Die kurze Antwort

Inverter heißt: Der Verdichter kann seine Drehzahl ändern. Ein herkömmliches Gerät kennt nur zwei Zustände, volle Leistung oder aus. Ein Inverter-Gerät fährt den Verdichter auf die Drehzahl, die der Raum gerade braucht, und hält sie dort. Statt in kurzen Schüben zu arbeiten, läuft es durch, mit weniger Leistung und leiser.

Möglich macht das ein Umrichter. Er wandelt den Wechselstrom aus der Steckdose erst in Gleichstrom und daraus wieder in Wechselstrom, dessen Frequenz er frei wählen kann. Diese Frequenz bestimmt die Drehzahl des Verdichters. In einem Techniklexikon von Toshiba reicht sie von 13 bis 107 Hertz, in einem Servicehandbuch eines anderen Herstellers von 16 bis 100 Hertz.

Nicht zu verwechseln Der Inverter einer Photovoltaikanlage ist etwas anderes. Er macht aus dem Gleichstrom der Solarmodule Wechselstrom für das Hausnetz und heißt auf Deutsch Wechselrichter. Der Inverter einer Klimaanlage sitzt im Außengerät, gehört zum Verdichter und hat mit Solarstrom nichts zu tun. Wer nach „Inverter Stromverbrauch“ sucht, landet deshalb regelmäßig in Photovoltaikforen.

Bleibt die Frage, um die es den meisten geht: wie viel Strom das spart. Dazu steht überall dieselbe Zahl, meistens 30 Prozent, manchmal 60. Belegt ist keine davon. Was sich dagegen belegen lässt, sind Frequenzbereiche, Regelbereiche und Effizienzkennzahlen aus Datenblättern und aus einer EU-Verordnung. Der Reihe nach.

Ein/Aus gegen Inverter: der Unterschied im Betrieb

Die ältere Bauart heißt Ein/Aus-Gerät, im Englischen On/Off, bei manchen Betrieben auch Fix Speed. Der Verdichter läuft dort immer mit derselben Drehzahl. Geregelt wird über die Laufzeit: Ist der Raum zu warm, schaltet das Gerät ein und läuft auf voller Leistung, bis der Sollwert unterschritten ist. Dann schaltet es ab, der Raum erwärmt sich wieder, und das Spiel beginnt von vorn. Dieses Verhalten nennt man Takten.

Ein Inverter-Gerät macht es anders. Es fährt beim Start kurz hoch und sucht dann die Drehzahl, bei der die abgeführte Wärme genau der Wärmelast des Raums entspricht. Findet es diesen Punkt, läuft der Verdichter durch, ohne abzuschalten.

SO ARBEITEN DIE BEIDEN BAUARTEN, SCHEMATISCHEin/Aus, auch Fix Speedvolle Drehzahl oder Stillstandläuft oder stehtdazwischen nichtsInverterDrehzahl passt sich der Last anregelt stufenlosund läuft dabei durch0 Minuten60 MinutenSchematisch. Wie oft ein Ein/Aus-Gerät je Stunde schaltet, hängt von Gerät und Raum ab und ist hier nicht beziffert.
Die Fläche unter den Balken ist die Arbeit, die der Verdichter leistet. Das Ein/Aus-Gerät erledigt sie in kurzen Volllastschüben, das Inverter-Gerät verteilt dieselbe Arbeit über die Zeit. Deshalb pendelt die Raumtemperatur beim einen um den Sollwert, während sie beim anderen näher daran bleibt. Die Taktzahl in der Grafik ist bewusst nicht beziffert: Eine belastbare Messreihe dazu ließ sich nicht finden, belegt ist der Unterschied im Prinzip.

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens bleibt die Raumtemperatur beim Inverter näher am Sollwert, weil das Gerät nicht zwischen voller Leistung und Stillstand springt. Zweitens entfallen die vielen Starts aus dem Stand. Wie viel das an Strom ausmacht, ist die eigentliche Streitfrage, und dazu gleich mehr.

Verbreiteter Irrtum Ein Inverter läuft nicht ununterbrochen. Ist die Wärmelast kleiner als das, was das Gerät auf seiner kleinsten Stufe noch abführt, schaltet auch er ab und wieder ein. Das passiert vor allem bei zu groß gewählten Geräten. Warum das so ist und warum ein zu großes Gerät am Ende schlechter dasteht als ein passendes, steht in einem eigenen Beitrag dazu, warum auch ein Inverter irgendwann taktet.

Wie aus Netzstrom eine frei wählbare Drehzahl wird

Ein Wechselstrommotor dreht so schnell, wie es die Netzfrequenz vorgibt. Die liegt in Europa bei 50 Hertz und lässt sich nicht verändern. Wer die Drehzahl trotzdem ändern will, muss den Strom vorher umbauen. Genau das tut der Umrichter, dem die Bauart ihren Namen verdankt.

WAS ZWISCHEN STECKDOSE UND VERDICHTER PASSIERT11 · GleichrichterAus dem Wechselstromdes Netzes wirdGleichstrom.22 · ZwischenkreisKondensatoren haltendiese Gleichspannungruhig. Toshiba nennt325 Volt.33 · WechselrichterEr zerhackt dieGleichspannung inPulsen. Das heißtPulsweitenmodulation.44 · VerdichtermotorDer bürstenloseGleichstrommotor folgtdieser Frequenz.Ablauf und Zwischenkreisspannung nach dem Techniklexikon „Grundlagen der Invertertechnologie“ von Toshiba.
Der Umweg über Gleichstrom ist der ganze Trick. Am Netz hängt die Drehzahl eines Motors an der Netzfrequenz, und die liegt fest. Erst wenn der Strom einmal gleichgerichtet und danach neu aufgebaut wird, ist die Frequenz frei wählbar. Keine der elf geprüften Ratgeberseiten beschreibt diesen Weg; „Inverter“ bleibt dort eine Blackbox mit dem Merksatz, der Kompressor könne seine Drehzahl anpassen.

Das Ergebnis ist ein künstlicher Drehstrom, dessen Frequenz die Elektronik in jedem Moment festlegt. Der Verdichtermotor folgt ihr. Bei 30 Hertz dreht er langsam und fördert wenig Kältemittel, bei 90 Hertz dreht er schnell und fördert viel. Dazwischen liegen keine Stufen, sondern ein durchgehender Bereich.

Für den Kältekreislauf selbst ändert sich dadurch nichts Grundsätzliches. Es sind dieselben vier Bauteile in derselben Reihenfolge; wenn Ihnen das noch nichts sagt, lesen Sie am besten zuerst, wie der Kältekreislauf grundsätzlich funktioniert. Der Inverter bestimmt nur, wie schnell dieser Kreislauf umläuft.

Wie weit der nutzbare Frequenzbereich reicht, nennen zwei Herstellerdokumente. Das Techniklexikon von Toshiba gibt für seine Inverter 13 bis 107 Hertz an, ein Servicehandbuch eines anderen Geräteherstellers nennt 16 bis 100 Hertz. Die Angaben stammen aus verschiedenen Häusern und liegen dicht beieinander.

FREQUENZBEREICH DES VERDICHTERS0 Hz20 Hz40 Hz60 Hz80 Hz100 Hz120 HzToshiba, Techniklexikonnutzbarer Bereich 13 bis 107 HzBomann, Servicehandbuchnutzbarer Bereich 16 bis 100 HzNennfrequenzen im Kühlbetrieb49 Hz beim kleinsten, 82 Hz beim größten Gerät der ReiheZwei unabhängige Herstellerdokumente. Die Nennfrequenzen gelten für den Kühlbetrieb.
Keine der elf geprüften Seiten nennt auch nur eine einzige Hertz-Zahl. Dabei stehen sie in frei zugänglichen Herstellerunterlagen. Zwei Dokumente aus zwei Häusern kommen auf fast denselben Bereich, und beide zeigen dasselbe: Der Verdichter dreht nicht beliebig langsam. Unterhalb von etwa 13 bis 16 Hertz ist Schluss.

Dasselbe Servicehandbuch nennt außerdem die Nennfrequenzen, also die Drehzahl im Normbetriebspunkt, gestaffelt nach Gerätegröße: 49 Hertz beim 9.000-BTU-Gerät, 61 Hertz beim 12.000-BTU-Gerät, 68 Hertz beim 18.000er und 82 Hertz beim 24.000er. Umgerechnet sind das Geräte mit rund 2,6, 3,5, 5,3 und 7,0 Kilowatt Kälteleistung. Im Heizbetrieb weichen die Werte ab, teils nach oben, teils nach unten.

Daraus lässt sich zweierlei ablesen. Die Nenndrehzahl steigt mit der Gerätegröße, und selbst das größte Gerät der Reihe arbeitet in seinem Normpunkt noch deutlich unter der Obergrenze. Nach oben bleibt also Reserve. Nach unten dagegen ist bei etwa 13 bis 16 Hertz Schluss, und das ist die eigentlich interessante Grenze.

Wie weit sich die Leistung wirklich regeln lässt

Die Frequenz allein sagt einem Laien wenig. Nützlicher ist die Kälteleistung, und die steht in jedem ordentlichen Datenblatt gleich dreimal: als Minimum, als Nennwert und als Maximum. Für eine komplette Baureihe mit sechs Geräten (hier die Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP von 1,5 bis 5,0 Kilowatt) sieht das so aus.

REGELBEREICH DER KÄLTELEISTUNG, SECHS GERÄTE EINER BAUREIHEheller Strich = NennleistungMSZ-AY15Nennleistung 1,5 kW · 33 bis 147 %0,52,2 kWMSZ-AY20Nennleistung 2,0 kW · 30 bis 135 %0,62,7 kWMSZ-AY25Nennleistung 2,5 kW · 36 bis 136 %0,93,4 kWMSZ-AY35Nennleistung 3,5 kW · 31 bis 109 %1,13,8 kWMSZ-AY42Nennleistung 4,2 kW · 21 bis 107 %0,94,5 kWMSZ-AY50Nennleistung 5,0 kW · 28 bis 108 %1,45,4 kW0123456 kWTechnisches Datenblatt Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP, Kälteleistung minimal, nenn und maximal. Die Prozentwerte sindeigene Rechnung: Grenzwert geteilt durch Nennleistung.
Kein Gerät regelt bis auf null herunter, und jedes kann kurzzeitig mehr als seinen Nennwert. Die kleinste einstellbare Leistung liegt zwischen 21 und 36 Prozent der Nennleistung, die größte zwischen 107 und 147 Prozent. Auffällig ist außerdem, dass die kleinste einstellbare Leistung tendenziell mit der Gerätegröße steigt, wenn auch nicht von einer Baugröße zur nächsten: Das kleinste Modell der Baureihe Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP mit 1,5 Kilowatt Nennleistung fährt auf 0,5 Kilowatt herunter, das größte mit 5,0 Kilowatt nur auf 1,4. Andere Baureihen kommen längst nicht so tief herunter: Die Daikin Comfora FTXP-N mit sechs Baugrößen von 2,0 bis 7,1 Kilowatt liegt bei 1,3 bis 2,3 Kilowatt. Die Zahlen gelten immer nur für die Baureihe, an der sie abgelesen wurden.

Die wichtigere der drei Zahlen ist dabei nicht der Nennwert, sondern das Minimum. Es entscheidet, ab wann ein Gerät takten muss, und es steht in jedem ordentlichen Datenblatt. Zwischen dem kleinsten und dem größten Gerät dieser Baureihe liegen beim Nennwert 3,5 Kilowatt Unterschied, beim Minimum aber nur 0,9 Kilowatt.

Warum anderswo andere Zahlen stehen Für die Mindestkälteleistung nennen dieser und der verlinkte Beitrag zwei verschiedene Spannen, und beide sind Datenblattwerte derselben Zeile „Kälteleistung min.“: Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP, sechs Baugrößen von 1,5 bis 5,0 Kilowatt Nennleistung, Minimum 0,5 bis 1,4 Kilowatt. Das ist die Baureihe in der Grafik oben. Daikin Comfora FTXP-N, sechs Baugrößen von 2,0 bis 7,1 Kilowatt Nennleistung, Minimum 1,3 bis 2,3 Kilowatt. Das ist die Baureihe im Beitrag darüber, warum auch ein Inverter taktet. Die beiden Spannen widersprechen sich nicht, sie haben verschiedene Bezugsgrößen: Die Daikin-Reihe fängt erst dort an, wo die MSZ-AY-Reihe schon in der Mitte liegt, und ihr kleinstes Gerät kommt nur auf 65 Prozent seiner Nennleistung herunter, das kleinste Gerät der MSZ-AY-Reihe dagegen auf 33 Prozent. Deshalb liegt der Daikin-Boden höher. Die Mindestkälteleistung ist keine Kenngröße der Bauart, sondern der einzelnen Baureihe; maßgeblich ist immer das Datenblatt des Geräts, das Ihnen angeboten wird.

Zwei der geprüften Ratgeberseiten schreiben, das Gerät arbeite „zwischen 20 und 70 Prozent“ seiner Maximalleistung, in fast identischem Wortlaut und beide ohne Quelle. Die untere Grenze passt ungefähr zu den Datenblättern. Die obere passt nicht: Nach oben endet der Regelbereich nicht bei 70 Prozent, sondern oberhalb der Nennleistung.

Ab welcher Raumgröße ein Gerät durchläuft Der Regelbereich nach unten ist der Grund, warum ein zu großes Gerät ein Problem ist und kein Sicherheitspuffer. Die Regel dazu lautet: Ein Gerät taktet zwangsläufig, sobald seine Mindestkälteleistung über der Kühllast des Raums liegt. Rechnet man das mit 75 Watt je Quadratmeter in eine Raumfläche um (das liegt im unteren Mittelfeld der üblichen Faustzahl von 60 bis 100 Watt je Quadratmeter), braucht ein Minimum von 0,5 Kilowatt rund 7 Quadratmeter, 1,3 Kilowatt rund 17, 1,4 Kilowatt rund 19, 1,7 Kilowatt rund 23 und 2,3 Kilowatt rund 31 Quadratmeter. In einem Zimmer von 20 Quadratmetern mit rund 1,5 Kilowatt Spitzenlast muss deshalb keine der sechs MSZ-AY-Baugrößen takten, auch das 5-kW-Gerät bleibt mit 1,4 Kilowatt knapp darunter; von den Comfora-Baugrößen takten die drei größten dort zwangsläufig, weil ihr Minimum mit 1,7 beziehungsweise 2,3 Kilowatt über der Last liegt. Sobald die Last im Tagesverlauf fällt, taktet jedes Gerät. Die Umrechnung in Quadratmeter ist eine eigene Rechnung aus der Faustzahl und ersetzt keine Kühllastberechnung; wie man die passende Kühlleistung für den eigenen Raum berechnet, steht in einem eigenen Beitrag. Denselben Absatz und dieselben Zahlen finden Sie im Beitrag zum Takten, dort mit dem Tagesverlauf durchgerechnet. Und was am oberen Ende passiert, wenn es draußen sehr heiß wird, steht dort, warum manche Anlage bei 38 Grad an ihre Grenze kommt.

Die „bis zu 60 Prozent“ im Faktencheck

Wer nach dem Nutzen der Invertertechnik sucht, stößt fast überall auf eine Prozentzahl. Elf Seiten wurden für diesen Beitrag gelesen, acht davon nennen eine. Nebeneinandergestellt sieht das so aus.

WELCHE EINSPARUNG DIE RANKENDEN SEITEN BEHAUPTENknipping-klima.de„bis zu 60 %, je nach Hersteller“60 %klimaworld.com„bis zu 60 % weniger Energie“60 %klivatec.de„etwa 30 % üblich, bis zu 60 %“60 %klimaanlagenwelt.comim selben Text auch 30 bis 50 Prozent60 %bosch-homecomfort.com„bis zu 30 % Energie sparen“30 %klimeo.de„bis zu 30 % weniger“30 %magazin.klimaprofis.com„bis zu 30 % weniger Stromverbrauch“30 %hausjournal.net„bis zu 30 % weniger Energie“30 %Wörtliche Fundstellen, abgerufen am 24. August 2026. Rot markiert die Seite, die sich im selben Text widerspricht.
Dieselbe Behauptung, doppelt so hoch, und nirgends eine Fußnote. Drei Seiten nennen 60 Prozent, vier nennen 30 Prozent, eine nennt im selben Text beides. Die Balken zeigen nur, wie hoch die Behauptung ausfällt, nicht wie belastbar sie ist. Gegen welches Gerät gerechnet wurde, sagt keine der acht Seiten.

Keine dieser acht Seiten nennt eine Quelle. Keine nennt das Vergleichsgerät, keinen Messzeitraum, keine Norm, kein Prüfinstitut. Bei zwei Seiten ist der Bezug sogar unklar: Bei einer bezieht sich die einzige Prozentzahl im Text dem Zusammenhang nach auf die Wartung und nicht auf die Invertertechnik, bei einer anderen stehen 30 bis 50 Prozent und 30 bis 60 Prozent im selben Artikel nebeneinander.

Eine gezielte Suche nach der Primärquelle blieb ohne Ergebnis. Es gibt zu dieser Zahl keine auffindbare Studie, keine Norm und keine Herstellerpublikation. Sie taucht ausschließlich in Ratgeber- und Werbetexten auf, jedes Mal ohne Fußnote.

Eine offene Frage Woher die 60 Prozent stammen, ließ sich nicht klären. Rechnerisch lässt sich die Größenordnung erzeugen: Stellt man den EER eines schwachen Altgeräts von etwa 3,0 gegen den SEER eines guten Neugeräts von 8,7, ergibt sich eine rechnerische Ersparnis von rund 65 Prozent für dieselbe Kälteleistung; mit einem SEER von 7,5 sind es genau 60. Das ist eine eigene Plausibilisierung dieser Redaktion und ausdrücklich nicht die Quelle. Sie funktioniert nur, wenn man ein sehr schwaches altes gegen ein sehr gutes neues Gerät stellt und dabei einen Einzelbetriebspunkt mit einer Saisonkennzahl vergleicht. Beides ist methodisch angreifbar.

Dazu kommt ein zweiter Einwand, der in keinem der geprüften Texte auftaucht. Selbst wenn ein neues Gerät tatsächlich 60 Prozent weniger Strom braucht als ein altes, wäre das nicht allein das Verdienst des Inverters. Ein Fachmann in einem Heizungsforum nennt als weitere Gründe das geregelte Expansionsventil und Kältemittel mit anderen Eigenschaften. Wärmeübertrager und Ventilatoren haben sich in derselben Zeit ebenfalls verändert. Der Inverter ist ein Teil des Fortschritts, nicht seine Summe.

Was sich stattdessen belegen lässt

Es gibt Zahlen zur Effizienz, die nicht aus Werbetexten stammen, sondern aus einer Verordnung und aus Produktdatenblättern. Die Kennzahl heißt SEER, Seasonal Energy Efficiency Ratio. Sie setzt die Kälteleistung über eine ganze Kühlsaison ins Verhältnis zum Stromverbrauch und ist damit aussagekräftiger als der EER, der nur einen einzelnen Betriebspunkt beschreibt. Das Gegenstück für den Heizbetrieb heißt SCOP.

WAS BELEGBAR IST: EFFIZIENZZAHLEN AUS VERORDNUNG UND DATENBLATTMindestwert seit 2013Ökodesign-Stufe 1, GWP über 1503,6Mindestwert seit 2014Ökodesign-Stufe 2, unter 6 kW4,6Mitsubishi Electric MSZ-AYbester Wert der Baureihe8,7Daikin FTXM35A mit RXM35AEU-Datenblatt, Effizienzklasse A+++9,3Altes mobiles Kompaktgerätkein Splitgerät, und ein EER3,0SEER, sofern nicht anders vermerkt. Mindestwerte aus Verordnung (EU) Nr. 206/2012, Anhang I.
Der Mindestwert von 2014 liegt höher als das, was schwache Kompaktgeräte erreichen. Gute Geräte von heute liegen noch einmal doppelt so hoch. Die unterste Zeile ist bewusst rot: Sie stammt aus einer anderen Gerätekategorie und ist ein EER, also ein einzelner Betriebspunkt statt einer Saisonzahl. Genau diese Vermischung steckt hinter vielen der Prozentangaben eine Grafik weiter oben.

Die Mindestwerte stehen in der Ökodesign-Verordnung (EU) Nr. 206/2012. Seit dem 1. Januar 2013 muss ein Splitgerät einen SEER von mindestens 3,60 erreichen, seit dem 1. Januar 2014 sind es für Geräte unter 6 Kilowatt mindestens 4,60. Beim SCOP liegt die Schwelle seit 2014 bei 3,80. Für Geräte mit Kältemitteln, deren Treibhauspotenzial 150 nicht überschreitet, gelten um zehn Prozent niedrigere Anforderungen.

Reale Geräte liegen deutlich darüber. Ein Daikin FTXM35A mit dem passenden Außengerät kommt laut EU-Produktdatenblatt auf einen SEER von 9,3 und einen SCOP von 5,2, beides in der Effizienzklasse A+++. Die Mitsubishi-Baureihe aus der Grafik weiter oben erreicht bis zu 8,7 beim SEER und bis zu 4,8 beim SCOP. Wie diese Kennzahlen zustande kommen und warum ein hoher SEER nicht automatisch niedrige Rechnungen bedeutet, steht im Beitrag dazu, was SEER und SCOP wirklich aussagen.

Woher die Zahlen stammen Die Mindestwerte stammen aus Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 206/2012 im Amtsblatt der Europäischen Union. Die Gerätewerte stammen aus dem EU-Produktdatenblatt in der EPREL-Datenbank und aus einem technischen Herstellerdatenblatt. Der Wert von etwa 3 für alte Geräte stammt aus einem Fachlexikon und gilt dort ausdrücklich für mobile Kompaktgeräte, nicht für Splitgeräte. Eine belegte Effizienzzahl für alte Ein/Aus-Splitgeräte ließ sich nicht finden.

Warum es kaum noch neue Ein/Aus-Geräte gibt

Die Frage, ob sich der Aufpreis für einen Inverter lohnt, hat sich für Neugeräte weitgehend erledigt. Ein Fachmann in einem Heizungsforum formuliert es knapp: Geräte ohne Inverter werden in der EU nicht mehr verbaut.

DIE BEIDEN BAUARTEN IM STECKBRIEFEin/Aus, auch Fix Speeddie ältere BauartDrehzahl des VerdichtersfestLeistungsstufen0 oder 100 %Anlaufaus dem StandRaumtemperaturpendelt im TaktNeugeräte am Marktpraktisch keineBelegte Effizienzzahlkeine gefundenim Bestand weiter in BetriebInverterheute der RegelfallDrehzahl des Verdichters13 bis 107 HzLeistungsstufenstufenlosAnlaufhochgefahrenRaumtemperaturbleibt näher am SollNeugeräte am MarktStandardBelegte EffizienzzahlSEER 8,7 bis 9,3Werte aus DatenblätternDie Zeile Anlaufstrom fehlt bewusst: Für keine der beiden Bauarten ließ sich ein belastbarer Ampere-Wert beschaffen.
Die einzige rote Zeile ist eine Lücke, kein Messwert. Für alte Ein/Aus-Splitgeräte ließ sich in dieser Recherche keine belegte Effizienzzahl finden. Was kursiert, sind Werte aus anderen Gerätekategorien. Wer beide Bauarten vergleichen will, vergleicht deshalb fast immer Äpfel mit Birnen, ohne es zu merken.

Der belegbare Grund dafür sind die Mindestwerte aus der Ökodesign-Verordnung. Wer ein Splitgerät in Europa verkaufen will, muss die Schwellen einhalten. Ob ein Gerät mit fester Drehzahl einen SEER von 4,60 technisch überhaupt erreichen könnte, sagt die Verordnung nicht, und eine Herstellerangabe dazu ließ sich nicht finden. Belegt ist nur: Die Schwelle existiert seit 2014, und der Markt hat sich seither auf Inverter verschoben.

Im Bestand laufen Ein/Aus-Geräte weiter. Ein Nutzer beschreibt in demselben Forum eine eigene Anlage aus dem Jahr 2008, die den gewünschten Wert in ein bis drei Stunden erreicht. Wer ein solches Gerät hat, steht vor einer anderen Frage als jemand, der neu kauft: Für ihn geht es um Austausch, nicht um Auswahl.

Ein Punkt, der in allen elf Texten qualitativ vorkommt und in keinem mit einer Zahl, ist der Anlaufstrom. Ein Verdichter, der aus dem Stand anläuft, zieht kurzzeitig deutlich mehr Strom als im Betrieb; ein Inverter fährt stattdessen die Frequenz hoch. Das Prinzip ist unstrittig.

Eine offene Frage Wie hoch dieser Anlaufstrom in Ampere ausfällt, steht auf keiner der elf geprüften Seiten, und auch in dieser Recherche ließ sich kein belastbarer, zitierfähiger Wert beschaffen. Der Fachbegriff, unter dem man suchen müsste, lautet LRA für Locked Rotor Amps und steht auf dem Typenschild des Verdichters. Solange dazu keine Primärquelle vorliegt, steht hier keine Zahl.

Was Nutzer in der Praxis messen

Zwischen Datenblatt und Stromrechnung liegt der Alltag. Belastbare Messreihen von Privatleuten sind selten, aber es gibt Einzelwerte aus Foren, und die geben ein Gefühl für die Größenordnung.

  • Rund ein Kilowatt im laufenden Heizbetrieb. Ein Nutzer misst das an einer Mono-Split-Anlage mit 3,5 Kilowatt Nennleistung in einem 35 Quadratmeter großen Zimmer. Betreibt er mehrere Anlagen gleichzeitig, kommt er auf 3 bis 3,5 Kilowatt gesamt.
  • 450 Watt am unteren Ende. In einem sehr gut gedämmten Haus meldet ein anderer Nutzer im Sparbetrieb höchstens 450 Watt Aufnahme. Das ist der Teillastfall, für den die Invertertechnik gebaut ist.
  • 1.500 bis 2.000 Watt bei Frost. Derselbe Thread nennt diese Spitzenlast für Temperaturen unter null Grad und rund 800 Kilowattstunden für eine ganze Heizsaison in einer mäßig gedämmten Wohnung.
  • Ein realer COP von 2,5 bis 3 im Winter. Ein Nutzer misst das an seiner Dual-Split-Anlage an sehr kalten Tagen und liegt damit unter den Katalogwerten. Was das für die Rechnung bedeutet, steht im Beitrag dazu, was Heizen mit einer Klimaanlage kostet.

Ein Fund verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er in keinem der elf Ratgebertexte vorkommt. Ein Nutzer vergleicht die Verbrauchsanzeige der Hersteller-App mit einem eigenen Zwischenzähler: Die App zeigt 14,5 Kilowattstunden, der Zähler 8,56. Ein anderer Nutzer im selben Thread kommt bei seiner Anlage auf nahezu identische Werte, an einem Tag auf 250 Wattstunden Abweichung.

Der verbreitete Irrtum Die Verbrauchsanzeige in der Hersteller-App ist keine Messung. Bei manchen Geräten stimmt sie gut mit einem Zähler überein, bei anderen offenbar nicht. Beides sind Einzelfälle aus einem Forum und keine systematische Untersuchung. Wer wissen will, was seine Anlage wirklich verbraucht, misst mit einem eigenen Zwischenzähler nach.

Zusammengefasst: Die Invertertechnik ist real, ihre Funktionsweise ist belegbar, und die Regelbereiche stehen in frei zugänglichen Datenblättern. Was fehlt, ist eine seriöse Zahl für die Ersparnis gegenüber der alten Bauart. Solange die niemand vorrechnet, sollte man ihr auch nicht glauben, egal wie oft sie wiederholt wird.

Häufige Fragen

Ein Umrichter wandelt den Netzwechselstrom zuerst in Gleichstrom und daraus wieder in Wechselstrom, dessen Frequenz frei einstellbar ist. Diese Frequenz bestimmt die Drehzahl des Verdichters. Statt zwischen voller Leistung und Stillstand zu schalten, fährt das Gerät die Leistung so weit herunter, wie der Raum es gerade verlangt. Zwei Herstellerdokumente nennen dafür Frequenzbereiche von 13 bis 107 und von 16 bis 100 Hertz.
Nur solange die Wärmelast des Raums über der kleinsten einstellbaren Leistung liegt. Nach dem Datenblatt der Baureihe Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP, sechs Baugrößen von 1,5 bis 5,0 Kilowatt Nennleistung, liegt diese Untergrenze zwischen 21 und 36 Prozent der Nennleistung, in Kilowatt zwischen 0,5 und 1,4. Andere Baureihen liegen höher: Die Daikin Comfora FTXP-N mit sechs Baugrößen von 2,0 bis 7,1 Kilowatt kommt auf 1,3 bis 2,3 Kilowatt. Braucht der Raum weniger, schaltet auch ein Inverter ab und wieder ein. Bei zu groß gewählten Geräten ist das der Normalfall und nicht die Ausnahme.
Ein Gerät taktet zwangsläufig, sobald seine Mindestkälteleistung über der Kühllast des Raums liegt. Rechnet man mit 75 Watt je Quadratmeter, also im unteren Mittelfeld der üblichen Faustzahl von 60 bis 100 Watt je Quadratmeter, braucht ein Minimum von 0,5 Kilowatt rund 7 Quadratmeter, 1,3 Kilowatt rund 17, 1,4 Kilowatt rund 19, 1,7 Kilowatt rund 23 und 2,3 Kilowatt rund 31 Quadratmeter. In einem Zimmer von 20 Quadratmetern mit rund 1,5 Kilowatt Spitzenlast muss deshalb keine Baugröße der MSZ-AY-Reihe takten, wohl aber die drei größten Baugrößen der Daikin-Reihe. Die Umrechnung in Quadratmeter ist eine eigene Rechnung aus der Faustzahl und ersetzt keine Kühllastberechnung.
Dafür gibt es keine belegte Zahl. Acht der elf geprüften Ratgeberseiten nennen 30 oder 60 Prozent, keine einzige nennt eine Quelle, ein Vergleichsgerät oder einen Messzeitraum. Auch eine gezielte Suche nach einer Studie oder Norm hinter diesen Werten blieb ohne Treffer. Belegbar sind nur die Effizienzkennzahlen einzelner Geräte, etwa ein SEER von 9,3 beim Spitzenmodell gegenüber dem gesetzlichen Mindestwert von 4,60.
Für Splitgeräte praktisch nicht mehr. Die Ökodesign-Verordnung verlangt seit 2014 einen SEER von mindestens 4,60 für Geräte unter 6 Kilowatt, und der Markt hat sich seither auf Inverter verschoben. Ein Fachmann in einem Heizungsforum formuliert es so, dass Geräte ohne Inverter in der EU nicht mehr verbaut werden. Im Bestand laufen sie weiter.
Belastbare Ausfallstatistiken für beide Bauarten waren nicht auffindbar. Beide Argumentationen kursieren ohne Zahlen: Die Leistungselektronik ist ein zusätzliches Bauteil, das ausfallen kann, dafür entfallen die harten Starts aus dem Stand. Solange keine Quelle das eine oder andere belegt, ist die Frage offen.
Im Teillastbetrieb dreht der Verdichter langsamer, und die Geräusche fallen entsprechend geringer aus. Ein Vergleich in Dezibel zwischen beiden Bauarten stand auf keiner der geprüften Seiten und ließ sich auch sonst nicht belegen. Die Lautstärke eines konkreten Geräts steht als Schallleistungspegel in seinem Datenblatt.
Ja, der Kreislauf wird dazu umgekehrt. Die zugehörige Kennzahl heißt SCOP; ein reales Beispielgerät erreicht laut EU-Datenblatt 5,2, der gesetzliche Mindestwert liegt seit 2014 bei 3,80. In der Praxis melden Nutzer an sehr kalten Tagen deutlich niedrigere Werte, in einem Forenbericht einen realen COP von 2,5 bis 3.
Oliver Takens
Wer das geschrieben hat

Oliver Takens

Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.

Zum Autorenprofil

Und wenn das Gerät zu groß ist?

Auch ein Inverter kann nicht beliebig weit herunterregeln. Was dann passiert und warum ein zu großes Gerät mehr Strom braucht als ein passendes.

Zum Beitrag über das Takten

Stand: 25. August 2026 · Quellen: Verordnung (EU) Nr. 206/2012, Anhang I, Amtsblatt L 72/7 · EU-Produktdatenblatt Daikin FTXM35A2V1B mit RXM35A5V1B aus der EPREL-Datenbank · Technisches Datenblatt Mitsubishi Electric MSZ-AY-AP · Toshiba Techniklexikon „Grundlagen der Invertertechnologie“ · Servicehandbuch Bomann CL 6044 CB · energie-lexikon.info · Ratgeberseiten klivatec.de, klimeo.de, klimaworld.com, mycooling-gmbh.de, bosch-homecomfort.com, otto.de, sollero.de, magazin.klimaprofis.com, hausjournal.net, knipping-klima.de und klimaanlagenwelt.com, abgerufen am 24. August 2026 · Forenbeiträge auf akkudoktor.net, energiesparhaus.at und heizungsforum.de