Die Antwort in dreißig Sekunden
Ein Reihenhaus mit 120 Quadratmetern und mittlerem Sanierungsstand landet bei rund 1.650 Euro Stromkosten im Jahr. Echte Haushalte im Bestand melden 1.000 bis 2.100 Kilowattstunden Strom je Heizsaison, also 370 bis 780 Euro. Allerdings fährt praktisch keiner von ihnen ohne zweite Heizung durch den Winter.
Was eine Kilowattstunde Wärme kostet
Die einzige Zahl, mit der man ehrlich vergleichen kann, ist der Preis je Kilowattstunde Wärme. Monatskosten hängen vom Wetter ab, Stromverbrauch hängt vom Haus ab. Der Wärmepreis hängt nur an zwei Größen: am Strompreis und an der Jahresarbeitszahl.
Die Rechnung ist eine Division. Strompreis geteilt durch Arbeitszahl. Bei 37,0 Cent und einer Arbeitszahl von 4,0 sind das 9,3 Cent je Kilowattstunde Wärme.
Auf der Bosch-Seite steht der Wärmepreis der Klimaanlage gegen den Brennstoffpreis von Gas. Das ist nicht dasselbe. Ein Gaskessel verliert etwa zehn Prozent über Abgas und Bereitschaft. Aus 11,94 Cent Gas werden dadurch 13,3 Cent Wärme. Richtig verglichen ist der Vorsprung der Klimaanlage also größer, als der Hersteller selbst ausweist.
Ab welcher Arbeitszahl es sich lohnt
Das ist die wichtigste Zahl des ganzen Themas, und sie steht auf keiner der zehn geprüften Ratgeberseiten. Dabei ist die Rechnung eine Zeile lang.
37,0 Cent Strom geteilt durch 13,3 Cent Gaswärme ergibt 2,8. Unterhalb dieser Jahresarbeitszahl heizt die Klimaanlage teurer als eine Gasheizung. Gegen Öl liegt die Schwelle bei 2,3, weil Öl derzeit teurer ist.
Fragen Sie nicht mehr, ob sich das „lohnt“. Fragen Sie, ob Ihr Gerät in Ihrem Haus über 2,8 kommt. Ein modernes Splitgerät im gut gedämmten Haus schafft 4 bis 4,5. Ein einfaches Gerät im ungedämmten Altbau an Frosttagen nicht. Beides sind reale Fälle, und sie führen zu gegensätzlichen Antworten.
Ihre Heizkosten selbst ausrechnen
Drei Schritte, mehr braucht es nicht.
- Erstens: Wärmebedarf. Wohnfläche mal Kilowattstunden je Quadratmeter. Für unsanierten Altbau rechnen Sie 200 bis 250, für teilsanierte Häuser 100 bis 200, für Neubauten ab 2002 rund 40 bis 65.
- Zweitens: durch die Arbeitszahl teilen. Das ergibt den Strombedarf. Nehmen Sie 3,0 im unsanierten Bestand, 3,5 im teilsanierten, 4,5 im Neubau.
- Drittens: mal Strompreis. 37,0 Cent ist der Durchschnitt im August 2026. Ihr eigener Tarif steht auf der Jahresabrechnung.
Die Kilowattstunden je Quadratmeter oben sind Bedarfswerte aus Gebäudestandards. Der Heizspiegel misst dagegen den tatsächlichen Verbrauch von 90.000 Haushalten und kommt für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern auf 121 Kilowattstunden je Quadratmeter. Wer seine eigene Abrechnung hat, sollte damit rechnen statt mit einem Tabellenwert.
Ein Zimmer heizen: was das im Monat kostet
Das ist der häufigste Fall und zugleich der, bei dem im Netz die schlechtesten Zahlen stehen. Ein einzelnes Gerät im meistgenutzten Zimmer, betrieben über die Übergangszeit.
Reale Leistungsmessungen aus Foren zeigen bei 7 bis 12 Grad Außentemperatur 87 bis 600 Watt, nicht die 800 bis 1.000 Watt, mit denen die meisten Ratgeber rechnen. Bei 14 Stunden Laufzeit sind das 1,2 bis 8,4 Kilowattstunden am Tag, also 45 Cent bis 3,10 Euro. Über einen Monat: 14 bis 93 Euro, je nach Wetter und Raumgröße.
Warum ADAC und thermondo zu hohe Kosten nennen
Vier von zehn geprüften Seiten rechnen nach demselben Muster: Nennleistung mal zehn Stunden mal Strompreis. Der ADAC kommt so auf 2,40 Euro am Tag für einen Raum, thermondo auf 3,30 Euro je Gerät und daraus auf „400 Euro im Monat bei vier Geräten“.
Der Denkfehler ist immer derselbe: Ein Invertergerät läuft nicht auf Nennleistung. Es regelt stufenlos auf die Leistung herunter, die der Raum gerade braucht. Die Nennleistung ist das, was es maximal kann, nicht das, was es tut. Ein Forennutzer misst an seiner 5-kW-Truhe bei 7 bis 12 Grad Außentemperatur 87 bis 200 Watt, und das bei neun Tagen Dauerbetrieb ohne einmal zu takten.
Der ADAC nennt im selben Artikel einen SCOP von 4 bis 5 und benutzt ihn in der eigenen Beispielrechnung nicht. Wer die Arbeitszahl kennt und trotzdem mit Nennleistung mal Stunden rechnet, überschätzt die Kosten um das Zwei bis Dreifache.
Was echte Haushalte verbrauchen
Für Luft-Luft-Wärmepumpen im deutschen Bestand gibt es keine unabhängige Feldstudie. Der bekannte Feldtest des Fraunhofer ISE misst ausschließlich Luft-Wasser-Anlagen. Was es gibt, sind dokumentierte Verbrauchswerte von Nutzern über eine ganze Heizsaison.
| Haus | Fläche | Strom je Saison | bei 37,0 ct | vorher |
|---|---|---|---|---|
| Baujahr 1970 | 80 m² | 1.000 kWh | 370 € | rund 20.000 kWh Gas |
| Doppelhaushälfte 1970 | 160 m² | 1.180 kWh + 3 MWh Öl | 437 € + Öl | 12.000 bis 14.000 kWh Öl |
| Doppelhaushälfte 1970 | 150 m² | 1.500 kWh | 555 € | rund 800 l Öl mehr |
| Doppelhaushälfte | 120 m² | 1.500 bis 1.700 kWh | 555 bis 629 € | Heizen und Kühlen zusammen |
| Reihenendhaus 1994 | keine Angabe | 1.673 bis 2.100 kWh | 619 bis 777 € | 20.000 bis 23.000 kWh Gas |
| Baujahr 1965, Ytong | 90 m² | keine Angabe | keine Angabe | Ölverbrauch etwa halbiert |
Erfahrungsberichte aus akkudoktor.net, energiesparhaus.at und heizungsforum.de, Heizsaison 2022/23 und 2023/24. Keine Messreihe unter kontrollierten Bedingungen, sondern das, was Nutzer selbst dokumentiert haben.
Drei Muster ziehen sich durch alle Berichte. Erstens: Die Jahresverbräuche liegen bei 1.000 bis 2.100 Kilowattstunden, also 370 bis 780 Euro, und nicht bei den 72 bis 400 Euro im Monat, die ADAC und thermondo nahelegen. Zweitens: Fast alle fahren hybrid. Drittens: Die Enttäuschungen sind nie die Kosten, sondern der Komfort, also Zugluft nachts, kalte Fußböden, fehlende Strahlungswärme und vor allem die Wärme, die nicht in die Nebenräume wandert.
Was der Winter mit der Rechnung macht
Dazu kommt das Abtauen. Bei feuchten Plusgraden vereist der Außenwärmetauscher, und die Anlage muss den Kreislauf kurz umkehren, um ihn freizutauen. Diese Energie geht der Heizung verloren. Nutzer berichten, dass die Abtauzyklen ausgerechnet bei leichten Plusgraden mit hoher Luftfeuchte am häufigsten sind, nicht bei starkem Frost.
Kann die Anlage das ganze Haus heizen?
Technisch ja, praktisch selten allein. Drei Gründe, alle unabhängig voneinander:
- Die Wärme wandert nicht. Ein Innengerät wärmt den Raum, in dem es hängt. Hinter einer geschlossenen Tür kommt fast nichts an. Ein Nutzer im Altbau schreibt, die Wärmeverteilung funktioniere „sehr viel schlechter, als man denkt“. Türen offen lassen reicht nicht.
- Kein Warmwasser. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe macht kein warmes Wasser. Dafür brauchen Sie eine zweite Lösung, und die gehört von Anfang an in die Kalkulation.
- Die kältesten Tage. An Frosttagen sinkt die Leistung genau dann, wenn der Bedarf am höchsten ist. Deshalb bleibt in fast allen Erfahrungsberichten die alte Heizung als Reserve stehen.
Günstiger Strom: der Hebel, den kaum jemand nennt
Klimaanlagen zur Raumkühlung mit mehr als 4,2 Kilowatt Anschlussleistung gelten seit dem 1. Januar 2024 als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Das bringt reduzierte Netzentgelte.
In der einfachsten Variante gibt es dafür eine pauschale Gutschrift auf das Netzentgelt, ohne separaten Zähler. Die Höhe hängt vom Netzgebiet ab; ein Beispiel aus Hamburg für 2025 nennt gut 158 Euro im Jahr. Keine der zehn geprüften Ratgeberseiten erwähnt diese Möglichkeit.
Ob Split-Klimaanlagen in der Praxis auch einen günstigeren Wärmepumpentarif bekommen, ließ sich nicht belastbar beantworten. Rechtlich sind sie steuerbare Verbrauchseinrichtungen, praktisch fehlt meist der separate Zählpunkt, den viele Tarife voraussetzen. Fragen Sie beim Netzbetreiber nach, bevor Sie damit rechnen.
Häufige Fragen
Meistens ja, aber nicht immer. Bei einer Jahresarbeitszahl von 4,0 kostet die Wärme 9,3 Cent je Kilowattstunde, aus der Gasheizung 13,3 Cent. Der Vorsprung schmilzt mit sinkender Arbeitszahl und kippt bei 2,8: Darunter ist Gas günstiger. Ein einfaches Gerät im ungedämmten Altbau erreicht diese Schwelle an Frosttagen nicht.
Nach realen Leistungsmessungen 14 bis 93 Euro im Monat, je nach Raumgröße, Wetter und Laufzeit. Die verbreiteten 72 bis 100 Euro je Raum und Monat entstehen, weil dort mit der Nennleistung gerechnet wird statt mit der tatsächlichen Leistungsaufnahme. Ein Invertergerät zieht bei milden Temperaturen oft unter 200 Watt.
Dokumentierte Werte aus Haushalten im Bestand liegen bei 1.000 bis 2.100 Kilowattstunden je Heizsaison, wenn die Anlage den Hauptteil der Heizung trägt. Bei 37,0 Cent sind das 370 bis 780 Euro im Jahr. In fast allen dieser Fälle läuft zusätzlich eine zweite Wärmequelle.
Der SCOP ist die Jahresarbeitszahl im Heizbetrieb: wie viele Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde Strom werden, über eine ganze Saison gerechnet. Moderne Splitgeräte kommen auf 4,0 bis 5,0. Wichtig zu wissen: Der Wert wird nach EU-Verordnung im Referenzklima Straßburg ermittelt. In Norddeutschland fällt er niedriger aus.
Betreiben lassen sich die meisten Geräte bis minus 15 oder minus 20 Grad. Wirtschaftlich wird es früher eng: Bei minus sieben Grad liegt ein einfaches Gerät bei einer Arbeitszahl von etwa 2,2 und damit unter der Gas-Schwelle von 2,8. Ein Spitzengerät hält dort noch 3,7. Genau an dieser Stelle rechnet sich der Aufpreis für die bessere Effizienzklasse.
Nur mit einem Gerät je Raum, der zuverlässig warm werden soll, und auch dann meist nicht allein. Warme Luft geht nicht um die Ecke, Warmwasser macht die Anlage nicht, und an den kältesten Tagen sinkt ihre Leistung genau dann, wenn der Bedarf steigt. In fast allen Erfahrungsberichten aus dem Bestand bleibt eine zweite Wärmequelle im Haus.
Nein. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe erwärmt Luft, kein Wasser. Für Warmwasser brauchen Sie eine eigene Lösung, zum Beispiel eine Warmwasser-Wärmepumpe oder einen Durchlauferhitzer. Wer die alte Heizung vollständig ersetzt, muss das von Anfang an mit einrechnen.
Weil bewegte Luft anders wärmt als ein Heizkörper. Ein Heizkörper gibt Strahlungswärme ab, die Klimaanlage bläst warme Luft. Nutzer berichten von kalten Fußböden und davon, dass sie den Luftzug nachts als störend empfinden. In einem dokumentierten Fall bleibt das Schlafzimmergerät deshalb nachts aus. Truhengeräte blasen bodennah aus und lösen das teilweise, kosten aber ungefähr das Doppelte eines Wandgeräts.
Ja, als Luft-Luft-Wärmepumpe im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude, aber nur, wenn sie die bestehende Heizung vollständig ersetzt. Ein Parallelbetrieb neben der Gas- oder Ölheizung bekommt nichts. Seit dem 21. Juli 2026 gelten außerdem geänderte Sätze und ein gesenkter Höchstbetrag.
Als Nächstes: Was gibt es an Förderung?
Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Sätze, und eine Bedingung steht überall und ist nirgends belegt.
Zum RatgeberStand: 24. August 2026 · Quellen: BDEW-Strompreisanalyse August 2026, CHECK24-Gaspreisentwicklung, Tecson-Heizölpreis vom 24.08.2026, Heizspiegel 2025 von co2online, FGK zu Luft-Luft-Systemen, § 14a EnWG, Erfahrungsberichte aus akkudoktor.net, energiesparhaus.at und heizungsforum.de. Für Luft-Luft-Wärmepumpen im deutschen Bestand existiert keine unabhängige Feldstudie.
