Die kurze Antwort

Außen wirkt, innen kaum. Ein Sonnenschutz vor der Scheibe fängt die Sonne ab, bevor sie zu Wärme im Raum wird. Ein Rollo hinter der Scheibe fängt sie ab, wenn sie schon drin ist. Das sind zwei verschiedene physikalische Vorgänge, und der Unterschied ist groß genug, um über die Größe der Klimaanlage zu entscheiden.

Für ein Westfenster von drei Quadratmetern mit Zweifach-Wärmeschutzglas heißt das gerechnet: ohne Sonnenschutz kommen im ungünstigsten Moment rund 1.440 Watt durch die Scheibe, mit einem hellen Rollo innen 1.080 Watt, mit einem Raffstore außen 432 Watt. Der Unterschied zwischen innen und außen beträgt an diesem einen Fenster 648 Watt. Bei zwei solchen Fenstern im selben Raum sind Sie bei einer anderen Gerätegröße.

Kurz gesagt Die Reihenfolge lautet: erst verschatten, dann rechnen, dann kaufen. Wer umgekehrt vorgeht, kauft ein Gerät für eine Kühllast, die es gar nicht geben müsste. Und ein zu groß gewähltes Gerät läuft nicht besser, sondern schlechter, weil es taktet statt durchzulaufen.

Wo die Wärme entsteht, draußen oder im Raum

Sonnenlicht ist kurzwellige Strahlung. Für die ist Fensterglas fast durchsichtig. Das ist der Sinn eines Fensters. Sobald diese Strahlung auf eine Fläche trifft, wird sie zu Wärme und danach als langwellige Wärmestrahlung wieder abgegeben. Für langwellige Strahlung ist dieselbe Scheibe fast undurchlässig.

Daraus folgt alles Weitere. Ein Rollo, das innen hängt, wird von der Sonne getroffen, die schon durch das Glas gekommen ist. Es wird warm, und diese Wärme steht im Raum. Sie kann durch die Scheibe nicht mehr zurück. Ein Raffstore, der außen hängt, wird ebenfalls warm, aber im Freien, wo die Luft an ihm vorbeistreicht und die Wärme abtransportiert.

DERSELBE SONNENSTRAHL, ZWEI ORTE FÜR DEN SCHUTZRaffstore vor der ScheibeDie Wärme entsteht draußendraußenim RaumSonne · 800 W/m²nur ein Rest kommt anDie Lamellen werden warm, die Außenluftträgt die Wärme weg, bevor sie eintritt.g 0,60 × Fc 0,30 = gtot 0,18144 W je m² FensterHelles Rollo hinter der ScheibeDie Wärme entsteht im Raumdraußenim RaumSonne · 800 W/m²prallt abDer Stoff wird warm, und zwar im Raum. Alslange Wärmestrahlung kommt sie nicht hinaus.g 0,60 × Fc 0,75 = gtot 0,45360 W je m² FensterFc-Werte nach DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 7, Spalte Zweifachverglasung. Bestrahlungsstärke 800 W/m² für eineWestfassade nach dem ES-SO-Handbuch 2015. Momentane Strahlungslast, nicht die gedämpfte Kühllast.
Es geht nicht ums Abdunkeln, sondern darum, wo die Wärme entsteht. Sonnenlicht ist kurzwellig und geht durch Glas. Trifft es auf eine Fläche, wird daraus langwellige Wärmestrahlung. Für die ist dieselbe Scheibe fast undurchlässig. Ein Rollo innen fängt die Sonne deshalb erst ab, wenn sie schon im Raum ist. Beide Bilder zeigen dasselbe Fenster und dieselbe Sonne, nur an zwei verschiedenen Orten geschützt.

Deshalb ist die verbreitete Vorstellung, es komme auf das Abdunkeln an, falsch. Ein dichtes schwarzes Rollo verdunkelt hervorragend und lässt trotzdem neun Zehntel der Wärme im Raum. Ein heller Raffstore außen lässt Licht durch und hält trotzdem sieben Zehntel der Wärme ab.

Drei Prozentzahlen, drei Bezugsgrößen Das Umweltbundesamt schreibt, außenliegender Sonnenschutz solle „80 bis 90 Prozent der Sonneneinstrahlung abhalten“, innenliegende Rollos hielten „nur 5 bis 45 Prozent“ ab. Professor Dirk Müller von der RWTH Aachen beziffert die Reduktion des sommerlichen Wärmeeintrags auf „60 bis 80 Prozent“. Der Hersteller WAREMA gibt über einen Zeitungsratgeber an, mit außenliegendem Schutz gelangten nur 5 Prozent in den Raum. Die Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen Verschiedenes: Die 80 bis 90 Prozent beziehen sich auf den Fc-Wert, also auf die Vorrichtung allein. Die 5 Prozent beziehen sich auf gtot, also auf Vorrichtung und Glas zusammen. Und 60 bis 80 Prozent ist eine realistische Spanne über verschiedene Bauarten hinweg.

Zwei Werte, die alles bestimmen: g und Fc

Der g-Wert gehört zum Glas. Er heißt Gesamtenergiedurchlassgrad und sagt, welcher Anteil der auftreffenden Sonnenenergie als Wärme im Raum ankommt. Er hat keine Einheit; 0,60 bedeutet, dass 60 Prozent durchkommen. Nach EN 410 liegt Einfachverglasung bei 0,75 bis 0,87, Zweifach-Wärmeschutzglas bei 0,52 bis 0,65, Dreifach-Wärmeschutzglas bei 0,38 bis 0,55 und Sonnenschutzglas bei 0,25 bis 0,50. Diese Bandbreiten stammen von einem Fensterhersteller; die DGUV nennt für Isolierverglasung rund 0,75 und für Sonnenschutzverglasung 0,33. Ihr eigener Wert steht im Datenblatt Ihrer Fenster.

Der Fc-Wert gehört zum Sonnenschutz. Er heißt Abminderungsfaktor und sagt, welcher Anteil nach der Vorrichtung übrig bleibt. Fc 0,30 heißt: 70 Prozent sind weg. Beide Werte werden einfach multipliziert, und das Ergebnis heißt gtot:

Die ganze Formel gtot = g × Fc. Ein Zweifachglas mit g 0,60 und ein Raffstore außen mit Fc 0,30 ergeben gtot 0,18. Von der Sonne, die auf das Fenster fällt, kommen also 18 Prozent als Wärme im Raum an. Mit einem hellen Rollo innen (Fc 0,75) sind es 45 Prozent.

Die Fc-Werte für den Nachweis stehen in Tabelle 7 der DIN 4108-2:2013-02. Sie ist der Kern dieses Beitrags, und keine der geprüften Seiten zeigt sie vollständig: Meist fehlen die Verglasungsspalten.

SonnenschutzvorrichtungZweifach­verglasungDreifach­verglasungSonnenschutz­glas, g ≤ 0,40
Ohne Sonnenschutzvorrichtung1,001,001,00
Innen oder zwischen den Scheiben, weiß oder hoch reflektierend, geringe Transparenz0,650,700,65
Innen, helle Farben oder geringe Transparenz0,750,800,75
Innen, dunkle Farben oder höhere Transparenz0,900,900,85
Außen, Fensterläden und Rollläden, ¾ geschlossen0,350,300,30
Außen, Jalousie und Raffstore, drehbare Lamellen auf 45°0,300,250,25
Außen, Markisen parallel zur Verglasung0,300,250,25
Außen, Vordächer, Markisen allgemein, freistehende Lamellen0,550,500,50

Tabelle 7 der DIN 4108-2:2013-02, wiedergegeben als Tafel 2 im Planungshandbuch Kalksandstein, Kapitel 11, Stand 01/2018. Uns lag diese Wiedergabe vor, nicht die Norm selbst.

Eine Zeile in dieser Tabelle wird regelmäßig übersehen. Bei innenliegendem Schutz ist der Wert für Dreifachverglasung schlechter als für Zweifachverglasung: 0,70 statt 0,65. Bei außenliegendem Schutz ist es umgekehrt: 0,30 statt 0,35. Das ist kein Druckfehler. Innenliegende Systeme erzeugen die Wärme bereits im Raum, und die besser dämmende Dreifachscheibe lässt sie schlechter wieder hinaus. Wer sich neue Dreifachfenster einbauen lässt und dann innen ein Rollo aufhängt, bekommt weniger, als er erwartet.

Was in der Tabelle nicht vorkommt Vorhänge und Sonnenschutzfolien haben in Tabelle 7 keine eigene Zeile. Ein heller, blickdichter Vorhang fällt fachlich unter „innenliegend, helle Farben oder geringe Transparenz“ und damit unter 0,75, ein dunkler unter 0,90. Das ist eine Einordnung, kein Normzitat. Für Sonnenschutzfolien liegt uns überhaupt kein Normwert vor. Es kursieren Prozentangaben, aber keine, die sich auf eine Tabelle zurückführen ließe.

Warum Sie für denselben Rollladen drei Zahlen finden

Wer nach dem Fc-Wert eines Rollladens sucht, findet 0,10, 0,15, 0,30 und 0,35. Das ist ein Unterschied um den Faktor dreieinhalb, und keine der Seiten erklärt ihn. Die Erklärung ist einfach und macht die Zahlen wieder brauchbar.

WARUM SIE FÜR DENSELBEN ROLLLADEN DREI ZAHLEN FINDENDIN 4108-2, konservativgeprüfter Produktwertstrittige Angabe0,000,200,400,600,801,00Abminderungsfaktor FcRollladen, außenPanzer vor der Scheibe0,350,15 bis 0,300,10Raffstore, außendrehbare Lamellen, 45 Grad0,300,10 bis 0,250,15Screen, außenSenkrechtmarkise am Fenster0,300,15 bis 0,35Jalousie, innenhelle Lamellen im Raum0,750,50 bis 0,65Links: pauschaler Anhaltswert der Norm für den Nachweis, bewusst vorsichtig, Rollladen nur ¾ geschlossen.Mitte: geprüfte Werte, ganz geschlossen, Referenzverglasung Ug 1,2 W/m²K, g 0,59. Rechts: OKNOPLAST.
Verschiedene Zustände, nicht verschiedene Wahrheiten. Die Norm rechnet mit einem Rollladen, der nur zu drei Vierteln unten ist, weil sie einen Nachweis tragen muss, der auch im ungünstigen Fall hält. Der Herstellerwert gilt für den vollständig geschlossenen Panzer im Prüfstand. Beide Zahlen sind richtig. Für die eigene Rechnung ist der Normwert der sichere: Er verspricht weniger.

Die DIN 4108-2 gibt pauschale Anhaltswerte für den Nachweis. Sie sind bewusst vorsichtig gewählt, und in der Zeile steht ausdrücklich „¾ geschlossen“. Die Norm rechnet also gar nicht mit einem ganz heruntergelassenen Panzer. Herstellerwerte sind geprüfte Produktwerte nach DIN EN 14501, gemessen am vollständig geschlossenen Produkt vor einer festgelegten Referenzverglasung mit Ug 1,2 W/m²K und g 0,59. Beide Zahlen sind richtig, sie beschreiben verschiedene Zustände.

Für die eigene Auslegung nehmen Sie den Normwert. Er verspricht weniger, und wenn Sie die Anlage danach dimensionieren, sind Sie auf der sicheren Seite. Ein Angebot mit Fc 0,10 ist deshalb nicht unseriös: Es beschreibt nur den Idealfall.

Eine offene Frage, die hier nicht gelöst wird Auch das Rechenverfahren selbst ist nicht eindeutig. Das Handbuch der europäischen Sonnenschutzvereinigung stellt für denselben außenliegenden Raffstore gtot 0,16 nach EN 13363-1 gegen 0,05 bis 0,09 nach EN 13363-2. Für dieselbe Innenjalousie stehen 0,50 bis 0,53 gegen 0,38 bis 0,54. Die Wahl des Verfahrens ändert das Ergebnis um den Faktor zwei bis drei. Diese Normenreihe ist inzwischen in DIN EN ISO 52022-1 und -3 aufgegangen; wie sich die beiden Verfahren dort zueinander verhalten, ließ sich ohne die Normtexte nicht klären. Kein einziges Suchergebnis erwähnt überhaupt, dass es zwei Verfahren gibt.

So rechnen Sie es für Ihr Fenster aus

Vier Zahlen genügen: die Glasfläche, die Bestrahlungsstärke der Himmelsrichtung, der g-Wert der Verglasung und der Fc-Wert des Sonnenschutzes. Multipliziert ergeben sie den Wärmeeintrag durch dieses Fenster in Watt.

WIE SIE DEN WÄRMEEINTRAG IHRES FENSTERS AUSRECHNEN1FlächeGlasfläche desFensters, Breitemal Höhe.Beispiel: 3,0 m².2SonneSonne auf dieseFassade. West imSommer: 800 W/m².3Glasg-Wert derVerglasung.Zweifachglas:0,60.4SchutzFc-Wert desSonnenschutzes.Raffstore außen:0,30.5Ergebnis3,0 × 800 × 0,60× 0,30 = 432 Wattam Fenster.Das ist die Leistung, die in diesem Moment durchs Glas kommt, nicht die Kühllast des Raums.Bestrahlungsstärke nach ES-SO 2015, g-Wert nach EN 410 (Herstellerangabe), Fc nach DIN 4108-2:2013-02.
Vier Zahlen, eine Multiplikation. Diese Rechnung steht auf keiner der zwölf geprüften Seiten. Die Auslegungsseiten rechnen mit Watt je Quadratmeter Bodenfläche, in denen das Fenster gar nicht vorkommt; die Sonnenschutzseiten rechnen in Prozent, in denen das Watt nicht vorkommt.

Süd ist im Sommer nicht das Problem, West ist es

Für die zweite Zahl brauchen Sie die Himmelsrichtung. Das Handbuch der europäischen Sonnenschutzvereinigung zeigt für 50 Grad nördlicher Breite bei wolkenlosem Himmel: Ost- und Westfassade bekommen jeweils rund 800 bis 1.000 Watt je Quadratmeter ab, die Südfassade im Sommer nur 600 bis 800. Im Winter dreht sich das um, dann liegt Süd bei rund 1.000. Der Grund ist der Sonnenstand: Im Hochsommer steht die Sonne mittags so steil, dass sie eine senkrechte Südwand nur streift, während sie am Nachmittag flach auf die Westwand trifft.

Damit ist im Sommer das Westzimmer der Problemraum, nicht das Südzimmer. Diese Umkehrung erwähnt in der gesamten geprüften Konkurrenz genau eine quellenlose Affiliate-Seite. Wie sich der Wärmeeintrag je Himmelsrichtung und Fenstergröße im Einzelnen verhält, steht im Beitrag dazu, wie stark die Fensterfläche die Kühllast treibt.

Woher diese Zahlen stammen, und was daran schwach ist Eine amtliche deutsche Quelle mit Momentanwerten der Bestrahlungsstärke auf senkrechte Flächen je Himmelsrichtung haben wir nicht gefunden. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht Global-, Diffus- und Direktstrahlung als Monats- und Jahressummen auf die Waagerechte. Der beste verfügbare Beleg für Fassadenwerte ist das ES-SO-Handbuch von 2015, herausgegeben vom europäischen Branchenverband der Sonnenschutzhersteller, also von einer interessengeleiteten Seite. Wir rechnen deshalb mit 800 W/m², dem unteren Ende der angegebenen Spanne.
WÄRMEEINTRAG JE QUADRATMETER FENSTER, WESTFENSTER IM SOMMEROhne SonnenschutzFc 1,00 · nichts hält die Sonne auf480 W/m²Innen, dunkles RolloFc 0,90 · neun Zehntel bleiben drin432 W/m²Innen, helle FarbenFc 0,75 · der übliche Fall360 W/m²Innen, weiß, hochreflektierendFc 0,65 · mehr geht innen nicht312 W/m²Außen, Vordach oder MarkiseFc 0,55 · nicht direkt an der Scheibe264 W/m²Außen, RollladenFc 0,35 · ¾ geschlossen168 W/m²Außen, RaffstoreFc 0,30 · Lamellen auf 45 Grad144 W/m²Eigene Rechnung. Fenster 3,0 m² nach Westen, 800 W/m² (ES-SO 2015), g 0,60 (EN 410), Fc nach DIN 4108-2.
Der Sprung liegt nicht zwischen hell und dunkel, sondern zwischen innen und außen. Zwischen dem besten innenliegenden Rollo und dem einfachsten außenliegenden Rollladen liegen 144 Watt je Quadratmeter. Zwischen dem dunklen und dem weißen Rollo innen nur 120. Bemerkenswert ist die fünfte Zeile: Ein Vordach hängt zwar draußen, aber nicht vor der Scheibe. Deshalb liegt es kaum besser als ein weißes Rollo im Raum.

Mit Dreifachverglasung fallen alle Werte niedriger aus, weil der g-Wert kleiner ist. Bei g 0,50 sind es ohne Schutz 400 Watt je Quadratmeter, mit außenliegendem Rollladen (Fc 0,30) noch 120 und mit außenliegendem Raffstore (Fc 0,25) noch 100. Innen kehrt sich der Vorteil wie beschrieben teilweise um: Ein weißes Rollo kommt auf Fc 0,70 und damit auf 280 Watt je Quadratmeter.

Der verbreitete Irrtum Diese Multiplikation ist nicht die Kühllast. Sie ergibt die Leistung, die in diesem Moment durch die Scheibe kommt. Die Kühllast eines Raums ist kleiner und kommt verzögert an, weil Wände, Estrich und Möbel einen Teil zwischenspeichern und später abgeben. Genau dafür gibt es die VDI 2078:2015-06. Wer die einfache Multiplikation direkt als Gerätegröße nimmt, legt zu groß aus, und Faustformeln je Quadratmeter Bodenfläche kennen den Sonnenschutz umgekehrt gar nicht.

Wie viel kleiner das Gerät wird, und wann es ganz entfällt

Um von der Strahlungslast auf die Kühllast zu kommen, hilft ein belegtes Beispiel. Die Fachzeitschrift TGA Fachplaner hat 2006 eine vollständige Kühllastrechnung nach VDI 2078 veröffentlicht, einmal ohne und einmal mit außenliegendem Sonnenschutz.

DIESELBE KÜHLLAST, EINMAL OHNE UND EINMAL MIT SONNENSCHUTZOhne SonnenschutzBüroraum 15 m², Südfenster 5,04 m²1.814 W121 Watt je m² BodenflächeMit Markise außenderselbe Raum, sonst alles gleich787 W52 Watt je m² Bodenfläche56,6 % wenigerRechenbeispiel nach VDI 2078 aus TGA Fachplaner 7-2006, Randbedingungen aus Tabelle 1. Standort Frankfurt.
Die einzige vollständig dokumentierte Kühllastrechnung mit und ohne Sonnenschutz, die sich finden ließ. Sie ist zwanzig Jahre alt, gilt einem Büroraum und bezieht sich auf die damalige Fassung der VDI 2078. Trotzdem ist sie der Realitätsanker dieses Beitrags: In dem Raum bleiben eine Person, ein Rechner mit Drucker und die Beleuchtung unverändert; nur der Anteil des Fensters schrumpft, und der allein macht 1.027 Watt aus.

Der Raum ist ein Büro von 3 × 5 Metern mit einem Südfenster von 2,8 × 1,8 Metern, Standort Frankfurt, darin eine Person, ein Rechner mit Drucker mit 250 Watt und Beleuchtung mit 10 Watt je Quadratmeter. Ohne Sonnenschutz beträgt die Kühllast 1.814 Watt, mit einer ganztägig geschlossenen, oben und seitlich belüfteten Stoffmarkise außen 787 Watt. Der Unterschied sind 1.027 Watt oder 56,6 Prozent, bezogen auf die Fensterfläche von 5,04 Quadratmetern also 204 Watt je Quadratmeter.

Dieser Wert ist der ehrliche Vergleich zu unserer eigenen Rechnung. Die einfache Multiplikation liefert für den Sprung von „ohne Schutz“ auf „außen“ 336 Watt je Quadratmeter Fenster, die VDI-Rechnung 204. Ein Teil des Unterschieds ist die Dämpfung durch die Speichermasse, ein Teil geht darauf zurück, dass die beiden Fälle nicht identisch sind: Süd gegen West, Stoffmarkise gegen Raffstore. Als Größenordnung heißt das: Rechnen Sie mit rund 60 Prozent dessen, was die Multiplikation ergibt.

Für die Gerätegröße sind das klare Verhältnisse. Bei zwei Westfenstern von je drei Quadratmetern beträgt der Unterschied zwischen innenliegendem hellem Rollo und außenliegendem Raffstore rund 1,3 Kilowatt, mehr als der Abstand zwischen den beiden gängigsten Baugrößen 2,5 und 3,5 Kilowatt. Im Beispiel oben fällt die Kühllast von 1.814 auf 787 Watt: Der erste Wert verlangt ein Gerät der 2,0-kW-Klasse, der zweite liegt unter der kleinsten üblichen Baugröße. Das kleinste lieferbare Innengerät wäre für diesen Raum dann bereits zu groß.

Der Punkt, um den es hier eigentlich geht Wenn ein Raum nach guter Verschattung unter der kleinsten sinnvollen Gerätegröße liegt, ist die richtige Antwort keine kleinere Klimaanlage, sondern gar keine. In einem Forum berichtet ein Nutzer, sein ungeschützter Raum habe bei 36 Grad Außentemperatur 33,1 Grad erreicht, der baugleiche mit außenliegendem Raffstore 26,4 Grad. Das sind knapp 7 Kelvin Unterschied. Das Umweltbundesamt empfiehlt, einen Raum um 3 bis 4 Grad unter die Außentemperatur zu kühlen und dabei nicht unter 26 Grad zu gehen. Der verschattete Raum lag also bereits dort, wo eine vernünftig eingestellte Anlage hinwollte.

Diese Forenzahlen gehören mit ihrer Reichweite genannt: Der Thread hat fünf Beiträge und fünfzig Aufrufe, das Forum weist selbst aus, dass es Affiliate-Angebote enthält, und es sind Nutzerberichte, keine Messstudie. Ein zweiter Nutzer im selben Thread nennt 31 Grad ohne und 25 bis 26 Grad mit Beschattung. In den deutschsprachigen Foren ist das alles, was an Zahlen zu finden war: Die Frage „wie viel Kühllast spart mein Rollladen“ wird oft gestellt und nirgends beantwortet.

Und genauso ehrlich gehört die Gegenseite dazu. Sonnenschutz nimmt nur den solaren Anteil weg. Er tut nichts gegen Personen, Rechner, Backofen und Beleuchtung, nichts gegen Wärme, die tagsüber durch ungedämmte Bauteile nachströmt, nichts gegen eine Nacht, die in der Innenstadt nicht mehr abkühlt, und nichts gegen Luftfeuchte. Wo diese Anteile den Ton angeben, ist ein Gerät die richtige Antwort. Dann sollte es sauber ausgelegt sein. Unter einem ungedämmten Dach kommt die Wärme ohnehin zusätzlich von oben, da reicht der Sonnenschutz am Fenster allein selten.

Wenn außen nichts geht

Nicht jeder darf an seine Fassade. Außenliegender Sonnenschutz wird dort montiert, und die Fassade gehört in der Mietwohnung nicht dem Mieter und in der Eigentumswohnung nicht dem einzelnen Eigentümer, sondern der Gemeinschaft. Dazu kommen Denkmalschutz und örtliche Gestaltungssatzungen. Die rechtlichen Einzelheiten sind ein Thema für sich und stehen nicht in diesem Beitrag.

WAS IST AN IHREM FENSTER ÜBERHAUPT MÖGLICH?Eigentümer, oder der Vermieter stimmt zu?jaDie Eigentümergemeinschaft hat zugestimmt?jaKein Denkmalschutz, keine Gestaltungssatzung?jaPlatz für Rollladen, Raffstore oder Screen?jaAußen möglich: Fc 0,25 bis 0,35144 bis 168 Watt je Quadratmeter Fenster, und ein Zuschuss ist möglich.einmal nein?Nur innen möglichFc 0,65 bis 0,90,also 312 bis 432Watt jeQuadratmeterFenster. Hell undhochreflektierendstatt dunkel bringtrund 120 Watt jeQuadratmeter. Mehrist innenphysikalisch nichtdrin. Rechnen Siedie Anlageentsprechendgrößer.
Die erste Frage ist keine technische. Wer die Kette bis unten durchläuft, rechnet mit Fc 0,25 bis 0,35 und kommt mit einem kleineren Gerät aus. Wer irgendwo hängen bleibt, rechnet mit Fc 0,65 bis 0,90 und muss entsprechend größer wählen. Diese vier Fragen gehören deshalb vor das erste Angebot, nicht hinter die Bestellung. Je nach Fall geht es um 144 bis 288 Watt je Quadratmeter Fenster.

Ist außen möglich, gibt es mehr Wege als den klassischen Rollladen. Ist ein Rollladenkasten vorhanden, lässt sich oft nur der Panzer tauschen. Fehlt er, kommen Vorbaurollladen, Raffstore, Zip-Screen, Senkrechtmarkise oder Fenstermarkise in Frage. Alle liegen nach der Norm zwischen Fc 0,25 und 0,35.

Bleibt nur innen, ist der einzige verbliebene Hebel die Oberfläche. Weiß und hochreflektierend erreicht Fc 0,65, helle Farben 0,75, dunkle 0,90. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Innenrollo liegen an unserem Beispielfenster 120 Watt je Quadratmeter, also 360 Watt bei drei Quadratmetern. Das ist nicht nichts, aber es ist weniger als die Hälfte dessen, was ein einfacher Rollladen außen bringt. Mehr ist innen physikalisch nicht drin, und die Anlage muss entsprechend größer gerechnet werden.

Was Gesetz und Förderung dazu sagen

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG, als Nachfolger des GEG. Das amtliche Infoportal des Bundes schreibt: „Der Nachweis des ‚sommerlichen Wärmeschutzes‘ erfolgt gemäß § 20 GModG unabhängig stets nach DIN V 4108-2: 2013-02.“ Der Nachweis kann entfallen, und dazu heißt es dort wörtlich: „Für Wohngebäude ist dies der Fall, wenn beim kritischen Raum der Fensterflächenanteil bezogen auf die Grundfläche dieses Raums nicht mehr als 35 % beträgt und sämtliche Fenster in Ost-, Süd- oder Westorientierung mit außenliegenden Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor FC ≤ 0,30 ausgestattet sind.“

Das ist die einzige Stelle, an der der Fc-Wert Rechtsfolgen hat, und sie erklärt, warum 0,30 überall als Schwelle auftaucht. Wichtig für die meisten Leser: Unter dem GEG war der sommerliche Wärmeschutz eine Anforderung an Neubauten und Erweiterungen, keine Nachrüstpflicht im Bestand. Ob das unter dem GModG unverändert gilt, konnten wir nicht gegenprüfen; dazu gleich mehr.

Zwei offene Punkte, die wir nicht glätten Erstens widersprechen sich die Quellen bei der Paragrafennummer. Das amtliche Portal nennt § 20 GModG mit der Normausgabe 2013-02. Die Bundestagsdrucksache 21/6278 vom 8. Juni 2026 führt denselben Gegenstand unter § 14 und verweist auf die Ausgabe DIN 4108-2:2026-05; Gebäude mit Kühlanlagen dürfen dort alternativ nach einem eigenen Abschnitt rechnen. Zwei Ingenieurbüros nennen den 1. Januar 2027 als Beginn der neuen Normausgabe. Was in dieser Ausgabe steht, liegt uns nicht vor. Alle Fc-Werte in diesem Beitrag stammen aus der Ausgabe 2013-02. Zweitens ist die Aussage, dass es sich um eine reine Neubauanforderung handelt, für den GEG-Stand belegt, für das GModG aber nicht gegengeprüft. Wer baut oder umfassend saniert, sollte das am geltenden Gesetzestext prüfen lassen.

Gefördert wird der Einbau über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Das BAFA führt als Fördergegenstand wörtlich den „Sommerlichen Wärmeschutz durch Ersatz oder erstmaligen Einbau von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen mit optimierter Tageslichtversorgung“ und nennt einen Grundfördersatz von 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Wie die BEG seit dem 21. Juli 2026 insgesamt aussieht, steht im Beitrag zur Förderung von Klimaanlagen und Wärmepumpen.

Vor dem Kauf prüfen lassen Eine Sekundärquelle nennt zwei Bedingungen, die auf der BAFA-Übersichtsseite nicht ausgewiesen sind: automatische, strahlungsabhängige Steuerung und außenliegende Montage. Träfe das zu, wäre ein von Hand bedienter Rollladen nicht förderfähig. Das ist ein sehr praktisches Detail, das wir nicht bestätigen konnten. Dieselbe Quelle nennt eine Aufstockung auf 20 Prozent mit individuellem Sanierungsfahrplan, seit dem 21. Juli 2026 aber nur ab 30.000 Euro förderfähigem Investitionsvolumen. Auch das steht so nicht auf der BAFA-Seite. Lassen Sie beides vom Energieberater am aktuellen Merkblatt prüfen, bevor Sie beauftragen.

Zu den Kosten gibt es keine belastbare Quelle. In einem Bauforum werden 600 bis 650 Euro je Dachfenster einschließlich Montage genannt, innenliegende Hitzeschutzmarkisen mit 85 bis 160 Euro. Diese Angaben stammen allerdings aus den Jahren 2012 und 2013. Eine Ratgeberseite nennt für 2026 Rollläden mit 700 bis 1.500 Euro und Raffstores mit 350 bis 1.200 Euro, ohne prüfbare Quelle und ohne ihr Geschäftsmodell offenzulegen. Wir geben diese Zahlen mit dieser Einschränkung weiter und empfehlen zwei Angebote statt einer Internetzahl.

Häufige Fragen

Ja, und der Unterschied ist groß. Nach der Tabelle der DIN 4108-2 liegt ein außenliegender Raffstore bei einem Abminderungsfaktor von 0,30, ein helles Rollo innen bei 0,75. An einem Westfenster von drei Quadratmetern mit Zweifachglas sind das 432 gegenüber 1.080 Watt. Der Grund ist nicht die Dichte des Materials, sondern der Ort: Was innen warm wird, gibt seine Wärme im Raum ab und kommt durch die Scheibe nicht mehr hinaus.
Nach DIN 4108-2 rund 65 Prozent bei Zweifachverglasung und 70 Prozent bei Dreifachverglasung, gerechnet mit einem zu drei Vierteln geschlossenen Panzer. Hersteller nennen für den ganz geschlossenen Zustand 0,15 bis 0,30, also 70 bis 85 Prozent. Beide Angaben sind richtig und beschreiben verschiedene Zustände. Für die eigene Rechnung ist der Normwert der sichere, weil er weniger verspricht.
In manchen Räumen ja. In einer belegten Kühllastrechnung fällt die Last eines Büroraums von 1.814 auf 787 Watt, sobald außen eine Markise hängt. Das liegt unter der kleinsten üblichen Gerätegröße. Sonnenschutz nimmt aber nur den solaren Anteil weg. Gegen Personen, Geräte, Luftfeuchte und warme Nächte hilft er nicht. Rechnen Sie den Raum einmal mit Verschattung durch, bevor Sie ein Gerät bestellen.
Das lässt sich mit belastbaren Zahlen nicht beantworten. In Tabelle 7 der DIN 4108-2 haben Folien keine eigene Zeile, und ein Normwert liegt uns nicht vor. Im Netz kursieren Prozentangaben, die sich auf keine prüfbare Quelle zurückführen lassen. Sicher ist nur die Physik: Eine Folie sitzt auf oder hinter der Scheibe und wirkt damit als innenliegende Lösung, nicht als außenliegende.
Innen bleibt als einziger Hebel die Oberfläche. Weiß und hochreflektierend erreicht einen Abminderungsfaktor von 0,65, helle Farben 0,75, dunkle 0,90. An einem Fenster von drei Quadratmetern liegen zwischen der besten und der schlechtesten Variante rund 360 Watt. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was ein einfacher Rollladen außen bringt, und die Klimaanlage muss entsprechend größer gerechnet werden.
Die Norm rechnet ausdrücklich mit einem zu drei Vierteln geschlossenen Panzer und kommt damit auf 0,35 bei Zweifachverglasung. Ganz geschlossen messen Hersteller bis 0,15. Der entscheidende Punkt ist nicht die Dunkelheit, sondern ob der Sonnenstrahl die Glasfläche erreicht. Ein Raffstore mit Lamellen auf 45 Grad erreicht 0,30 und lässt dabei noch Licht und Sicht nach draußen.
Bei einem geschlossenen Rollladen ja, bei Raffstore, Screen und Senkrechtmarkise nicht zwingend. Drehbare Lamellen lenken das Licht an die Decke, Textilscreens sind halbtransparent. Die Förderbeschreibung des BAFA nennt genau das als Bedingung: außenliegende Sonnenschutzeinrichtungen „mit optimierter Tageslichtversorgung“. Nutzer berichten allerdings auch, dass Raffstores im Sommer keine echte Verdunkelung liefern.
Oliver Takens
Wer das geschrieben hat

Oliver Takens

Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.

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Und wie groß muss das Gerät dann sein?

Der Kühllastrechner nimmt Fensterfläche, Himmelsrichtung und Verschattung auf und gibt eine Gerätegröße aus, statt mit Watt je Quadratmeter Boden zu pauschalieren.

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Stand: 25. August 2026 · Quellen: Amtliches GEG- und GModG-Infoportal des Bundes, § 20 GModG · Bundestagsdrucksache 21/6278 vom 08.06.2026 · DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 7, wiedergegeben im Planungshandbuch Kalksandstein Kap. 11 (01/2018) · Umweltbundesamt, Umwelttipps gegen Hitze, Stand 23.06.2026 · Science Media Center, 18.06.2026, Prof. Dr. Dirk Müller, RWTH Aachen · Georg Hewelt, TGA Fachplaner 7-2006, S. 46 f., Kühllastrechnung nach VDI 2078 · ES-SO Handbuch, Ausgabe 2 DE 2015 · ift Rosenheim, klima-sicher-bauen.de · BAFA, BEG EM Gebäudehülle, Merkblatt Juli 2026 · DGUV Information 215-444 · Herstellerangaben K-LINE, OKNOPLAST, rollos.info, textilscreens.de · Forenbeiträge auf klimaanlagen24.net, akkudoktor.net, bauexpertenforum.de und energiesparhaus.at