Außenliegender Sonnenschutz und die Kühllast am Fenster
Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 12 Minuten
Kurz zusammengefasst
Ein Sonnenschutz vor der Scheibe hält die Wärme draußen, ein Rollo dahinter lässt sie herein und fängt sie erst dann ab. An einem Westfenster von drei Quadratmetern sind das 432 gegenüber 1.080 Watt, also 648 Watt Unterschied an einem einzigen Fenster. Zwei solche Fenster verschieben die Auslegung um mehr als eine Gerätegröße, und gut verschattete Räume fallen unter die kleinste lieferbare Anlage. Die Fc-Werte stammen aus Tabelle 7 der DIN 4108-2:2013-02, der Rechenweg steht weiter unten.
Die kurze Antwort
Außen wirkt, innen kaum. Ein Sonnenschutz vor der Scheibe fängt die Sonne ab,
bevor sie zu Wärme im Raum wird. Ein Rollo hinter der Scheibe fängt sie ab, wenn sie
schon drin ist. Das sind zwei verschiedene physikalische Vorgänge, und der Unterschied
ist groß genug, um über die Größe der Klimaanlage zu entscheiden.
Für ein Westfenster von drei Quadratmetern mit Zweifach-Wärmeschutzglas heißt das
gerechnet: ohne Sonnenschutz kommen im ungünstigsten Moment rund 1.440 Watt durch die
Scheibe, mit einem hellen Rollo innen 1.080 Watt, mit einem Raffstore außen
432 Watt. Der Unterschied zwischen innen und außen beträgt an diesem einen Fenster
648 Watt. Bei zwei solchen Fenstern im selben Raum sind Sie bei einer anderen
Gerätegröße.
Kurz gesagt
Die Reihenfolge lautet: erst verschatten, dann rechnen, dann kaufen. Wer umgekehrt
vorgeht, kauft ein Gerät für eine Kühllast, die es gar nicht geben müsste. Und ein zu
groß gewähltes Gerät läuft nicht besser, sondern schlechter, weil es
taktet statt durchzulaufen.
Wo die Wärme entsteht, draußen oder im Raum
Sonnenlicht ist kurzwellige Strahlung. Für die ist Fensterglas fast durchsichtig. Das
ist der Sinn eines Fensters. Sobald diese Strahlung auf eine Fläche trifft, wird sie zu
Wärme und danach als langwellige Wärmestrahlung wieder abgegeben. Für langwellige
Strahlung ist dieselbe Scheibe fast undurchlässig.
Daraus folgt alles Weitere. Ein Rollo, das innen hängt, wird von der Sonne getroffen,
die schon durch das Glas gekommen ist. Es wird warm, und diese Wärme steht im Raum. Sie
kann durch die Scheibe nicht mehr zurück. Ein Raffstore, der außen hängt, wird ebenfalls
warm, aber im Freien, wo die Luft an ihm vorbeistreicht und die Wärme abtransportiert.
Es geht nicht ums Abdunkeln, sondern darum, wo die Wärme entsteht. Sonnenlicht ist kurzwellig und geht durch Glas. Trifft es auf eine Fläche, wird daraus langwellige Wärmestrahlung. Für die ist dieselbe Scheibe fast undurchlässig. Ein Rollo innen fängt die Sonne deshalb erst ab, wenn sie schon im Raum ist. Beide Bilder zeigen dasselbe Fenster und dieselbe Sonne, nur an zwei verschiedenen Orten geschützt.
Deshalb ist die verbreitete Vorstellung, es komme auf das Abdunkeln an, falsch. Ein
dichtes schwarzes Rollo verdunkelt hervorragend und lässt trotzdem neun Zehntel der
Wärme im Raum. Ein heller Raffstore außen lässt Licht durch und hält trotzdem sieben
Zehntel der Wärme ab.
Drei Prozentzahlen, drei Bezugsgrößen
Das Umweltbundesamt schreibt, außenliegender Sonnenschutz solle „80 bis 90 Prozent der
Sonneneinstrahlung abhalten“, innenliegende Rollos hielten „nur 5 bis 45 Prozent“ ab.
Professor Dirk Müller von der RWTH Aachen beziffert die Reduktion des sommerlichen
Wärmeeintrags auf „60 bis 80 Prozent“. Der Hersteller WAREMA gibt über einen
Zeitungsratgeber an, mit außenliegendem Schutz gelangten nur 5 Prozent in den Raum.
Die Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen Verschiedenes: Die 80 bis 90 Prozent
beziehen sich auf den Fc-Wert, also auf die Vorrichtung allein. Die 5 Prozent beziehen
sich auf gtot, also auf Vorrichtung und Glas zusammen. Und 60 bis 80 Prozent ist eine
realistische Spanne über verschiedene Bauarten hinweg.
Zwei Werte, die alles bestimmen: g und Fc
Der g-Wert gehört zum Glas. Er heißt Gesamtenergiedurchlassgrad und sagt, welcher
Anteil der auftreffenden Sonnenenergie als Wärme im Raum ankommt. Er hat keine Einheit;
0,60 bedeutet, dass 60 Prozent durchkommen. Nach EN 410 liegt Einfachverglasung bei 0,75
bis 0,87, Zweifach-Wärmeschutzglas bei 0,52 bis 0,65, Dreifach-Wärmeschutzglas bei 0,38
bis 0,55 und Sonnenschutzglas bei 0,25 bis 0,50. Diese Bandbreiten stammen von einem
Fensterhersteller; die DGUV nennt für Isolierverglasung rund 0,75 und für
Sonnenschutzverglasung 0,33. Ihr eigener Wert steht im Datenblatt Ihrer Fenster.
Der Fc-Wert gehört zum Sonnenschutz. Er heißt Abminderungsfaktor und sagt, welcher
Anteil nach der Vorrichtung übrig bleibt. Fc 0,30 heißt: 70 Prozent sind weg. Beide Werte
werden einfach multipliziert, und das Ergebnis heißt gtot:
Die ganze Formel
gtot = g × Fc. Ein Zweifachglas mit g 0,60 und ein Raffstore außen mit Fc 0,30 ergeben
gtot 0,18. Von der Sonne, die auf das Fenster fällt, kommen also 18 Prozent als Wärme im
Raum an. Mit einem hellen Rollo innen (Fc 0,75) sind es 45 Prozent.
Die Fc-Werte für den Nachweis stehen in Tabelle 7 der DIN 4108-2:2013-02. Sie ist der
Kern dieses Beitrags, und keine der geprüften Seiten zeigt sie vollständig: Meist fehlen
die Verglasungsspalten.
Sonnenschutzvorrichtung
Zweifachverglasung
Dreifachverglasung
Sonnenschutzglas, g ≤ 0,40
Ohne Sonnenschutzvorrichtung
1,00
1,00
1,00
Innen oder zwischen den Scheiben, weiß oder hoch reflektierend, geringe Transparenz
0,65
0,70
0,65
Innen, helle Farben oder geringe Transparenz
0,75
0,80
0,75
Innen, dunkle Farben oder höhere Transparenz
0,90
0,90
0,85
Außen, Fensterläden und Rollläden, ¾ geschlossen
0,35
0,30
0,30
Außen, Jalousie und Raffstore, drehbare Lamellen auf 45°
Tabelle 7 der DIN 4108-2:2013-02, wiedergegeben als Tafel 2 im
Planungshandbuch Kalksandstein, Kapitel 11, Stand 01/2018. Uns lag diese Wiedergabe vor,
nicht die Norm selbst.
Eine Zeile in dieser Tabelle wird regelmäßig übersehen. Bei innenliegendem Schutz ist
der Wert für Dreifachverglasung schlechter als für Zweifachverglasung: 0,70 statt
0,65. Bei außenliegendem Schutz ist es umgekehrt: 0,30 statt 0,35. Das ist kein
Druckfehler. Innenliegende Systeme erzeugen die Wärme bereits im Raum, und die besser
dämmende Dreifachscheibe lässt sie schlechter wieder hinaus. Wer sich neue Dreifachfenster
einbauen lässt und dann innen ein Rollo aufhängt, bekommt weniger, als er erwartet.
Was in der Tabelle nicht vorkommt
Vorhänge und Sonnenschutzfolien haben in Tabelle 7 keine eigene Zeile. Ein heller,
blickdichter Vorhang fällt fachlich unter „innenliegend, helle Farben oder geringe
Transparenz“ und damit unter 0,75, ein dunkler unter 0,90. Das ist eine Einordnung,
kein Normzitat. Für Sonnenschutzfolien liegt uns überhaupt kein Normwert vor. Es
kursieren Prozentangaben, aber keine, die sich auf eine Tabelle zurückführen ließe.
Warum Sie für denselben Rollladen drei Zahlen finden
Wer nach dem Fc-Wert eines Rollladens sucht, findet 0,10, 0,15, 0,30 und 0,35. Das ist
ein Unterschied um den Faktor dreieinhalb, und keine der Seiten erklärt ihn. Die Erklärung
ist einfach und macht die Zahlen wieder brauchbar.
Verschiedene Zustände, nicht verschiedene Wahrheiten. Die Norm rechnet mit einem Rollladen, der nur zu drei Vierteln unten ist, weil sie einen Nachweis tragen muss, der auch im ungünstigen Fall hält. Der Herstellerwert gilt für den vollständig geschlossenen Panzer im Prüfstand. Beide Zahlen sind richtig. Für die eigene Rechnung ist der Normwert der sichere: Er verspricht weniger.
Die DIN 4108-2 gibt pauschale Anhaltswerte für den Nachweis. Sie sind bewusst
vorsichtig gewählt, und in der Zeile steht ausdrücklich „¾ geschlossen“. Die Norm rechnet
also gar nicht mit einem ganz heruntergelassenen Panzer. Herstellerwerte sind
geprüfte Produktwerte nach DIN EN 14501, gemessen am vollständig geschlossenen
Produkt vor einer festgelegten Referenzverglasung mit Ug 1,2 W/m²K und g 0,59. Beide
Zahlen sind richtig, sie beschreiben verschiedene Zustände.
Für die eigene Auslegung nehmen Sie den Normwert. Er verspricht weniger, und wenn Sie
die Anlage danach dimensionieren, sind Sie auf der sicheren Seite. Ein Angebot mit
Fc 0,10 ist deshalb nicht unseriös: Es beschreibt nur den Idealfall.
Eine offene Frage, die hier nicht gelöst wird
Auch das Rechenverfahren selbst ist nicht eindeutig. Das Handbuch der europäischen
Sonnenschutzvereinigung stellt für denselben außenliegenden Raffstore gtot 0,16 nach
EN 13363-1 gegen 0,05 bis 0,09 nach EN 13363-2. Für dieselbe Innenjalousie stehen 0,50 bis
0,53 gegen 0,38 bis 0,54. Die Wahl des Verfahrens ändert das Ergebnis um den Faktor zwei
bis drei. Diese Normenreihe ist inzwischen in DIN EN ISO 52022-1 und -3 aufgegangen; wie
sich die beiden Verfahren dort zueinander verhalten, ließ sich ohne die Normtexte nicht
klären. Kein einziges Suchergebnis erwähnt überhaupt, dass es zwei Verfahren gibt.
So rechnen Sie es für Ihr Fenster aus
Vier Zahlen genügen: die Glasfläche, die Bestrahlungsstärke der Himmelsrichtung, der
g-Wert der Verglasung und der Fc-Wert des Sonnenschutzes. Multipliziert ergeben sie den
Wärmeeintrag durch dieses Fenster in Watt.
Vier Zahlen, eine Multiplikation. Diese Rechnung steht auf keiner der zwölf geprüften Seiten. Die Auslegungsseiten rechnen mit Watt je Quadratmeter Bodenfläche, in denen das Fenster gar nicht vorkommt; die Sonnenschutzseiten rechnen in Prozent, in denen das Watt nicht vorkommt.
Süd ist im Sommer nicht das Problem, West ist es
Für die zweite Zahl brauchen Sie die Himmelsrichtung. Das Handbuch der europäischen
Sonnenschutzvereinigung zeigt für 50 Grad nördlicher Breite bei wolkenlosem Himmel: Ost-
und Westfassade bekommen jeweils rund 800 bis 1.000 Watt je Quadratmeter ab, die
Südfassade im Sommer nur 600 bis 800. Im Winter dreht sich das um, dann liegt Süd bei rund
1.000. Der Grund ist der Sonnenstand: Im Hochsommer steht die Sonne mittags so steil, dass
sie eine senkrechte Südwand nur streift, während sie am Nachmittag flach auf die Westwand
trifft.
Damit ist im Sommer das Westzimmer der Problemraum, nicht das Südzimmer. Diese
Umkehrung erwähnt in der gesamten geprüften Konkurrenz genau eine quellenlose
Affiliate-Seite. Wie sich der Wärmeeintrag je Himmelsrichtung und Fenstergröße im Einzelnen
verhält, steht im Beitrag dazu, wie stark die
Fensterfläche die Kühllast treibt.
Woher diese Zahlen stammen, und was daran schwach ist
Eine amtliche deutsche Quelle mit Momentanwerten der Bestrahlungsstärke auf senkrechte
Flächen je Himmelsrichtung haben wir nicht gefunden. Der Deutsche Wetterdienst
veröffentlicht Global-, Diffus- und Direktstrahlung als Monats- und Jahressummen auf die
Waagerechte. Der beste verfügbare Beleg für Fassadenwerte ist das ES-SO-Handbuch von 2015,
herausgegeben vom europäischen Branchenverband der Sonnenschutzhersteller, also von
einer interessengeleiteten Seite. Wir rechnen deshalb mit 800 W/m², dem unteren Ende der
angegebenen Spanne.
Der Sprung liegt nicht zwischen hell und dunkel, sondern zwischen innen und außen. Zwischen dem besten innenliegenden Rollo und dem einfachsten außenliegenden Rollladen liegen 144 Watt je Quadratmeter. Zwischen dem dunklen und dem weißen Rollo innen nur 120. Bemerkenswert ist die fünfte Zeile: Ein Vordach hängt zwar draußen, aber nicht vor der Scheibe. Deshalb liegt es kaum besser als ein weißes Rollo im Raum.
Mit Dreifachverglasung fallen alle Werte niedriger aus, weil der g-Wert kleiner ist. Bei
g 0,50 sind es ohne Schutz 400 Watt je Quadratmeter, mit außenliegendem Rollladen (Fc 0,30)
noch 120 und mit außenliegendem Raffstore (Fc 0,25) noch 100. Innen kehrt sich der Vorteil
wie beschrieben teilweise um: Ein weißes Rollo kommt auf Fc 0,70 und damit auf 280 Watt je
Quadratmeter.
Der verbreitete Irrtum
Diese Multiplikation ist nicht die Kühllast. Sie ergibt die Leistung, die in diesem
Moment durch die Scheibe kommt. Die Kühllast eines Raums ist kleiner und kommt verzögert
an, weil Wände, Estrich und Möbel einen Teil zwischenspeichern und später abgeben. Genau
dafür gibt es die VDI 2078:2015-06. Wer die einfache Multiplikation direkt als Gerätegröße
nimmt, legt zu groß aus, und
Faustformeln je Quadratmeter Bodenfläche kennen
den Sonnenschutz umgekehrt gar nicht.
Wie viel kleiner das Gerät wird, und wann es ganz entfällt
Um von der Strahlungslast auf die Kühllast zu kommen, hilft ein belegtes Beispiel. Die
Fachzeitschrift TGA Fachplaner hat 2006 eine vollständige Kühllastrechnung nach VDI 2078
veröffentlicht, einmal ohne und einmal mit außenliegendem Sonnenschutz.
Die einzige vollständig dokumentierte Kühllastrechnung mit und ohne Sonnenschutz, die sich finden ließ. Sie ist zwanzig Jahre alt, gilt einem Büroraum und bezieht sich auf die damalige Fassung der VDI 2078. Trotzdem ist sie der Realitätsanker dieses Beitrags: In dem Raum bleiben eine Person, ein Rechner mit Drucker und die Beleuchtung unverändert; nur der Anteil des Fensters schrumpft, und der allein macht 1.027 Watt aus.
Der Raum ist ein Büro von 3 × 5 Metern mit einem Südfenster von 2,8 × 1,8 Metern,
Standort Frankfurt, darin eine Person, ein Rechner mit Drucker mit 250 Watt und
Beleuchtung mit 10 Watt je Quadratmeter. Ohne Sonnenschutz beträgt die Kühllast 1.814
Watt, mit einer ganztägig geschlossenen, oben und seitlich belüfteten Stoffmarkise außen
787 Watt. Der Unterschied sind 1.027 Watt oder 56,6 Prozent, bezogen auf die
Fensterfläche von 5,04 Quadratmetern also 204 Watt je Quadratmeter.
Dieser Wert ist der ehrliche Vergleich zu unserer eigenen Rechnung. Die einfache
Multiplikation liefert für den Sprung von „ohne Schutz“ auf „außen“ 336 Watt je
Quadratmeter Fenster, die VDI-Rechnung 204. Ein Teil des Unterschieds ist die Dämpfung
durch die Speichermasse, ein Teil geht darauf zurück, dass die beiden Fälle nicht
identisch sind: Süd gegen West, Stoffmarkise gegen Raffstore. Als Größenordnung heißt
das: Rechnen Sie mit rund 60 Prozent dessen, was die Multiplikation ergibt.
Für die Gerätegröße sind das klare Verhältnisse. Bei zwei Westfenstern von je drei
Quadratmetern beträgt der Unterschied zwischen innenliegendem hellem Rollo und
außenliegendem Raffstore rund 1,3 Kilowatt, mehr als der Abstand zwischen den beiden
gängigsten Baugrößen 2,5 und 3,5 Kilowatt. Im Beispiel oben fällt die Kühllast von 1.814
auf 787 Watt: Der erste Wert verlangt ein Gerät der 2,0-kW-Klasse, der zweite liegt
unter der kleinsten üblichen Baugröße. Das kleinste lieferbare Innengerät wäre für
diesen Raum dann bereits zu groß.
Der Punkt, um den es hier eigentlich geht
Wenn ein Raum nach guter Verschattung unter der kleinsten sinnvollen Gerätegröße liegt,
ist die richtige Antwort keine kleinere Klimaanlage, sondern gar keine. In einem Forum
berichtet ein Nutzer, sein ungeschützter Raum habe bei 36 Grad Außentemperatur 33,1 Grad
erreicht, der baugleiche mit außenliegendem Raffstore 26,4 Grad. Das sind knapp 7 Kelvin
Unterschied. Das Umweltbundesamt empfiehlt, einen Raum um 3 bis 4 Grad unter die
Außentemperatur zu kühlen und dabei nicht unter 26 Grad zu gehen. Der verschattete Raum
lag also bereits dort, wo eine vernünftig eingestellte Anlage hinwollte.
Diese Forenzahlen gehören mit ihrer Reichweite genannt: Der Thread hat fünf Beiträge
und fünfzig Aufrufe, das Forum weist selbst aus, dass es Affiliate-Angebote enthält, und
es sind Nutzerberichte, keine Messstudie. Ein zweiter Nutzer im selben Thread nennt 31
Grad ohne und 25 bis 26 Grad mit Beschattung. In den deutschsprachigen Foren ist das
alles, was an Zahlen zu finden war: Die Frage „wie viel Kühllast spart mein Rollladen“
wird oft gestellt und nirgends beantwortet.
Und genauso ehrlich gehört die Gegenseite dazu. Sonnenschutz nimmt nur den solaren
Anteil weg. Er tut nichts gegen Personen, Rechner, Backofen und Beleuchtung, nichts gegen
Wärme, die tagsüber durch ungedämmte Bauteile nachströmt, nichts gegen eine Nacht, die in
der Innenstadt nicht mehr abkühlt, und nichts gegen Luftfeuchte. Wo diese Anteile den Ton
angeben, ist ein Gerät die richtige Antwort. Dann sollte es
sauber ausgelegt sein. Unter einem
ungedämmten Dach kommt die Wärme ohnehin
zusätzlich von oben, da reicht der Sonnenschutz
am Fenster allein selten.
Wenn außen nichts geht
Nicht jeder darf an seine Fassade. Außenliegender Sonnenschutz wird dort montiert, und
die Fassade gehört in der Mietwohnung nicht dem Mieter und in der Eigentumswohnung nicht
dem einzelnen Eigentümer, sondern der Gemeinschaft. Dazu kommen Denkmalschutz und örtliche
Gestaltungssatzungen. Die rechtlichen Einzelheiten sind ein Thema für sich und stehen
nicht in diesem Beitrag.
Die erste Frage ist keine technische. Wer die Kette bis unten durchläuft, rechnet mit Fc 0,25 bis 0,35 und kommt mit einem kleineren Gerät aus. Wer irgendwo hängen bleibt, rechnet mit Fc 0,65 bis 0,90 und muss entsprechend größer wählen. Diese vier Fragen gehören deshalb vor das erste Angebot, nicht hinter die Bestellung. Je nach Fall geht es um 144 bis 288 Watt je Quadratmeter Fenster.
Ist außen möglich, gibt es mehr Wege als den klassischen Rollladen. Ist ein
Rollladenkasten vorhanden, lässt sich oft nur der Panzer tauschen. Fehlt er, kommen
Vorbaurollladen, Raffstore, Zip-Screen, Senkrechtmarkise oder Fenstermarkise in Frage.
Alle liegen nach der Norm zwischen Fc 0,25 und 0,35.
Bleibt nur innen, ist der einzige verbliebene Hebel die Oberfläche. Weiß und
hochreflektierend erreicht Fc 0,65, helle Farben 0,75, dunkle 0,90. Zwischen dem besten
und dem schlechtesten Innenrollo liegen an unserem Beispielfenster 120 Watt je
Quadratmeter, also 360 Watt bei drei Quadratmetern. Das ist nicht nichts, aber es ist
weniger als die Hälfte dessen, was ein einfacher Rollladen außen bringt. Mehr ist innen
physikalisch nicht drin, und die Anlage muss entsprechend größer gerechnet werden.
Was Gesetz und Förderung dazu sagen
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, GModG, als Nachfolger des
GEG. Das amtliche Infoportal des Bundes schreibt: „Der Nachweis des ‚sommerlichen
Wärmeschutzes‘ erfolgt gemäß § 20 GModG unabhängig stets nach DIN V 4108-2: 2013-02.“
Der Nachweis kann entfallen, und dazu heißt es dort wörtlich: „Für Wohngebäude ist dies
der Fall, wenn beim kritischen Raum der Fensterflächenanteil bezogen auf die Grundfläche
dieses Raums nicht mehr als 35 % beträgt und sämtliche Fenster in Ost-, Süd- oder
Westorientierung mit außenliegenden Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor
FC ≤ 0,30 ausgestattet sind.“
Das ist die einzige Stelle, an der der Fc-Wert Rechtsfolgen hat, und sie erklärt, warum
0,30 überall als Schwelle auftaucht. Wichtig für die meisten Leser: Unter dem GEG war der
sommerliche Wärmeschutz eine Anforderung an Neubauten und Erweiterungen, keine
Nachrüstpflicht im Bestand. Ob das unter dem GModG unverändert gilt, konnten wir nicht
gegenprüfen; dazu gleich mehr.
Zwei offene Punkte, die wir nicht glätten
Erstens widersprechen sich die Quellen bei der Paragrafennummer. Das amtliche Portal nennt
§ 20 GModG mit der Normausgabe 2013-02. Die Bundestagsdrucksache 21/6278 vom 8. Juni 2026
führt denselben Gegenstand unter § 14 und verweist auf die Ausgabe DIN 4108-2:2026-05;
Gebäude mit Kühlanlagen dürfen dort alternativ nach einem eigenen Abschnitt rechnen. Zwei
Ingenieurbüros nennen den 1. Januar 2027 als Beginn der neuen Normausgabe. Was in dieser
Ausgabe steht, liegt uns nicht vor. Alle Fc-Werte in diesem Beitrag stammen aus der
Ausgabe 2013-02. Zweitens ist die Aussage, dass es sich um eine reine Neubauanforderung
handelt, für den GEG-Stand belegt, für das GModG aber nicht gegengeprüft. Wer baut oder
umfassend saniert, sollte das am geltenden Gesetzestext prüfen lassen.
Gefördert wird der Einbau über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Das BAFA
führt als Fördergegenstand wörtlich den „Sommerlichen Wärmeschutz durch Ersatz oder
erstmaligen Einbau von außenliegenden Sonnenschutzeinrichtungen mit optimierter
Tageslichtversorgung“ und nennt einen Grundfördersatz von 15 Prozent der
förderfähigen Ausgaben. Wie die BEG seit dem 21. Juli 2026 insgesamt aussieht, steht im
Beitrag zur Förderung von Klimaanlagen und
Wärmepumpen.
Vor dem Kauf prüfen lassen
Eine Sekundärquelle nennt zwei Bedingungen, die auf der BAFA-Übersichtsseite nicht
ausgewiesen sind: automatische, strahlungsabhängige Steuerung und außenliegende Montage.
Träfe das zu, wäre ein von Hand bedienter Rollladen nicht förderfähig. Das ist ein sehr
praktisches Detail, das wir nicht bestätigen konnten. Dieselbe Quelle nennt eine
Aufstockung auf 20 Prozent mit individuellem Sanierungsfahrplan, seit dem 21. Juli 2026
aber nur ab 30.000 Euro förderfähigem Investitionsvolumen. Auch das steht so nicht auf der
BAFA-Seite. Lassen Sie beides vom Energieberater am aktuellen Merkblatt prüfen, bevor Sie
beauftragen.
Zu den Kosten gibt es keine belastbare Quelle. In einem Bauforum werden 600 bis 650 Euro
je Dachfenster einschließlich Montage genannt, innenliegende Hitzeschutzmarkisen mit 85
bis 160 Euro. Diese Angaben stammen allerdings aus den Jahren 2012 und 2013. Eine
Ratgeberseite nennt für 2026 Rollläden mit 700 bis 1.500 Euro und Raffstores mit 350 bis
1.200 Euro, ohne prüfbare Quelle und ohne ihr Geschäftsmodell offenzulegen. Wir geben
diese Zahlen mit dieser Einschränkung weiter und empfehlen zwei Angebote statt einer
Internetzahl.
Häufige Fragen
Ja, und der Unterschied ist groß. Nach der Tabelle der DIN 4108-2 liegt ein außenliegender Raffstore bei einem Abminderungsfaktor von 0,30, ein helles Rollo innen bei 0,75. An einem Westfenster von drei Quadratmetern mit Zweifachglas sind das 432 gegenüber 1.080 Watt. Der Grund ist nicht die Dichte des Materials, sondern der Ort: Was innen warm wird, gibt seine Wärme im Raum ab und kommt durch die Scheibe nicht mehr hinaus.
Nach DIN 4108-2 rund 65 Prozent bei Zweifachverglasung und 70 Prozent bei Dreifachverglasung, gerechnet mit einem zu drei Vierteln geschlossenen Panzer. Hersteller nennen für den ganz geschlossenen Zustand 0,15 bis 0,30, also 70 bis 85 Prozent. Beide Angaben sind richtig und beschreiben verschiedene Zustände. Für die eigene Rechnung ist der Normwert der sichere, weil er weniger verspricht.
In manchen Räumen ja. In einer belegten Kühllastrechnung fällt die Last eines Büroraums von 1.814 auf 787 Watt, sobald außen eine Markise hängt. Das liegt unter der kleinsten üblichen Gerätegröße. Sonnenschutz nimmt aber nur den solaren Anteil weg. Gegen Personen, Geräte, Luftfeuchte und warme Nächte hilft er nicht. Rechnen Sie den Raum einmal mit Verschattung durch, bevor Sie ein Gerät bestellen.
Das lässt sich mit belastbaren Zahlen nicht beantworten. In Tabelle 7 der DIN 4108-2 haben Folien keine eigene Zeile, und ein Normwert liegt uns nicht vor. Im Netz kursieren Prozentangaben, die sich auf keine prüfbare Quelle zurückführen lassen. Sicher ist nur die Physik: Eine Folie sitzt auf oder hinter der Scheibe und wirkt damit als innenliegende Lösung, nicht als außenliegende.
Innen bleibt als einziger Hebel die Oberfläche. Weiß und hochreflektierend erreicht einen Abminderungsfaktor von 0,65, helle Farben 0,75, dunkle 0,90. An einem Fenster von drei Quadratmetern liegen zwischen der besten und der schlechtesten Variante rund 360 Watt. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was ein einfacher Rollladen außen bringt, und die Klimaanlage muss entsprechend größer gerechnet werden.
Die Norm rechnet ausdrücklich mit einem zu drei Vierteln geschlossenen Panzer und kommt damit auf 0,35 bei Zweifachverglasung. Ganz geschlossen messen Hersteller bis 0,15. Der entscheidende Punkt ist nicht die Dunkelheit, sondern ob der Sonnenstrahl die Glasfläche erreicht. Ein Raffstore mit Lamellen auf 45 Grad erreicht 0,30 und lässt dabei noch Licht und Sicht nach draußen.
Bei einem geschlossenen Rollladen ja, bei Raffstore, Screen und Senkrechtmarkise nicht zwingend. Drehbare Lamellen lenken das Licht an die Decke, Textilscreens sind halbtransparent. Die Förderbeschreibung des BAFA nennt genau das als Bedingung: außenliegende Sonnenschutzeinrichtungen „mit optimierter Tageslichtversorgung“. Nutzer berichten allerdings auch, dass Raffstores im Sommer keine echte Verdunkelung liefern.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.
Der Kühllastrechner nimmt Fensterfläche, Himmelsrichtung und Verschattung auf und gibt eine Gerätegröße aus, statt mit Watt je Quadratmeter Boden zu pauschalieren.
Stand: 25. August 2026 · Quellen: Amtliches GEG- und GModG-Infoportal des Bundes, § 20 GModG · Bundestagsdrucksache 21/6278 vom 08.06.2026 · DIN 4108-2:2013-02, Tabelle 7, wiedergegeben im Planungshandbuch Kalksandstein Kap. 11 (01/2018) · Umweltbundesamt, Umwelttipps gegen Hitze, Stand 23.06.2026 · Science Media Center, 18.06.2026, Prof. Dr. Dirk Müller, RWTH Aachen · Georg Hewelt, TGA Fachplaner 7-2006, S. 46 f., Kühllastrechnung nach VDI 2078 · ES-SO Handbuch, Ausgabe 2 DE 2015 · ift Rosenheim, klima-sicher-bauen.de · BAFA, BEG EM Gebäudehülle, Merkblatt Juli 2026 · DGUV Information 215-444 · Herstellerangaben K-LINE, OKNOPLAST, rollos.info, textilscreens.de · Forenbeiträge auf klimaanlagen24.net, akkudoktor.net, bauexpertenforum.de und energiesparhaus.at