Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 12 Minuten
Kurz zusammengefasst
Ein Zimmer unter dem Dach braucht rund 0,3 bis 0,8 Kilowatt mehr Kühlleistung als dasselbe Zimmer ein Stockwerk tiefer. Der Aufschlag steckt aber fast nicht in der Grundfläche, sondern im Dachflächenfenster: Zwei Quadratmeter Glas in der Schräge tragen mehr Wärme ein als 28 Quadratmeter Dachfläche darüber. Rechnen Sie mit 70 bis 80 Watt je Quadratmeter ohne Dachfenster und mit 85 bis 100 mit unverschattetem Südfenster.
Die kurze Antwort
Ein Zimmer unter dem Dach braucht mehr Kühlleistung als dasselbe Zimmer ein Stockwerk
tiefer. Für 20 Quadratmeter sind es nach zwei getrennten Rechenwegen rund 0,3 bis
0,8 Kilowatt mehr. Beide Rechnungen stehen weiter unten offen da, mitsamt der Stelle,
an der sie auseinandergehen.
Wichtiger als die Zahl ist, woher sie kommt. Der Aufschlag hängt fast nicht an der
Grundfläche, sondern an einem einzigen Bauteil: dem Dachflächenfenster. Ein um 45 Grad
geneigtes Fenster bekommt mittags zur Sommersonnenwende rund das Doppelte an Sonne ab wie
ein gleich großes senkrechtes Südfenster, und sein Glas lässt zusätzlich mehr davon
durch.
Das Dachfenster ist der größte Einzelposten, größer als das ganze Dach. Zwei Quadratmeter Glas in der Dachschräge tragen mehr Wärme ein als 28 Quadratmeter Dachfläche darüber. Wer im Dachgeschoss die Kühllast senken will, fängt deshalb am Fenster an und nicht an der Dämmung. Keine der sieben geprüften Ratgeberseiten beziffert diesen Posten überhaupt.
Daraus folgt die Zahl, mit der Sie tatsächlich rechnen können. Ohne Dachfenster liegt
ein Dachgeschosszimmer bei rund 70 bis 80 Watt je Quadratmeter. Mit einem unverschatteten
Dachfenster nach Süden sind es 85 bis 100. Bei 20 Quadratmetern macht das rund 350 Watt
aus, und dieser Unterschied steht nirgends in der Quadratmeterzahl des Raums.
Kurz gesagt
Verschatten Sie zuerst, dimensionieren Sie danach. Eine außenliegende Markise am
Dachfenster nimmt mehr Kühllast weg als jede Entscheidung über den Dämmstoff; sie
entscheidet oft darüber, ob eine Gerätestufe kleiner reicht. Warum das so ist, steht
unter Wie viel Kühlleistung Sie ansetzen sollten.
Vier Dinge, die im Dachgeschoss anders sind
Die Ratgeberseiten, die für dieses Thema ganz oben stehen, behaupten den Sonderfall
Dachgeschoss alle. Begründet wird er auf keiner einzigen mit einem physikalischen
Argument, das eine Zahl trägt. Dabei sind es genau vier Dinge, und alle vier lassen sich
beziffern.
Vier Unterschiede, und keiner davon steht in der Quadratmeterzahl. Eine Faustformel, die nur nach der Grundfläche fragt, kann keinen dieser vier Punkte abbilden. Genau deshalb liefern die beiden ausführlichsten Ratgeberseiten im Feld für dasselbe Dachgeschoss Werte, die um den Faktor zwei auseinanderliegen.
Das erste ist reine Geometrie. Ein Zimmer im ersten Stock hat eine Zimmerdecke, und
darüber liegt ein Raum mit ungefähr derselben Temperatur. Durch diese Decke fließt fast
keine Wärme. Im Dachgeschoss grenzt dieselbe Grundfläche an eine schräge Außenfläche, die
bei 45 Grad Dachneigung 41 Prozent größer ist als der Boden darunter. Und auf der anderen
Seite dieser Fläche liegt kein Nachbarzimmer, sondern ein Dachziegel in der Sonne.
Das zweite und dritte hängen am Fenster. Eine geneigte Scheibe steht der hohen
Mittagssonne viel direkter gegenüber als eine senkrechte, die von ihr nur gestreift wird.
Dazu kommt, dass Dachfenster mit Absicht ein besonders durchlässiges Glas bekommen. Das
vierte ist die Speichermasse: Gipskarton und Holzdielen können kaum Wärme zwischenlagern,
eine Betondecke mit Estrich kann es zehnmal so gut.
Warum ein gut gedämmtes Dach im Sommer trotzdem heiß wird
Der verbreitete Irrtum
„Mein Dach ist gut gedämmt, also ist es auch im Sommer gut.“ Der U-Wert eines Bauteils
beschreibt, wie viel Wärme bei einem dauerhaften Temperaturunterschied hindurchgeht.
Das ist der Winterfall: draußen konstant kalt, drinnen konstant warm. Der Sommerfall ist
ein anderer. Draußen schwankt die Temperatur im Tagesrhythmus, und was zählt, ist nicht
der Dauerstrom, sondern wann und wie stark die Hitzewelle innen ankommt.
Dafür gibt es zwei Kennzahlen, die im gesamten Verbraucherweb zu diesem Thema so gut
wie nicht vorkommen. Die Phasenverschiebung sagt, wie viele Stunden die
Temperaturwelle braucht, um von der Außenseite des Bauteils zur Innenseite zu wandern.
Die Temperaturamplitudendämpfung sagt, um welchen Faktor die Welle dabei kleiner
wird. Eine Dämpfung von 6,5 heißt: Aus 20 Kelvin Schwankung draußen werden gut 3 Kelvin
drinnen.
Der U-Wert entscheidet über den Winter, nicht über den Sommer. Beide Dächer dämmen gleich gut. Trotzdem liefert das eine seine Spitze um 17:54 Uhr und mit 29,6 Grad, das andere erst um 22:12 Uhr und mit 26,5 Grad, bei identischer Außenluft. Die Kurven sind eigene Rechnungen aus Datenblattwerten. Eine veröffentlichte Vergleichstabelle für die Phasenverschiebung je Dämmstoff war nicht auffindbar, weder in Ratgebern noch in Wiedergaben der Norm.
Beide Zahlen lassen sich aus drei Angaben ausrechnen, die in jedem Datenblatt eines
Dämmstoffs stehen: der Wärmeleitfähigkeit λ, der Rohdichte ρ und der spezifischen
Wärmekapazität c. Der Rechenweg ist die Standardlösung der Wärmeleitungsgleichung für
eine Temperaturwelle, die sich mit 24 Stunden Periode durch eine Schicht bewegt.
Temperaturleitfähigkeit. a = λ geteilt durch (ρ mal c). Sie sagt, wie schnell
sich eine Temperaturänderung im Material ausbreitet.
Eindringtiefe. δ = Wurzel aus (a mal 86.400 Sekunden geteilt durch π). Das ist
die Tiefe, in der die Tageswelle auf gut ein Drittel abgeklungen ist.
Ergebnis. Die Phasenverschiebung in Stunden ist 3,82 mal Dicke geteilt durch
δ, die Dämpfung ist e hoch (Dicke geteilt durch δ).
Jetzt der Vergleich, auf den es ankommt. Vier Zwischensparrendämmungen, alle vier auf
denselben U-Wert von 0,20 Watt je Quadratmeter und Kelvin gebracht. Im Winter sind diese
vier Dächer nicht zu unterscheiden. Im Sommer trennt sie ein Faktor 2,5 bei der
Phasenverschiebung und ein Faktor 3,0 bei der Dämpfung.
Der Unterschied verläuft an der Rohdichte, nicht an ökologisch gegen mineralisch. Steinwolle mit 42 kg/m³ liegt näher an Holzfaser als an Glaswolle mit 20 kg/m³, und Holzfaser und Zellulose liegen praktisch gleichauf. Bemerkenswert ist außerdem, dass keiner der vier Aufbauten die als ideal geltenden zehn Stunden erreicht. Der fertige Dachaufbau mit Ziegeln und Innenbekleidung liegt allerdings über diesen Werten.
Woher die Zahlen stammen
Die Eingangswerte λ, ρ und c stammen aus den technischen Datenblättern von Isover,
climowool, STEICO und isofloc. Die Stundenwerte selbst sind eigene Rechnungen, kein
Zitat: Eine veröffentlichte Vergleichstabelle für die Phasenverschiebung je Dämmstoff war
nicht auffindbar. Sie gelten außerdem nur für die Dämmschicht, nicht für den fertigen
Dachaufbau mit Ziegel, Lattung, Unterdeckbahn und Innenbekleidung; der liegt darüber. Für
mehrschichtige Bauteile rechnet DIN EN ISO 13786 mit einem Matrizenverfahren, das andere
Werte liefert. Als Vergleich der Dämmstoffe untereinander sind die Zahlen belastbar, als
absolute Bauteilkennwerte nicht.
Eine Unsicherheit, die im Datenblatt selbst steckt
Isover gibt für seinen Klemmfilz eine spezifische Wärmekapazität von 1,03 kJ je Kilogramm
und Kelvin an, climowool für ein vergleichbares Produkt 0,84. Das sind 23 Prozent
Unterschied bei demselben Werkstoff. Gerechnet wurde hier durchgehend mit dem Normwert
1,03. Wer mit 0,84 rechnet, bekommt für Glaswolle eine noch kürzere Phasenverschiebung,
der Befund wird also nicht besser, sondern schlechter.
Was die Dämmstoffwahl wirklich bringt, und was nicht
An dieser Stelle streiten zwei Lager seit Jahren. Der Industrieverband
Polyurethan-Hartschaum wird in einem Bauphysikforum mit der Aussage zitiert, die
Speicherfähigkeit eines Dämmstoffs habe „einen sehr geringen bis gar keinen Einfluss auf
den sommerlichen Hitzeschutz“. Die Anbieter von Holzfaser und Zellulose behaupten das
genaue Gegenteil. Beide Seiten haben teilweise recht, und auflösen lässt sich das mit
einer Simulation des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik.
Krus und Sedlbauer haben eine Mansarde mit 18 Zentimetern Sparrendämmung durchgerechnet.
Das Maximum des Wärmestroms durch die Dämmung liegt bei Mineralwolle bei rund 8 Watt je
Quadratmeter, bei Zellulose bei rund 7 und bei Holzfaser bei rund 3,5. Die Maxima der
Raumtemperatur liegen mit Mineralwolle „um über zwei Grad“ über denen mit
Holzfaserdämmung. Der Effekt ist also real und messbar.
Und jetzt die Einordnung, die niemand liefert. Auf ein 28,3 Quadratmeter großes Dach
umgerechnet sind das 226 Watt gegen 99 Watt, ein Unterschied von 127 Watt. Ein
einziges zwei Quadratmeter großes Dachfenster ohne außenliegenden Sonnenschutz bringt ein
Mehrfaches davon. Die teurere Dämmstoffentscheidung wirkt, aber sie wirkt an der kleineren
Stellschraube.
Verbreiteter Irrtum
„Je länger die Phasenverschiebung, desto besser.“ Das stimmt nur bis zu einem Punkt.
Bei 24 Stunden Verschiebung kommt die Wärme genau dann im Raum an, wenn es draußen wieder
am heißesten ist. Ein Bauphysik-Fachblog nennt 8 bis 12 Stunden als sinnvoll, der
Bauphysikrechner ubakus 10 bis 12. Es gibt ein Optimum, keine Monotonie. Und ein
Punkt aus derselben Diskussion wird in der Werbung nie erwähnt: Ein Dämmstoff erzeugt die
Verschiebung nicht von sich aus, sie entsteht erst durch die eingebaute Dicke.
Die Fachleute in den Bauphysikforen sind der Phasenverschiebung als Verkaufsargument
deutlich skeptischer gegenüber als die wenigen Ratgeberseiten, die sie überhaupt erwähnen.
Ein Diplomphysiker bringt es dort auf den Punkt: Die Haupteintragsquelle für Wärme seien
die Fenster, nicht die Wände. Ein anderer Fachmann formuliert den Konsens so, dass
Verschiebung ohne Dämpfung wenig bringt: Beide Kennzahlen zählen nur zusammen.
Was an dieser Stelle offen bleibt
Die Fraunhofer-Simulation weist die angesetzten Materialkennwerte nicht aus, ein direkter
Abgleich mit der Rechnung weiter oben ist deshalb nicht möglich. Auch die Ausrichtung des
simulierten Dachs ließ sich nicht eindeutig klären; das Papier enthält offenbar mehrere
Rechenfälle. Und Fraunhofer sieht Zellulose näher an Mineralwolle, während unsere Rechnung
Zellulose praktisch gleichauf mit Holzfaser sieht. Der Unterschied dürfte an der dort
angesetzten Einbaudichte liegen, die nicht genannt wird. Die Reihenfolge stimmt in beiden
Fällen, die Abstände nicht.
Das Dachfenster ist der größte Posten
Wie viel Sonne auf eine Fläche fällt, hängt vom Winkel ab, in dem sie auftrifft. Für
eine nach Süden gerichtete Fläche mit der Neigung β gegen die Waagerechte und die
Sonnenhöhe h zur Mittagszeit gilt eine Zeile Trigonometrie: der Anteil der vollen
Sonnenkraft ist sin(h + β). Die senkrechte Südfassade ist darin der Sonderfall β = 90
Grad, und sin(h + 90°) ist dasselbe wie cos(h). Mehr braucht es nicht.
Termin
Sonnenhöhe mittags
Dach 30°
Dach 45°
senkrecht Süd
21. Juni
63,4°
100 %
95 %
45 %
24. August
51,0°
99 %
100 %
63 %
21. März und September
40,0°
94 %
100 %
77 %
21. Dezember
16,6°
73 %
88 %
96 %
Eigene Rechnung für 50 Grad nördliche Breite, reine Sonnengeometrie,
Mittagsstand. Angegeben ist der Anteil der Strahlung, die senkrecht zur Sonne steht.
Am 21. Juni bekommt das 45-Grad-Dach 95 Prozent ab, die senkrechte Südfassade 45. Das
ist der Faktor 2,1, allein aus der Geometrie. Dazu kommt das Glas: Der Normwert für
Zweischeiben-Isolierglas liegt bei einem Gesamtenergiedurchlassgrad von 0,60, die
VELUX-Verglasungen liegen laut Herstellerangabe zwischen 0,62 und 0,73. Zusammen ergibt
das für das Dachfenster rund das 2,4-Fache eines gleich großen senkrechten
Südfensters. Wie stark die Fensterfläche insgesamt zählt und
wie viel Watt je Quadratmeter Fenster
ankommen, steht in einem eigenen Beitrag.
Die letzte Zeile der Tabelle erklärt, warum das so gebaut wird. Im Dezember dreht sich
das Verhältnis um: Dann bekommt die senkrechte Fassade mehr ab als das Dach. Die
Umkehrschwelle liegt bei einer Mittagssonnenhöhe von 22,5 Grad, auf 50 Grad Nord
entspricht das etwa dem 8. November und dem 1. Februar. Ein Dachfenster ist im Winter ein
Gewinn und im Sommer eine Last. Das erklärt, warum Dachfenster hohe g-Werte haben, und
warum das Dachgeschoss außenliegenden
Sonnenschutz statt eines dunkleren Glases.
Zwei Zahlensysteme, die nicht dasselbe messen
Für den Wärmeeintrag eines Dachfensters nennen dieser und der verlinkte Beitrag zwei
verschiedene Zahlen, und sie
messen Verschiedenes.
220 Watt je Quadratmeter ist der Auslegungswert aus der Technischen Regel
Sonnenschutz des Fachverbands Rollladen und Sonnenschutz von April 2024, die dafür das
HEA-Verfahren in Anlehnung an VDI 2078 wiedergibt; er gilt für Zweifach-Wärmeschutzglas
und ein unverschattetes Fenster. Für ein senkrechtes Südfenster nennt dieselbe Tabelle
165 Watt, also das 1,3-Fache. Mit welcher Dachneigung und welchem g-Wert die Tabelle
rechnet, gibt die Quelle nicht an. Die Tabelle steht vollständig im
Beitrag zur Fensterfläche.
Rund 419 Watt je Quadratmeter ist dagegen ein Spitzenwert aus eigener
Rechnung, mit offengelegten Annahmen: 45 Grad Dachneigung nach Süden, Mittag der
Sommersonnenwende auf 50 Grad nördlicher Breite, klarer Himmel; 650 Watt je Quadratmeter
angenommene Direktstrahlung mal dem Geometriefaktor 0,949 aus der Tabelle oben mal einem
gtot von 0,68 nach VELUX-Datenblatt. Dieselbe Rechnung ergibt für das
senkrechte Südfenster rund 174 Watt, daher das 2,4-Fache.
Der Eingangswert von 650 Watt je Quadratmeter ist nicht belegt: Eine belastbare
Quelle für die Direktstrahlung bei klarem Himmel in Deutschland ließ sich in dieser
Recherche nicht finden.
Auf beiden Seiten gilt deshalb dieselbe Regel: Ausgelegt wird mit dem Auslegungswert
220, erklärt und verglichen wird mit dem Spitzenwert 419. In diesem Beitrag arbeiten
die Kühllastgrafik ganz oben und die Empfehlung in Watt je Quadratmeter mit dem
Auslegungswert; die Tabelle der Gegenmaßnahmen weiter unten vergleicht Verhältnisse
untereinander und arbeitet dafür mit dem Spitzenwert.
Warum es unter dem Dach sofort heiß wird
Bleibt der vierte Unterschied, und der ist der am wenigsten bekannte. Jedes Bauteil im
Raum kann Wärme zwischenlagern. Wie viel, sagt die wirksame Wärmespeicherfähigkeit,
gerechnet als Dicke mal Rohdichte mal spezifische Wärmekapazität und bezogen auf die
Grundfläche des Raums.
Das Dachgeschoss liegt nicht knapp unter der Schwelle, sondern weit darunter. Mit 9,3 Wattstunden je Quadratmeter und Kelvin hat ein ausgebautes Dachgeschoss praktisch keinen Puffer. Deshalb steigt die Temperatur dort sofort, wenn die Sonne kommt, und fällt sofort wieder, wenn nachts gelüftet wird. Das Zimmer darunter tut beides träge.
Ein Dachgeschosszimmer mit Gipskarton an der Schräge und Holzdielen auf dem Boden kommt
auf rund 9 Wattstunden je Quadratmeter und Kelvin. Dasselbe Zimmer ein Stockwerk tiefer,
mit Betondecke oben und Zementestrich unten, kommt auf rund 92. Das ist der Faktor 10, und
er erklärt zwei Alltagsbeobachtungen auf einmal: Unter dem Dach wird es schnell heiß, weil
nichts die Wärme abfängt. Und es wird nachts schnell wieder kühl, wenn man lüftet, weil
auch nichts sie festhält.
Daraus folgt ein praktischer Hinweis, der in keinem der geprüften Ratgeber steht. In den
Bauphysikforen rechnet ein Nutzer nach, dass eine einzige 18 Millimeter starke
OSB-Platte mehr Wärme speichert als 24 Zentimeter Zellulose. Ein Planer zieht daraus
die Konsequenz, raumseitig vor der Dämmung ein Material anzuordnen, das viel Energie
aufnimmt, also eine OSB-Platte statt oder zusätzlich zum Gipskarton. Wer ohnehin ausbaut,
bekommt an dieser Stelle Speichermasse für wenig Geld.
Woher die Zahlen stammen
Die beiden Raumwerte sind eigene Rechnungen. Die Rohdichten von Gipskarton, Estrich und
Beton sind dabei mit Normwerten angesetzt, nicht aus Datenblättern belegt. Auch der Ansatz,
dass von einer Betondecke nur die inneren zehn Zentimeter am Tagesrhythmus teilnehmen, ist
eine übliche, hier aber nicht durch eine zugängliche Quelle belegte Annahme. Die
Größenordnung des Faktors ändert sich dadurch nicht: Selbst wenn man die Betondecke ganz
weglässt, bleibt der Estrich allein dreimal so viel wie das gesamte Dachgeschosszimmer.
Was die Norm dem Dachgeschoss erlaubt
Der sommerliche Wärmeschutz ist in DIN 4108-2 geregelt. Das Verfahren arbeitet mit dem
Sonneneintragskennwert: Man rechnet zusammen, wie viel Sonne durch alle Fenster
eines Raums hereinkommt, teilt das durch die Grundfläche und vergleicht es mit einem
zulässigen Wert. Dieser zulässige Wert setzt sich aus Einzelbeiträgen zusammen, und zwei
davon treffen das Dachgeschoss direkt.
Der Sonderfall Dachgeschoss steht in der Norm, nicht nur im Gefühl. Die Norm bestraft das Dachgeschoss doppelt: einmal über die leichte Bauart, einmal über den Abzug für geneigte Fenster. Übrig bleibt gut die Hälfte dessen, was dasselbe Zimmer ein Stockwerk tiefer an Sonne hereinlassen darf. Diese Rechnung stellt keine der geprüften Seiten an, obwohl beide Kennwerte in jeder Wiedergabe der Norm stehen.
Der erste Beitrag hängt an der Bauart. Für die leichte Bauart, in die das
Dachgeschoss mit seinen 9 Wattstunden je Quadratmeter und Kelvin fällt, sind es in der
mittleren Klimaregion bei erhöhter Nachtlüftung 0,088 statt 0,103 für die mittlere Bauart.
Der zweite ist ein Abzug: Für Fenster mit einer Neigung zwischen 0 und 60 Grad gegen die
Waagerechte werden 0,035 abgezogen, und darunter fallen alle Dachflächenfenster. In Summe
darf ein Dachgeschosszimmer damit nur rund 51 Prozent des Sonneneintrags eines
gleich großen Zimmers darunter haben.
Bemerkenswert ist auch die Gegenrichtung. Dieselbe Tabelle zeigt, wie stark die
Nachtlüftung wirkt: Für die leichte Bauart steigt der zulässige Kennwert von 0,056 ohne
Nachtlüftung auf 0,088 bei mindestens zweifachem und auf 0,117 bei mindestens fünffachem
Luftwechsel je Stunde. Einem nachtgelüfteten Raum erlaubt die Norm also mehr als den
doppelten Sonneneintrag, allein wegen der geöffneten Fenster.
Eine offene Frage, die hier nicht gelöst wird
Alle genannten Kennwerte stammen aus einer Fachpublikation, die die Ausgabe
DIN 4108-2:2013-02 wiedergibt. Die Norm selbst ist kostenpflichtig und lag für
diesen Beitrag nicht vor. Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz und
hat das Gebäudeenergiegesetz abgelöst; mit ihm wird eine neue Ausgabe DIN 4108-2:2026-05
in Bezug genommen, die ab dem 1. Januar 2027 anzuwenden ist. Was sich darin beim
sommerlichen Wärmeschutz zahlenmäßig ändert, ist öffentlich nicht ermittelbar. Ebenfalls
ungeklärt blieb, welcher Paragraf des neuen Gesetzes den sommerlichen Wärmeschutz regelt
und ob und wie weit er beim Ausbau eines bestehenden Dachgeschosses überhaupt greift.
Sieben von sieben geprüften Ratgeberseiten erwähnen das neue Gesetz mit keinem Wort, eine
zitiert noch das alte.
Wie viel Kühlleistung Sie ansetzen sollten
Jetzt zusammengerechnet. Verglichen werden zwei identische Zimmer von 20 Quadratmetern
mit gleicher Personenzahl, gleichen Geräten und je zwei Quadratmetern Glasfläche nach
Süden. Nur die Differenz zählt, alles Gleiche kürzt sich heraus.
Mit den Auslegungswerten aus der Grafik ganz oben (220 Watt je Quadratmeter
Dachfenster, 165 für das senkrechte Südfenster) kommt das Zimmer im ersten Stock auf
820 Watt und das Dachgeschosszimmer auf 1.156 Watt, ein Mehrbedarf von 336 Watt.
Rechnet man stattdessen mit den Spitzenwerten aus der eigenen Rechnung für den
Mittag der Sommersonnenwende (rund 419 Watt je Quadratmeter Dachfenster gegen rund 174
für das senkrechte Südfenster, bei einer angenommenen Direktstrahlung von 650 Watt je
Quadratmeter), kommen 839 gegen 1.555 Watt heraus, ein Mehrbedarf von 716 Watt.
Der Unterschied steckt vollständig im Fenster, und er ist erklärbar: Der eine Ansatz
beschreibt einen Auslegungswert, der andere einen einzelnen Moment. Für die Empfehlung
weiter unten zählt der Auslegungswert.
Was daran belastbar ist und was nicht
Belastbar ist die relative Aussage: Das Dachgeschosszimmer braucht deutlich mehr,
und der größte Einzelposten ist das Dachfenster. Die Absolutzahlen sind es nur unter den
genannten Annahmen. Der Wert für die Direktstrahlung von 650 Watt je Quadratmeter ist
ausdrücklich nicht belegt; eine verlässliche Quelle dafür ließ sich in dieser
Recherche nicht finden. Auch die Gerätelast von 150 Watt ist eine Annahme. Und die Maxima
von Dach und Fenster fallen nicht auf dieselbe Stunde, die Summe ist deshalb eine obere
Abschätzung.
Warum der Aufschlag und nicht die Summe zählt
Die Rechnung liefert eine Differenz, keine absolute Kühllast. Der Beispielraum ist
mit zwei Quadratmetern Glas sparsam ausgestattet und käme für sich genommen mit deutlich
weniger als 60 Watt je Quadratmeter aus. Die üblichen Faustzahlen beschreiben dagegen ein
durchschnittlich ausgestattetes Zimmer mit mehr Fenster und mehr Luftwechsel. Deshalb wird
der gerechnete Aufschlag auf die Faustzahl addiert und nicht an ihre Stelle
gesetzt.
Auf die Fläche bezogen heißt das: Wenn das Zimmer im ersten Stock mit der üblichen
Faustzahl von 60 Watt je Quadratmeter auskommt, also mit 1,2 Kilowatt, landet dasselbe
Zimmer unter dem Dach bei 75 bis 100 Watt je Quadratmeter, also bei 1,5 bis 2,0 Kilowatt.
Genau hier gehen die beiden
ausführlichsten Seiten im Feld auseinander: Die eine wendet die allgemeine Wohnraumzahl
von 60 bis 100 Watt je Quadratmeter unverändert auf das Dachgeschoss an, die andere setzt
bei schlechter Dämmung 120 bis 150 an, beide ohne Quelle und ohne Herleitung. Warum
die Faustformel hier besonders danebenliegt,
liegt an der Bezugsgröße: Der Aufschlag hängt an der Dachfensterfläche und ihrer
Verschattung, nicht an den Quadratmetern Boden.
Die Zahl hängt am Dachfenster, nicht an der Grundfläche. Zwischen der obersten und der untersten Zeile liegen rund 40 Prozent, und das bei exakt gleicher Zimmergröße. Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Ein verschattetes Südfenster ist günstiger als ein unverschattetes Nordfenster. Faustzahlen ersetzen dabei keine Kühllastberechnung nach VDI 2078; sie sagen Ihnen nur, ob das Angebot in der richtigen Größenordnung liegt.
Bevor Sie diese Zahl in ein Angebot übernehmen, lohnt der Blick auf die Rangfolge der
Gegenmaßnahmen. Sie ist eindeutig und für die meisten überraschend.
Maßnahme
Wirkung auf die Kühllast
Grundlage
Hitzeschutz-Markise außen am Dachfenster, gtot von 0,68 auf 0,10
−715 W
VELUX-Datenblatt, gerechnet
Innenliegendes Rollo, hell, Fc 0,75 statt gar nichts
−210 W
DIN 4108-2, gerechnet
Holzfaser statt Mineralwolle im Dach
−127 W
Fraunhofer IBP, gerechnet
Dämmstärke von 16 auf 24 cm erhöhen, gleicher Dämmstoff
nicht belastbar zu beziffern
siehe Forenbefund oben
Für ein Dachfenster von 2 m², bei angenommener Direktstrahlung von
650 W/m². Dieser eine Eingangswert ist nicht belegt, die Verhältnisse zwischen den Zeilen
bleiben davon unberührt.
Die Markise außen wirkt also rund fünfmal so stark wie die gesamte
Dämmstoffentscheidung, und sie kostet einen Bruchteil. Das ist die praktische Erkenntnis
dieses Beitrags. Was ein außenliegender Sonnenschutz gegenüber einem Rollo innen wirklich
bringt und warum der Unterschied physikalischer Natur ist, steht im
Beitrag zum Sonnenschutz.
Erst verschatten, dann rechnen, dann kaufen. In dieser Reihenfolge landen Sie
oft eine Gerätestufe tiefer. Umgekehrt kaufen Sie Leistung für eine Kühllast, die es
nicht geben müsste. Und eine zu groß gewählte
Anlage läuft nicht besser, sondern taktet.
Sparen Sie an der Größe nicht. Das Dachgeschoss ist der häufigste Ort für
Unterdimensionierung, weil die Faustformeln für den Normalfall gemacht sind. Was
passiert, wenn die Anlage zu klein ist, merken
Sie genau an den drei heißesten Nachmittagen des Jahres.
Ein mobiles Monoblockgerät ist hier die schlechteste Lösung. Es braucht einen
Abluftschlauch nach draußen, und ein geneigtes Dachfenster lässt sich schlechter
abdichten als ein senkrechtes. Was durch den Spalt nachströmt, ist warme Außenluft.
Rechnen Sie die Dachschräge beim Montageort mit ein. Ein Wandgerät braucht
eine senkrechte Fläche in ausreichender Höhe. Wo die fehlt, kommen Truhen-, Kassetten-
oder Kanalgeräte infrage. Wenn mehrere Räume unter dem Dach liegen, stellt sich zusätzlich
die Frage, ob ein Innengerät für mehrere
Räume reicht. Es reicht seltener, als angenommen wird.
Klären Sie den Kondensatweg vor der Montage. Unter dem Dach ist der nächste
Abfluss oft weit weg, und Kondensat läuft nur mit Gefälle. Wie viel Wasser anfällt und
welche Wege es gibt, steht im Beitrag zum
Kondenswasser.
Wenn Sie eine Zahl für Ihren eigenen Raum brauchen und nicht für ein Beispielzimmer,
führt der Weg über eine Rechnung mit Ihren Flächen, Ihrer Himmelsrichtung und Ihrer
Verschattung. Wie das geht und
wie groß die Anlage sein muss,
steht im Grundlagenbeitrag zur Auslegung.
Häufige Fragen
Rechnen Sie mit 70 bis 80 Watt je Quadratmeter, wenn der Raum kein Dachflächenfenster hat, und mit 85 bis 100, wenn ein unverschattetes Fenster nach Süden in der Schräge sitzt. Für 20 Quadratmeter sind das 1,4 bis 1,6 beziehungsweise 1,7 bis 2,0 Kilowatt. Der Aufschlag gegenüber demselben Zimmer ein Stockwerk tiefer liegt bei rund 0,3 bis 0,8 Kilowatt und hängt fast vollständig am Dachfenster, nicht an der Grundfläche.
Beides, je nach Frage. 220 Watt je Quadratmeter ist der belegte Auslegungswert aus der Technischen Regel Sonnenschutz des Fachverbands Rollladen und Sonnenschutz von April 2024, für Zweifach-Wärmeschutzglas und ein unverschattetes Fenster; er steht mit allen Himmelsrichtungen im Beitrag zur Fensterfläche, und die Quelle nennt weder Dachneigung noch g-Wert. Rund 419 Watt je Quadratmeter ist dagegen eine eigene Rechnung für einen einzelnen Moment: 45 Grad Dachneigung nach Süden, Mittag der Sommersonnenwende, klarer Himmel, 650 Watt je Quadratmeter angenommene Direktstrahlung und ein g-Wert von 0,68. Dieser Eingangswert von 650 Watt ist nicht belegt. Auf beiden Seiten gilt dieselbe Regel: Ausgelegt wird mit dem Auslegungswert 220, erklärt und verglichen wird mit dem Spitzenwert 419.
Nein, jedenfalls nicht zuverlässig. Der U-Wert beschreibt den dauerhaften Wärmestrom, also den Winterfall. Im Sommer zählt, wann und wie stark die Tageswelle innen ankommt. Vier Dämmungen mit identischem U-Wert von 0,20 W/(m²K) erreichen 2,9 bis 7,2 Stunden Phasenverschiebung und Dämpfungsfaktoren zwischen 2,2 und 6,5. Im Winter sind diese vier Dächer nicht zu unterscheiden, im Sommer trennt sie ein Faktor 3.
Entscheidend ist die Rohdichte, nicht die Frage ökologisch oder mineralisch. Holzfaser und Zellulose mit rund 50 kg/m³ liegen praktisch gleichauf, Steinwolle mit 42 kg/m³ liegt näher an ihnen als an Glaswolle mit 20 kg/m³. Der messbare Vorteil beträgt nach einer Fraunhofer-Simulation etwa 127 Watt auf ein 28 m² großes Dach. Ein unverschattetes Dachfenster bringt ein Mehrfaches davon, die Reihenfolge der Maßnahmen ist also klar.
Ein Wandgerät braucht eine senkrechte Fläche in ausreichender Höhe, damit die kalte Luft in den Raum fallen kann. Wo im Dachgeschoss überall Schräge ist, kommen Truhengeräte am Boden, Kassetten- oder Kanalgeräte in einer abgehängten Fläche infrage. Zusätzlich brauchen Sie einen Weg für die Kältemittelleitungen zum Außengerät und ein Gefälle für das Kondensat.
Im Dachgeschoss ist das mobile Monoblockgerät die ungünstigste Bauart. Es bläst warme Luft durch einen Schlauch nach draußen und erzeugt dadurch einen Unterdruck, der warme Außenluft nachzieht. Ein geneigtes Dachfenster lässt sich schlechter abdichten als ein senkrechtes, der Effekt ist hier also größer als anderswo. Auffällig ist, dass ausgerechnet die längste Ratgeberseite im Feld überwiegend mobile Geräte fürs Dachgeschoss empfiehlt und dieses Problem an keiner Stelle erwähnt.
Kondensat läuft im Normalfall ohne Pumpe, aber nur mit durchgehendem Gefälle. Unter dem Dach ist der nächste Abfluss oft weit entfernt, sodass entweder eine längere Leitung mit Gefälle nach außen oder eine Kondensatpumpe nötig wird. Die Menge ist keine Nebensache: Ein Gerät im Dauerbetrieb an einem schwülen Tag produziert mehrere Liter.
Die beiden ausführlichsten Anbieterseiten im Feld liegen um den Faktor vier bis acht auseinander: Ein Shop nennt „weniger als 600 Euro“ für eine Split-Anlage, ein Handwerksverbund 2.500 bis 5.000 Euro komplett inklusive Montage plus 200 bis 500 Euro Mehrkosten fürs Dachgeschoss. Beide Angaben stehen ohne Quelle da. Der Grund für die Lücke: Der eine nennt den Gerätepreis im eigenen Shop, der andere den Preis der eigenen Montageleistung. Achten Sie beim Vergleich zuerst darauf, was jeweils enthalten ist.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.
Stand: 25. August 2026 · Quellen: Technische Datenblätter Isover Integra ZKF 1-032, climowool KF2 Klemmfilz 035, STEICOflex und isofloc L/LM · Krus und Sedlbauer, „Vorteile und Einsatzgrenzen von Dämmstoffen“, Fraunhofer-Institut für Bauphysik, 2002 · Planungshandbuch Kalksandstein Kapitel 11, Stand 01/2018, gibt DIN 4108-2:2013-02 wieder · BauNetz Wissen zu sommerlichem Wärmeschutz und spezifischer Wärmekapazität · ubakus.de, Berechnung des Hitzeschutzes · VELUX, technische Wertangaben zu Verglasungen und Sonnenschutz · Technische Regel Sonnenschutz des Fachverbands Rollladen und Sonnenschutz, 04/2024 · gebaeudeforum.de zu Neuerungen und Fristen des GModG · baunormenlexikon.de zu DIN 4108-2 · Forenbeiträge auf bau.de, bau.net und baupraxis-blog.de · SERP-Auswertung von sieben rankenden Seiten, darunter mitsubishi-les.com, homeandsmart.de, bosch-homecomfort.com, greenox-group.de, klimaworld.com und effizient-energieberatung.de, Stand 24.08.2026