Die kurze Antwort
Messen Sie die angesaugte und die ausgeblasene Luft am Innengerät. Auf höchster Lüfterstufe, frühestens fünfzehn Minuten nach dem Einschalten, mit einem Thermometer, das einen dünnen Fühler hat. Liegen zwischen beiden Werten rund neun bis dreizehn Kelvin, arbeitet die Anlage unauffällig.
Diese Zahl hat einen Haken, den im deutschen Netz niemand nennt: Sie gilt nur für die höchste Lüfterstufe. Dieselbe Anlage macht auf leiser Stufe leicht siebzehn oder zwanzig Kelvin, und auch das ist in Ordnung. Ohne Lüfterstufe, Laufzeit und Außentemperatur ist ein Messwert nicht zu bewerten. Keine der acht geprüften Ratgeberseiten nennt zu ihrer Temperaturangabe die Lüfterstufe. Nicht eine.
Was Sie in zehn Minuten selbst feststellen können
Für die Selbstprüfung brauchen Sie kein Fachwerkzeug. Ein Thermometer mit dünnem Fühler kostet zwischen fünf und zwanzig Euro, ein Steckdosenmessgerät ähnlich viel. Ein Infrarotthermometer taugt nicht, dazu weiter unten mehr. Wichtiger als das Gerät ist die Reihenfolge.
- Erst den Filter ansehen. Ein zugesetzter Filter senkt den Luftstrom und verfälscht damit jede Temperaturmessung in Richtung „zu viel Differenz“. Reinigen Sie ihn vor der Messung, nicht danach.
- Kühlbetrieb einstellen, Solltemperatur deutlich unter die Raumtemperatur, Lüfter auf die höchste Stufe. Nicht auf Automatik: Sonst wissen Sie nachher nicht, welche Stufe gelaufen ist.
- Fünfzehn Minuten warten. Nach dem Einschalten legt der Verdichter eine Schutzpause ein, und der Wärmetauscher im Innengerät ist noch warm. Hersteller schreiben für die Inbetriebnahme sogar einen Testlauf von dreißig Minuten vor.
- Ansaugluft messen, dann Ausblasluft. Beide Werte notieren, dazu Lüfterstufe, Uhrzeit und Außentemperatur. Die Differenz ist Ihr Hauptwert. Gemessen wird im freien Luftstrom vor dem Gerät, nicht im laufenden Gerät.
- Leistungsaufnahme ablesen. Steckdosenmessgerät oder Zwischenzähler. Der Wert beantwortet die Frage, ob der Verdichter überhaupt arbeitet.
- Auf den Kondensatablauf schauen. An einem schwülen Tag muss Wasser kommen. Wie viel, ist zweitrangig; dass gar nichts kommt, ist ein Zeichen.
Eine letzte Beobachtung braucht nur eine Uhr: Wie lange dauert es, bis der Raum spürbar kühler wird? Eine verbindliche Sollzeit dafür gibt es nicht, und keine Norm legt eine fest. Der einzige offengelegte Referenzrahmen stammt von Stiftung Warentest, die im Labor misst, wie lange ein Gerät braucht, um einen Raum von 4,8 mal 4,1 mal 2,9 Metern von 35 auf 30, 28 und 25 Grad zu bringen. Ihre Wohnung ist nicht dieser Raum. Als Gefühl für die Größenordnung taugt der Aufbau trotzdem.
Wie kalt muss die Luft sein?
Genau eine der geprüften Ratgeberseiten nennt überhaupt eine Ansaug-Ausblas-Differenz: 8 bis 12 Grad im Kühlbetrieb. Woher die Zahl stammt, steht dort nicht. Keine Norm, kein Hersteller, keine Messreihe. Sie ist damit die einzige merkbare Zahl im ganzen Feld und zugleich der De-facto-Standard des deutschen Netzes.
Falsch ist sie nicht. Sie ist nur unvollständig, und die fehlende Angabe ist die wichtigste. Nachrechnen lässt sich das mit einem Herstellerdatenblatt. Für ein Wandgerät der 3,5-Kilowatt-Klasse gibt Daikin den Luftvolumenstrom des Innengeräts je Lüfterstufe an: 678, 468, 360 und 246 Kubikmeter je Stunde. Aus der Wärmemenge und der Luftmenge folgt die Temperaturdifferenz, und zwar mit derselben Formel, die in jedem Physikbuch steht.
Der Rechenweg im Klartext: Die abgeführte Wärme geteilt durch den Luftmassenstrom mal der spezifischen Wärmekapazität ergibt die Abkühlung. Mit 678 Kubikmetern je Stunde, einer Luftdichte von 1,18 Kilogramm je Kubikmeter und 1,005 Kilojoule je Kilogramm und Kelvin transportiert der Luftstrom rund 0,22 Kilowatt je Kelvin. Kühlt das Gerät die Luft mit 2,45 Kilowatt, also mit 70 Prozent seiner 3,5 Kilowatt Nennleistung, sind das 11,0 Kelvin.
Damit ist auch die verbreitete Vorstellung erledigt, mehr Differenz sei besser. Eine große Differenz bei kleinem Luftstrom bedeutet dieselbe Leistung, nur langsamer im Raum verteilt. Nach unten gibt es dagegen eine harte Grenze.
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum die Differenz schwankt, und der hat nichts mit der Anlage zu tun, sondern mit dem Wetter. Die Nennkühlleistung wird nach Norm bei 27 Grad Raumluft und einer Feuchtkugeltemperatur von 19 Grad gemessen. Die Feuchtkugeltemperatur zeigt ein Thermometer mit feuchtem Überzug an; sie liegt umso tiefer, je trockener die Luft ist. Beide Werte zusammen entsprechen rund 47 Prozent relativer Luftfeuchte und einem Taupunkt von etwa 14,7 Grad. Die Prüfluft ist also absichtlich feucht, weil jeder reale Verdampfer nebenbei entfeuchtet.
Ein Teil der Kühlleistung steckt deshalb im Wasser, das am Wärmetauscher des Innengeräts kondensiert, und nicht in der Temperatur. An einem schwülen Tag fällt die messbare Differenz kleiner aus, obwohl die Anlage mehr arbeitet. Das ist der Grund, warum ein erheblicher Teil der Leistung im Kondenswasser steckt, und warum der Blick auf den Ablaufschlauch zur Messung dazugehört.
Drei Zahlen heißen „Temperaturdifferenz“
Der größte Teil der Verwirrung in diesem Thema entsteht nicht durch falsche Zahlen, sondern durch verwechselte Größen. Im deutschen Netz stehen drei völlig verschiedene Werte unter derselben Überschrift.
Die mittlere Spalte ist der häufigste Stolperstein. „Nicht mehr als fünf Grad“ und „fünf bis sechs Grad unter der Außentemperatur“ sind Komfortempfehlungen: Sie sagen, wie weit Sie die Raumtemperatur an einem heißen Tag unter das Wetter drücken sollten, damit der Wechsel nach draußen nicht unangenehm wird. Über den Zustand der Anlage sagen sie nichts.
Die rechte Spalte ist ein Suchmaschinenproblem. Das im deutschen Netz meistgelesene Ergebnis zur Prüfung einer Klimaanlage handelt von der Fahrzeugklimaanlage, spricht vom Motor und empfiehlt eine Messung bei 2.000 bis 3.000 Umdrehungen je Minute. Die dort genannten „5 bis 7 Grad“ Abkühlung in den ersten Minuten wandern seitdem durch Foren und werden auf Splitgeräte übertragen, für die sie nie gedacht waren.
Was das Steckdosenmessgerät verrät
Die zweite Messung, die jeder selbst machen kann, ist die elektrische Leistungsaufnahme. Sie beantwortet eine Frage, die die Temperatur allein nicht beantwortet: ob der Verdichter überhaupt läuft und wie stark er belastet ist. Vorher muss allerdings ein Missverständnis aus dem Weg, das selbst in technikaffinen Foren korrigiert werden muss.
Ein konkretes Gerät macht den Unterschied greifbar. Ein LG PC12SK mit 3,50 Kilowatt Nennkühlleistung nimmt laut Datenblatt 1,08 Kilowatt elektrisch auf. Das Verhältnis von 3,24 zwischen beiden Zahlen ist der EER, und es ist auch die Antwort auf die Frage, warum 300 Watt Strom deutlich mehr als 300 Watt Kälte ergeben. Entscheidend ist aber die Bedingung, unter der die 1,08 Kilowatt gelten.
Sie gelten am Prüfpunkt der Norm, also bei 35 Grad draußen und 27 Grad drinnen. Im Alltag misst kaum jemand bei 35 Grad. Nutzer im selben Forum berichten von „etwa 200 bis 400 Watt“ im normalen Kühlbetrieb und rund einem Kilowatt als Höchstwert. Beide Angaben passen zusammen, weil ein Inverter seine Leistung an die Last anpasst, statt zu takten.
Praktisch heißt das: Wenn Ihr Messgerät an einem 25-Grad-Tag 300 Watt zeigt, ist das der Normalfall. Auffällig sind zwei andere Fälle. Zeigt das Gerät dauerhaft unter etwa 100 Watt, obwohl es kühlen soll, läuft der Verdichter nicht. Das ist ein Fall für den Fachbetrieb. Hängt es dagegen an einem milden Tag ständig an seiner Volllast, passt die Anlage möglicherweise nicht zum Raum. Wie man prüft, ob die Anlage überhaupt zum Raum passt, steht in einem eigenen Beitrag.
Bei fest angeschlossenen Geräten hilft ein einfaches Steckdosenmessgerät nicht weiter. Nutzer setzen dort Zwischenzähler oder Messmodule in der Abzweigdose ein. Der Einbau ist Elektroarbeit; wer keine Erfahrung damit hat, lässt es machen. Für die Messung selbst gilt: Werte im Minutentakt sind deutlich aussagekräftiger als Stundenmittel, weil ein Inverter innerhalb einer Stunde stark schwankt.
Sechs Fehler, die falschen Alarm auslösen
Bevor Sie aus einem Messwert eine Schlussfolgerung ziehen, lohnt der Blick auf die Messung selbst. Die meisten beunruhigenden Zahlen entstehen nicht an der Anlage, sondern am Thermometer.
Der dritte und der vierte Punkt sind die stillen Klassiker. Ein Messwert ohne Lüfterstufe ist nicht auswertbar, und ein Messwert ohne Außentemperatur auch nicht: Bei 22 Grad draußen läuft ein Inverter tief in Teillast, bei 35 Grad an seiner Grenze. Wer beides notiert, kann seine Messung Wochen später noch einordnen, und der Fachbetrieb ebenfalls.
Wo Ihre Messung endet und der Fachbetrieb anfängt
Alles bisher Beschriebene passiert außerhalb des Kältekreises: an der Luft, am Ablaufschlauch, an der Stromzuleitung. Das dürfen Sie beliebig oft tun. Die nächste Diagnosestufe liegt im Kreislauf selbst, und dort verläuft eine Grenze, die keine der geprüften Ratgeberseiten erwähnt.
Die Rechtslage ist frisch sortiert. Die europäische F-Gase-Verordnung 517/2014 ist durch die Verordnung (EU) 2024/573 abgelöst worden, die deutsche Chemikalien-Klimaschutzverordnung gilt seit dem 16. April 2026 in neuer Fassung, und die Personenzertifikate heißen seit der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 nicht mehr Kategorie I bis IV, sondern A1, A2, B, C, D und E. Alte Zertifikate müssen bis zum 12. März 2029 umgestellt sein. Wer heute noch „Kategorie I“ liest, liest etwas Veraltetes.
Für Sie als Betreiber steht dort eine Pflicht: Arbeiten an der Anlage nur durch sachkundige und entsprechend zertifizierte Personen und Betriebe ausführen zu lassen. Das Zertifikat A1 deckt Dichtheitskontrolle, Installation, Reparatur, Instandhaltung, Außerbetriebnahme und Rückgewinnung ab. Das Zertifikat E gilt ausdrücklich nur für die Dichtheitskontrolle ohne Eingriff in den Kältemittelkreislauf.
Was der Fachbetrieb dort tut, lässt sich trotzdem in einem Satz erklären. Die Manometerbrücke misst zwei Drücke, blau die Saugseite, rot die Druckseite. Zu jedem Druck gehört eine Siedetemperatur des Kältemittels, weshalb moderne Messgeräte direkt eine Verdampfungs- und eine Verflüssigungstemperatur anzeigen. Aus dem Abstand dieser Sättigungstemperaturen zur gemessenen Rohrtemperatur ergeben sich zwei Kennwerte: was Überhitzung und Unterkühlung bedeuten, steht in einem eigenen Beitrag.
Eine zweite Frage bleibt in diesem Beitrag ebenfalls offen. Die Betriebssicherheitsverordnung knüpft Prüfpflichten durch eine zugelassene Überwachungsstelle an das Produkt aus Druck und Volumen, mit Schwellen bei 200 und 1.000 bar mal Liter. Ob ein Wohnhaus-Splitgerät diese Schwelle überschreitet, ließ sich nicht ermitteln: Dafür wäre das innere Volumen des Kältekreises nötig, und das weisen Hersteller in Verbraucherunterlagen nicht aus. Deshalb steht hier keine Zahl.
Das Messprotokoll, das Sie verlangen können
Der zweite Anlass, aus dem Leute messen, ist nicht der Verdacht auf einen Defekt, sondern die frische Montage: Wurde sauber gearbeitet? Dafür gibt es ein Werkzeug, das im deutschen Verbrauchernetz nirgends erklärt wird. Die Hersteller sehen für die Inbetriebnahme ein Protokoll mit Messwerten vor, und Sie dürfen es sich geben lassen.
Die folgenden Feldnamen stammen wörtlich aus dem Inbetriebnahmeprotokoll eines großen Herstellers. Die eingetragenen Werte sind Beispiele.
| Feld im Protokoll | Beispielwert | Was es Ihnen sagt |
|---|---|---|
| Rohrlänge | 12 m | Ab einer bestimmten Länge muss Kältemittel nachgefüllt werden. Ein Hersteller verlangt für seine R32-Baureihe 20 Gramm je Meter ab dem siebten Meter, bei 12 Metern also 100 Gramm. |
| Nennfüllmenge · Zusatzfüllmenge · Gesamtfüllmenge | 1,20 kg · 0,10 kg · 1,30 kg | Die Gesamtfüllmenge brauchen Sie später für die Frage, ob eine wiederkehrende Dichtheitsprüfung Sie betrifft. |
| Druckprüfung (wie viel bar?) | dicht | Abgedrückt wird mit Stickstoff, nicht mit Kältemittel. |
| Vakuumprüfung bestanden? Wie viel bar und Zeit? | 500 Mikron, 20 min gehalten | Ohne Vakuum bleiben Luft und Feuchtigkeit im Kreislauf. Das kostet Leistung und Lebensdauer. Ein Hersteller verlangt „bis ein Unterdruck von 500 Mikron erreicht ist“. |
| Lufttemperatur Eintritt / Austritt | 26,0 °C / 14,5 °C | Genau die Differenz, die Sie später selbst nachmessen können. Notieren Sie sich dazu Lüfterstufe und Außentemperatur, sonst ist der Vergleich wertlos. |
| Sauggastemperatur · Verflüssigungstemperatur · Heißgastemperatur | je °C | Die Werte des Kältekreises. Sie können sie nicht selbst prüfen, aber als Ausgangszustand aufbewahren. |
| Stromaufnahme Verdichter · Verdichterfrequenz | A · Hz | Die Frequenz zeigt, ob unter Last gemessen wurde. Ein Inverter bei 20 Hertz sagt wenig aus. |
| Datum, Name, Zertifikatsnummer | kein Beispiel | Nach der Zertifikatsnummer dürfen Sie fragen. Seit April 2026 heißen die Zertifikate A1, A2, B, C, D und E. |
Feldnamen aus einem Hersteller-Inbetriebnahmeprotokoll, Füllmengen- und Vakuumvorgaben aus einer Installationsanleitung eines zweiten Herstellers. Die eingetragenen Werte sind Beispiele und keine Sollwerte.
Der Vergleich mit der Praxis ist ernüchternd. Eine frei zugängliche Inbetriebnahme-Checkliste eines Fachbetriebs erfasst lediglich „Druckprüfung“, „Vakuum“, „Haltezeit“ und „Funktion: OK / n.OK“, aber keinen einzigen Messwert. Das ist zulässig. Sie dürfen trotzdem mehr verlangen, weil der Hersteller selbst mehr vorsieht. Am besten, bevor unterschrieben wird.
Häufige Fragen
Was liest der Fachmann aus zwei Drücken heraus?
Überhitzung und Unterkühlung sind die beiden Kennwerte, an denen sich Füllmenge und Verdampferbetrieb ablesen lassen. In Laiensprache erklärt.
Zu Überhitzung und UnterkühlungStand: 25. August 2026 · Quellen: Verordnung (EU) 206/2012, Anhang II, für die Norm-Nennbedingungen 27/19 und 35/24 · DIN EN 14511-2:2023-08 · Technisches Datenblatt Daikin Perfera FTXM35R für die Luftmengen des Innengeräts · Technisches Datenblatt LG Standard Plus PC12SK für Kälteleistung, Leistungsaufnahme, EER und SEER · Installationsanleitung Mitsubishi Electric MSZ-HR für Vakuum-, Füllmengen- und Testlaufvorgaben · Inbetriebnahmeprotokoll Panasonic für die Feldnamen · Inbetriebnahme-Checkliste eines Fachbetriebs als Praxisvergleich · Bedienungsanleitung testo 570 · Bayerisches Landesamt für Umwelt zur ChemKlimaschutzV und zur Verordnung (EU) 2024/573 · BFS Kälte-Klima zu den Zertifikaten A1 bis E nach DVO (EU) 2024/2215 · TÜV Süd zur BetrSichV · Stiftung Warentest, Klimageräte im Test, Prüfprogramm, Stand 19.08.2026 · klimageräte-ratgeber.de, dein-heizungsbauer.de, klimatechniker.net, klimaanlagenwelt.com und heimwerk.org für die im Netz kursierenden Zahlen · Strompreis 37,0 ct/kWh nach BDEW · Forenbeiträge auf knx-user-forum.de, akkudoktor.net, computerbase.de und motor-talk.de
