Die kurze Antwort
Auf dem Energielabel eines Raumklimageräts stehen elf Felder, und ihre Reihenfolge ist nicht dem Hersteller überlassen. Sie ist in Anhang III einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2011 festgelegt, die bis heute unverändert gilt. Wer weiß, welches Feld wo steht, liest ein Etikett in einer halben Minute.
Die Skala reicht bei Klimageräten weiterhin von A+++ bis D. Die neue Skala von A bis G, die Kühlschrank und Waschmaschine seit 2021 tragen, gilt für Klimaanlagen nicht. Drei von zehn für diesen Beitrag gelesenen Ratgeberseiten behaupten trotzdem etwas anderes.
Warum auf der Klimaanlage noch A+++ steht
Seit März 2021 tragen Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und Fernseher wieder eine Skala von A bis G. Die Plusklassen sind dort verschwunden. Für Raumklimageräte gilt diese Umstellung nicht. Die Verbraucherzentrale formuliert es in ihrer Übersicht unmissverständlich: „Raumklimageräte lassen sich in die Energieeffizienzklassen A+++ bis D einteilen.“ Ein kommunaler Energieversorger bestätigt es mit Stand September 2024 aus der anderen Richtung: „Auch bei Heizungen und Klimaanlagen gab es noch keine Anpassung.“
Für die Praxis heißt das: Aussagekräftig ist nicht nur der Buchstabe, den ein Gerät bekommen hat, sondern auch die Leiter, die daneben abgedruckt ist. Bei einem Raumklimagerät reicht sie von A+++ bis D. Wer auf einer Produktseite eine Leiter von A bis G sieht, sollte prüfen, ob das abgebildete Etikett überhaupt zu diesem Gerät gehört.
Interessanter als der Fehler ist der Grund, warum die Umstellung ausbleibt. Die Ökodesign-Verordnung für Klimageräte schreibt ihre eigene Überprüfung vor: Die Kommission solle die Ergebnisse „spätestens fünf Jahre nach ihrem Inkrafttreten“ vorlegen, also bis 2018. Genau das ist passiert. Die Überarbeitungsstudie lief 2017 an und wurde 2018 abgeschlossen, Entwürfe für eine neue Ökodesign-Verordnung und ein zusammengeführtes Energielabel lagen dem Konsultationsforum vor.
Danach stockte das Verfahren. Nach Darstellung des europäischen Branchenverbands Eurovent scheiterte die Folgenabschätzung am Regulatory Scrutiny Board, dem internen Qualitätsgremium der EU-Kommission für Gesetzesfolgenabschätzungen. Ein für März 2024 erwarteter Beschluss blieb aus. Ein neues Zieldatum wurde bis heute nicht genannt. Im Arbeitsplan der Kommission für die Jahre 2025 bis 2030 tauchen Raumklimageräte unter den vorrangigen Produktgruppen nicht auf, und die offizielle Produktseite der EU führt beide Verordnungen weiterhin als geltendes Recht.
Das Etikett, Feld für Feld
Die Verordnung nummeriert die Felder mit römischen Ziffern von I bis XI und legt fest, was in jedem einzelnen stehen muss. Diese Reihenfolge findet sich auf jedem Etikett wieder, unabhängig vom Hersteller.
Die beiden ersten Felder wirken belanglos und sind es nicht. Feld I und Feld II, Lieferant und Modellkennung, sind der Schlüssel zu allem, was nicht auf das Etikett passt. Bei Splitgeräten besteht die Modellkennung meist aus zwei Bezeichnungen, einer für das Innen- und einer für das Außengerät. Nur dieses Paar führt später zum richtigen Datenblatt. Wer sich beim Notieren vertut, landet bei einem ähnlich heißenden Gerät mit anderen Werten.
Vier weitere Felder werden regelmäßig missverstanden. Feld V, die Auslegungslast beim Kühlen, ist eine reine Größenangabe in Kilowatt. Sie sagt nichts darüber, wie sparsam das Gerät arbeitet, sondern nur, für welche Last es ausgelegt ist. Ob diese Last zu Ihrem Raum passt, ist eine eigene Frage. Dafür müssen Sie vorher die nötige Kühlleistung berechnen und die Zahl dann mit Feld V vergleichen.
Feld IX, der jährliche Energieverbrauch, ist die praktischste Zahl auf dem ganzen Etikett. Sie steht in Kilowattstunden je Jahr, getrennt für Kühlen und Heizen, und lässt sich direkt mit dem Strompreis multiplizieren. Wichtig ist dabei die Bezugsgröße: Für den Kühlbetrieb rechnet die Verordnung mit 350 Vollbetriebsstunden im Jahr. Das sind gut zwei Wochen Dauerbetrieb. Wer sein Gerät doppelt so lange laufen lässt, verdoppelt beide Zahlen.
Feld X, der Schallleistungspegel, ist nicht die Lautstärke, die Sie im Zimmer hören. Dazu unten mehr. Und Feld XI, die kleine Europakarte, ist kein Zierrat: Sie sagt, für welches Klima die Heizwerte gelten, die darüber stehen.
Was der Pfeil verschweigt
Der Pfeil auf dem Etikett zeigt auf einen Buchstaben, und der Buchstabe entsteht aus einem Zahlenwert: dem SEER beim Kühlen, dem SCOP beim Heizen. Beides sind Mittelwerte über eine festgelegte Rechensaison. Wie diese Werte im Labor zustande kommen, welche Prüfpunkte dahinterstecken und ab wann ein Wert gut ist, steht ausführlich im Beitrag darüber, was SEER und SCOP bedeuten. Für das Lesen des Etiketts genügt eine einzige Beobachtung: Die Klassen sind nicht gleich breit.
Beim SCOP ist das Bild weniger extrem, aber ebenfalls uneinheitlich: Die Klassen B, C und D sind je 0,30 Punkte breit, A und A+ dagegen 0,60 Punkte, also doppelt so viel. Auch hier gilt: Der Buchstabe ist eine Schublade mit sehr unterschiedlich großen Fächern.
Damit die Grenzen einmal vollständig nachzuschlagen sind, stehen sie hier als Tabelle. Alle Werte sind Untergrenzen: Ein Gerät trägt die Klasse, deren Wert es erreicht oder überschreitet. Dies ist auf dieser Website die einzige vollständige Fassung; andere Beiträge zitieren daraus nur die Zeilen, die sie für ihr eigenes Argument brauchen, und verweisen hierher.
| Effizienzklasse | SEER, Kühlen | SCOP, Heizen, Zone Durchschnitt |
|---|---|---|
| A+++ | ab 8,50 | ab 5,10 |
| A++ | ab 6,10 | ab 4,60 |
| A+ | ab 5,60 | ab 4,00 |
| A | ab 5,10 | ab 3,40 |
| B | ab 4,60 | ab 3,10 |
| C | ab 4,10 | ab 2,80 |
| D | ab 3,60 | ab 2,50 |
Anhang II Tabelle 1 der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 626/2011, konsolidierte Fassung. Die SCOP-Spalte gilt für die Zone „Durchschnitt“, die als einzige auf jedem Etikett steht. Was das bedeutet, klärt der nächste Abschnitt. Stichproben an drei amtlichen EPREL-Datenblättern passten in allen drei Fällen zu dieser Einteilung.
Die Folge ist eine Klasse, die fast alles verdeckt. Wer zwei Geräte mit „A++“ nebeneinander stellt, weiß über deren Verbrauch praktisch nichts, solange er nicht in Feld VII schaut. Die Rechnung dazu ist einfach, weil die Verordnung die Bezugsgröße vorgibt: 3,5 Kilowatt Auslegungslast mal 350 Bezugsstunden ergeben 1.225 Kilowattstunden Kühlbedarf im Jahr, unabhängig vom Gerät. Was davon an Strom übrig bleibt, hängt allein am SEER.
Das ist kein Extremfall, sondern der Normalfall an zwei echten Geräten. Ein Daikin FTXM35A2V1B mit SEER 9,3 trägt A+++ und ist laut seinem amtlichen Datenblatt mit 132 Kilowattstunden im Jahr fürs Kühlen angegeben. Ein Samsung AC035JNNCEH mit SEER 7,6 trägt A++ und kommt auf 161 Kilowattstunden. Beide haben exakt dieselbe Nennkälteleistung von 3,5 Kilowatt. Der Unterschied einer vollen Effizienzklasse beträgt bei 37,0 Cent je Kilowattstunde 10,73 Euro im Jahr.
Diese Größenordnung entscheidet Kaufentscheidungen. In einem Fachforum rechnet ein Nutzer vor: „a+ beginnt bei 270 Euro. aber ich kann kein a+++ Gerät unter 700 Euro finden“, bei einer von ihm geschätzten Ersparnis von rund 30 Euro im Jahr. Aus diesen Zahlen folgt eine Amortisationszeit von gut vierzehn Jahren für einen Aufpreis von 430 Euro. Was sich stattdessen lohnt, ist der Blick auf die richtige Größe: Ein zu groß gewähltes A+++-Gerät kann im Betrieb mehr verbrauchen als ein passendes mit einer Klasse weniger, weil es ständig an- und ausschaltet statt durchzulaufen.
Welcher Winter auf dem Etikett steht
Beim Kühlen gibt es genau eine Rechensaison für ganz Europa. Beim Heizen gibt es drei. Die Verordnung definiert die Zonen „wärmer“, „Durchschnitt“ und „kälter“ und hinterlegt jede mit einer Referenzstadt: Athen, Straßburg und Helsinki. Deutschland liegt klimatisch zwischen „Durchschnitt“ und „kälter“ und damit tendenziell kälter als Straßburg. Der Wert auf dem Etikett beschreibt also ein etwas milderes Klima als das, in dem das Gerät bei Ihnen heizen soll.
Der entscheidende Satz steht in der Beschreibung von Feld IV: Vorgeschrieben ist allein die Angabe für die Heizperiode „mittel“. Die Klassen für „wärmer“ und „kälter“ darf der Hersteller angeben, er muss aber nicht. Genau das erklärt, warum die für Deutschland interessanteste Zone in realen Datenblättern fast nie auftaucht.
Ein Nutzer beschreibt die Folge im Forum sehr genau: „Laut mitgeliefertem Datenblatt erreicht sie A+++ aber nur in den südlichen Ländern. Hier hat sie A++“. Dasselbe Gerät, dasselbe Etikett, zwei verschiedene Klassen, je nachdem, welche Zone man liest. Wie stark der SCOP mit der Zone fällt und woher die Stundenzahlen der drei Klimazonen kommen, steht im Beitrag zu SEER und SCOP.
In einem vollständigen Datenblatt erkennen Sie das an der Form: Die Felder VI, VIII und IX haben dann nicht einen Wert, sondern drei nebeneinander, überschrieben mit den drei Zonen. Fehlt eine Spalte, fehlt sie nicht aus Versehen. Und wenn in der Spalte „kälter“ ein Wert steht, lohnt der Vergleich: Beim Bosch-Gerät oben steigt der angegebene Jahresstromverbrauch fürs Heizen von 1.470 auf 4.538 Kilowattstunden, weil in der kälteren Zone länger und härter geheizt wird.
Praktisch heißt das: Wenn auf einer Shop-Seite nur ein SCOP-Wert ohne Zonenangabe steht, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wert für „Durchschnitt“. Für deutsche Winter ist er die freundlichere der beiden zutreffenden Zahlen.
Was auf dem Etikett fehlt
Das gedruckte Etikett ist eine Zusammenfassung. Zwei Stufen mehr Information gibt es kostenlos, und keine der zehn geprüften Ratgeberseiten erwähnt sie.
Die zweite Stufe ist das Produktdatenblatt, im Fachjargon „Fiche“. Es enthält unter anderem die Bezeichnung des Kältemittels und dessen Treibhauspotenzial. Diese Angabe kommt auf dem Etikett selbst überhaupt nicht vor, ist für die spätere Wartung und für Förderfragen aber wichtig.
Ebenfalls nur dort steht, wie sich das Gerät bei tiefen Außentemperaturen verhält. Für ein Gerät, mit dem Sie heizen wollen, ist das die wichtigere Information als jeder Buchstabe: Ein Wert für den Auslegungspunkt sagt mehr über einen Februarmorgen aus als eine Klasse, die über die ganze Saison gemittelt wurde.
Die dritte Stufe ist EPREL, die europäische Produktdatenbank für Energielabel. Seit dem 1. Januar 2019 gilt: Lieferanten müssen ein neues Modell dort eintragen, bevor sie es in Verkehr bringen. Der öffentliche Teil ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Gesucht wird nach Marke und Modellbezeichnung. Deshalb ist Feld II auf dem Etikett wichtiger, als es aussieht.
- Modellbezeichnung notieren. Feld II auf dem Etikett, oft eine Kombination aus Innen- und Außengerät.
- QR-Code prüfen. Wenn einer auf dem Etikett klebt, führt er direkt zum Datenbankeintrag.
- In EPREL suchen. Über Marke und Modell oder über die Registrierungsnummer, kostenlos und ohne Konto.
- Datenblatt herunterladen. Dort stehen häufig mehr Klimazonen als im Prospekt des Händlers.
Der Multisplit-Sonderfall
Bei einer Anlage mit mehreren Innengeräten an einer Außeneinheit gilt eine Sonderregel, die in keinem der geprüften Ratgeber vorkommt. Die Verordnung verlangt ein gedrucktes Etikett nur für mindestens eine Kombination aus Innen- und Außeneinheit, und zwar für die mit dem sogenannten Leistungsverhältnis 1. Das ist die Konfiguration, bei der die Leistung aller Innengeräte zusammen genau der Leistung der Außeneinheit entspricht. Für andere Kombinationen dürfen die Angaben stattdessen auf einer frei zugänglichen Internetseite stehen.
In der Praxis heißt das: Die Klasse auf dem Karton ist die Klasse einer ausgewogenen Beispielanlage, nicht zwingend die Ihrer geplanten. Ein Nutzer beschreibt im Forum, dass eine Baureihe „A+++ bei Kühlen UND Heizen bei Single UND teilweise Multi-Split“ erreicht, größere Kombinationen aber „wieder ineffizienter“ werden. Ein anderer weist auf die Konsequenz für Förderanträge hin: „Abweichende Kombinationen der DAIKIN Liste sind nicht förderfähig, auch wenn diese A++ erreichen.“ Wenn Sie eine Förderung beantragen, zählt die gelistete Kombination, nicht der Buchstabe auf der Verpackung.
Wo das Etikett in die Irre führt
Alle Werte auf dem Etikett sind Prüfstandswerte. Sie entstehen unter genormten Bedingungen in einem Labor, mit einer erfundenen Referenzsaison. Das ist kein Vorwurf, sondern der Zweck der Sache: Nur so lassen sich Geräte überhaupt vergleichen. Nur ist es etwas anderes als eine Messung in Ihrer Wohnung. Eine unabhängige Feldstudie zu realen SEER- und SCOP-Werten von Luft-Luft-Geräten in Deutschland gibt es nicht.
Drei Fallen sind dabei besonders häufig.
- Die Klasse gilt für das Gerät, nicht für Ihre Anlage. Ein zu groß gewähltes Gerät der Klasse A+++ kann mehr verbrauchen als ein passendes mit A++, weil es im Betrieb dauernd taktet. Auch das Verhalten bei extremer Hitze steht nicht auf dem Etikett: Warum manche Anlage bei 38 Grad einbricht, lässt sich aus keinem der elf Felder ablesen.
- Der Schallwert ist nicht die Lautstärke. Feld X nennt den Schallleistungspegel. Das ist die vom Gerät insgesamt abgestrahlte Schallleistung, eine geräteeigene Größe, unabhängig von Entfernung und Raum. Was Sie hören, ist der Schalldruckpegel, und der nimmt mit dem Abstand ab. Als grobe Faustregel kursieren rund 6 Dezibel Abnahme bei doppeltem Abstand; eine Normformel dafür ließ sich in dieser Recherche nicht prüfen, deshalb steht hier keine Umrechnungstabelle.
- Ein Wert je Gerät reicht nicht. Beim Daikin aus dem Beispiel oben liegt der Schallleistungspegel der Inneneinheit beim Kühlen bei 58 Dezibel, beim Heizen bei 53. Wer die eine Zahl von einer Shop-Seite übernimmt, vergleicht womöglich zwei verschiedene Betriebsarten.
Bleibt die unangenehmste Eigenschaft der Skala: Sie unterscheidet kaum noch. Die Verbraucherzentrale hält fest: „Mittlerweile erreichen fast alle Geräte die Effizienzklasse A.“ Bei Klimageräten heißt das konkret: Der Markt drängt sich in den obersten drei Klassen, und die breiteste davon deckt fast das gesamte obere Feld ab. Ein Etikett, auf dem praktisch jedes Gerät gut aussieht, verlagert die Arbeit auf die Zahlenfelder, und genau die liest kaum jemand.
Häufige Fragen
Woher kommen die Zahlen hinter den Pfeilen?
SEER und SCOP entstehen in einer Rechensaison mit festgelegten Prüfpunkten. Der Beitrag zeigt, wie aus vier Messwerten eine Jahreszahl wird.
Zu SEER und SCOPStand: 25. August 2026 · Quellen: Verordnung (EU) Nr. 626/2011, konsolidierte Fassung, Anhänge I bis IV sowie Artikel 3 · Verordnung (EU) Nr. 206/2012, Artikel 7 · Rahmenverordnung (EU) 2017/1369, Artikel 4 und Erwägungsgrund 30 · EU-Produktdatenblätter aus EPREL zu Daikin FTXM35A2V1B, Samsung AC035JNNCEH und Bosch (Fiche 1339776) · energy-efficient-products.ec.europa.eu · green-forum.ec.europa.eu · eurovent.eu · netzwerke.bam.de · verbraucherzentrale.de · co2online.de · swe.de · haustec.de · bdew.de für den Strompreis von 37,0 ct/kWh · Forenbeiträge auf akkudoktor.net
