Die kurze Antwort

Messen Sie die angesaugte und die ausgeblasene Luft am Innengerät. Auf höchster Lüfterstufe, frühestens fünfzehn Minuten nach dem Einschalten, mit einem Thermometer, das einen dünnen Fühler hat. Liegen zwischen beiden Werten rund neun bis dreizehn Kelvin, arbeitet die Anlage unauffällig.

Diese Zahl hat einen Haken, den im deutschen Netz niemand nennt: Sie gilt nur für die höchste Lüfterstufe. Dieselbe Anlage macht auf leiser Stufe leicht siebzehn oder zwanzig Kelvin, und auch das ist in Ordnung. Ohne Lüfterstufe, Laufzeit und Außentemperatur ist ein Messwert nicht zu bewerten. Keine der acht geprüften Ratgeberseiten nennt zu ihrer Temperaturangabe die Lüfterstufe. Nicht eine.

WIE VIEL DIFFERENZ NORMAL IST, HÄNGT AN DER LÜFTERSTUFEAUF HÖCHSTER LÜFTERSTUFEso sollten Sie messengemessen: 9,9 Kzu weniggrenzwertigunauffälligauffällig hoch06 K9 K13 K24 KAUF NIEDRIGER STUFE ODER IM FLÜSTERBETRIEBdieselbe Anlage, drei Tage spätergemessen: 17,6 Kzu weniggrenzwertigunauffällig08 K16 K24 KBereichsgrenzen aus Datenblattwerten hergeleitet, keine Norm.Beide Zeiger sind reale Messungen desselben Nutzers an derselben Anlage.
Dieselbe Anlage, drei Tage auseinander, zwei völlig verschiedene Werte. Beide sind in Ordnung. Ein Nutzer im KNX-Forum maß erst 21,0 Grad angesaugt gegen 11,1 Grad ausgeblasen, also 9,9 Kelvin. Drei Tage später auf niedriger Lüfterstufe 22,0 gegen 4,4 Grad, also 17,6 Kelvin. Wer nur die Zahl kennt und nicht die Stufe, hält die eine für zu schwach und die andere für zu stark. Beides wäre falsch.
Kurz gesagt Hier geht es um die Anlage, die kühlt, bei der Sie aber unsicher sind, ob sie genug kühlt. Wenn gar keine kalte Luft mehr kommt, das Gerät sich abschaltet oder ein Fehlercode blinkt, ist das eine Störungssuche und keine Messung. Und wenn die Leistung nur an sehr heißen Tagen einbricht, steht die Erklärung dafür im Beitrag darüber, warum die Leistung bei großer Hitze nachlässt.

Was Sie in zehn Minuten selbst feststellen können

Für die Selbstprüfung brauchen Sie kein Fachwerkzeug. Ein Thermometer mit dünnem Fühler kostet zwischen fünf und zwanzig Euro, ein Steckdosenmessgerät ähnlich viel. Ein Infrarotthermometer taugt nicht, dazu weiter unten mehr. Wichtiger als das Gerät ist die Reihenfolge.

  • Erst den Filter ansehen. Ein zugesetzter Filter senkt den Luftstrom und verfälscht damit jede Temperaturmessung in Richtung „zu viel Differenz“. Reinigen Sie ihn vor der Messung, nicht danach.
  • Kühlbetrieb einstellen, Solltemperatur deutlich unter die Raumtemperatur, Lüfter auf die höchste Stufe. Nicht auf Automatik: Sonst wissen Sie nachher nicht, welche Stufe gelaufen ist.
  • Fünfzehn Minuten warten. Nach dem Einschalten legt der Verdichter eine Schutzpause ein, und der Wärmetauscher im Innengerät ist noch warm. Hersteller schreiben für die Inbetriebnahme sogar einen Testlauf von dreißig Minuten vor.
  • Ansaugluft messen, dann Ausblasluft. Beide Werte notieren, dazu Lüfterstufe, Uhrzeit und Außentemperatur. Die Differenz ist Ihr Hauptwert. Gemessen wird im freien Luftstrom vor dem Gerät, nicht im laufenden Gerät.
  • Leistungsaufnahme ablesen. Steckdosenmessgerät oder Zwischenzähler. Der Wert beantwortet die Frage, ob der Verdichter überhaupt arbeitet.
  • Auf den Kondensatablauf schauen. An einem schwülen Tag muss Wasser kommen. Wie viel, ist zweitrangig; dass gar nichts kommt, ist ein Zeichen.
WO SIE MESSEN, UND WAS DER WERT AUSSAGTINNENGERÄT IM SCHNITTWand4Wärmetauscher = Bauteil 4A22,0 °CB11,0 °CCDEZwischenzählerDIE FÜNF MESSPUNKTEAAnsaugluftFrei in die angesaugte Luft halten, rund 10 cmvor dem Gitter.BAusblasluftMittig in den Luftstrom, nicht an die Lamelle.Kein Infrarotgerät.CKondensatablaufTropft es? Trockener Ablauf bei schwülem Wetterist ein Zeichen.DFilterVor jeder Messung ansehen. Zugesetzt verfälschter alles andere.ELeistungsaufnahmeSteckdosenmessgerät, bei festem Anschluss einZwischenzähler.22,0 °C rein minus 11,0 °C raus sind 11,0 Kelvin · Stufe hoch · 15 Minuten Laufzeit · 28 °C außenBeispielwerte. Belegt ist die Lage der Messpunkte, nicht die Höhe der Werte.
Es gibt fünf Stellen, an denen ein Laie sinnvoll misst, und jede misst etwas anderes. Keine der acht meistgelesenen deutschen Ratgeberseiten zu diesem Thema zeigt ein Innengerät mit Messpunkten. Die Punkte A und B ergeben zusammen die Temperaturdifferenz, C und E prüfen sie gegen, und D entscheidet, ob die Messung überhaupt etwas taugt.

Eine letzte Beobachtung braucht nur eine Uhr: Wie lange dauert es, bis der Raum spürbar kühler wird? Eine verbindliche Sollzeit dafür gibt es nicht, und keine Norm legt eine fest. Der einzige offengelegte Referenzrahmen stammt von Stiftung Warentest, die im Labor misst, wie lange ein Gerät braucht, um einen Raum von 4,8 mal 4,1 mal 2,9 Metern von 35 auf 30, 28 und 25 Grad zu bringen. Ihre Wohnung ist nicht dieser Raum. Als Gefühl für die Größenordnung taugt der Aufbau trotzdem.

Nur für Splitgeräte Diese Messpunkte gelten für alle Geräte, die Luft kühlen, also Splitgeräte ebenso wie Monoblöcke. Bei wassergeführten Anlagen misst man stattdessen Vor- und Rücklauftemperatur am Kaltwassersatz. Eine Luftmessung am Gebläsekonvektor sagt dort deutlich weniger aus.

Wie kalt muss die Luft sein?

Genau eine der geprüften Ratgeberseiten nennt überhaupt eine Ansaug-Ausblas-Differenz: 8 bis 12 Grad im Kühlbetrieb. Woher die Zahl stammt, steht dort nicht. Keine Norm, kein Hersteller, keine Messreihe. Sie ist damit die einzige merkbare Zahl im ganzen Feld und zugleich der De-facto-Standard des deutschen Netzes.

Falsch ist sie nicht. Sie ist nur unvollständig, und die fehlende Angabe ist die wichtigste. Nachrechnen lässt sich das mit einem Herstellerdatenblatt. Für ein Wandgerät der 3,5-Kilowatt-Klasse gibt Daikin den Luftvolumenstrom des Innengeräts je Lüfterstufe an: 678, 468, 360 und 246 Kubikmeter je Stunde. Aus der Wärmemenge und der Luftmenge folgt die Temperaturdifferenz, und zwar mit derselben Formel, die in jedem Physikbuch steht.

WARUM DIESELBE ANLAGE MAL 11 UND MAL 30 KELVIN MACHTLüfterstufe hoch678 m³/h · 11,0 bis 11,8 K11,0 KLüfterstufe mittel468 m³/h · 15,9 bis 17,0 K15,9 KLüfterstufe niedrig360 m³/h · 20,7 bis 22,1 K20,7 KFlüsterbetrieb246 m³/h · 30,2 bis 32,4 K30,2 KLuftmengen aus dem Daikin-Datenblatt FTXM35R (belegt). Sensibler Anteil 70 bis 75 Prozent angenommen (unbelegt).
Die Temperaturdifferenz ist keine Eigenschaft der Anlage, sondern eine Folge des Luftstroms. Die Luftmengen stammen aus dem Datenblatt, die Differenz ist daraus gerechnet. Die Anlage nimmt der Luft immer dieselbe Wärmemenge ab; strömt weniger Luft durch, wird diese Luft stärker abgekühlt. Mehr Differenz ist deshalb nicht besser, sondern nur langsamer verteilt. Die beiden unteren Zeilen erreicht ein Inverter im Alltag allerdings kaum, weil er mit dem Ventilator meist auch den Verdichter drosselt.

Der Rechenweg im Klartext: Die abgeführte Wärme geteilt durch den Luftmassenstrom mal der spezifischen Wärmekapazität ergibt die Abkühlung. Mit 678 Kubikmetern je Stunde, einer Luftdichte von 1,18 Kilogramm je Kubikmeter und 1,005 Kilojoule je Kilogramm und Kelvin transportiert der Luftstrom rund 0,22 Kilowatt je Kelvin. Kühlt das Gerät die Luft mit 2,45 Kilowatt, also mit 70 Prozent seiner 3,5 Kilowatt Nennleistung, sind das 11,0 Kelvin.

Woher die Zahlen stammen Belegt sind die vier Luftmengen aus dem Daikin-Datenblatt und die 3,5 Kilowatt Nennkühlleistung. Nicht belegt ist der Anteil der Leistung, der als Temperatur ankommt statt als abgeschiedenes Wasser, in der Fachsprache der sensible Anteil. Hersteller weisen ihn in Verbraucherunterlagen nicht aus. Die Rechnung nimmt 70 bis 75 Prozent an; deshalb steht in der Grafik eine Spanne und kein Punktwert. Wer eine andere Annahme trifft, bekommt andere Zahlen.

Damit ist auch die verbreitete Vorstellung erledigt, mehr Differenz sei besser. Eine große Differenz bei kleinem Luftstrom bedeutet dieselbe Leistung, nur langsamer im Raum verteilt. Nach unten gibt es dagegen eine harte Grenze.

Der verbreitete Irrtum „Je kälter die Luft aus dem Gerät kommt, desto besser arbeitet es.“ Richtig ist das Gegenteil: Unter etwa fünf Grad Ausblastemperatur liegt der Wärmetauscher unter dem Gefrierpunkt, und dann wächst Eis auf den Lamellen. Ein Kältetechniker im Forum rechnet genau das vor, nachdem ein Nutzer 4,4 Grad gemeldet hatte. Vereisung im Kühlbetrieb ist übrigens etwas anderes als das Abtauen im Winterheizbetrieb, das planmäßig dazugehört.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum die Differenz schwankt, und der hat nichts mit der Anlage zu tun, sondern mit dem Wetter. Die Nennkühlleistung wird nach Norm bei 27 Grad Raumluft und einer Feuchtkugeltemperatur von 19 Grad gemessen. Die Feuchtkugeltemperatur zeigt ein Thermometer mit feuchtem Überzug an; sie liegt umso tiefer, je trockener die Luft ist. Beide Werte zusammen entsprechen rund 47 Prozent relativer Luftfeuchte und einem Taupunkt von etwa 14,7 Grad. Die Prüfluft ist also absichtlich feucht, weil jeder reale Verdampfer nebenbei entfeuchtet.

Ein Teil der Kühlleistung steckt deshalb im Wasser, das am Wärmetauscher des Innengeräts kondensiert, und nicht in der Temperatur. An einem schwülen Tag fällt die messbare Differenz kleiner aus, obwohl die Anlage mehr arbeitet. Das ist der Grund, warum ein erheblicher Teil der Leistung im Kondenswasser steckt, und warum der Blick auf den Ablaufschlauch zur Messung dazugehört.

Die Gegenprobe Kleine Temperaturdifferenz, aber viel Kondensat: Die Anlage arbeitet, sie trocknet gerade mehr, als sie kühlt. Kleine Differenz und trockener Ablauf an einem schwülen Tag: Das ist der Fall, in dem sich ein Anruf beim Fachbetrieb lohnt.

Drei Zahlen heißen „Temperaturdifferenz“

Der größte Teil der Verwirrung in diesem Thema entsteht nicht durch falsche Zahlen, sondern durch verwechselte Größen. Im deutschen Netz stehen drei völlig verschiedene Werte unter derselben Überschrift.

DREI ZAHLEN, EINE ÜBERSCHRIFTAnsaug gegen Ausblasam Innengerät gemessenim Netz genannt8 bis 12 KBeleg dafürkeinerwozu es taugtDiagnosebeantwortet Ihre FrageRaum gegen AußenluftIhre Einstellung gegen das Wetterim Netz genannt5 bis 8 Kgemeint istKomfortüber die Anlagesagt es nichtskeine MessgrößeAbkühlung im AutoKfz-Klimaserviceim Netz genannt5 bis 7 Kgilt fürFahrzeugefür Splitgeräteirrelevantfalsches ThemaNetz-Zahlen von klimageräte-ratgeber.de, dein-heizungsbauer.de, klimatechniker.net und heimwerk.org.
Alle drei Zahlen stehen im Netz unter derselben Überschrift. Nur die linke beantwortet Ihre Frage. Wer „nicht mehr als 5 Grad“ liest und an seinem Innengerät 10 Kelvin misst, hält seine Anlage für überkühlt. Wer „8 bis 12 Grad“ liest und auf höchster Stufe 7 Kelvin misst, ruft grundlos den Handwerker. Keine der vier Seiten, aus denen diese Zahlen stammen, nennt eine Quelle dafür, und keine geprüfte Seite trennt die drei Größen voneinander.

Die mittlere Spalte ist der häufigste Stolperstein. „Nicht mehr als fünf Grad“ und „fünf bis sechs Grad unter der Außentemperatur“ sind Komfortempfehlungen: Sie sagen, wie weit Sie die Raumtemperatur an einem heißen Tag unter das Wetter drücken sollten, damit der Wechsel nach draußen nicht unangenehm wird. Über den Zustand der Anlage sagen sie nichts.

Die rechte Spalte ist ein Suchmaschinenproblem. Das im deutschen Netz meistgelesene Ergebnis zur Prüfung einer Klimaanlage handelt von der Fahrzeugklimaanlage, spricht vom Motor und empfiehlt eine Messung bei 2.000 bis 3.000 Umdrehungen je Minute. Die dort genannten „5 bis 7 Grad“ Abkühlung in den ersten Minuten wandern seitdem durch Foren und werden auf Splitgeräte übertragen, für die sie nie gedacht waren.

Was das Steckdosenmessgerät verrät

Die zweite Messung, die jeder selbst machen kann, ist die elektrische Leistungsaufnahme. Sie beantwortet eine Frage, die die Temperatur allein nicht beantwortet: ob der Verdichter überhaupt läuft und wie stark er belastet ist. Vorher muss allerdings ein Missverständnis aus dem Weg, das selbst in technikaffinen Foren korrigiert werden muss.

Verbreiteter Irrtum Die 3,5 Kilowatt auf dem Karton sind die Kälteleistung, nicht der Stromverbrauch. Ein Nutzer im Akkudoktor-Forum musste das ausdrücklich klarstellen: „Die 3,5Kw beziehen sich auf die Wärme- oder Kälteleistung nicht die Elektrische Leistung.“ Wer 3,5 Kilowatt an der Steckdose erwartet, erschrickt zu Recht, misst aber die falsche Größe.

Ein konkretes Gerät macht den Unterschied greifbar. Ein LG PC12SK mit 3,50 Kilowatt Nennkühlleistung nimmt laut Datenblatt 1,08 Kilowatt elektrisch auf. Das Verhältnis von 3,24 zwischen beiden Zahlen ist der EER, und es ist auch die Antwort auf die Frage, warum 300 Watt Strom deutlich mehr als 300 Watt Kälte ergeben. Entscheidend ist aber die Bedingung, unter der die 1,08 Kilowatt gelten.

WAS DAS TYPENSCHILD VERSPRICHT, UND WAS DIE STECKDOSE ZEIGTBeispielgerät: 3,50 kW Kälteleistung · 1,08 kW Leistungsaufnahme · EER 3,24 · SEER 6,60elektrische Leistungsaufnahme in Watt03006009001.200Typenschild1.080 W bei VolllastIhr Messgerät zeigt hier rund 300 W20 °C25 °C30 °C35 °CAußentemperaturPrüfpunkt der Norm: 35 °C außen, 27 °C innenVerlauf schematisch. Belegt sind der Datenblattwert bei 35 °C und die im Alltag gemessenen 200 bis 400 Watt.Bei 37,0 Cent je Kilowattstunde sind das rund 11 Cent je Stunde bei 300 Watt und rund 40 Cent bei 1.080 Watt.
Das Typenschild nennt einen Volllastwert. Wer bei mildem Wetter misst, muss weniger finden. Die 1,08 Kilowatt gelten für 35 Grad Außentemperatur, den Prüfpunkt der Norm. Bei 25 Grad läuft der Verdichter in Teillast, und 300 Watt sind dann kein Defekt, sondern der Normalfall. Umgekehrt wäre es auffällig, wenn ein Gerät an einem milden Tag dauerhaft an seiner Volllast hinge.

Sie gelten am Prüfpunkt der Norm, also bei 35 Grad draußen und 27 Grad drinnen. Im Alltag misst kaum jemand bei 35 Grad. Nutzer im selben Forum berichten von „etwa 200 bis 400 Watt“ im normalen Kühlbetrieb und rund einem Kilowatt als Höchstwert. Beide Angaben passen zusammen, weil ein Inverter seine Leistung an die Last anpasst, statt zu takten.

Praktisch heißt das: Wenn Ihr Messgerät an einem 25-Grad-Tag 300 Watt zeigt, ist das der Normalfall. Auffällig sind zwei andere Fälle. Zeigt das Gerät dauerhaft unter etwa 100 Watt, obwohl es kühlen soll, läuft der Verdichter nicht. Das ist ein Fall für den Fachbetrieb. Hängt es dagegen an einem milden Tag ständig an seiner Volllast, passt die Anlage möglicherweise nicht zum Raum. Wie man prüft, ob die Anlage überhaupt zum Raum passt, steht in einem eigenen Beitrag.

Bei fest angeschlossenen Geräten hilft ein einfaches Steckdosenmessgerät nicht weiter. Nutzer setzen dort Zwischenzähler oder Messmodule in der Abzweigdose ein. Der Einbau ist Elektroarbeit; wer keine Erfahrung damit hat, lässt es machen. Für die Messung selbst gilt: Werte im Minutentakt sind deutlich aussagekräftiger als Stundenmittel, weil ein Inverter innerhalb einer Stunde stark schwankt.

Sechs Fehler, die falschen Alarm auslösen

Bevor Sie aus einem Messwert eine Schlussfolgerung ziehen, lohnt der Blick auf die Messung selbst. Die meisten beunruhigenden Zahlen entstehen nicht an der Anlage, sondern am Thermometer.

SECHS FEHLER, DIE FALSCHEN ALARM AUSLÖSENInfrarotthermometermisst Kunststoff, nicht Luftfalschaufs Gitter haltenrichtigFühler in den StrahlSofort nach dem StartSchutzpause des Verdichtersfalschgleich messenrichtig15 Minuten wartenStufe nicht notiertderselbe Wert, andere AussagefalschStufe egalrichtigStufe aufschreibenWetter nicht notiertTeillast oder Volllast?falschnur die UhrzeitrichtigAußentemperatur dazuSchwüler Tagein Teil wird zu WasserfalschDifferenz = DefektrichtigKondensat ansehenFühler an der Lamellemisst den Wärmetauscherfalschan die Lamellerichtigfrei im LuftstromFünf dieser sechs Fehler nennt keine der acht meistgelesenen deutschen Ratgeberseiten zu diesem Thema.
Die meisten beunruhigenden Messwerte sind Messfehler. Besonders hartnäckig ist das Infrarotthermometer. In einem Forum meldete ein Nutzer minus 13 Grad an seiner Anlage; ein anderer stellte klar, dass solche Geräte für Luft ungeeignet sind. Gemessen wurde eine Oberfläche, nicht die Luft.

Der dritte und der vierte Punkt sind die stillen Klassiker. Ein Messwert ohne Lüfterstufe ist nicht auswertbar, und ein Messwert ohne Außentemperatur auch nicht: Bei 22 Grad draußen läuft ein Inverter tief in Teillast, bei 35 Grad an seiner Grenze. Wer beides notiert, kann seine Messung Wochen später noch einordnen, und der Fachbetrieb ebenfalls.

Wo Ihre Messung endet und der Fachbetrieb anfängt

Alles bisher Beschriebene passiert außerhalb des Kältekreises: an der Luft, am Ablaufschlauch, an der Stromzuleitung. Das dürfen Sie beliebig oft tun. Die nächste Diagnosestufe liegt im Kreislauf selbst, und dort verläuft eine Grenze, die keine der geprüften Ratgeberseiten erwähnt.

DIE GRENZE IST DER GESCHLOSSENE KÄLTEKREISDas können Sie selbst messenalles außerhalb des KältekreisesAnsaug- und AusblasluftFühlerthermometerLeistungsaufnahmeSteckdosenmessgerätKondensatmengeBlick auf den AblaufAbkühlzeit des RaumsUhr und ThermometerAusblasluft am Außengerätdasselbe ThermometerVereisung und GeräuscheAugen und Ohrenkein Eingriff nötigDas macht der Fachbetrieballes am Kältekreis selbstHoch- und NiederdruckManometerbrückeÜberhitzungDruck und RohrtemperaturUnterkühlungDruck und RohrtemperaturVakuumtestVakuummeterDichtheitsprüfungStickstoff und ManometerStrom am VerdichterZangenamperemeterzertifizierungspflichtigAm Kältekreis arbeiten darf nur, wer nach der F-Gase-Verordnung zertifiziert ist.
Die Grenze verläuft nicht zwischen einfach und schwierig, sondern zwischen außerhalb und innerhalb. Alles, was sich mit Thermometer, Uhr und Strommessgerät erfassen lässt, dürfen Sie messen, so oft Sie wollen. Sobald ein Schlauch an einen Serviceanschluss kommt, ist der Kreislauf offen. Das ist kein Heimwerkerthema, sondern zertifizierungspflichtig.

Die Rechtslage ist frisch sortiert. Die europäische F-Gase-Verordnung 517/2014 ist durch die Verordnung (EU) 2024/573 abgelöst worden, die deutsche Chemikalien-Klimaschutzverordnung gilt seit dem 16. April 2026 in neuer Fassung, und die Personenzertifikate heißen seit der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2215 nicht mehr Kategorie I bis IV, sondern A1, A2, B, C, D und E. Alte Zertifikate müssen bis zum 12. März 2029 umgestellt sein. Wer heute noch „Kategorie I“ liest, liest etwas Veraltetes.

Für Sie als Betreiber steht dort eine Pflicht: Arbeiten an der Anlage nur durch sachkundige und entsprechend zertifizierte Personen und Betriebe ausführen zu lassen. Das Zertifikat A1 deckt Dichtheitskontrolle, Installation, Reparatur, Instandhaltung, Außerbetriebnahme und Rückgewinnung ab. Das Zertifikat E gilt ausdrücklich nur für die Dichtheitskontrolle ohne Eingriff in den Kältemittelkreislauf.

Nicht selbst machen Ein Manometer an den Serviceanschluss zu setzen bedeutet, den Kältekreis zu öffnen. Beim An- und Abkuppeln entweicht jedes Mal etwas Kältemittel, und der Anschluss darf nur von zertifiziertem Personal geöffnet werden. Das ist keine Heimwerkerarbeit, und dieser Beitrag ist ausdrücklich keine Anleitung dazu.

Was der Fachbetrieb dort tut, lässt sich trotzdem in einem Satz erklären. Die Manometerbrücke misst zwei Drücke, blau die Saugseite, rot die Druckseite. Zu jedem Druck gehört eine Siedetemperatur des Kältemittels, weshalb moderne Messgeräte direkt eine Verdampfungs- und eine Verflüssigungstemperatur anzeigen. Aus dem Abstand dieser Sättigungstemperaturen zur gemessenen Rohrtemperatur ergeben sich zwei Kennwerte: was Überhitzung und Unterkühlung bedeuten, steht in einem eigenen Beitrag.

Eine offene Frage, die hier nicht gelöst wird Für Überhitzung und Unterkühlung kursieren im Netz Universalzahlen. Belastbar sind sie nicht: Weder die Bedienungsanleitung einer verbreiteten digitalen Monteurhilfe noch die geprüfte Installationsanleitung eines Herstellers nennt allgemeingültige Sollwerte in Kelvin. Das ist kein Versehen: Die Werte hängen vom Gerät, vom Kältemittel und von der Last ab und stehen im Servicehandbuch des jeweiligen Modells. Wer im Netz eine Universalzahl liest, sollte misstrauisch werden.

Eine zweite Frage bleibt in diesem Beitrag ebenfalls offen. Die Betriebssicherheitsverordnung knüpft Prüfpflichten durch eine zugelassene Überwachungsstelle an das Produkt aus Druck und Volumen, mit Schwellen bei 200 und 1.000 bar mal Liter. Ob ein Wohnhaus-Splitgerät diese Schwelle überschreitet, ließ sich nicht ermitteln: Dafür wäre das innere Volumen des Kältekreises nötig, und das weisen Hersteller in Verbraucherunterlagen nicht aus. Deshalb steht hier keine Zahl.

Das Messprotokoll, das Sie verlangen können

Der zweite Anlass, aus dem Leute messen, ist nicht der Verdacht auf einen Defekt, sondern die frische Montage: Wurde sauber gearbeitet? Dafür gibt es ein Werkzeug, das im deutschen Verbrauchernetz nirgends erklärt wird. Die Hersteller sehen für die Inbetriebnahme ein Protokoll mit Messwerten vor, und Sie dürfen es sich geben lassen.

Die folgenden Feldnamen stammen wörtlich aus dem Inbetriebnahmeprotokoll eines großen Herstellers. Die eingetragenen Werte sind Beispiele.

Feld im ProtokollBeispielwertWas es Ihnen sagt
Rohrlänge12 mAb einer bestimmten Länge muss Kältemittel nachgefüllt werden. Ein Hersteller verlangt für seine R32-Baureihe 20 Gramm je Meter ab dem siebten Meter, bei 12 Metern also 100 Gramm.
Nennfüllmenge · Zusatzfüllmenge · Gesamtfüllmenge1,20 kg · 0,10 kg · 1,30 kgDie Gesamtfüllmenge brauchen Sie später für die Frage, ob eine wiederkehrende Dichtheitsprüfung Sie betrifft.
Druckprüfung (wie viel bar?)dichtAbgedrückt wird mit Stickstoff, nicht mit Kältemittel.
Vakuumprüfung bestanden? Wie viel bar und Zeit?500 Mikron,
20 min gehalten
Ohne Vakuum bleiben Luft und Feuchtigkeit im Kreislauf. Das kostet Leistung und Lebensdauer. Ein Hersteller verlangt „bis ein Unterdruck von 500 Mikron erreicht ist“.
Lufttemperatur Eintritt / Austritt26,0 °C / 14,5 °CGenau die Differenz, die Sie später selbst nachmessen können. Notieren Sie sich dazu Lüfterstufe und Außentemperatur, sonst ist der Vergleich wertlos.
Sauggastemperatur · Verflüssigungstemperatur · Heißgastemperaturje °CDie Werte des Kältekreises. Sie können sie nicht selbst prüfen, aber als Ausgangszustand aufbewahren.
Stromaufnahme Verdichter · VerdichterfrequenzA · HzDie Frequenz zeigt, ob unter Last gemessen wurde. Ein Inverter bei 20 Hertz sagt wenig aus.
Datum, Name, Zertifikatsnummerkein BeispielNach der Zertifikatsnummer dürfen Sie fragen. Seit April 2026 heißen die Zertifikate A1, A2, B, C, D und E.

Feldnamen aus einem Hersteller-Inbetriebnahmeprotokoll, Füllmengen- und Vakuumvorgaben aus einer Installationsanleitung eines zweiten Herstellers. Die eingetragenen Werte sind Beispiele und keine Sollwerte.

Der Vergleich mit der Praxis ist ernüchternd. Eine frei zugängliche Inbetriebnahme-Checkliste eines Fachbetriebs erfasst lediglich „Druckprüfung“, „Vakuum“, „Haltezeit“ und „Funktion: OK / n.OK“, aber keinen einzigen Messwert. Das ist zulässig. Sie dürfen trotzdem mehr verlangen, weil der Hersteller selbst mehr vorsieht. Am besten, bevor unterschrieben wird.

Was Sie davon haben Ein Protokoll mit Lufttemperaturen ist der einzige belastbare Ausgangszustand Ihrer Anlage. Erst damit lässt sich in drei Jahren sagen, ob die Leistung nachgelassen hat, statt gegen eine Zahl aus dem Internet zu messen, die niemand belegen kann.

Häufige Fragen

Mit einem Thermometer, das einen dünnen Fühler hat. Den Fühler halten Sie mittig in den austretenden Luftstrahl, mindestens zwei Zentimeter von den Lamellen entfernt, und warten, bis der Wert steht. Ein Infrarotthermometer taugt dafür nicht, es misst die Oberfläche des Kunststoffgitters statt der Luft. Notieren Sie zum Messwert immer die Lüfterstufe, die Außentemperatur und die bisherige Laufzeit. Ohne diese drei Angaben lässt sich die Zahl nicht bewerten.
Sicher erkennen lässt sich das nur über die Drücke im Kreislauf, und die darf ausschließlich ein zertifizierter Fachbetrieb messen. Ein Verdacht lässt sich aber von außen begründen: Die Anlage läuft, das Messgerät zeigt Leistungsaufnahme, und trotzdem bleibt die Differenz zwischen Ansaug- und Ausblasluft auf höchster Stufe unter etwa sechs Kelvin. Kommt Eis an den dünnen Rohren dazu, wird der Verdacht stärker. Beweisen kann ihn nur die Messung am Kreislauf.
Weil der Verdichter nach dem Start eine Schutzpause einlegt und der Wärmetauscher im Innengerät noch warm ist. In den ersten Minuten bewegt das Gerät im Wesentlichen Raumluft. Messen Sie deshalb frühestens nach fünfzehn Minuten. Hersteller schreiben für die Inbetriebnahme sogar einen Testlauf von dreißig Minuten vor. Ein Messwert aus der ersten Minute sagt über die Anlage nichts aus.
Ja. Je wärmer die Außenluft, desto schwerer wird die Anlage die Wärme los und desto mehr Strom braucht sie für dieselbe Kühlleistung. Die Nennkühlleistung auf dem Typenschild gilt für 35 Grad Außentemperatur; darüber sinkt sie weiter. Auffällig wird es erst, wenn das Gerät abschaltet oder wenn schon bei milden Temperaturen zu wenig ankommt.
Nein. Die Solltemperatur ist ein Zielwert, kein Gaspedal. Ein Inverter fährt nach dem Einschalten ohnehin hoch und regelt erst in der Nähe des Ziels zurück. Sechzehn Grad einzustellen bringt den Raum nicht schneller auf vierundzwanzig. Es sorgt dafür, dass die Anlage über das Ziel hinausfährt, mehr Strom verbraucht und der Raum am Ende zu kalt wird.
Eine verbindliche Zeitvorgabe gibt es nicht. Nach wenigen Minuten sollte die Luft spürbar kühler sein als die angesaugte, nach einer Viertelstunde ist der Betriebspunkt erreicht und eine Messung sinnvoll. Der Raum braucht deutlich länger als die Luft. Stiftung Warentest misst im Labor die Zeit, die ein Gerät braucht, um einen Raum von 4,8 mal 4,1 Metern von 35 auf 30, 28 und 25 Grad zu bringen.
Wenn die Anlage auf höchster Stufe nach einer Viertelstunde weniger als etwa sechs Kelvin Differenz schafft. Wenn das Messgerät kaum Leistungsaufnahme anzeigt, obwohl gekühlt werden soll. Wenn im Kühlbetrieb Eis am Innengerät oder an den Rohren wächst. Und wenn an einem schwülen Tag überhaupt kein Kondensat abläuft. Auch ungewohnte Geräusche und wiederkehrende Fehlercodes gehören in fachliche Hände.
Oliver Takens
Wer das geschrieben hat

Oliver Takens

Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.

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Was liest der Fachmann aus zwei Drücken heraus?

Überhitzung und Unterkühlung sind die beiden Kennwerte, an denen sich Füllmenge und Verdampferbetrieb ablesen lassen. In Laiensprache erklärt.

Zu Überhitzung und Unterkühlung

Stand: 25. August 2026 · Quellen: Verordnung (EU) 206/2012, Anhang II, für die Norm-Nennbedingungen 27/19 und 35/24 · DIN EN 14511-2:2023-08 · Technisches Datenblatt Daikin Perfera FTXM35R für die Luftmengen des Innengeräts · Technisches Datenblatt LG Standard Plus PC12SK für Kälteleistung, Leistungsaufnahme, EER und SEER · Installationsanleitung Mitsubishi Electric MSZ-HR für Vakuum-, Füllmengen- und Testlaufvorgaben · Inbetriebnahmeprotokoll Panasonic für die Feldnamen · Inbetriebnahme-Checkliste eines Fachbetriebs als Praxisvergleich · Bedienungsanleitung testo 570 · Bayerisches Landesamt für Umwelt zur ChemKlimaschutzV und zur Verordnung (EU) 2024/573 · BFS Kälte-Klima zu den Zertifikaten A1 bis E nach DVO (EU) 2024/2215 · TÜV Süd zur BetrSichV · Stiftung Warentest, Klimageräte im Test, Prüfprogramm, Stand 19.08.2026 · klimageräte-ratgeber.de, dein-heizungsbauer.de, klimatechniker.net, klimaanlagenwelt.com und heimwerk.org für die im Netz kursierenden Zahlen · Strompreis 37,0 ct/kWh nach BDEW · Forenbeiträge auf knx-user-forum.de, akkudoktor.net, computerbase.de und motor-talk.de