Wie viel Kühllast bringt eine große Fensterfläche?
Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 12 Minuten
Kurz zusammengefasst
Ein Quadratmeter Fensterfläche bringt je nach Himmelsrichtung und Verglasung 35 bis 500 Watt in den Raum. Bei einer Glasfront von acht Quadratmetern sind das 70 bis 81 Prozent der gesamten Kühllast des Zimmers, während die Außenwand unter zwei Prozent liefert. Derselbe 20-Quadratmeter-Raum kommt einmal auf 886 und einmal auf 2.877 Watt, allein über Fensterfläche und Glasart. Der Zuschlag von 10 bis 30 Prozent, den die meisten Ratgeber dafür vorsehen, ist um den Faktor vier bis zehn zu klein.
Die kurze Antwort
Ein Quadratmeter Fensterfläche lässt im Sommer je nach Himmelsrichtung und Verglasung
zwischen 35 und 500 Watt in den Raum. Das ist keine Schätzung, sondern eine belegte
Tabelle, und sie steht weiter unten vollständig da. Für ein Westfenster mit dem heute
üblichen Wärmeschutzglas sind es 160 Watt je Quadratmeter.
Damit lässt sich rechnen. Acht Quadratmeter Glasfront nach Westen bringen 1.280 Watt
in den Raum. Zwei Quadratmeter bringen 320 Watt. Bei einem Zimmer von 20 Quadratmetern
macht das den Unterschied zwischen 886 und 1.837 Watt Gesamtkühllast, also
plus 107 Prozent, allein über die Fensterfläche.
Die im Netz übliche Antwort auf dieselbe Frage lautet: rechnen Sie 10 bis 30 Prozent
dazu. Das ist um den Faktor vier bis zehn zu klein.
Kurz gesagt
Bei einem Raum mit normalem Fenster ist die Fensterlast ein Posten unter vielen. Bei einem
Raum mit Glasfront ist sie 70 bis 81 Prozent der gesamten Kühllast. Wenn Ihr Zimmer eine
Glasfront hat, ist jede Faustformel, die nur nach der Quadratmeterzahl fragt, für Ihren
Fall unbrauchbar.
Das Fenster ist der größte Posten im Raum
Eine Kühllast setzt sich aus wenigen Posten zusammen: der Sonne, die durch die Fenster
kommt, den Menschen im Raum, den Geräten und dem Licht, und der Wärme, die durch Wand und
Dach nachströmt. Fast jede Ratgeberseite zählt diese vier gleichrangig auf. Gerechnet hat
das keine.
Für die folgende Rechnung ist ein Raum von 20 Quadratmetern angenommen, Westseite,
zwei Personen mit je 170 Watt bei sitzender Tätigkeit, 200 Watt für Geräte und
Beleuchtung, 20 Quadratmeter Außenwand mit einem U-Wert von 0,24 Watt je Quadratmeter und
Kelvin, draußen 32 Grad und drinnen 26 Grad. Verändert wird nur ein einziger Wert: das
Fenster.
Bei einer Glasfront kommen vier Fünftel der Kühllast durch die Scheibe. Drei Räume mit derselben Grundfläche, denselben Personen und denselben Geräten. Nur die Fenster unterscheiden sich, und schon liegt zwischen dem sparsamsten und dem durstigsten Raum der Faktor 3,2. Die Außenwand, um die sich die halbe Dämmdebatte dreht, liefert dabei 17 bis 26 Watt und ist im Bild kaum zu sehen.
Der Sprung von 886 auf 1.837 Watt entsteht durch nichts anderes als sechs zusätzliche
Quadratmeter Glas. Der Sprung auf 2.877 Watt kommt hinzu, wenn in dieser Front noch ein
altes Doppelfenster ohne Beschichtung sitzt. Zwischen dem ersten und dem letzten Raum
liegt der Faktor 3,2, bei identischer Größe und identischer Nutzung.
Bemerkenswert ist die Gegenrichtung: Die Außenwand steuert 17 bis 26 Watt bei, also
weniger als zwei Prozent. Der Fachanbieter ubakus formuliert die Größenordnung so: „Der
Wärmeeintrag durch direkte Sonneneinstrahlung ist ca. 200 bis 1000 Mal größer, als der
Wärmeeintrag durch eine gedämmte Wand.“ Wer im Sommer über Dämmung nachdenkt, während vor
ihm acht Quadratmeter unverschattetes Glas stehen, optimiert am falschen Ende.
Ein Maß, das Ihnen weiterhilft
Teilen Sie Ihre Fensterfläche durch die Grundfläche des Raums. Der Beispielraum mit
2 Quadratmetern Fenster kommt auf 10 Prozent, der mit der Glasfront auf 40 Prozent. Nach
DIN 4108-2 in der Fassung von 2013 entfällt der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes
erst unterhalb von 7 bis 15 Prozent, je nach Himmelsrichtung; mit Rollläden an Ost-, Süd-
und Westfenstern gilt eine Ausnahme bis 35 Prozent. Beide Werte stammen aus
Sekundärwiedergaben der Norm, der Normtext selbst lag für diesen Beitrag nicht vor.
Für Sie heißt das trotzdem etwas Konkretes: Wer über 30 Prozent liegt, ist bauphysikalisch
längst im Sonderfall, und die Faustformeln im Netz sind für den Normalfall gemacht.
Wie viel Watt je Quadratmeter Fenster ankommen
Jetzt die Zahlen, auf denen alles Weitere aufbaut. Sie stammen aus der Technischen
Regel Sonnenschutz des Fachverbands Rollladen und Sonnenschutz von April 2024, die dafür
das HEA-Verfahren in Anlehnung an VDI 2078 wiedergibt. Die Werte gelten für unverschattete
Fenster und je Quadratmeter Fensterfläche.
Das ist die Tabelle, die im deutschen Verbrauchernetz fehlt. Sie gilt für unverschattete Fenster und enthält den g-Wert der jeweiligen Verglasung bereits. Zwei Dinge fallen sofort auf: Der Unterschied zwischen den Himmelsrichtungen ist kleiner, als die meisten erwarten, der Unterschied zwischen den Glasarten dagegen riesig. Und das Dachfenster schlägt jede senkrechte Richtung.
Drei Dinge sind daran wichtig. Erstens: Die Spreizung zwischen den Himmelsrichtungen
ist geringer, als die meisten glauben. Süd liegt mit 165 Watt nur fünf Watt über West mit
160 und zehn über Ost mit 155. Wirklich harmlos ist einzig der Norden mit 35 Watt.
Zweitens: Die Spreizung zwischen den Glasarten ist gewaltig. Dasselbe Westfenster
bringt mit altem Doppelfenster 290 statt 160 Watt je Quadratmeter, also 81 Prozent mehr.
Wer wissen will, ob sein Zimmer ein Problem hat, muss die Scheibe kennen, nicht nur die
Himmelsrichtung.
Drittens: Das Dachfenster schlägt alles. 220 Watt je Quadratmeter mit Wärmeschutzglas,
500 Watt mit einer einzelnen Scheibe. Eine geneigte Scheibe steht der hohen Mittagssonne
viel direkter gegenüber als eine senkrechte, die von ihr nur gestreift wird. Mit welcher
Dachneigung die Tabelle rechnet, gibt die Quelle nicht an. Warum Dachgeschosswohnungen
deshalb ein eigener Fall sind, steht im
Beitrag zum Dachgeschoss. Dort wird dasselbe
Dachfenster in einer eigenen Rechnung zusätzlich über die Sonnengeometrie durchgerechnet,
und für den Mittag der Sommersonnenwende kommt dabei eine deutlich höhere Zahl heraus als
die 220 Watt hier. Der nächste Kasten stellt beide Zahlen nebeneinander.
Woher die Zahlen stammen
Die Tabelle gibt Auslegungswerte wieder, keine Messwerte eines bestimmten Tages. Sie
beschreibt den Fall, für den man eine Anlage auslegt. Was die Quelle nicht ausdrücklich
regelt, ist die Frage, ob der Rahmen zur Fensterfläche zählt. Rechnen Sie im Zweifel mit
dem Maß des Fensterflügels; der Rahmen lässt kein Sonnenlicht durch, und Sie rechnen damit
eher zu niedrig als zu hoch.
Zwei Zahlensysteme, die nicht dasselbe messen
Für den Wärmeeintrag eines Dachfensters nennen dieser und der verlinkte Beitrag zwei
verschiedene Zahlen, und sie
messen Verschiedenes.
220 Watt je Quadratmeter ist der Auslegungswert aus der Technischen Regel
Sonnenschutz des Fachverbands Rollladen und Sonnenschutz von April 2024, die dafür das
HEA-Verfahren in Anlehnung an VDI 2078 wiedergibt; er gilt für Zweifach-Wärmeschutzglas
und ein unverschattetes Fenster. Für ein senkrechtes Südfenster nennt dieselbe Tabelle
165 Watt, also das 1,3-Fache. Mit welcher Dachneigung und welchem g-Wert die Tabelle
rechnet, gibt die Quelle nicht an. Das ist die Tabelle oben.
Rund 419 Watt je Quadratmeter ist dagegen ein Spitzenwert aus eigener
Rechnung, mit offengelegten Annahmen: 45 Grad Dachneigung nach Süden, Mittag der
Sommersonnenwende auf 50 Grad nördlicher Breite, klarer Himmel; 650 Watt je Quadratmeter
angenommene Direktstrahlung mal dem Geometriefaktor 0,949 mal einem gtot von
0,68 nach VELUX-Datenblatt. Dieselbe Rechnung ergibt für das senkrechte Südfenster rund
174 Watt, daher das 2,4-Fache. Sie steht mit allen Zwischenschritten im
Beitrag zum Dachgeschoss.
Der Eingangswert von 650 Watt je Quadratmeter ist nicht belegt: Eine belastbare
Quelle für die Direktstrahlung bei klarem Himmel in Deutschland ließ sich in dieser
Recherche nicht finden.
Auf beiden Seiten gilt deshalb dieselbe Regel: Ausgelegt wird mit dem Auslegungswert
220, erklärt und verglichen wird mit dem Spitzenwert 419. Alle Rechnungen auf dieser
Seite arbeiten mit den Auslegungswerten.
So rechnen Sie die Last Ihres Fensters aus
Mit dieser Tabelle wird aus der Frage „wie viel mehr brauche ich?“ eine Multiplikation
mit drei Faktoren. Sie brauchen dafür kein Datenblatt und keine Software.
Drei Zahlen genügen, und zwei davon kennen Sie ohne Datenblatt. Genau diese Multiplikation kommt in keiner der sieben geprüften Ratgeberseiten vor. Eine einzige fragt überhaupt nach Fenstern, und die zählt sie in Stück: „die Fenster werden als Stückzahl gezählt, nicht als Fläche oder Prozentanteil.“ Ein bodentiefes Element und ein Kellerfenster sind dort dasselbe.
Ein Beispiel zum Mitrechnen: Wohnzimmer mit einer Fensterfront von 3,20 Meter Breite
und 2,50 Meter Höhe, also 8 Quadratmetern, nach Westen, Zweifach-Wärmeschutzglas, kein
Sonnenschutz. 8 mal 160 ergibt 1.280 Watt. Kommt ein außenliegender Rollladen dazu, den
Sie zu drei Vierteln schließen, sind es 8 mal 160 mal 0,30, also 384 Watt.
Zu dieser Fensterlast addieren Sie die übrigen Posten: rund 170 Watt je Person,
die tatsächliche Leistung der Geräte, die im Raum laufen, und die Wärme durch Außenwand
und Dach. Wie sich daraus die Größe des Geräts ergibt und welche Reserve sinnvoll ist,
steht bei
der vollständigen Kühllastberechnung
samt Rechner.
Eine offene Frage
Es gibt einen zweiten, längeren Rechenweg: Fensterfläche mal Bestrahlungsstärke mal
g-Wert. Für ihn fehlt der mittlere Faktor. Wie viele Watt je Quadratmeter im deutschen
Sommer tatsächlich auf ein senkrechtes Süd-, Ost- oder Westfenster treffen, ließ sich für
diesen Beitrag an keiner Primärquelle sichern: Die europäische Strahlungsdatenbank PVGIS
und die NASA-Datenbank POWER waren nicht erreichbar, DIN 4108-2, VDI 2078 und VDI 6007-3
sind kostenpflichtig. Die Werte, die im Netz dazu kursieren, stehen durchweg ohne Quelle
und widersprechen sich. Belegt ist nur die Obergrenze: Auf eine Fläche, die frontal zur
Sonne steht, treffen bis zu 1.000 Watt je Quadratmeter. Deshalb steht hier keine solche
Zahl. Der kurze Weg über die Tabelle kommt ohne sie aus.
Warum das Westfenster im Juli schlimmer ist als das Südfenster
„Südfenster sind das Problem“ ist der verbreitetste Satz zum Thema. Er ist nicht falsch,
aber er gilt nicht für den Hochsommer. Wer eine Wohnung nach Westen hat und sich fragt,
warum es ausgerechnet abends unerträglich wird, findet hier die Erklärung.
Ein Südfenster bekommt die Julisonne nie frontal, ein Westfenster abends fast. Am 21. Juli steht die Sonne mittags rund 60 Grad hoch. Der Strahl trifft ein senkrechtes Südfenster deshalb sehr schräg, höchstens mit 49 Prozent seiner Kraft. Auf ein Westfenster trifft die tiefe Abendsonne dagegen mit 93 Prozent. Im September dreht sich das um, weil die Sonne mittags nur noch 40 Grad hoch steht.
Der Grund ist Geometrie. Eine senkrechte Scheibe bekommt die volle Sonnenkraft nur,
wenn die Sonne genau davor steht. Am 21. Juli steht sie mittags rund 60 Grad hoch und
damit weit über einem Südfenster; der Strahl streift die Scheibe. Abends um 19 Uhr steht
sie nur noch gut 20 Grad hoch und genau im Westen. Ein Westfenster steht ihr dann fast
frontal gegenüber.
Im September dreht sich das um. Die Sonne erreicht mittags nur noch rund 40 Grad, und
das Südfenster kommt auf 75 statt 49 Prozent. Genau deshalb liegt in der Tabelle oben Süd
mit 165 Watt trotzdem knapp über West mit 160: Die Auslegungswerte beschreiben nicht den
Julinachmittag, sondern den ungünstigsten Fall über das Jahr, und der liegt für ein
Südfenster im September.
Der verbreitete Irrtum
Zwei rankende Ratgeber geben für dieselbe Frage gegenläufige Reihenfolgen an. Bei
raumluft-berater.de ist Süd mit 100 Watt je Quadratmeter der zweitschwächste Wert und
Ost/West mit 150 bis 250 der stärkste; bei rechner-portal.de ist Süd mit 230 Watt je
Fenster der stärkste und Ost/West mit 170 schwächer. Beide Seiten nennen keine Quelle.
Und beide meinen etwas Richtiges: Die erste beschreibt den Momentanwert im Hochsommer,
die zweite den Auslegungsfall über das Jahr. Keine der beiden sagt das dazu. Fachlich
bestätigt wird die Umkehrung von BauNetz Wissen: „Aufgrund der tiefen Sonnenstände der
sommerlichen Morgen- und Abendsonne weisen Ost- und Westfenster größere
Überhitzungsprobleme auf als Südfenster.“
Was der g-Wert bedeutet, und warum der U-Wert hier kaum zählt
Der g-Wert, ausgeschrieben Gesamtenergiedurchlassgrad, sagt, welcher Anteil der
Sonnenwärme durch die Scheibe kommt. Ein g-Wert von 0,60 heißt: 60 Prozent kommen an.
Er ist die Zahl, die den größten Einzelunterschied im ganzen Thema ausmacht, und in
keiner der sieben geprüften Ratgeberseiten steht er als Zahl.
Zwischen der schlechtesten und der besten Scheibe liegt der Faktor 3,5. Der g-Wert sagt, welcher Anteil der Sonnenwärme durch die Scheibe kommt. In den sieben geprüften Ratgeberseiten steht kein einziger dieser Werte als Zahl, obwohl er den größten Einzelunterschied im ganzen Thema ausmacht. Wer seinen eigenen Wert nicht kennt: Das Baujahr des Fensters führt in aller Regel zur richtigen Zeile.
Damit lässt sich auch der häufigste Irrtum auflösen. Dreifachverglasung dämmt besser
als Zweifachverglasung, das ist der U-Wert. Sie lässt aber auch weniger Sonne durch, das
ist der g-Wert: 0,50 statt 0,60. Im Sommer ist das ein Vorteil, im Winter ein Nachteil,
weil dieselbe Scheibe dann weniger kostenlose Sonnenwärme hereinlässt. Beides ist
dieselbe Eigenschaft, nur einmal willkommen und einmal nicht.
Was Dreifachverglasung nicht ist: ein Hitzeschutz. Ein Nutzer im Urbia-Forum
beschreibt zwei bodentiefe Südfenster mit Dreifachverglasung, bei denen es
selbst im Winter schnell 25 bis 27 Grad im Wohnraum wird. Bei einem g-Wert von 0,50
kommt eben immer noch die Hälfte an.
Der verbreitete Irrtum
„Neue Fenster helfen gegen die Sommerhitze.“ Beim Kühlen ist der U-Wert fast bedeutungslos.
An demselben 2-Quadratmeter-Westfenster mit Wärmeschutzglas stehen bei 32 Grad draußen und
26 Grad drinnen rund 320 Watt Sonnenstrahlung gegen rund 13 Watt nachströmende
Wärme, Faktor 24. Selbst bei alter Isolierverglasung mit einem U-Wert von 3,0 sind es
580 gegen 36 Watt, also immer noch Faktor 16. Ein Fenstertausch senkt vor allem die
Heizkosten. Gegen die Sommerhitze wirkt er nur über den g-Wert, und dafür braucht es
Sonnenschutzglas, nicht einfach eine dritte Scheibe.
Faustformel und gerechnete Last für denselben Raum
Die verbreitetste Auslegungsregel lautet 60 bis 100 Watt je Quadratmeter Grundfläche.
Für unseren 20-Quadratmeter-Raum ergibt das 1.200 bis 2.000 Watt. Diese Spanne gilt für
alle vier Varianten desselben Raums gleichermaßen, weil die Formel die Fenster gar nicht
abfragt.
Die Faustformel ist kein Schätzwert mit Toleranz, sie ist blind für den größten Posten. Vier Räume, gleiche Größe, gleiche Nutzung, gleiche Geräte. Zwischen dem sparsamsten und dem durstigsten liegen 1.991 Watt. Die Faustformel liefert für alle vier dieselbe Spanne und trifft damit genau einen davon.
Ein Raum liegt im Band, drei liegen daneben. Für den Raum mit kleinem Fenster schätzt
die Faustformel gut ein Drittel bis mehr als das Doppelte zu hoch. Wer danach kauft,
bekommt ein zu großes Gerät, und
warum ein deutlich zu großes Gerät auch keine Lösung
ist, ist ein eigenes Thema. Für den Raum mit alter Doppelverglasung schätzt sie
30 bis 58 Prozent zu niedrig, und dann passiert das, was passiert,
wenn die Anlage die Fensterlast nicht schafft.
Zur Gegenprobe: ein fremdes Rechenbeispiel
Ein Fachplaner hat 2006 in der Zeitschrift TGA Fachplaner einen Büroraum von 15
Quadratmetern mit einem Südfenster von gut 5 Quadratmetern durchgerechnet: 1.814 Watt
ohne Sonnenschutz, 787 Watt mit Sonnenschutz. Das sind 121 beziehungsweise 52 Watt je
Quadratmeter Grundfläche. Die Faustformel hätte für diesen Raum 900 bis 1.500 Watt gesagt
und damit in beiden Fällen danebengelegen. Der Fensterflächenanteil dieses Raums beträgt
34 Prozent.
Damit zu den Zuschlägen, die im Netz kursieren. Bosch nennt für „südliche
Fensterexposition beziehungsweise starke Sonneneinstrahlung“ genau 10 bis 20 Prozent.
tga-shop.de nennt 15 bis 25 Prozent für Südausrichtung und 20 bis 30 Prozent für große
Glasflächen. raumluft-berater.de nennt in einem einzigen Text fünf verschiedene Spannen
zwischen 10 und 40 Prozent. Gerechnet ergibt derselbe Raum mit 8 statt 2 Quadratmetern
Fenster plus 107 Prozent, mit altem Doppelfenster plus 225 Prozent.
Verbreiteter Irrtum
Auch die Gegenrichtung kommt vor. Blitzrechner.de, eine sehr starke Domain, nennt
„etwa 100 bis 150 BTU pro Quadratmeter“. Das sind 29 bis 44 Watt je Quadratmeter, also
weniger als die Hälfte der ohnehin schon groben Faustformel. Für unseren Raum mit
Glasfront wären das rund 600 bis 900 Watt statt der gerechneten 1.837.
Was wirklich hilft: außen abfangen statt innen abschatten
Die gute Nachricht an der ganzen Rechnung ist der dritte Faktor. Der Abminderungsfaktor
Fc sagt, wie viel von der Fensterlast nach dem Sonnenschutz übrig bleibt. Und er
unterscheidet sich zwischen außen und innen dramatisch.
Außen bleibt etwa ein Drittel dessen übrig, was innen übrig bleibt. Der Abminderungsfaktor eines außenliegenden Rollladens liegt bei 0,25 bis 0,35, der eines dunklen Innenrollos bei 0,85 bis 0,90. Für den Beispielraum heißt das: Der Rollladen nimmt ihm 896 Watt ab, das Innenrollo 160 Watt. Der Grund ist einfach: Was innen hängt, sitzt hinter der Scheibe. Die Wärme ist dann schon im Raum.
Ein außenliegender Rollladen, zu drei Vierteln geschlossen, hat einen Fc-Wert von 0,25
bis 0,35. Ein dunkles Innenrollo liegt bei 0,85 bis 0,90. Das ist der Unterschied zwischen
minus 49 Prozent und minus 9 Prozent Gesamtkühllast. Ein Bauherr im Forum von
energiesparhaus.at bringt die Praxis auf den Punkt: Trotz 1,8 Meter Dachüberstand über die
ganze Südseite sei „der Wärmeintrag über das Glas deutlich zu spüren wenn es draußen 30°C
hat“, und sobald die tiefstehende Sonne hereinkomme, „hat es gleich mal 28°C“. Bauliche
Verschattung fängt die hohe Mittagssonne ab, die tiefe Morgen- und Abendsonne nicht.
Praktisch heißt das: Bevor Sie ein größeres Gerät kaufen, prüfen Sie den Sonnenschutz.
Der Beispielraum mit Glasfront und außenliegendem Rollladen kommt auf 941 Watt und liegt
damit fast gleichauf mit dem Raum, der nur ein kleines Fenster hat. Was Rollladen,
Raffstore und Markise im Einzelnen leisten und was sie kosten, steht bei
außenliegendem Sonnenschutz, der die
Fensterlast halbiert.
Erst messen, dann kaufen. Fensterfläche in Quadratmetern, Himmelsrichtung,
Glasart. Drei Angaben, zehn Minuten Arbeit, und die Rechnung oben ist gemacht.
Außen schlägt innen. Ein Innenrollo ist nicht wertlos, aber es ersetzt keinen
außenliegenden Sonnenschutz. Wer nur innen abschatten kann, muss die Fensterlast in der
Geräteauslegung stehen lassen.
Ein Einzelraumnachweis lohnt sich nicht. Für eine professionelle
Kühllastberechnung eines einzelnen großen Raums werden im BAU-Forum 3.000 bis 5.000 Euro
genannt, allerdings als Forendiskussion und nicht als Honorartabelle. Für eine Wohnung
steht das in keinem Verhältnis. Die Rechnung aus diesem Beitrag, zusammen mit
dem Kühllastrechner, reicht als
Prüfgröße für ein Angebot.
Rechnen Sie mit mehr Kühl- als Heizlast. In den Foren tauchen mehrfach
Neubauten auf, deren gerechnete Kühllast über der Heizlast liegt: 13 gegen 6,3 Kilowatt
in einem Fall, 6,5 gegen 4,5 Kilowatt in einem anderen. Bei viel Glas ist Kühlen die
größere Aufgabe, nicht die kleinere.
Rechtsstand
Die genannten Grenzen für den Fensterflächenanteil stammen aus DIN 4108-2 in der Fassung
2013-02. Über Artikel 2 des Gebäudemodernisierungsgesetzes, das seit dem 29. Juli 2026 in
Kraft ist, wird ab dem 1. Januar 2027 die neue Fassung DIN 4108-2:2026-05 in Bezug
genommen. Ob sich die Zahlenwerte dabei ändern, ließ sich ohne Zugang zum Normtext nicht
prüfen. Keine der sieben geprüften Ratgeberseiten erwähnt die Norm überhaupt.
Häufige Fragen
Das lässt sich nicht in Prozent sagen, sondern nur in Watt. Rechnen Sie Fensterfläche mal Wattwert Ihrer Himmelsrichtung: acht Quadratmeter Westfenster mit Wärmeschutzglas ergeben 1.280 Watt. In einem 20-Quadratmeter-Raum sind das plus 107 Prozent gegenüber demselben Raum mit zwei Quadratmetern Fenster. Die im Netz üblichen Zuschläge von 10 bis 30 Prozent sind für eine echte Glasfront deutlich zu klein.
Stärker als die Himmelsrichtung. Dasselbe Westfenster bringt mit Zweifach-Wärmeschutzglas 160 Watt je Quadratmeter, mit altem unbeschichtetem Doppelfenster 290 Watt und mit einer einzelnen Scheibe 320 Watt. Zwischen dem besten Sonnenschutzglas mit einem g-Wert von 0,25 und Einfachglas mit 0,87 liegt der Faktor 3,5. Wer die Kühllast schätzt, muss die Scheibe kennen.
Beides stimmt, je nach Frage. Im Hochsommer ist das Westfenster schlimmer: Am 21. Juli trifft die Sonne ein Südfenster mit höchstens 49 Prozent ihrer Kraft, ein Westfenster abends mit 93 Prozent. Über das ganze Jahr gerechnet liegt Süd knapp vorn, weil das Maximum eines Südfensters im September liegt, wenn die Sonne wieder tiefer steht. In der Auslegungstabelle steht Süd deshalb mit 165 Watt knapp über West mit 160.
Ja, und zwar deutlich zum Schlechteren. Die belegte Tabelle nennt als Auslegungswert für Dachfenster 220 Watt je Quadratmeter mit Zweifach-Wärmeschutzglas und 500 Watt mit Einfachglas. Das ist mehr als jede senkrechte Himmelsrichtung, auch mehr als Süd. Der Grund ist die Neigung: Eine geneigte Scheibe steht der hohen Mittagssonne viel direkter gegenüber, während ein senkrechtes Fenster von ihr nur gestreift wird. Mit welcher Dachneigung und welchem g-Wert die Tabelle rechnet, sagt die Quelle nicht. Für einen einzelnen Moment liegt der Wert höher: Der Beitrag zum Dachgeschoss kommt in einer eigenen Rechnung für den Mittag der Sommersonnenwende auf rund 419 Watt je Quadratmeter, bei 45 Grad Dachneigung nach Süden, einem g-Wert von 0,68 und einer angenommenen, nicht belegten Direktstrahlung von 650 Watt je Quadratmeter. Auf beiden Seiten gilt dieselbe Regel: Ausgelegt wird mit dem Auslegungswert 220, erklärt und verglichen wird mit dem Spitzenwert 419.
Der g-Wert sagt, welcher Anteil der Sonnenwärme durch die Scheibe kommt. 0,60 heißt: 60 Prozent kommen an. Wenn Sie kein Datenblatt haben, hilft das Baujahr. Einfachglas liegt bei 0,87, unbeschichtete Doppelverglasung bis in die 1990er bei 0,75, heutiges Zweifach-Wärmeschutzglas bei 0,60, Dreifachglas bei 0,50 und Sonnenschutzglas zwischen 0,40 und 0,25. Für die Rechnung in diesem Beitrag brauchen Sie ihn nicht: Er steckt in den Tabellenwerten bereits drin.
Nein. Dreifachglas hat einen g-Wert um 0,50 gegenüber 0,60 bei Zweifachglas. Es lässt also immer noch die Hälfte der Sonnenwärme durch. Im Urbia-Forum berichtet ein Nutzer von zwei bodentiefen Südfenstern mit Dreifachverglasung, bei denen es selbst im Winter 25 bis 27 Grad im Wohnraum wird. Der bessere U-Wert einer dritten Scheibe wirkt gegen Kälte, nicht gegen Sonne. Gegen Sonne wirkt außenliegender Sonnenschutz.
Bei einer einzelnen Wohnung praktisch nie. Im BAU-Forum werden für die Kühllastberechnung eines einzelnen großen Raums 3.000 bis 5.000 Euro genannt, allerdings als Forendiskussion und nicht als Honorartabelle. Sinnvoll ist ein Nachweis bei Neubauten, bei Gewerbeflächen und immer dann, wenn ein Anlagenbauer eine Leistung anbietet, die stark von Ihrer eigenen Rechnung abweicht. Dann ist Ihre Rechnung die Prüfgröße für sein Angebot.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.
Stand: 25. August 2026 · Quellen: Technische Regel Sonnenschutz, Fachverband Rollladen und Sonnenschutz, April 2024 (Wärmeeintrag je Orientierung nach HEA-Verfahren in Anlehnung an VDI 2078, Fc-Werte Tabelle 2) · Planungshandbuch Kalksandstein, Kapitel 11 „Sommerlicher Wärmeschutz“, Stand 01/2018 (g-Werte Tafel 1) · TGA Fachplaner 7/2006, durchgerechnetes Raumbeispiel · energie-m.de zum Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2:2013-02 · dena-Gebäudeforum zum GModG · ubakus.de · baunetzwissen.de · cse-nadler.de · geprüfte Ratgeberseiten: raumluft-berater.de, rechner-portal.de, blitzrechner.de, tga-shop.de, deutscheklimawerke.de, klimaanlagen-guru.de, bosch-homecomfort.com · Forenbeiträge auf urbia.de, energiesparhaus.at und bau.net · Sonnenstand aus eigener Rechnung für 50,1° Nord