Die kurze Antwort

Auf dem Energielabel eines Raumklimageräts stehen elf Felder, und ihre Reihenfolge ist nicht dem Hersteller überlassen. Sie ist in Anhang III einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2011 festgelegt, die bis heute unverändert gilt. Wer weiß, welches Feld wo steht, liest ein Etikett in einer halben Minute.

Die Skala reicht bei Klimageräten weiterhin von A+++ bis D. Die neue Skala von A bis G, die Kühlschrank und Waschmaschine seit 2021 tragen, gilt für Klimaanlagen nicht. Drei von zehn für diesen Beitrag gelesenen Ratgeberseiten behaupten trotzdem etwas anderes.

Kurz gesagt Der Buchstabe ist der am wenigsten aussagekräftige Teil des Etiketts. Zwei Geräte mit demselben „A++“ können sich um rund 39 Prozent im Stromverbrauch unterscheiden. Worauf es wirklich ankommt, steht in den Zahlenfeldern darunter.

Warum auf der Klimaanlage noch A+++ steht

Seit März 2021 tragen Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Fernseher wieder eine Skala von A bis G. Die Plusklassen sind dort verschwunden. Für Raumklimageräte gilt diese Umstellung nicht. Die Verbraucherzentrale formuliert es in ihrer Übersicht unmissverständlich: „Raumklimageräte lassen sich in die Energieeffizienzklassen A+++ bis D einteilen.“ Ein kommunaler Energieversorger bestätigt es mit Stand September 2024 aus der anderen Richtung: „Auch bei Heizungen und Klimaanlagen gab es noch keine Anpassung.“

Der verbreitete Irrtum Drei von zehn geprüften Seiten geben die Skala falsch an. Das gemeinnützige Portal co2online.de schreibt: „Die Energieeffizienzklassen reichen aktuell von A+++ (sehr gut) bis G (sehr schlecht)“, eine Skala, die es in dieser Form nie gab. Ein Affiliate-Ratgeber behauptet, das System sei „auf klassische Klassen von A bis G zurückgesetzt“ worden. Ein österreichischer Fachbetrieb nennt ein Umstellungsjahr 2030. Für keine dieser drei Aussagen ließ sich eine Quelle finden. Ein vierter Anbieter nennt „A++ bis G“ und beschreibt damit eine Fassung, die seit über zehn Jahren überholt ist.

Für die Praxis heißt das: Aussagekräftig ist nicht nur der Buchstabe, den ein Gerät bekommen hat, sondern auch die Leiter, die daneben abgedruckt ist. Bei einem Raumklimagerät reicht sie von A+++ bis D. Wer auf einer Produktseite eine Leiter von A bis G sieht, sollte prüfen, ob das abgebildete Etikett überhaupt zu diesem Gerät gehört.

Interessanter als der Fehler ist der Grund, warum die Umstellung ausbleibt. Die Ökodesign-Verordnung für Klimageräte schreibt ihre eigene Überprüfung vor: Die Kommission solle die Ergebnisse „spätestens fünf Jahre nach ihrem Inkrafttreten“ vorlegen, also bis 2018. Genau das ist passiert. Die Überarbeitungsstudie lief 2017 an und wurde 2018 abgeschlossen, Entwürfe für eine neue Ökodesign-Verordnung und ein zusammengeführtes Energielabel lagen dem Konsultationsforum vor.

Danach stockte das Verfahren. Nach Darstellung des europäischen Branchenverbands Eurovent scheiterte die Folgenabschätzung am Regulatory Scrutiny Board, dem internen Qualitätsgremium der EU-Kommission für Gesetzesfolgenabschätzungen. Ein für März 2024 erwarteter Beschluss blieb aus. Ein neues Zieldatum wurde bis heute nicht genannt. Im Arbeitsplan der Kommission für die Jahre 2025 bis 2030 tauchen Raumklimageräte unter den vorrangigen Produktgruppen nicht auf, und die offizielle Produktseite der EU führt beide Verordnungen weiterhin als geltendes Recht.

Eine offene Frage Ob die künftige Skala A bis G lauten wird, ist nicht belegt. In den frei zugänglichen Unterlagen ist von einem „zusammengeführten“ Energielabel die Rede, ohne Angabe zur Skala. Ein Datum gibt es ebenfalls nicht. Eine im Juni 2024 gestartete EU-Konsultation zu „Heiz- und Kühlprodukten“ mit Zieldatum zweites Quartal 2026 betrifft nach eigener Einordnung eine andere Verordnung, nämlich die für größere Anlagen, und nicht die Raumklimageräte aus diesem Beitrag. Die Quelle selbst nennt keine Verordnungsnummer, deshalb bleibt eine Restunsicherheit.

Das Etikett, Feld für Feld

Die Verordnung nummeriert die Felder mit römischen Ziffern von I bis XI und legt fest, was in jedem einzelnen stehen muss. Diese Reihenfolge findet sich auf jedem Etikett wieder, unabhängig vom Hersteller.

DAS ETIKETT, FELD FÜR FELDReihenfolge nach Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 626/2011ENERGYRaumklimagerät, umschaltbarIName oder Warenzeichen des LieferantenIIModellkennung des LieferantenSEER · KühlenIIISCOP · HeizenA+++A++A+ABCDein Pfeilfürs Kühlenirgendwo hierein Pfeilfürs Heizenirgendwo hierIVA+++ bis D, für Kühlen und Heizen getrenntBeim Heizen zählt nur die mittlere Klimazone.VAuslegungslastKühlen, in kWVIAuslegungslastHeizen, je ZoneVIISEERZahlenwertVIIISCOPWert je ZoneIXJährlicher Energieverbrauchin kWh, für Kühlen und für HeizenXSchallleistungspegelInnen- und Außeneinheit, in dB(A)kälter · HelsinkiDurchschnitt · Straßburgwärmer · AthenXISchematische Nachzeichnung. Feldbezeichnungen wörtlich aus Anhang III Nr. 1.1,Anordnung vereinfacht, Farben nach dem Schema dieser Seite.ILieferantMarke oder Firma. Sagt nichts über die Qualität, ist aber dererste Teil der Suche in der EU-Datenbank.IIModellkennungDie genaue Typenbezeichnung. Nur mit ihr finden Sie das amtlicheDatenblatt zum Gerät wieder.IIISEER und SCOPZwei Saisonwerte: SEER fürs Kühlen, SCOP fürs Heizen. Beidessind Mittelwerte über eine Rechensaison.IVDie KlassenpfeileZwei getrennte Ergebnisse auf einer Skala von A+++ bis D. BeimHeizen zählt hier die mittlere Zone.VAuslegungslast KühlenDie Kühlleistung in Kilowatt. Eine Größenangabe, keineEffizienzangabe.VIAuslegungslast HeizenDasselbe für den Heizbetrieb, mit bis zu drei Werten, einem jeKlimazone.VIISEER-ZahlenwertDie Zahl hinter dem Kühlpfeil. Sie entscheidet über die Klasse,nicht umgekehrt.VIIISCOP-ZahlenwertDie Zahl fürs Heizen, ebenfalls mit bis zu drei Werten jeKlimazone.IXJahresverbrauchKilowattstunden im Jahr, getrennt für Kühlen und Heizen. Dieeinzige Zahl, die sich mit dem Strompreis multiplizieren lässt.XSchallleistungspegelInnen und außen in Dezibel. Das ist die abgestrahlte Leistung,nicht die Lautstärke an Ihrem Bett.XIEuropakarteDrei Klimazonen. Sie sagt, für welches Klima die Heizwertedarüber gelten. Deutschland liegt zwischen den beiden oberen.
Elf Felder, feste Reihenfolge, und die halbe Miete steht unterhalb der Buchstaben. Die Reihenfolge ist keine Gestaltungsfrage, sondern in Anhang III der Verordnung festgelegt. Von zehn geprüften Ratgeberseiten benennt keine einzige alle elf Felder; die beiden besten kommen auf sechs bis sieben. Wer nur auf den Pfeil schaut, überliest die vier Zahlenfelder, mit denen sich zwei Geräte tatsächlich vergleichen lassen.

Die beiden ersten Felder wirken belanglos und sind es nicht. Feld I und Feld II, Lieferant und Modellkennung, sind der Schlüssel zu allem, was nicht auf das Etikett passt. Bei Splitgeräten besteht die Modellkennung meist aus zwei Bezeichnungen, einer für das Innen- und einer für das Außengerät. Nur dieses Paar führt später zum richtigen Datenblatt. Wer sich beim Notieren vertut, landet bei einem ähnlich heißenden Gerät mit anderen Werten.

Vier weitere Felder werden regelmäßig missverstanden. Feld V, die Auslegungslast beim Kühlen, ist eine reine Größenangabe in Kilowatt. Sie sagt nichts darüber, wie sparsam das Gerät arbeitet, sondern nur, für welche Last es ausgelegt ist. Ob diese Last zu Ihrem Raum passt, ist eine eigene Frage. Dafür müssen Sie vorher die nötige Kühlleistung berechnen und die Zahl dann mit Feld V vergleichen.

Feld IX, der jährliche Energieverbrauch, ist die praktischste Zahl auf dem ganzen Etikett. Sie steht in Kilowattstunden je Jahr, getrennt für Kühlen und Heizen, und lässt sich direkt mit dem Strompreis multiplizieren. Wichtig ist dabei die Bezugsgröße: Für den Kühlbetrieb rechnet die Verordnung mit 350 Vollbetriebsstunden im Jahr. Das sind gut zwei Wochen Dauerbetrieb. Wer sein Gerät doppelt so lange laufen lässt, verdoppelt beide Zahlen.

Feld X, der Schallleistungspegel, ist nicht die Lautstärke, die Sie im Zimmer hören. Dazu unten mehr. Und Feld XI, die kleine Europakarte, ist kein Zierrat: Sie sagt, für welches Klima die Heizwerte gelten, die darüber stehen.

Woher die Zahlen stammen Die Feldbezeichnungen und ihre Reihenfolge stammen wörtlich aus Anhang III Nr. 1.1 der konsolidierten Fassung der Verordnung (EU) Nr. 626/2011, die Klassengrenzen weiter unten aus Anhang II Tabelle 1 derselben Verordnung. Die Übersetzung ins Alltagsdeutsche und alle Rechenbeispiele sind eigene Arbeit. Für den Heizbetrieb nennt ein Fachverband 1.400 Bezugsstunden im Jahr als Gegenstück zu den 350 Stunden beim Kühlen; dieser Wert ließ sich an der Primärquelle nicht bestätigen und steht deshalb hier nur als Hinweis.

Was der Pfeil verschweigt

Der Pfeil auf dem Etikett zeigt auf einen Buchstaben, und der Buchstabe entsteht aus einem Zahlenwert: dem SEER beim Kühlen, dem SCOP beim Heizen. Beides sind Mittelwerte über eine festgelegte Rechensaison. Wie diese Werte im Labor zustande kommen, welche Prüfpunkte dahinterstecken und ab wann ein Wert gut ist, steht ausführlich im Beitrag darüber, was SEER und SCOP bedeuten. Für das Lesen des Etiketts genügt eine einzige Beobachtung: Die Klassen sind nicht gleich breit.

WIE BREIT DIE KLASSEN WIRKLICH SINDAnhang II Tabelle 1 der Verordnung (EU) Nr. 626/2011SEER · Kühlen2,40 Punkte breit, fast fünfmal so viel wie jede NachbarklasseA+++A++A+ABCD8,506,105,605,104,604,103,60SEER 8,49 heißt A++, SEER 8,50 heißt A+++SCOP · Heizen, Zone DurchschnittA+++A++A+ABCD5,104,604,003,403,102,802,50Die Klassen D bis A+ sind beim SEER alle genau 0,50 Punkte breit, A++ ist 2,40 Punkte breit und A+++ nach oben offen.
Die Klassen sind unterschiedlich breit, und ausgerechnet die häufigste ist die breiteste. Beim SEER sind die Klassen D bis A+ alle exakt 0,50 Punkte breit. A++ umfasst mit 2,40 Punkten fast das Fünffache. Zwei Geräte dürfen also beide „A++“ auf dem Etikett tragen und sich trotzdem deutlich unterscheiden, während ein Hundertstel an der oberen Grenze über eine ganze Klasse entscheidet. Diese Rechnung stammt aus der Verordnung selbst.

Beim SCOP ist das Bild weniger extrem, aber ebenfalls uneinheitlich: Die Klassen B, C und D sind je 0,30 Punkte breit, A und A+ dagegen 0,60 Punkte, also doppelt so viel. Auch hier gilt: Der Buchstabe ist eine Schublade mit sehr unterschiedlich großen Fächern.

Damit die Grenzen einmal vollständig nachzuschlagen sind, stehen sie hier als Tabelle. Alle Werte sind Untergrenzen: Ein Gerät trägt die Klasse, deren Wert es erreicht oder überschreitet. Dies ist auf dieser Website die einzige vollständige Fassung; andere Beiträge zitieren daraus nur die Zeilen, die sie für ihr eigenes Argument brauchen, und verweisen hierher.

EffizienzklasseSEER, KühlenSCOP, Heizen, Zone Durchschnitt
A+++ab 8,50ab 5,10
A++ab 6,10ab 4,60
A+ab 5,60ab 4,00
Aab 5,10ab 3,40
Bab 4,60ab 3,10
Cab 4,10ab 2,80
Dab 3,60ab 2,50

Anhang II Tabelle 1 der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 626/2011, konsolidierte Fassung. Die SCOP-Spalte gilt für die Zone „Durchschnitt“, die als einzige auf jedem Etikett steht. Was das bedeutet, klärt der nächste Abschnitt. Stichproben an drei amtlichen EPREL-Datenblättern passten in allen drei Fällen zu dieser Einteilung.

Die Folge ist eine Klasse, die fast alles verdeckt. Wer zwei Geräte mit „A++“ nebeneinander stellt, weiß über deren Verbrauch praktisch nichts, solange er nicht in Feld VII schaut. Die Rechnung dazu ist einfach, weil die Verordnung die Bezugsgröße vorgibt: 3,5 Kilowatt Auslegungslast mal 350 Bezugsstunden ergeben 1.225 Kilowattstunden Kühlbedarf im Jahr, unabhängig vom Gerät. Was davon an Strom übrig bleibt, hängt allein am SEER.

WAS DIE KLASSE IM JAHR AN STROM KOSTETGerade noch A++ · SEER 6,1074,30 € im Jahr200,8 kWhImmer noch A++ · SEER 8,4953,39 € im Jahr144,3 kWhSchon A+++ · SEER 8,5053,32 € im Jahr144,1 kWhEigene Rechnung: 3,5 kW × 350 Bezugsstunden = 1.225 kWh Kühlbedarf, geteilt durch den SEER, mal 37,0 ct/kWh.
Innerhalb einer einzigen Klasse liegen knapp 21 Euro im Jahr, zwischen zwei Klassen keine sieben Cent. Beide oberen Balken tragen dieselbe Klasse A++. Zwischen ihnen liegen rund 39 Prozent Mehrverbrauch. Der Sprung vom oberen Rand von A++ auf den unteren Rand von A+++ ändert dagegen fast nichts, obwohl auf dem Etikett ein anderer Buchstabe steht. Keine der zehn geprüften Seiten rechnet diesen Unterschied in Euro vor.

Das ist kein Extremfall, sondern der Normalfall an zwei echten Geräten. Ein Daikin FTXM35A2V1B mit SEER 9,3 trägt A+++ und ist laut seinem amtlichen Datenblatt mit 132 Kilowattstunden im Jahr fürs Kühlen angegeben. Ein Samsung AC035JNNCEH mit SEER 7,6 trägt A++ und kommt auf 161 Kilowattstunden. Beide haben exakt dieselbe Nennkälteleistung von 3,5 Kilowatt. Der Unterschied einer vollen Effizienzklasse beträgt bei 37,0 Cent je Kilowattstunde 10,73 Euro im Jahr.

Diese Größenordnung entscheidet Kaufentscheidungen. In einem Fachforum rechnet ein Nutzer vor: „a+ beginnt bei 270 Euro. aber ich kann kein a+++ Gerät unter 700 Euro finden“, bei einer von ihm geschätzten Ersparnis von rund 30 Euro im Jahr. Aus diesen Zahlen folgt eine Amortisationszeit von gut vierzehn Jahren für einen Aufpreis von 430 Euro. Was sich stattdessen lohnt, ist der Blick auf die richtige Größe: Ein zu groß gewähltes A+++-Gerät kann im Betrieb mehr verbrauchen als ein passendes mit einer Klasse weniger, weil es ständig an- und ausschaltet statt durchzulaufen.

Praktisch Vergleichen Sie nicht die Buchstaben, sondern die Zahlen darunter: SEER und SCOP in den Feldern VII und VIII, den Jahresverbrauch in Feld IX. Bei gleicher Klasse sagen sie alles, was der Pfeil nicht sagt.

Welcher Winter auf dem Etikett steht

Beim Kühlen gibt es genau eine Rechensaison für ganz Europa. Beim Heizen gibt es drei. Die Verordnung definiert die Zonen „wärmer“, „Durchschnitt“ und „kälter“ und hinterlegt jede mit einer Referenzstadt: Athen, Straßburg und Helsinki. Deutschland liegt klimatisch zwischen „Durchschnitt“ und „kälter“ und damit tendenziell kälter als Straßburg. Der Wert auf dem Etikett beschreibt also ein etwas milderes Klima als das, in dem das Gerät bei Ihnen heizen soll.

Der entscheidende Satz steht in der Beschreibung von Feld IV: Vorgeschrieben ist allein die Angabe für die Heizperiode „mittel“. Die Klassen für „wärmer“ und „kälter“ darf der Hersteller angeben, er muss aber nicht. Genau das erklärt, warum die für Deutschland interessanteste Zone in realen Datenblättern fast nie auftaucht.

WELCHE KLIMAZONE DAS DATENBLATT WIRKLICH ZEIGTBoschEPREL-Datenblatt 1339776DurchschnittSCOP 4,0 · A+kälterSCOP 3,1 · BKlasse fällt um zwei StufenDaikin FTXM35A2V1BEPREL-Datenblatt 2629938DurchschnittSCOP 5,2 · A+++kälternicht angegebennur die PflichtzoneSamsung AC035JNNCEHEU-ProduktdatenblattDurchschnittSCOP 4,5 · A+kälternicht angegebennur die PflichtzoneDrei amtliche Produktdatenblätter, gelesen am 24. August 2026. Ein viertes geprüftes Blatt nennt „kälter“ ebenfallsnicht.
Nur eines von vier geprüften Datenblättern nennt die Zone, die Deutschland am nächsten kommt. Das ist kein Versehen der Hersteller, sondern die Rechtslage: Vorgeschrieben ist allein die Klasse für die mittlere Zone. Beim einzigen Gerät, das beide Werte zeigt, fällt die Klasse von A+ auf B, sobald man die kältere Zone zugrunde legt.

Ein Nutzer beschreibt die Folge im Forum sehr genau: „Laut mitgeliefertem Datenblatt erreicht sie A+++ aber nur in den südlichen Ländern. Hier hat sie A++“. Dasselbe Gerät, dasselbe Etikett, zwei verschiedene Klassen, je nachdem, welche Zone man liest. Wie stark der SCOP mit der Zone fällt und woher die Stundenzahlen der drei Klimazonen kommen, steht im Beitrag zu SEER und SCOP.

In einem vollständigen Datenblatt erkennen Sie das an der Form: Die Felder VI, VIII und IX haben dann nicht einen Wert, sondern drei nebeneinander, überschrieben mit den drei Zonen. Fehlt eine Spalte, fehlt sie nicht aus Versehen. Und wenn in der Spalte „kälter“ ein Wert steht, lohnt der Vergleich: Beim Bosch-Gerät oben steigt der angegebene Jahresstromverbrauch fürs Heizen von 1.470 auf 4.538 Kilowattstunden, weil in der kälteren Zone länger und härter geheizt wird.

Praktisch heißt das: Wenn auf einer Shop-Seite nur ein SCOP-Wert ohne Zonenangabe steht, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wert für „Durchschnitt“. Für deutsche Winter ist er die freundlichere der beiden zutreffenden Zahlen.

Was auf dem Etikett fehlt

Das gedruckte Etikett ist eine Zusammenfassung. Zwei Stufen mehr Information gibt es kostenlos, und keine der zehn geprüften Ratgeberseiten erwähnt sie.

DREI STUFEN, DREI INFORMATIONSTIEFEN1Etikett am GerätElf Felder: Marke, Modell, zweiKlassenpfeile, Leistung, SEER undSCOP, Verbrauch, Schall,Klimakarte.2ProduktdatenblattZusätzlich das Kältemittel mitseinem Treibhauspotenzial und oftmehr als eine Klimazone.3EPREL im NetzZusätzlich Ersatzteile mitRichtpreisen, Reparaturhinweiseund das Datum der Markteinführung.Datenblatt nach Anhang IV der Verordnung (EU) Nr. 626/2011, EPREL nach der Funktionsbeschreibung der EU-Kommission.
Das gedruckte Etikett ist die kürzeste von drei Fassungen derselben Information. Wer nur das Etikett im Laden liest, erfährt weder, welches Kältemittel im Gerät ist, noch wie es sich bei tiefen Temperaturen verhält. Beides steht eine Stufe weiter im Datenblatt. Keine der zehn geprüften Ratgeberseiten erwähnt die EU-Datenbank überhaupt.

Die zweite Stufe ist das Produktdatenblatt, im Fachjargon „Fiche“. Es enthält unter anderem die Bezeichnung des Kältemittels und dessen Treibhauspotenzial. Diese Angabe kommt auf dem Etikett selbst überhaupt nicht vor, ist für die spätere Wartung und für Förderfragen aber wichtig.

Ebenfalls nur dort steht, wie sich das Gerät bei tiefen Außentemperaturen verhält. Für ein Gerät, mit dem Sie heizen wollen, ist das die wichtigere Information als jeder Buchstabe: Ein Wert für den Auslegungspunkt sagt mehr über einen Februarmorgen aus als eine Klasse, die über die ganze Saison gemittelt wurde.

Die dritte Stufe ist EPREL, die europäische Produktdatenbank für Energielabel. Seit dem 1. Januar 2019 gilt: Lieferanten müssen ein neues Modell dort eintragen, bevor sie es in Verkehr bringen. Der öffentliche Teil ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Gesucht wird nach Marke und Modellbezeichnung. Deshalb ist Feld II auf dem Etikett wichtiger, als es aussieht.

  • Modellbezeichnung notieren. Feld II auf dem Etikett, oft eine Kombination aus Innen- und Außengerät.
  • QR-Code prüfen. Wenn einer auf dem Etikett klebt, führt er direkt zum Datenbankeintrag.
  • In EPREL suchen. Über Marke und Modell oder über die Registrierungsnummer, kostenlos und ohne Konto.
  • Datenblatt herunterladen. Dort stehen häufig mehr Klimazonen als im Prospekt des Händlers.
Was hier offen bleibt Der QR-Code ist für Klimageräte keine Pflichtangabe. Die Rahmenverordnung empfiehlt ihn nur: Ein solcher Code „sollte“ den Direktzugang zur Datenbank ermöglichen. Im Anhang, der die elf Felder des Klimageräte-Etiketts festlegt, kommt er nicht vor. Ob reale Etiketten ihn trotzdem durchgängig tragen, ließ sich in dieser Recherche nicht abschließend klären. Auch die Suchoberfläche von EPREL selbst konnte nicht geprüft werden; die Beschreibung oben folgt der offiziellen Funktionsbeschreibung der EU-Kommission.

Der Multisplit-Sonderfall

Bei einer Anlage mit mehreren Innengeräten an einer Außeneinheit gilt eine Sonderregel, die in keinem der geprüften Ratgeber vorkommt. Die Verordnung verlangt ein gedrucktes Etikett nur für mindestens eine Kombination aus Innen- und Außeneinheit, und zwar für die mit dem sogenannten Leistungsverhältnis 1. Das ist die Konfiguration, bei der die Leistung aller Innengeräte zusammen genau der Leistung der Außeneinheit entspricht. Für andere Kombinationen dürfen die Angaben stattdessen auf einer frei zugänglichen Internetseite stehen.

MULTISPLIT: NUR EINE KOMBINATION IST PFLICHTGELABELTDie eine gelabelte KombinationLeistungsverhältnis 1 nach Anhang I Nr. 48Gedrucktes EtikettPflichtWo es klebtauf der VerpackungIhre Anlagenur bei genau dieser Bauweiseeine einzige KombinationJede andere Kombinationmehrere Innengeräte an derselben AußeneinheitGedrucktes Etikettnicht verlangtWo die Werte stehenInternetseite genügtEffizienzklassekann abweichenWerte selbst nachschlagenArtikel 3 Absatz 1 Buchstabe a der Verordnung (EU) Nr. 626/2011.
Die Klasse auf dem Karton gilt für eine Gerätekombination, nicht für Ihre. Bei Anlagen mit mehreren Innengeräten muss der Hersteller genau eine ausgewogene Kombination mit einem gedruckten Etikett versehen. Für alle anderen genügt eine Veröffentlichung im Internet. Wer eine Multisplit plant, muss die Werte für seine eigene Konfiguration deshalb aktiv suchen.

In der Praxis heißt das: Die Klasse auf dem Karton ist die Klasse einer ausgewogenen Beispielanlage, nicht zwingend die Ihrer geplanten. Ein Nutzer beschreibt im Forum, dass eine Baureihe „A+++ bei Kühlen UND Heizen bei Single UND teilweise Multi-Split“ erreicht, größere Kombinationen aber „wieder ineffizienter“ werden. Ein anderer weist auf die Konsequenz für Förderanträge hin: „Abweichende Kombinationen der DAIKIN Liste sind nicht förderfähig, auch wenn diese A++ erreichen.“ Wenn Sie eine Förderung beantragen, zählt die gelistete Kombination, nicht der Buchstabe auf der Verpackung.

Wo das Etikett in die Irre führt

Alle Werte auf dem Etikett sind Prüfstandswerte. Sie entstehen unter genormten Bedingungen in einem Labor, mit einer erfundenen Referenzsaison. Das ist kein Vorwurf, sondern der Zweck der Sache: Nur so lassen sich Geräte überhaupt vergleichen. Nur ist es etwas anderes als eine Messung in Ihrer Wohnung. Eine unabhängige Feldstudie zu realen SEER- und SCOP-Werten von Luft-Luft-Geräten in Deutschland gibt es nicht.

Drei Fallen sind dabei besonders häufig.

  • Die Klasse gilt für das Gerät, nicht für Ihre Anlage. Ein zu groß gewähltes Gerät der Klasse A+++ kann mehr verbrauchen als ein passendes mit A++, weil es im Betrieb dauernd taktet. Auch das Verhalten bei extremer Hitze steht nicht auf dem Etikett: Warum manche Anlage bei 38 Grad einbricht, lässt sich aus keinem der elf Felder ablesen.
  • Der Schallwert ist nicht die Lautstärke. Feld X nennt den Schallleistungspegel. Das ist die vom Gerät insgesamt abgestrahlte Schallleistung, eine geräteeigene Größe, unabhängig von Entfernung und Raum. Was Sie hören, ist der Schalldruckpegel, und der nimmt mit dem Abstand ab. Als grobe Faustregel kursieren rund 6 Dezibel Abnahme bei doppeltem Abstand; eine Normformel dafür ließ sich in dieser Recherche nicht prüfen, deshalb steht hier keine Umrechnungstabelle.
  • Ein Wert je Gerät reicht nicht. Beim Daikin aus dem Beispiel oben liegt der Schallleistungspegel der Inneneinheit beim Kühlen bei 58 Dezibel, beim Heizen bei 53. Wer die eine Zahl von einer Shop-Seite übernimmt, vergleicht womöglich zwei verschiedene Betriebsarten.

Bleibt die unangenehmste Eigenschaft der Skala: Sie unterscheidet kaum noch. Die Verbraucherzentrale hält fest: „Mittlerweile erreichen fast alle Geräte die Effizienzklasse A.“ Bei Klimageräten heißt das konkret: Der Markt drängt sich in den obersten drei Klassen, und die breiteste davon deckt fast das gesamte obere Feld ab. Ein Etikett, auf dem praktisch jedes Gerät gut aussieht, verlagert die Arbeit auf die Zahlenfelder, und genau die liest kaum jemand.

Verbreiteter Irrtum „Beim Heizen gilt dieselbe Klasse wie beim Kühlen.“ Tatsächlich sind es zwei getrennte Ergebnisse auf derselben Skala. Ein Nutzer fasst seine Marktbeobachtung in einer Forenfrage zusammen: „Kennt ihr Split Klimageräte die besonders effizient mit A++ heizen, denn die meisten heizen nur mit A+“. Prüfen Sie beide Pfeile getrennt, wenn Sie mit dem Gerät auch heizen wollen.

Häufige Fragen

Für Raumklimageräte gilt weiterhin die Skala A+++ bis D, festgelegt in Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 626/2011. Die neue Skala von A bis G, die seit März 2021 auf Kühlschränken und Waschmaschinen steht, gilt für Klimageräte nicht. Die Verbraucherzentrale bestätigt das ausdrücklich. Mehrere Ratgeberseiten im Netz geben trotzdem eine Mischskala von A+++ bis G an, die es nie gab.
Ein bestätigtes Datum dafür gibt es nicht. Die gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung der beiden Verordnungen fand statt und war 2018 abgeschlossen, Entwürfe lagen dem Konsultationsforum vor. Danach scheiterte die Folgenabschätzung am Prüfgremium der EU-Kommission, ein für März 2024 erwarteter Beschluss blieb aus, und ein neues Zieldatum wurde nicht genannt. Ob die künftige Skala A bis G lauten wird, ist offen.
SEER ist der Effizienzwert für den Kühlbetrieb, SCOP der für den Heizbetrieb. Beide stehen als Zahl in den Feldern VII und VIII und sind Mittelwerte über eine in der Verordnung festgelegte Rechensaison, keine Momentaufnahmen. Aus dem Zahlenwert ergibt sich der Buchstabe auf dem Pfeil. Wie die beiden Werte im Labor zustande kommen, erklärt ein eigener Beitrag.
Selten. Nach der Bezugsrechnung der Verordnung kostet ein Gerät mit 3,5 Kilowatt Auslegungslast an der unteren Grenze von A++ rund 74 Euro Strom im Jahr, an der oberen Grenze derselben Klasse rund 53 Euro. Der Sprung nach A+++ kostet dann keine sieben Cent mehr. Zwei echte Geräte mit einer Klasse Abstand unterscheiden sich um 10,73 Euro im Jahr. Ein Aufpreis von mehreren hundert Euro rechnet sich damit nicht.
Auf dem Etikett ist nur die Klasse für die mittlere Zone vorgeschrieben, deren Referenzstadt Straßburg ist. Deutschland liegt klimatisch zwischen dieser Zone und der kälteren mit Referenzstadt Helsinki. Der gedruckte SCOP-Wert fällt für deutsche Winter deshalb eher zu günstig aus. Von vier geprüften Produktdatenblättern nennt nur eines auch den Wert für die kalte Zone, und dort fällt die Klasse von A+ auf B.
In der EU-Produktdatenbank EPREL. Seit dem 1. Januar 2019 müssen Lieferanten jedes neue Modell dort eintragen, bevor sie es verkaufen. Der öffentliche Teil ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar; gesucht wird über Marke und Modellbezeichnung oder die Registrierungsnummer. Dort stehen unter anderem das Kältemittel mit seinem Treibhauspotenzial und häufig mehr Klimazonen als im Händlerprospekt.
Nicht zwangsläufig. Die Verordnung verlangt ein gedrucktes Etikett nur für mindestens eine Kombination aus Innen- und Außeneinheit, nämlich die mit dem Leistungsverhältnis 1. Für andere Kombinationen genügt eine Veröffentlichung im Internet. Wer mehrere Innengeräte an eine Außeneinheit hängt, muss die Werte für genau diese Konfiguration deshalb selbst nachschlagen.
Oliver Takens
Wer das geschrieben hat

Oliver Takens

Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.

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Woher kommen die Zahlen hinter den Pfeilen?

SEER und SCOP entstehen in einer Rechensaison mit festgelegten Prüfpunkten. Der Beitrag zeigt, wie aus vier Messwerten eine Jahreszahl wird.

Zu SEER und SCOP

Stand: 25. August 2026 · Quellen: Verordnung (EU) Nr. 626/2011, konsolidierte Fassung, Anhänge I bis IV sowie Artikel 3 · Verordnung (EU) Nr. 206/2012, Artikel 7 · Rahmenverordnung (EU) 2017/1369, Artikel 4 und Erwägungsgrund 30 · EU-Produktdatenblätter aus EPREL zu Daikin FTXM35A2V1B, Samsung AC035JNNCEH und Bosch (Fiche 1339776) · energy-efficient-products.ec.europa.eu · green-forum.ec.europa.eu · eurovent.eu · netzwerke.bam.de · verbraucherzentrale.de · co2online.de · swe.de · haustec.de · bdew.de für den Strompreis von 37,0 ct/kWh · Forenbeiträge auf akkudoktor.net