Die kurze Antwort

Das Expansionsventil ist die Grenze zwischen Hochdruck und Niederdruck. Es presst das flüssige Kältemittel durch eine sehr enge Öffnung. Der Fachbegriff dafür lautet Drosselung. Bei einem üblichen Splitgerät mit dem Kältemittel R32 fällt der Druck dabei von rund 28 auf rund 9,5 bar, und die Temperatur, bei der das Kältemittel siedet, von 45 auf 5 Grad.

Dahinter wird es kalt, und zwar aus einem Grund, den kaum eine Ratgeberseite nennt: Rund ein Viertel des Kältemittels verdampft direkt hinter der Engstelle. Die Wärme, die es dafür braucht, entzieht es den übrigen drei Vierteln. Von außen kommt nichts hinzu.

Das Ventil hat eine zweite Aufgabe, die noch seltener erklärt wird. Es dosiert. Es lässt genau so viel Kältemittel in den Verdampfer, dass die Flüssigkeit am Ende der Rohrschlange gerade aufgebraucht ist. Kommt zu wenig durch, bleibt Kühlleistung liegen. Kommt zu viel, erreicht Flüssigkeit den Verdichter, und das endet teuer.

Kurz gesagt Das Ventil kühlt nicht. Es senkt den Druck und dosiert die Menge. Kalt wird das Kältemittel, weil ein Teil davon auf Kosten des Restes verdampft. Die Wärme aus dem Raum nimmt erst der Verdampfer dahinter auf.
SCHNITT DURCH DIE DROSSELSTELLEGrenze zwischen Hochdruck und NiederdruckVOR DEM VENTILflüssig, warm, unter DruckHINTER DEM VENTILFlüssigkeit und Dampf gemischt, kaltDrosselstelle26,9 bar Überdruck45 °C Siedetemperatur8,5 bar Überdruck5 °C Siedetemperatur18,4 bar tiefer · 40 Grad kälterDer Druck fällt auf einer Strecke von wenigen Millimetern. Die Siedetemperatur folgt ihm nach unten.Am Manometer steht Überdruck. Absolut sind es 27,9 und 9,5 bar. R32-Sättigungswerte nach NIST-Webbook.
An dieser einen Engstelle teilt sich die ganze Anlage in zwei Druckzonen. Links steht das Kältemittel flüssig unter hohem Druck, rechts strömt ein kaltes Gemisch aus Flüssigkeit und Dampf weiter. Zwischen beiden Zuständen liegen wenige Millimeter Weg. Keine der acht geprüften Gebäude-Ratgeberseiten nennt für diese Stelle auch nur einen einzigen Druck- oder Temperaturwert.

Das Ventil ist das dritte von vier Bauteilen im Kreis. Wenn die Reihenfolge Verdichter, Verflüssiger, Expansionsventil, Verdampfer noch nichts sagt, lohnt vorher ein Blick darauf, wie der Kältekreislauf Schritt für Schritt arbeitet. Dieser Beitrag ist die Vertiefung von Schritt drei.

Wenn Sie nicht wissen wollen, wie das Bauteil arbeitet, sondern warum Ihre Anlage schlecht kühlt, sind Sie hier nur halb richtig. Dieser Beitrag erklärt das Ventil, er stellt keine Ferndiagnose. Was bei nachlassender Kühlleistung zuerst zu prüfen ist, steht in einem eigenen Beitrag dazu, wenn die Anlage bei Hitze nicht mehr kühlt.

Warum es kalt wird, obwohl niemand kühlt

Der Satz, der auf fast jeder Seite steht, geht ungefähr so: Durch das Expansionsventil entspannt sich das Kältemittel und kühlt dabei stark ab. So formuliert es derklimafachmann.de. Der Satz ist nicht falsch. Er erklärt nur nichts, und er legt eine Deutung nahe, die in die Irre führt: dass Druckabfall an sich Kälte erzeugt.

Druckabfall allein erzeugt keine Kälte. Wenn Sie Luft aus einer Fahrradpumpe ausströmen lassen, fällt der Druck ebenfalls stark, und die Luft wird trotzdem kaum kälter. Der Unterschied liegt nicht im Druck, sondern darin, was das Kältemittel an der Engstelle mit sich selbst macht.

Der verbreitete Irrtum Auf der längsten geprüften Gebäudeseite, dem rund 3.000 Wörter langen Beitrag von Selfmade Energy, steht, das Kältemittel gehe teilweise in den gasförmigen Zustand über und nehme „dabei Wärmeenergie aus der Umgebung auf“. Im Ventil gibt es keine Umgebungswärme. Die Verdampfungswärme stammt aus dem Kältemittel selbst. Erst im Verdampfer kommt Raumwärme dazu. Dieser eine falsche Halbsatz ist die Wurzel des Missverständnisses, das Ventil sei das kühlende Bauteil.
WAS MIT HUNDERT TROPFEN AN DER DROSSELSTELLE PASSIERTVor dem Ventil1 kg flüssig · 45 °C · unter DruckHinter dem Ventildieselbe Menge · 5 °C · entspanntWärmeDrosselstelle100 Tropfen, warm und unter Druck25 Tropfen sind sofort Dampf75 bleiben flüssig und kühlen ab25,2 % × 307 kJ/kg = 77,5 kJ/kg. So viel Wärme gibt 1 kg beim Abkühlen von 45 auf 5 Grad abR32, Verflüssigung 45 °C, Verdampfung 5 °C, ohne Unterkühlung. Stoffdaten NIST-Webbook, Anteile eigene Rechnung.
Ein Viertel verdampft sofort und kühlt damit den Rest herunter. Das ist der ganze Mechanismus. Niemand entzieht dem Kältemittel Wärme, und niemand liefert welche. Die 25 Tropfen, die verdampfen, nehmen sich die Verdampfungswärme aus den 75, die flüssig bleiben. Genau deshalb sind die 75 danach kalt.

Die Rechnung dazu geht exakt auf, und das ist der Punkt. Ein Kilogramm R32 muss beim Abkühlen von 45 auf 5 Grad 77,5 Kilojoule Wärme loswerden. Ein Viertel desselben Kilogramms braucht zum Verdampfen bei 5 Grad genau diese 77,5 Kilojoule. Beide Zahlen stammen aus derselben Stoffdatentabelle, und sie sind identisch. Nichts geht hinein, nichts geht heraus.

Fachleute schreiben denselben Sachverhalt in ein Schaubild, das für jeden Punkt im Kreislauf Druck und Energieinhalt zeigt: das log-p-h-Diagramm. Der Energieinhalt eines Kilogramms heißt dort Enthalpie und wird in Kilojoule je Kilogramm angegeben. Für das Expansionsventil ist dieses Diagramm besonders eindrücklich, weil die Drosselung darin als völlig gerade, senkrechte Linie erscheint.

DASSELBE IM DRUCK-ENTHALPIE-DIAGRAMMDruck in bar (absolut), logarithmisch geteilt571015203040200250300350400450500links davon:alles flüssigrechts davon:alles Dampfim Verdampfer: 229,8 kJ/kg je Kilogramminnen: Flüssigkeit und Dampf gemischtA · vor dem Ventil45 °C · 27,9 barh = 286,3 kJ/kgB · hinter dem Ventil5 °C · 9,5 bar · 25,2 % Dampfh = 286,3 kJ/kgsenkrecht heißt:gleicher EnergieinhaltC · alles verdampfth = 516,1 kJ/kgEnthalpie h in kJ/kg: die Energie, die in einem Kilogramm Kältemittel stecktDie Nassdampfglocke ist schematisch gezeichnet. Beziffert sind allein die Stoffwerte für R32 aus dem NIST-Webbook.
Die Linie von A nach B ist exakt senkrecht, und das ist die Aussage. Senkrecht heißt: Der Energieinhalt je Kilogramm ändert sich nicht. Das Ventil verrichtet keine Arbeit und gibt keine Wärme ab. Das Fachwort dafür lautet isenthalpe Drosselung. Diese Grafik ließ sich im deutschen Verbraucher-Netz zu diesem Bauteil nirgends finden.

Isenthalp heißt: Der Energieinhalt bleibt gleich. Das Ventil ist ein Loch, kein Motor. Es leistet keine Arbeit, es hat keinen Anschluss und keine Kühlung. Was sich ändert, ist allein die Aufteilung: vorher ein Kilogramm warme Flüssigkeit, nachher rund 750 Gramm kalte Flüssigkeit und rund 250 Gramm kalter Dampf. Dieselbe Energie, anders verteilt.

Verbreiteter Irrtum Der Ratgeber von wegatech.de schreibt, das Bauteil verringere den Druck, „wodurch sich dieses ausdehnt und vollends verflüssigt“. Im Expansionsventil verflüssigt sich nichts. Dort beginnt im Gegenteil die Verdampfung. Nach den Stoffdaten des NIST-Webbooks sind es bei R32 im Beispiel oben 25,2 Prozent Dampf unmittelbar hinter der Drosselstelle.

Wer sich schon einmal gefragt hat, warum eine Klimaanlage kein Perpetuum mobile ist, findet hier dieselbe Denkbewegung wieder: Energie wird verschoben und umverteilt, nicht erzeugt.

Die Zahlen vor und hinter dem Ventil

In keiner der acht geprüften Gebäudeseiten steht eine einzige Druck-, Temperatur- oder Kelvinangabe zu diesem Bauteil. Zusammengerechnet sind das rund 8.000 Wörter ohne eine einzige Zahl. Deshalb hier die Werte, mit denen sich rechnen lässt.

  • Vor dem Ventil: 27,95 bar absolut, 45 Grad. Das ist der Druck, bei dem R32 bei 45 Grad siedet. Die Fachleute nennen diesen Wert Sättigungsdruck, die zugehörige Temperatur Sättigungstemperatur. 45 Grad Verflüssigung ist ein üblicher Betriebspunkt an einem heißen Tag.
  • Hinter dem Ventil: 9,51 bar absolut, 5 Grad. Derselbe Stoff, derselbe Energieinhalt, nur eben ein anderer Druck und damit eine andere Siedetemperatur.
  • Der Sprung: 18,4 bar und 40 Kelvin. Beides auf wenigen Millimetern Weg.
  • Der Dampfanteil dahinter: 25,2 Prozent. Das Fachwort dafür ist Flash-Gas. Dieser Anteil trägt nichts zur Kühlung bei, er ist bereits verdampft, bevor der Verdampfer beginnt.
  • Die nutzbare Kälteleistung: 229,8 Kilojoule je Kilogramm. So viel Wärme kann ein Kilogramm R32 im Verdampfer aufnehmen, bis es vollständig verdampft ist.
Überdruck oder Absolutdruck Ein Manometer zeigt Überdruck an, also den Druck über dem Luftdruck. Stoffdatentabellen rechnen absolut. Der Unterschied beträgt rund 1 bar. Aus 27,95 bar absolut werden am Messgerät 26,9 bar, aus 9,51 bar absolut werden 8,5 bar. Wer Werte aus zwei Quellen vergleicht, muss zuerst klären, welche Art gemeint ist. Auf keiner der geprüften Seiten steht dieser Hinweis.

Aus der Kälteleistung je Kilogramm folgt, wie viel Kältemittel überhaupt durch die Engstelle muss. Ein Gerät mit 3,5 Kilowatt Kälteleistung braucht 3,5 geteilt durch 229,8, also rund 0,015 Kilogramm je Sekunde. Das sind etwa 55 Kilogramm je Stunde oder knapp ein Kilogramm je Minute. Zum Vergleich: Für die Baugrößen 09 und 12, zu denen ein 3,5-kW-Gerät gehört, nennt das Daikin-Handbuch 0,75 Kilogramm Füllmenge. Das gesamte Kältemittel der Anlage läuft also etwa einmal je Minute durch das Ventil.

Die Zahlen hängen am Betriebspunkt. Steigt der Verflüssigungsdruck an einem sehr heißen Tag auf den Wert, der zu 50 Grad gehört, also 31,41 bar absolut, dann steigt der Flash-Gas-Anteil auf 28,9 Prozent, und die nutzbare Kälteleistung je Kilogramm sinkt um 4,9 Prozent. Genau das ist einer der Gründe, warum eine Anlage bei großer Hitze weniger leistet.

In die andere Richtung wirkt die Unterkühlung: Wird die Flüssigkeit vor dem Ventil kälter als ihre Siedetemperatur, verdampft weniger davon sofort. Bei 5 Kelvin Unterkühlung sinkt der Flash-Gas-Anteil auf 21,7 Prozent und die Kälteleistung je Kilogramm steigt um 4,7 Prozent, bei 10 Kelvin auf 18,4 Prozent und 9,1 Prozent mehr Leistung. Das ist der eigentliche Grund, warum Unterkühlung in der Kältetechnik überhaupt ein Thema ist. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, was Überhitzung und Unterkühlung genau bedeuten.

Woher die Zahlen stammen Alle Druck- und Enthalpiewerte sind Sättigungsdaten für R32 und R290 aus dem NIST Chemistry WebBook, abgerufen am 24. August 2026. Flash-Gas-Anteile, Kälteleistung je Kilogramm und Massenstrom sind daraus gerechnet, der Rechenweg für den Dampfanteil lautet (286,31 − 208,80) geteilt durch (516,11 − 208,80). Die Pulszahlen stammen aus dem Daikin-Servicehandbuch DAMA-SM-23-020 vom Dezember 2023.

Mit einem anderen Kältemittel verschiebt sich das ganze Bild. R290, also Propan, arbeitet bei denselben Temperaturen mit 15,34 bar absolut vorn und 5,51 bar absolut hinten, der Druckabfall beträgt nur 9,8 statt 18,4 bar. Der Flash-Gas-Anteil liegt dafür mit 29,7 Prozent höher. Ein Ventil muss deshalb ausdrücklich für das jeweilige Kältemittel freigegeben sein.

Die zweite Aufgabe: dosieren

Bis hierher ging es nur um den Druck. Die zweite Aufgabe des Ventils nennen die geprüften Gebäudeseiten entweder gar nicht oder nur als Nebensatz. Ausgerechnet eine Kfz-Seite, kfz-tech.de, formuliert sie sauber: Das Ventil steuert die Verdampfung so, „dass möglichst kein flüssiges Kältemittel mehr übrig bleibt“.

Die Regelgröße dafür heißt Überhitzung. Gemeint ist, um wie viele Grad der Dampf am Ende des Verdampfers wärmer ist als seine Siedetemperatur bei diesem Druck. Ist die Überhitzung hoch, war zu wenig Kältemittel im Verdampfer. Ist sie fast null, war zu viel da. Das Ventil regelt also nicht den Druck, sondern die Menge, und misst seinen Erfolg an der Temperatur am Verdampferausgang.

WAS DIE DOSIERUNG IM VERDAMPFER BEWIRKTDie zweite Aufgabe des Ventils: so dosieren, dass Fall B herauskommt.A · zu wenigVentil öffnet zu kleinschon hier ist alles verdampft, der Rest wird nur noch heißerkühlt schlechtB · richtigVentil dosiert passenddie Flüssigkeit reicht fast bis zum Ende, danach ein kurzes Stück Überhitzungso soll es seinC · zu vielVentil öffnet zu weitam Ausgang ist noch Flüssigkeit, und die erreicht den VerdichterFlüssigkeitsschlagEintritt vom VentilAusgang zum VerdichterTürkis: Flüssigkeit und Dampf gemischt, hier wird Wärme aufgenommen. Orange: nur noch Dampf, er wird bloß wärmer.
Das Ventil entscheidet, wie weit die Flüssigkeit in den Verdampfer hineinreicht. Zu wenig Kältemittel lässt den letzten Teil des Wärmetauschers ungenutzt, die Kühlleistung fehlt. Zu viel schickt Flüssigkeit zum Verdichter, und Flüssigkeit lässt sich nicht zusammendrücken. Diese Fallunterscheidung fehlt auf allen geprüften Ratgeberseiten, obwohl sie die zweite Aufgabe des Bauteils überhaupt erst erklärt.

Der Schadensfall steht in der untersten Zeile der Grafik. Erreicht Flüssigkeit den Verdichter, spricht die Kältetechnik von Flüssigkeitsschlag. Flüssigkeit lässt sich nicht zusammendrücken, und ein Verdichter, der es trotzdem versucht, nimmt Schaden. Genau diesen Verdichterschutz nennen heizung.de und wegatech als Aufgabe des Ventils. Den Regelkreis dahinter, der ihn überhaupt erst leistet, zeigt keiner der beiden.

Die beiden Wärmetauscher links und rechts vom Ventil sind der Ort, an dem die Wärme tatsächlich übergeht. Wie Verdampfer und Verflüssiger arbeiten, steht in einem eigenen Beitrag.

Was in Ihrem Gerät steckt

Expansionsventil ist ein Sammelbegriff. Drei Bauarten sind im Raumklimabereich verbreitet, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie fein sie nachregeln können.

DREI BAUARTEN, DREI REGELGÜTENKapillarrohrein langes, dünnes RöhrchenRegeltgar nichtFeinheitkeine StufenTeillastschlechtKostensehr geringKühlschrank, MonoblockThermostatischFühler am Saugrohr, mechanischRegeltmechanischFeinheitträge, stufenlosWerkswert4 K ÜberhitzungKostengeringältere KälteanlagenElektronischSchrittmotor, vom Regler gesteuertRegeltelektronischFeinheitbis 500 SchritteRegeltaktalle 20 SekundenKostenhöherheutige SplitgeräteZahlen aus Daikin-Servicehandbuch 12/2023, Sanhua-Katalog DPF-TS/S und Danfoss-Datenblatt T2/TE2 (03/2025).
In einem heutigen Splitgerät sitzt fast sicher ein elektronisches Ventil. Das Kapillarrohr regelt gar nicht, es ist nur eine feste Engstelle. Das thermostatische Ventil regelt mechanisch, aber träge. Das elektronische Ventil verstellt ein Schrittmotor, und der kann in wenigen Sekunden nachführen, wenn der Verdichter seine Drehzahl ändert.

Das thermostatische Expansionsventil, kurz TEV, arbeitet rein mechanisch: Ein Fühler am Saugrohr misst die Temperatur, ein Druck im Fühlerkopf drückt über eine Membran gegen eine Feder, und daraus ergibt sich die Öffnung. Danfoss gibt für seine Baureihe T2 und TE2 eine Werkseinstellung der statischen Überhitzung von 4 Kelvin an. Bemerkenswert ist die Kältemittelliste desselben Datenblattes vom März 2025: R32, R410A und R290 stehen nicht darauf. Genau die Kältemittel also, die heute in Splitgeräten arbeiten.

Das elektronische Expansionsventil, kurz EEV, hat statt Membran und Feder einen kleinen Schrittmotor. Der Regler bekommt Messwerte und stellt das Ventil danach. Das Daikin-Servicehandbuch beschreibt für die Wandgeräte der Größen 09, 12, 18 und 24 eine maximale Öffnung von 470 bis 480 Pulsen bei einem Minimum von 52 Pulsen im Betrieb. Ein Sanhua-Ventil der Serie DPF hat 500 Schritte vollen Hub und beginnt bei 32 plus minus 20 Schritten überhaupt erst zu öffnen.

WIE FEIN EIN ELEKTRONISCHES VENTIL REGELT0200400600800470 bis 480 PulseMaximum im Betrieb32 ± 20 SchritteÖffnungsbeginn · Sanhua DPF52 PulseMinimum im Betrieb700 bis 720 PulseReferenzfahrt beim Einschalten0 heißt ganz zu. Daikin-Wandgeräte 09/12/18/24, Servicehandbuch 12/2023 · Öffnungsbeginn: Sanhua-Katalog DPF-TS/S.
Zwischen ganz zu und ganz auf liegen mehrere hundert Zwischenstellungen. Die Regelung prüft alle 20 Sekunden nach und verstellt das Ventil. Beim Einschalten fährt der Motor weiter, als das Ventil überhaupt öffnen kann, damit die Nullstellung sicher gefunden wird. Genau diese Referenzfahrt ist das Klacken, das viele beim Start hören.
Verbreiteter Irrtum Das Viessmann-Portal heizung.de ordnet elektronische Expansionsventile den Großanlagen zu, sie wirkten dort „deutlich genauer“. Das Daikin-Servicehandbuch beschreibt genau dieses Ventil im Wandgerät der Größe 09, also in einem Gerät für ein Schlafzimmer. Ein 2,5-Kilowatt-Wandgerät ist keine Großanlage. Wer heute ein Inverter-Splitgerät kauft, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein elektronisches Ventil.

Der Grund dafür liegt in der Regelung. Ein Inverterverdichter ändert ständig seine Drehzahl und damit die Menge, die er ansaugt. Ein mechanisches Ventil kommt da nur träge hinterher, ein elektronisches folgt in Sekunden. Ohne EEV gäbe es keinen brauchbaren Teillastbetrieb, und in Teillast verbringt ein Inverter den größten Teil seiner Laufzeit. Umgekehrt hat auch das Ventil eine untere Grenze: Unter 52 Pulsen regelt es laut Handbuch nicht mehr weiter.

Warum es beim Einschalten kurz klackt. Beim Start fährt der Motor das Ventil auf Anschlag, damit die Regelung weiß, wo Null liegt. Das Daikin-Handbuch beziffert diese Referenzfahrt mit 700 bis 720 Pulsen, also deutlich mehr, als das Ventil überhaupt öffnen kann. Die Fachzeitschrift Kälte Klima Aktuell beschreibt, dass ein funktionierendes EEV beim Start „normalerweise ein leises Klicken oder Summen“ von sich gibt. In einem Forumsthread auf energiesparhaus.at zu Geräuschen an einer Splitanlage taucht das Ventil als mögliche Quelle in keiner einzigen Antwort auf; ein Nutzer schreibt sogar, im Innengerät gebe es außer der Lüfterwalze „keine beweglichen Teile“. Das erklärt, warum dieses harmlose Geräusch so oft Rätsel aufgibt.

Eine offene Frage Wo das Ventil genau sitzt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei einer Monosplit-Anlage ist es üblicherweise im Außengerät untergebracht, bei einer Multisplit-Anlage braucht jeder Innengerätekreis eine eigene Drosselstelle. Der Thread im Kälte-Treffpunkt, der genau diese Frage stellt, war für die Recherche technisch nicht abrufbar. Eine herstellerscharfe Aussage steht deshalb hier nicht. Im Zweifel klärt das Schaltbild in der Serviceunterlage Ihres Geräts die Frage.

Wenn das Ventil nicht richtig arbeitet

Für Autos findet man im deutschen Netz ausführliche Symptomlisten und Reparaturkosten. Für Splitgeräte im Haus gibt es diese Seite praktisch nicht. Was sich aus der Fachliteratur belegen lässt, ist überschaubar, aber immerhin belegt.

  • Zu hohe Überhitzung. Nach der Fachzeitschrift Kälte Klima Aktuell deutet das „in der Regel darauf hin, dass das Ventil nicht genügend Kältemittel in den Verdampfer lässt“. Nach außen zeigt sich das als Anlage, die läuft, aber schwach kühlt.
  • Zu niedrige Überhitzung. Klemmt das Ventil offen, wird der Verdampfer geflutet. Das ist der gefährliche Fall für den Verdichter.
  • Druckschwankungen. Bewegt sich das Ventil unregelmäßig, schwankt der Druck mit. Sichtbar ist das nur an der Messtechnik.
  • Verstopfung. Als häufige Ursache nennt dieselbe Quelle „Schmutz, Öl oder Ablagerungen“ in der Engstelle.

Alle vier Punkte haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nur mit Messtechnik feststellen, nicht durch Hinsehen. Überhitzung ist keine Größe, die irgendwo im Display steht. Sie wird aus Druck und Temperatur an derselben Stelle berechnet. Wie das geht, steht im Beitrag dazu, wie man eine Anlage mit der Manometerbrücke nachmisst.

Der verbreitete Irrtum Auf einer Verbraucherseite steht ein ganzer Abschnitt mit der Überschrift „Wie stellt man das Expansionsventil ein?“, ohne den Hinweis, dass das für Laien nicht in Frage kommt. Die richtige Antwort lautet: gar nicht. An einem elektronischen Ventil gibt es nichts einzustellen, es hängt am Regler. Ein thermostatisches Ventil hat zwar eine Spindel, aber wer daran dreht, ohne die Überhitzung zu messen, verstellt die Anlage blind. Und jeder Eingriff in den Kältekreis ist in Deutschland an einen Sachkundenachweis gebunden.
Eine offene Frage Was der Tausch eines defekten Expansionsventils an einem Splitgerät kostet, ließ sich in der Recherche nicht belegen. Für Autos gibt es Preisangaben, für Gebäudeanlagen fand sich keine belastbare Quelle. Klar ist nur, was dazugehört: Kältemittel absaugen, im Kreis löten, neu befüllen, Dichtheit prüfen. Das ist Facharbeit, keine Kleinigkeit. Eine Hausnummer erfinden wir hier nicht.

Warum Ihre Suchergebnisse vom Auto handeln

Wer „Expansionsventil Klimaanlage“ in die Suche tippt, bekommt Werkstattpreise, Ersatzteile und Kfz-Ausbildungsmaterial. In der für diesen Beitrag geprüften Trefferliste stand kein einziges Gebäudeergebnis. Das liegt nicht an Ihnen, sondern daran, dass der Begriff im deutschen Netz als Kfz-Werkstattbegriff besetzt ist.

DASSELBE BAUTEIL, ZWEI VERSCHIEDENE WELTENIm AutoKfz-KlimaanlageKältemittelR1234yf, früher R134aVerdichterRiemen vom MotorVentilartmeist thermostatischEinbauim MotorraumRepariertKfz-WerkstattIm HausSplitgerät oder WärmepumpeKältemittelR32, zunehmend R290VerdichterInverter, drehzahlgeregeltVentilartmeist elektronischEinbauim Gerät, verlötetRepariertKälteanlagenbauerKältemittel und Ventilart der Gebäudeseite nach Daikin-Servicehandbuch 12/2023.
Wer „Expansionsventil Klimaanlage“ sucht, landet fast zwangsläufig beim Auto. In der geprüften Trefferliste zu diesem Begriff stand kein einziges Gebäudeergebnis. Das Bauteil heißt gleich und arbeitet nach demselben Prinzip, aber Kältemittel, Antrieb, Bauart und Zuständigkeit unterscheiden sich. Reparaturkosten aus einem Autoratgeber lassen sich deshalb nicht auf ein Splitgerät übertragen.

Wer Gebäudetechnik sucht, kommt mit dem Wort Kältekreislauf weiter. Auffällig ist außerdem, dass der gesamte deutsche Gebäude-Korpus zu diesem Bauteil als Wärmepumpen-Thema geschrieben ist. Das ist kein Widerspruch: Es ist dasselbe Bauteil im selben Kreis. Eine Klimaanlage ist eine Wärmepumpe, die im Sommer in die andere Richtung arbeitet.

Beim Heizen läuft es rückwärts

Im Heizbetrieb tauschen Innen- und Außengerät ihre Rollen. Der Verdampfer sitzt dann draußen, der Verflüssiger drinnen, und die Strömungsrichtung im Kreis kehrt sich um. Wie das gemacht wird, erklärt der Beitrag darüber, wie die Anlage beim Heizen den Kreislauf umdreht.

Für das Expansionsventil heißt das: Es muss in beide Richtungen drosseln können. Ein elektronisches Ventil kann das bauartbedingt, weil der Schrittmotor die Öffnung unabhängig von der Strömungsrichtung vorgibt. Bei einem thermostatischen Ventil, das auf eine Durchflussrichtung ausgelegt ist, braucht es dafür zusätzliche Rückschlagventile, die die Strömung um das Ventil herumführen. Das ist einer der Gründe, warum umschaltbare Geräte praktisch nur noch elektronisch geregelt werden.

Eine offene Frage Wie ein bestimmter Hersteller die Umkehrung im Detail löst, ließ sich für die hier geprüften Unterlagen nicht belegen. Das Prinzip ist klar, die konkrete Ausführung je Gerät nicht. Deshalb steht hier keine Zeichnung des Heizfalls, sondern nur der Hinweis auf das, was das Ventil dabei leisten muss.

Dieselbe Umschaltung passiert übrigens auch beim Abtauen des Außengeräts im Winter. Auch dabei wechselt die Anlage für einige Minuten in den Kühlbetrieb, und das Ventil drosselt in die andere Richtung.

Ein Hinweis zur Norm In Fachtexten wird für Ventile in Kälteanlagen häufig noch DIN EN 12284 zitiert. Diese Norm ist zurückgezogen und durch DIN EN ISO 21922 ersetzt. Auf keiner der geprüften Ratgeberseiten steht das.

Häufige Fragen

Es hat zwei Aufgaben. Erstens senkt es den Druck: Das flüssige Kältemittel wird durch eine sehr enge Öffnung gepresst, bei R32 fällt der Druck dabei von rund 28 auf rund 9,5 bar. Zweitens dosiert es die Menge, die in den Verdampfer gelangt, damit dort am Ende nur Dampf ankommt und keine Flüssigkeit. Das Ventil selbst kühlt nichts.
Weil rund ein Viertel davon sofort verdampft und sich die dafür nötige Wärme aus den restlichen drei Vierteln holt. Bei R32 sind es im Beispiel 25,2 Prozent. Von außen kommt dabei nichts hinzu: Der Energieinhalt je Kilogramm ist vor und hinter dem Ventil derselbe, nämlich 286,3 Kilojoule. Fachleute nennen das isenthalpe Drosselung.
Drei sind im Raumklimabereich verbreitet. Das Kapillarrohr ist nur eine feste Engstelle und regelt gar nicht, es steckt in Kühlschränken und kleinen Monoblockgeräten. Das thermostatische Ventil regelt mechanisch über einen Temperaturfühler. Das elektronische Ventil verstellt ein Schrittmotor mit mehreren hundert Stufen; es sitzt heute in Inverter-Splitgeräten.
Nein. An einem elektronischen Ventil gibt es nichts einzustellen, es folgt dem Regler. Ein thermostatisches Ventil hat zwar eine Einstellspindel, aber ohne Messung der Überhitzung verstellt man die Anlage blind. Dazu kommt: Eingriffe in den Kältekreis setzen in Deutschland einen Sachkundenachweis voraus. Wer daran hantiert, riskiert Verdichterschaden und Kältemittelverlust.
Nur mit Messtechnik. Die Fachliteratur nennt vier Bilder: zu hohe Überhitzung, wenn zu wenig Kältemittel durchkommt, zu niedrige Überhitzung bei offen klemmendem Ventil, schwankende Drücke bei unregelmäßiger Bewegung und Verstopfung durch Schmutz oder Öl. Von außen sieht man davon nichts außer nachlassender Kühlleistung, und die hat viele andere Ursachen.
Das ist meist die Referenzfahrt des elektronischen Ventils. Beim Start fährt der Schrittmotor über den ganzen Hub, um die Nullstellung sicher zu finden; das Daikin-Servicehandbuch nennt dafür 700 bis 720 Pulse. Ein leises Klicken oder Summen beim Start gilt in der Fachliteratur als normal und ist kein Hinweis auf einen Defekt.
Ja. Es ist dasselbe Bauteil im selben Kältekreis, und deshalb ist fast der gesamte deutsche Gebäude-Korpus dazu als Wärmepumpen-Thema geschrieben. Der Unterschied liegt nur im Betriebspunkt und darin, in welche Richtung die Anlage gerade arbeitet. Bei umschaltbaren Geräten muss das Ventil in beide Strömungsrichtungen drosseln können.
Oliver Takens
Wer das geschrieben hat

Oliver Takens

Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.

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Und was heißt jetzt Überhitzung?

Das Ventil regelt sie, gemessen wird sie am Saugrohr. Was Überhitzung und Unterkühlung bedeuten und warum beide über die Leistung entscheiden.

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Stand: 25. August 2026 · Quellen: NIST Chemistry WebBook, Sättigungsdaten R32 und R290, Abruf 24.08.2026 · Daikin Service Manual DAMA-SM-23-020, 12/2023 · Sanhua Produktkatalog EEV DPF-TS/S · Danfoss Datenblätter ETS Colibri (09/2025) und T2/TE2 (03/2025) · DIN Media zu DIN EN 12284 und DIN EN ISO 21922 · Kälte Klima Aktuell, 06/2025 · geprüfte Ratgeberseiten: kaelteheld.com, wegatech.de, heizung.de, effizienzhaus-online.de, solarwissen.selfmade-energy.com, derklimafachmann.de, kfz-tech.de · Forum energiesparhaus.at