Die kurze Antwort
Das Expansionsventil ist die Grenze zwischen Hochdruck und Niederdruck. Es presst das flüssige Kältemittel durch eine sehr enge Öffnung. Der Fachbegriff dafür lautet Drosselung. Bei einem üblichen Splitgerät mit dem Kältemittel R32 fällt der Druck dabei von rund 28 auf rund 9,5 bar, und die Temperatur, bei der das Kältemittel siedet, von 45 auf 5 Grad.
Dahinter wird es kalt, und zwar aus einem Grund, den kaum eine Ratgeberseite nennt: Rund ein Viertel des Kältemittels verdampft direkt hinter der Engstelle. Die Wärme, die es dafür braucht, entzieht es den übrigen drei Vierteln. Von außen kommt nichts hinzu.
Das Ventil hat eine zweite Aufgabe, die noch seltener erklärt wird. Es dosiert. Es lässt genau so viel Kältemittel in den Verdampfer, dass die Flüssigkeit am Ende der Rohrschlange gerade aufgebraucht ist. Kommt zu wenig durch, bleibt Kühlleistung liegen. Kommt zu viel, erreicht Flüssigkeit den Verdichter, und das endet teuer.
Das Ventil ist das dritte von vier Bauteilen im Kreis. Wenn die Reihenfolge Verdichter, Verflüssiger, Expansionsventil, Verdampfer noch nichts sagt, lohnt vorher ein Blick darauf, wie der Kältekreislauf Schritt für Schritt arbeitet. Dieser Beitrag ist die Vertiefung von Schritt drei.
Wenn Sie nicht wissen wollen, wie das Bauteil arbeitet, sondern warum Ihre Anlage schlecht kühlt, sind Sie hier nur halb richtig. Dieser Beitrag erklärt das Ventil, er stellt keine Ferndiagnose. Was bei nachlassender Kühlleistung zuerst zu prüfen ist, steht in einem eigenen Beitrag dazu, wenn die Anlage bei Hitze nicht mehr kühlt.
Warum es kalt wird, obwohl niemand kühlt
Der Satz, der auf fast jeder Seite steht, geht ungefähr so: Durch das Expansionsventil entspannt sich das Kältemittel und kühlt dabei stark ab. So formuliert es derklimafachmann.de. Der Satz ist nicht falsch. Er erklärt nur nichts, und er legt eine Deutung nahe, die in die Irre führt: dass Druckabfall an sich Kälte erzeugt.
Druckabfall allein erzeugt keine Kälte. Wenn Sie Luft aus einer Fahrradpumpe ausströmen lassen, fällt der Druck ebenfalls stark, und die Luft wird trotzdem kaum kälter. Der Unterschied liegt nicht im Druck, sondern darin, was das Kältemittel an der Engstelle mit sich selbst macht.
Die Rechnung dazu geht exakt auf, und das ist der Punkt. Ein Kilogramm R32 muss beim Abkühlen von 45 auf 5 Grad 77,5 Kilojoule Wärme loswerden. Ein Viertel desselben Kilogramms braucht zum Verdampfen bei 5 Grad genau diese 77,5 Kilojoule. Beide Zahlen stammen aus derselben Stoffdatentabelle, und sie sind identisch. Nichts geht hinein, nichts geht heraus.
Fachleute schreiben denselben Sachverhalt in ein Schaubild, das für jeden Punkt im Kreislauf Druck und Energieinhalt zeigt: das log-p-h-Diagramm. Der Energieinhalt eines Kilogramms heißt dort Enthalpie und wird in Kilojoule je Kilogramm angegeben. Für das Expansionsventil ist dieses Diagramm besonders eindrücklich, weil die Drosselung darin als völlig gerade, senkrechte Linie erscheint.
Isenthalp heißt: Der Energieinhalt bleibt gleich. Das Ventil ist ein Loch, kein Motor. Es leistet keine Arbeit, es hat keinen Anschluss und keine Kühlung. Was sich ändert, ist allein die Aufteilung: vorher ein Kilogramm warme Flüssigkeit, nachher rund 750 Gramm kalte Flüssigkeit und rund 250 Gramm kalter Dampf. Dieselbe Energie, anders verteilt.
Wer sich schon einmal gefragt hat, warum eine Klimaanlage kein Perpetuum mobile ist, findet hier dieselbe Denkbewegung wieder: Energie wird verschoben und umverteilt, nicht erzeugt.
Die Zahlen vor und hinter dem Ventil
In keiner der acht geprüften Gebäudeseiten steht eine einzige Druck-, Temperatur- oder Kelvinangabe zu diesem Bauteil. Zusammengerechnet sind das rund 8.000 Wörter ohne eine einzige Zahl. Deshalb hier die Werte, mit denen sich rechnen lässt.
- Vor dem Ventil: 27,95 bar absolut, 45 Grad. Das ist der Druck, bei dem R32 bei 45 Grad siedet. Die Fachleute nennen diesen Wert Sättigungsdruck, die zugehörige Temperatur Sättigungstemperatur. 45 Grad Verflüssigung ist ein üblicher Betriebspunkt an einem heißen Tag.
- Hinter dem Ventil: 9,51 bar absolut, 5 Grad. Derselbe Stoff, derselbe Energieinhalt, nur eben ein anderer Druck und damit eine andere Siedetemperatur.
- Der Sprung: 18,4 bar und 40 Kelvin. Beides auf wenigen Millimetern Weg.
- Der Dampfanteil dahinter: 25,2 Prozent. Das Fachwort dafür ist Flash-Gas. Dieser Anteil trägt nichts zur Kühlung bei, er ist bereits verdampft, bevor der Verdampfer beginnt.
- Die nutzbare Kälteleistung: 229,8 Kilojoule je Kilogramm. So viel Wärme kann ein Kilogramm R32 im Verdampfer aufnehmen, bis es vollständig verdampft ist.
Aus der Kälteleistung je Kilogramm folgt, wie viel Kältemittel überhaupt durch die Engstelle muss. Ein Gerät mit 3,5 Kilowatt Kälteleistung braucht 3,5 geteilt durch 229,8, also rund 0,015 Kilogramm je Sekunde. Das sind etwa 55 Kilogramm je Stunde oder knapp ein Kilogramm je Minute. Zum Vergleich: Für die Baugrößen 09 und 12, zu denen ein 3,5-kW-Gerät gehört, nennt das Daikin-Handbuch 0,75 Kilogramm Füllmenge. Das gesamte Kältemittel der Anlage läuft also etwa einmal je Minute durch das Ventil.
Die Zahlen hängen am Betriebspunkt. Steigt der Verflüssigungsdruck an einem sehr heißen Tag auf den Wert, der zu 50 Grad gehört, also 31,41 bar absolut, dann steigt der Flash-Gas-Anteil auf 28,9 Prozent, und die nutzbare Kälteleistung je Kilogramm sinkt um 4,9 Prozent. Genau das ist einer der Gründe, warum eine Anlage bei großer Hitze weniger leistet.
In die andere Richtung wirkt die Unterkühlung: Wird die Flüssigkeit vor dem Ventil kälter als ihre Siedetemperatur, verdampft weniger davon sofort. Bei 5 Kelvin Unterkühlung sinkt der Flash-Gas-Anteil auf 21,7 Prozent und die Kälteleistung je Kilogramm steigt um 4,7 Prozent, bei 10 Kelvin auf 18,4 Prozent und 9,1 Prozent mehr Leistung. Das ist der eigentliche Grund, warum Unterkühlung in der Kältetechnik überhaupt ein Thema ist. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, was Überhitzung und Unterkühlung genau bedeuten.
Mit einem anderen Kältemittel verschiebt sich das ganze Bild. R290, also Propan, arbeitet bei denselben Temperaturen mit 15,34 bar absolut vorn und 5,51 bar absolut hinten, der Druckabfall beträgt nur 9,8 statt 18,4 bar. Der Flash-Gas-Anteil liegt dafür mit 29,7 Prozent höher. Ein Ventil muss deshalb ausdrücklich für das jeweilige Kältemittel freigegeben sein.
Die zweite Aufgabe: dosieren
Bis hierher ging es nur um den Druck. Die zweite Aufgabe des Ventils nennen die geprüften Gebäudeseiten entweder gar nicht oder nur als Nebensatz. Ausgerechnet eine Kfz-Seite, kfz-tech.de, formuliert sie sauber: Das Ventil steuert die Verdampfung so, „dass möglichst kein flüssiges Kältemittel mehr übrig bleibt“.
Die Regelgröße dafür heißt Überhitzung. Gemeint ist, um wie viele Grad der Dampf am Ende des Verdampfers wärmer ist als seine Siedetemperatur bei diesem Druck. Ist die Überhitzung hoch, war zu wenig Kältemittel im Verdampfer. Ist sie fast null, war zu viel da. Das Ventil regelt also nicht den Druck, sondern die Menge, und misst seinen Erfolg an der Temperatur am Verdampferausgang.
Der Schadensfall steht in der untersten Zeile der Grafik. Erreicht Flüssigkeit den Verdichter, spricht die Kältetechnik von Flüssigkeitsschlag. Flüssigkeit lässt sich nicht zusammendrücken, und ein Verdichter, der es trotzdem versucht, nimmt Schaden. Genau diesen Verdichterschutz nennen heizung.de und wegatech als Aufgabe des Ventils. Den Regelkreis dahinter, der ihn überhaupt erst leistet, zeigt keiner der beiden.
Die beiden Wärmetauscher links und rechts vom Ventil sind der Ort, an dem die Wärme tatsächlich übergeht. Wie Verdampfer und Verflüssiger arbeiten, steht in einem eigenen Beitrag.
Was in Ihrem Gerät steckt
Expansionsventil ist ein Sammelbegriff. Drei Bauarten sind im Raumklimabereich verbreitet, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie fein sie nachregeln können.
Das thermostatische Expansionsventil, kurz TEV, arbeitet rein mechanisch: Ein Fühler am Saugrohr misst die Temperatur, ein Druck im Fühlerkopf drückt über eine Membran gegen eine Feder, und daraus ergibt sich die Öffnung. Danfoss gibt für seine Baureihe T2 und TE2 eine Werkseinstellung der statischen Überhitzung von 4 Kelvin an. Bemerkenswert ist die Kältemittelliste desselben Datenblattes vom März 2025: R32, R410A und R290 stehen nicht darauf. Genau die Kältemittel also, die heute in Splitgeräten arbeiten.
Das elektronische Expansionsventil, kurz EEV, hat statt Membran und Feder einen kleinen Schrittmotor. Der Regler bekommt Messwerte und stellt das Ventil danach. Das Daikin-Servicehandbuch beschreibt für die Wandgeräte der Größen 09, 12, 18 und 24 eine maximale Öffnung von 470 bis 480 Pulsen bei einem Minimum von 52 Pulsen im Betrieb. Ein Sanhua-Ventil der Serie DPF hat 500 Schritte vollen Hub und beginnt bei 32 plus minus 20 Schritten überhaupt erst zu öffnen.
Der Grund dafür liegt in der Regelung. Ein Inverterverdichter ändert ständig seine Drehzahl und damit die Menge, die er ansaugt. Ein mechanisches Ventil kommt da nur träge hinterher, ein elektronisches folgt in Sekunden. Ohne EEV gäbe es keinen brauchbaren Teillastbetrieb, und in Teillast verbringt ein Inverter den größten Teil seiner Laufzeit. Umgekehrt hat auch das Ventil eine untere Grenze: Unter 52 Pulsen regelt es laut Handbuch nicht mehr weiter.
Warum es beim Einschalten kurz klackt. Beim Start fährt der Motor das Ventil auf Anschlag, damit die Regelung weiß, wo Null liegt. Das Daikin-Handbuch beziffert diese Referenzfahrt mit 700 bis 720 Pulsen, also deutlich mehr, als das Ventil überhaupt öffnen kann. Die Fachzeitschrift Kälte Klima Aktuell beschreibt, dass ein funktionierendes EEV beim Start „normalerweise ein leises Klicken oder Summen“ von sich gibt. In einem Forumsthread auf energiesparhaus.at zu Geräuschen an einer Splitanlage taucht das Ventil als mögliche Quelle in keiner einzigen Antwort auf; ein Nutzer schreibt sogar, im Innengerät gebe es außer der Lüfterwalze „keine beweglichen Teile“. Das erklärt, warum dieses harmlose Geräusch so oft Rätsel aufgibt.
Wenn das Ventil nicht richtig arbeitet
Für Autos findet man im deutschen Netz ausführliche Symptomlisten und Reparaturkosten. Für Splitgeräte im Haus gibt es diese Seite praktisch nicht. Was sich aus der Fachliteratur belegen lässt, ist überschaubar, aber immerhin belegt.
- Zu hohe Überhitzung. Nach der Fachzeitschrift Kälte Klima Aktuell deutet das „in der Regel darauf hin, dass das Ventil nicht genügend Kältemittel in den Verdampfer lässt“. Nach außen zeigt sich das als Anlage, die läuft, aber schwach kühlt.
- Zu niedrige Überhitzung. Klemmt das Ventil offen, wird der Verdampfer geflutet. Das ist der gefährliche Fall für den Verdichter.
- Druckschwankungen. Bewegt sich das Ventil unregelmäßig, schwankt der Druck mit. Sichtbar ist das nur an der Messtechnik.
- Verstopfung. Als häufige Ursache nennt dieselbe Quelle „Schmutz, Öl oder Ablagerungen“ in der Engstelle.
Alle vier Punkte haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nur mit Messtechnik feststellen, nicht durch Hinsehen. Überhitzung ist keine Größe, die irgendwo im Display steht. Sie wird aus Druck und Temperatur an derselben Stelle berechnet. Wie das geht, steht im Beitrag dazu, wie man eine Anlage mit der Manometerbrücke nachmisst.
Warum Ihre Suchergebnisse vom Auto handeln
Wer „Expansionsventil Klimaanlage“ in die Suche tippt, bekommt Werkstattpreise, Ersatzteile und Kfz-Ausbildungsmaterial. In der für diesen Beitrag geprüften Trefferliste stand kein einziges Gebäudeergebnis. Das liegt nicht an Ihnen, sondern daran, dass der Begriff im deutschen Netz als Kfz-Werkstattbegriff besetzt ist.
Wer Gebäudetechnik sucht, kommt mit dem Wort Kältekreislauf weiter. Auffällig ist außerdem, dass der gesamte deutsche Gebäude-Korpus zu diesem Bauteil als Wärmepumpen-Thema geschrieben ist. Das ist kein Widerspruch: Es ist dasselbe Bauteil im selben Kreis. Eine Klimaanlage ist eine Wärmepumpe, die im Sommer in die andere Richtung arbeitet.
Beim Heizen läuft es rückwärts
Im Heizbetrieb tauschen Innen- und Außengerät ihre Rollen. Der Verdampfer sitzt dann draußen, der Verflüssiger drinnen, und die Strömungsrichtung im Kreis kehrt sich um. Wie das gemacht wird, erklärt der Beitrag darüber, wie die Anlage beim Heizen den Kreislauf umdreht.
Für das Expansionsventil heißt das: Es muss in beide Richtungen drosseln können. Ein elektronisches Ventil kann das bauartbedingt, weil der Schrittmotor die Öffnung unabhängig von der Strömungsrichtung vorgibt. Bei einem thermostatischen Ventil, das auf eine Durchflussrichtung ausgelegt ist, braucht es dafür zusätzliche Rückschlagventile, die die Strömung um das Ventil herumführen. Das ist einer der Gründe, warum umschaltbare Geräte praktisch nur noch elektronisch geregelt werden.
Dieselbe Umschaltung passiert übrigens auch beim Abtauen des Außengeräts im Winter. Auch dabei wechselt die Anlage für einige Minuten in den Kühlbetrieb, und das Ventil drosselt in die andere Richtung.
Häufige Fragen
Und was heißt jetzt Überhitzung?
Das Ventil regelt sie, gemessen wird sie am Saugrohr. Was Überhitzung und Unterkühlung bedeuten und warum beide über die Leistung entscheiden.
Zum BeitragStand: 25. August 2026 · Quellen: NIST Chemistry WebBook, Sättigungsdaten R32 und R290, Abruf 24.08.2026 · Daikin Service Manual DAMA-SM-23-020, 12/2023 · Sanhua Produktkatalog EEV DPF-TS/S · Danfoss Datenblätter ETS Colibri (09/2025) und T2/TE2 (03/2025) · DIN Media zu DIN EN 12284 und DIN EN ISO 21922 · Kälte Klima Aktuell, 06/2025 · geprüfte Ratgeberseiten: kaelteheld.com, wegatech.de, heizung.de, effizienzhaus-online.de, solarwissen.selfmade-energy.com, derklimafachmann.de, kfz-tech.de · Forum energiesparhaus.at
