausrechnen. Für ein übliches Splitgerät mit
3,5 Kilowatt Kälteleistung liegt sie rund sechs bis sieben Kelvin über der Temperatur
der angesaugten Luft. Bei 30 Grad Außentemperatur sind das etwa 36 bis 37 Grad. Der
Rechenweg steht weiter unten, samt der Datenblattzahlen von drei Herstellern.
Kurz gesagt
Warme Abluft ist der Normalfall. Aufmerksam werden sollten Sie erst, wenn die
Kühlleistung nachlässt, das Gerät in einer engen Nische steht oder es sich abschaltet.
Woran das dann liegt, steht im letzten Abschnitt.
Warum mehr herauskommt, als hineingeht
Eine Klimaanlage erzeugt keine Kälte, sie verschiebt Wärme von drinnen nach draußen.
Das ist die Grundlage, und wenn Sie sie noch nicht kennen, lohnt vorher ein Blick darauf,
wie der Kältekreislauf funktioniert.
Hier geht es um die Frage, die dabei fast immer untergeht: Wie viel Wärme kommt am Ende
draußen an?
Die naheliegende Antwort wäre: genau so viel, wie drinnen weggenommen wurde. Sie ist
falsch, und sie steht so im deutschen Netz. Auf weltderphysik.de, betrieben von der
Deutschen Physikalischen Gesellschaft und einem Bundesministerium, heißt es über den
Kühlschrank als Erklärbild: „Genau die Wärmemenge, die im Inneren des Kühlschranks
aufgenommen wird, setzt das Gerät an den heißen, geschlängelten Röhren der Rückseite
wieder frei.“
Nach dem Energieerhaltungssatz ist das unvollständig. Der Verdichter läuft mit Strom,
und dieser Strom verschwindet nicht. Er wird vollständig in Wärme umgewandelt und muss
mit abgeführt werden. Wäre es anders, würde eine offen stehende Kühlschranktür den Raum
weder wärmen noch kühlen. Genau das aber ist die Pointe, die der Absatz eigentlich
belegen soll.
Der verbreitete Irrtum
„Was drinnen wegkommt, kommt draußen an.“ Richtig ist: Was drinnen wegkommt plus der
Strom für den Verdichter kommt draußen an. Ein einziger von acht geprüften Ratgebern
formuliert es korrekt: heizsparer.de schreibt „die entzogene Wärme plus die aufgenommene
elektrische Energie“. Eine Zahl nennt aber auch diese Seite nicht.
Aus dem Außengerät kommt mehr Wärme heraus, als drinnen aufgenommen wurde. Das ist keine Panne, sondern der Energieerhaltungssatz. Der Verdichter braucht Strom, und dieser Strom wird vollständig zu Wärme. Er verschwindet nicht, er kommt zur verschobenen Raumwärme dazu und muss zusammen mit ihr nach draußen. Von acht geprüften Ratgeberseiten rechnet keine einzige diese Bilanz mit Zahlen vor.
Das Beispiel stammt aus einem echten Datenblatt, nicht aus einer Faustformel. Bei
einem Daikin Perfera FTXM35A entzieht das Innengerät dem Raum 3,50 Kilowatt und der
Verdichter nimmt dafür 0,76 Kilowatt elektrische Leistung auf. Draußen kommen beide
zusammen an: 4,26 Kilowatt. Zwei weitere Geräte derselben Leistungsklasse landen bei
4,49 und 4,32 Kilowatt.
Woher die Zahlen stammen
Alle Leistungswerte in diesem Beitrag stammen aus technischen Datenblättern der
Hersteller, nicht aus Ratgeberseiten. Bei einem vierten geprüften Datenblatt ergab die
angegebene Leistungsaufnahme einen rechnerischen EER über 100. Das ist physikalisch unmöglich.
Dieses Blatt wurde nicht verwendet.
Warum der EER bestimmt, wie stark es aufheizt
Der Aufschlag ist nicht bei jedem Gerät gleich groß. Wie viel Verdichterwärme
dazukommt, hängt allein davon ab, wie effizient das Gerät arbeitet. Die Kennzahl dafür
heißt EER, Energy Efficiency Ratio: Kälteleistung geteilt durch Leistungsaufnahme. Beim
Daikin sind das 3,50 geteilt durch 0,76, also rund 4,6.
Daraus folgt eine Rechnung, die auf eine Zeile passt: Der prozentuale Aufschlag ist
100 geteilt durch den EER. Ein Gerät mit EER 4,0 gibt ein Viertel mehr Wärme ab, als
es dem Raum entzieht. Bei EER 3,0 ist es ein Drittel.
Je schlechter das Gerät, desto stärker heizt es die Umgebung auf. Ein Gerät mit EER 3,0 gibt ein Drittel mehr Wärme ab, als es dem Raum entzieht. Bei EER 6,0 ist es ein Sechstel. Dieselbe Kühlleistung, aber der doppelte Aufschlag. Und genau dieser Aufschlag landet als warme Luft vor Ihrem Fenster oder auf der Terrasse des Nachbarn.
Praktisch heißt das: Ein ineffizientes Gerät kostet nicht nur mehr Strom, es belastet
auch die Umgebung stärker. Beide Effekte haben dieselbe Ursache: die zusätzliche
elektrische Leistung, die der Verdichter zieht.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gilt der EER für einen einzigen Betriebspunkt
unter Normbedingungen. Über eine ganze Saison ist der SEER die aussagekräftigere Zahl.
Zweitens läuft ein moderner Inverter fast nie auf Volllast, sondern regelt die Drehzahl
herunter. Die Leistungsaufnahme schwankt dann, und mit ihr die Wärmeabgabe. Die Rechnung
oben beschreibt den Volllastfall, also den ungünstigsten.
Wie heiß wird die Abluft wirklich?
Bis hierher steht die Wärmemenge. Für die eigentliche Frage, wie warm sich die Luft
anfühlt, die aus dem Gerät kommt, fehlt noch eine zweite Angabe: wie viel Luft das
Gerät bewegt. Auch die steht im Datenblatt.
Vier Angaben genügen, und zwei davon stehen im Datenblatt. Diese Rechnung ist der Grund, warum dieser Beitrag existiert. Keine der geprüften Seiten führt sie vor, obwohl beide Eingangswerte öffentlich sind und die Formel aus der Schulphysik stammt.
Das Ergebnis ist bemerkenswert einheitlich. Drei Hersteller, drei verschiedene
Bauarten, und alle drei landen zwischen 5,9 und 7,2 Kelvin. Bei 30 Grad Außentemperatur
bläst das Gerät also mit etwa 36 bis 37 Grad aus. Warm, aber weit entfernt von dem, was
viele erwarten.
Drei Hersteller, drei Bauarten, fast dasselbe Ergebnis. Und trotzdem liegt die gängige Angabe rund doppelt so hoch. Diese Lücke lässt sich mit den verfügbaren Datenblättern nicht auflösen; dazu unten mehr. Wer eine Zahl braucht, sollte mit sechs bis sieben Kelvin über der Umgebungstemperatur rechnen und wissen, dass es unter ungünstigen Bedingungen mehr sein kann.
Eine offene Frage, die hier nicht gelöst wird
Das Fachlexikon energie-lexikon.info nennt „10 bis 15 Grad“ Erwärmung, ohne Rechenweg.
Ein Kältetechniker berichtet im Bauexpertenforum von 45 Grad Abluft bei 35 Grad
Umgebung, also rund 10 Kelvin. Beide Angaben liegen deutlich über der Rechnung.
Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Datenblätter den Luftvolumenstrom der höchsten
Gebläsestufe angeben, während Geräte im Automatikbetrieb oft langsamer drehen. Bei
gleicher Wärmelast und weniger Luft steigt die Temperaturdifferenz. Prüfen ließ sich das
nicht, weil keines der drei Datenblätter die Gebläsestufen einzeln ausweist. Die
Diskrepanz bleibt damit ungeklärt und wird hier bewusst nicht geglättet.
Der teuerste Aufstellfehler
Die berechnete Temperatur gilt für ein Gerät, das ungehindert ansaugen und ausblasen
kann. Steht es in einer engen Nische, hinter einer Verkleidung oder in einem Schacht,
ändert sich die Rechnung, und zwar zum Schlechteren.
Das Gerät saugt seine eigene Abwärme wieder ein. Ein Monteur im Forum von akkudoktor.net beschreibt die Folge nüchtern: „Dies senkt die Effizienz massiv, der Kompressor überhitzt, und der Stromverbrauch steigt.“ In keinem der acht geprüften Ratgeber taucht der Begriff überhaupt auf, obwohl die Montageanleitungen der Hersteller ausdrücklich davor warnen.
Der Effekt heißt thermischer Kurzschluss oder Rezirkulation. Das Gerät bläst warme
Luft aus, die Luft prallt an der gegenüberliegenden Wand ab und wird zum Teil wieder
angesaugt. Damit steigt die Ansaugtemperatur, und mit jeder Runde ein Stück weiter. Die
Folge ist ein Gerät, das mehr Strom zieht, weniger kühlt und im schlimmsten Fall auf
Hochdruckstörung abschaltet.
Ein Kältetechniker formuliert es im Bauexpertenforum unmissverständlich: Das
Außengerät „darf auf keinen Fall in einem geschlossenen Raum aufgestellt werden“. Und
die Umgebung spielt mit: Ein Nutzer bei akkudoktor.net berichtet, dass an seiner
sonnenbeschienenen Südwand die Oberfläche „teilweise 50 °C“ erreicht und die dort
angesaugte Luft entsprechend wärmer ist als im schattigen Hof. Den Unterschied beziffert er auf „locker 10 K“.
Praktisch
Schatten und freier Luftweg sind mehr wert als jede Verkleidung. Wenn das Gerät aus
optischen Gründen verkleidet werden soll, muss die Verkleidung vorne und oben offen
bleiben. Sonst kostet die Optik Leistung, Strom und Lebensdauer.
Welche Abstände wirklich gelten
Abstandsangaben kursieren viele. Belegt ist fast keine. In den geprüften Ratgebern
stehen 15 Zentimeter, 30 Zentimeter und 50 Zentimeter nebeneinander, ohne dass eine
Seite sagt, woher die Zahl stammt.
Ausgerechnet die Zahl aus dem Forum trifft die Herstellervorgabe. Der Ratgeberwert daneben liegt um den Faktor zehn darüber, ohne dass eine der Seiten erklärt, woher er kommt. Für die Praxis heißt das: Die Montageanleitung Ihres Geräts ist die einzige verbindliche Quelle. Sie liegt dem Gerät bei und steht bei den meisten Herstellern online.
Die einzige belastbare Quelle ist die Montageanleitung des jeweiligen Geräts. Daikin
verlangt für seine RXM-Außengeräte mehr als 150 Millimeter nach hinten, mehr als 50
Millimeter zur Seite, mehr als 300 Millimeter nach oben und mehr als 100 Millimeter vor
dem Luftauslass. Andere Hersteller nennen andere Werte, deshalb gilt immer die
Anleitung des Geräts, das bei Ihnen hängt.
Dieselbe Anleitung enthält übrigens einen Hinweis, der in keinem Ratgeber steht:
Bläst Wind mit 18 Kilometern je Stunde oder mehr gegen den Luftauslass, warnt Daikin vor
Rezirkulation, Leistungsverlust, häufigerer Vereisung im Heizbetrieb und möglichen
Schäden am Ventilator. Wer sein Gerät an eine exponierte Hauskante setzt, sollte die
Ausblasrichtung danach wählen.
Nicht zu verwechseln
Von diesen Montageabständen zu unterscheiden ist der Abstand zur Grundstücksgrenze. Dazu
kursiert die Faustregel „2,5 bis 3 Meter“. Sie ist keine bundeseinheitliche Vorgabe:
Maßgeblich sind die Landesbauordnungen und der Lärmschutz, und beide unterscheiden sich
je nach Bundesland und Gebietstyp.
Heizt das die Stadt auf?
Wenn jedes Gerät eine kleine Wärmequelle ist, liegt die Frage nahe, was tausende
davon in einer Innenstadt anrichten. Der Mechanismus ist unstrittig: Die Wärme
verschwindet nicht, sie landet auf der Straße.
Bei der Größenordnung wird es dünn. Eine US-Studie aus Phoenix, Arizona, kommt auf
rund ein Grad zusätzliche Erwärmung in der Nacht, tagsüber auf einen vernachlässigbaren
Effekt. Phoenix ist Wüstenklima mit nahezu vollständiger Ausstattung an Klimageräten;
auf eine deutsche Stadt ist das nicht übertragbar.
Eine deutsche Zahl gibt es nicht. In der Recherche für diesen Beitrag ließ sich
keine Studie finden, die den Beitrag von Klimaanlagen zur städtischen Wärmeinsel in
Deutschland beziffert. Die Helmholtz-Klima-Initiative nennt Klimaanlagen als einen von
mehreren Faktoren, ohne Wert. Das ist der ehrliche Stand: Der Effekt ist real, seine
Größe für Deutschland unbekannt.
Wann es doch ein Problem ist
Warme Abluft allein ist kein Symptom. Auffällig wird es, wenn etwas dazukommt.
Die Kühlleistung lässt nach, obwohl das Gerät läuft. Häufigste Ursache bei
einem sonst gesunden Gerät ist die Rezirkulation aus dem vorletzten Abschnitt. Prüfen
Sie zuerst, ob der Luftweg wirklich frei ist.
Das Gerät schaltet sich bei Hitze ab. Wärmestau führt zu Hochdruckstörungen,
und die schalten das Gerät zum Selbstschutz ab. Auch hier ist der Aufstellort die erste
Adresse.
Die Leistung fällt über Jahre langsam ab. Verschmutzte Lamellen am
Wärmetauscher verschlechtern die Wärmeabgabe. Das ist der Punkt, an dem die
Reinigung tatsächlich etwas bringt, anders als
vieles andere, was unter Wartung verkauft wird.
Das Gerät war von Anfang an zu groß gewählt. Dann taktet es, statt
durchzulaufen, und arbeitet dauerhaft im ungünstigsten Betriebspunkt. Wie man die
richtige Größe bestimmt, steht
in einem eigenen Beitrag.
Was hier nicht steht
Wie heiß das Kältemittel unmittelbar hinter dem Verdichter wird, die sogenannte
Heißgastemperatur, ließ sich für Split-Klimaanlagen in keiner zugänglichen Primärquelle
belegen. Es kursieren Zahlen, aber keine davon ließ sich auf ein Datenblatt oder eine
Herstellerangabe für diese Gerätekategorie zurückführen. Deshalb steht hier keine.
Für die Frage, wie warm die Luft aus dem Gerät kommt, ist dieser Wert ohnehin nicht nötig.
Häufige Fragen
Die ausgeblasene Luft ist rund sechs bis sieben Kelvin wärmer als die Luft, die das Gerät ansaugt. Bei 30 Grad Außentemperatur sind das etwa 36 bis 37 Grad. Diese Werte stammen aus einer Rechnung mit drei Herstellerdatenblättern; in Fachlexika und Foren kursieren auch höhere Angaben von 10 bis 15 Kelvin, deren Herkunft sich nicht klären ließ.
Ja. Das Gerät gibt draußen genau die Wärme ab, die es dem Raum entzogen hat, plus die Wärme, die der Verdichter durch seinen Stromverbrauch erzeugt. Warme Abluft ist die Funktion, nicht die Störung.
Weil der Verdichter Strom braucht und dieser Strom vollständig zu Wärme wird. Ein Gerät mit 3,5 Kilowatt Kälteleistung und 0,76 Kilowatt Leistungsaufnahme gibt draußen 4,26 Kilowatt ab. Wie groß der Aufschlag ist, hängt vom EER ab: Er beträgt 100 geteilt durch den EER, bezogen auf die Kälteleistung.
Verbindlich ist allein die Montageanleitung des Geräts. Daikin verlangt für seine RXM-Geräte mehr als 150 Millimeter nach hinten, mehr als 50 Millimeter seitlich, mehr als 300 Millimeter nach oben und mehr als 100 Millimeter vor dem Luftauslass. In Ratgebern kursieren abweichende Werte bis 50 Zentimeter, durchweg ohne Quellenangabe.
Nur, wenn Luft ungehindert ansaugen und abziehen kann. Sonst saugt das Gerät seine eigene Abwärme wieder ein. Das senkt die Kühlleistung, erhöht den Stromverbrauch und kann zur Abschaltung wegen Hochdruckstörung führen. Verkleidungen müssen vorne und oben offen bleiben.
Der Mechanismus ist unstrittig, die Größenordnung für Deutschland nicht bekannt. Eine US-Studie aus Phoenix beziffert den nächtlichen Effekt auf etwa ein Grad, ist aber wegen Wüstenklima und viel höherer Geräteverbreitung nicht auf Deutschland übertragbar. Eine deutsche Studie mit konkreter Gradzahl war nicht auffindbar.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.