Die kurze Antwort
Das Wasser gehört dazu. Eine Klimaanlage entfeuchtet nicht, weil jemand eine Taste gedrückt hat, sondern weil sie kühlt. Sobald die Lamellen im Innengerät kälter sind als der Taupunkt der Raumluft, schlägt sich darauf Wasser nieder, genau wie an einem kalten Glas im Sommer. Eine Bauart, die kühlt, ohne dabei Wasser abzuscheiden, gibt es nicht.
Wie viel zusammenkommt, lässt sich beziffern, sofern man ein Datenblatt erwischt, das den Wert überhaupt ausweist. Bei der Panasonic-Baureihe Etherea sind es 0,56 bis 0,63 Liter je Stunde und Kilowatt Kälteleistung. Ein übliches Gerät mit 3,5 Kilowatt scheidet danach rund zwei Liter je Stunde ab. Der Rechenweg dazu steht weiter unten, samt der Frage, warum vier von sechs geprüften Herstellern diese Zahl gar nicht erst nennen.
Dieser Beitrag erklärt die Physik dahinter und die Mengen. Er ist keine Bedienungsanleitung für den Entfeuchtungsmodus: Welche Solltemperatur man dort einstellt und wie lange man ihn laufen lässt, ist eine eigene Frage, die hier nur gestreift wird.
Wie viel Wasser Luft überhaupt tragen kann
Luft nimmt Wasser auf wie ein Schwamm, aber die Größe dieses Schwamms hängt an der Temperatur. Je wärmer die Luft, desto mehr Wasserdampf kann sie halten, bevor sie gesättigt ist. Der Zusammenhang ist seit langem in einer Formel beschrieben, der Magnus-Formel, und er ist alles andere als linear.
In Zahlen: Bei 10 Grad passen höchstens 9,4 Gramm Wasser in einen Kubikmeter Luft. Bei 20 Grad sind es 17,3 Gramm, bei 25 Grad 23,0 Gramm, bei 30 Grad 30,3 Gramm und bei 35 Grad 39,5 Gramm. Zehn Grad mehr zwischen 20 und 30 Grad bedeuten also drei Viertel mehr Aufnahmefähigkeit.
Diese Kurve ist der Grund, warum dieser Beitrag existiert. Die beste der geprüften Seiten, hausjournal.net, schreibt qualitativ richtig „Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit tragen“ und lässt es dabei bewenden. Sucht man dagegen nach dem Taupunkt allein, findet man ihn gut erklärt, aber an keiner Stelle mit der Klimaanlage verknüpft.
Der Taupunkt, die Schwelle für Kondenswasser
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die man eine bestimmte Luft abkühlen müsste, damit sie gerade gesättigt ist. Jede Fläche, die kälter ist, beschlägt. Für den Beispielraum in der Grafik oben, 30 Grad warm und 50 Prozent relative Feuchte, liegt er bei 18,4 Grad. Das ist deutlich unter Raumtemperatur, aber weit über dem, was im Innengerät passiert.
Die Lamellen des Verdampfers werden im Kühlbetrieb typischerweise 4 bis 7 Grad kalt. Diese Spanne stammt von einem Fachportal und ist dort selbst nicht belegt; ein Herstellerdatenblatt mit einem Wert dazu fand sich nicht. Plausibel ist sie trotzdem, denn sie liegt unter jedem üblichen Raumtaupunkt. Damit liegen die Lamellen mehr als zehn Kelvin unter dem Taupunkt der Raumluft. Wasser auszuscheiden ist unter diesen Bedingungen keine Option, sondern zwangsläufig. Ein Nutzer bringt es im Forum von akkudoktor.net auf einen Satz: „Die Entfeuchtung findet statt, wenn die Lamellen des Innengerätes den Taupunkt der Raumluft unterschreitet.“
Für diese Aufteilung gibt es Fachbegriffe, die in keinem der zehn geprüften Verbraucherartikel vorkommen. Daikin definiert sie so: „Wärme, die zu einer Änderung des Aggregatzustands führt, wird latente (verborgene) Wärme genannt.“ Sensible Wärme senkt die Temperatur, latente Wärme steckt im Übergang von Dampf zu Wasser. Beide zusammen ergeben die Kälteleistung, die im Datenblatt steht.
Wie sich beides aufteilt, beschreibt der Sensible Heat Ratio. Eine englischsprachige Fachquelle nennt für Wohnräume, Apartments und Hotelzimmer Werte zwischen 0,80 und 0,95, für gewerbliche Küchen zwischen 0,60 und 0,80. Übersetzt heißt das: In einer Wohnung gehen 80 bis 95 Prozent der Kälteleistung in die Temperatur und nur 5 bis 20 Prozent in die Entfeuchtung. Eine deutschsprachige Quelle mit Zahlenwert dazu ließ sich nicht finden.
Wer nachvollziehen will, wie die Wärme aus dem Raum überhaupt an diese Lamellen kommt, findet die Grundlagen im Beitrag dazu, wie der Kältekreislauf arbeitet. Wohin sie danach verschwindet, steht im Beitrag darüber, warum das Außengerät so heiß wird.
Wie viel Wasser tatsächlich anfällt
Bis hierher steht fest, dass Wasser anfällt. Für die Menge braucht es zwei weitere Angaben: wie viel Luft das Gerät je Stunde bewegt und wie stark es sie abkühlt. Beides steht im Datenblatt, jedenfalls beim Luftvolumenstrom.
Die Rechnung ergibt 2,35 Liter je Stunde, das Datenblatt desselben Geräts nennt 2,0. Diese Lücke von rund 17 Prozent ist erklärbar. In der Kältetechnik heißt der Effekt Bypass-Faktor: Ein Teil der Luft strömt zwischen den Lamellen hindurch, ohne vollständig auf deren Temperatur abzukühlen. Eine reine Sättigungsrechnung überschätzt die Entfeuchtung deshalb systematisch.
Damit lassen sich auch die Angaben einordnen, die im Netz kursieren. Sie widersprechen sich auf den ersten Blick um den Faktor zehn.
Auffällig ist nicht die Spannweite, sondern dass keine der vier Seiten sie bemerkt. Jede nennt ihre Zahl, als wäre sie die einzige. Dabei sind alle vier plausibel, sobald man dazusagt, für welches Gerät und für wie viele Stunden sie gelten sollen. Genau diese Angabe fehlt überall.
Im Fachforum akkudoktor.net kursiert außerdem die Faustregel „1 Liter pro Stunde und kW Kühlleistung“, verbunden mit der Schätzung von 20 bis 40 Litern am Tag für ein typisches Haus mit 100 Quadratmetern. Das ist rund doppelt so viel wie die Herstellerwerte hergeben, und der Nutzer nennt keine Quelle dafür. Als Auslegungsreserve für eine Kondensatpumpe mag das taugen, als Erwartungswert für den eigenen Eimer nicht.
Was die Hersteller angeben, und was nicht
Sechs Hersteller wurden für diesen Beitrag auf eine Angabe zur Entfeuchtungsleistung geprüft. Zwei nennen sie, vier nicht.
Bei Panasonic steht der Wert für sechs Modelle der Baureihe Etherea im technischen Datenblatt, bei Samsung für das WindFree Avant über einen Fachhändler. Bei Daikin dagegen fehlt er in zwei geprüften Baureihen, bei Mitsubishi Electric im technischen Datenblatt der MSZ-RZ-Serie, bei LG auf der Produktseite. Bei Toshiba enthält überhaupt nur die Bedienungsanleitung Zahlen, und die betreffen die Kälteleistung, nicht die Entfeuchtung.
Eine Ausnahme betrifft mobile Geräte. Bosch nennt für die eigenen 3-in-1-Modelle im Entfeuchtungsbetrieb „bis zu 50 Liter Wasser pro Tag“, allerdings ohne Modellbezeichnung. Auf ein konkretes Datenblatt lässt sich diese Zahl daher nicht zurückführen.
Bemerkenswert ist der Kontrast zu anderen Kennzahlen desselben Datenblatts. Wie effizient ein Gerät über die Saison arbeitet, ist mit SEER und SCOP europaweit einheitlich geregelt und steht auf jedem Energielabel. Wie viel Wasser dasselbe Gerät dabei abscheidet, darf jeder Hersteller weglassen.
Der Dry-Modus, und warum er kein Bautrockner ist
Fast jedes Gerät hat neben dem Kühlbetrieb einen Entfeuchtungsmodus, meist mit einem Tropfensymbol und der Bezeichnung Dry. Technisch ist das keine zweite Maschine, sondern dieselbe mit anderer Regelung.
Dass der Verdichter dabei in Abständen läuft statt durchgehend, ist bei modernen Geräten eine Frage der Drehzahl und nicht des Ein- und Ausschaltens. Was ein Inverter dafür anders macht, steht im Beitrag darüber, wie die Invertertechnik die Verdichterdrehzahl regelt. Ein Gerät, das nach wenigen Minuten wieder abschaltet, entzieht der Luft entsprechend weniger Wasser, weil weniger Luft an den kalten Lamellen vorbeikommt.
Interessanter als die Bedienung ist die Grenze. Der Dry-Modus taugt für schwüle Sommertage und kurze Feuchtespitzen. Er taugt nicht für einen dauerhaft feuchten Keller, und dafür gibt es Belege aus der Praxis statt aus der Werbung.
Der Grund ist wieder der Taupunkt. Ein Fachnutzer im selben Forenthread ordnet ein, dass die Geräte grundsätzlich eine hohe Entfeuchtungsleistung von 0,5 bis 0,7 Litern je Stunde hätten, dass im kühlen Keller aber der Abstand zwischen Lamellentemperatur und Taupunkt zu klein sei. Wo die Luft ohnehin schon kalt ist, bringt weiteres Abkühlen wenig.
Dazu kommt eine harte Betriebsgrenze. In einem älteren Vergleichstest schaltete sich ein mobiles Klimagerät bei 10 Grad Raumtemperatur automatisch ab, während dedizierte Luftentfeuchter laut demselben Thread bis 0 Grad weiterarbeiten. Ein Teilnehmer fasst den Unterschied so zusammen: „Einfache Klimageräte sind darauf ausgelegt, eine bestimmte Raumtemperatur zu erzielen, einem Entfeuchter ist die Temperatur quasi egal.“
Wohin das Wasser läuft
Das Kondensat tropft von den Lamellen in eine Wanne unter dem Wärmetauscher. Was danach passiert, unterscheidet sich je nach Gerätetyp grundlegend, und in beiden Fällen sitzt dort die häufigste Störungsursache.
Beim Splitgerät entscheidet das Gefälle. Drei unabhängige Fachquellen nennen übereinstimmend 1 bis 2 Prozent, also 1 bis 2 Zentimeter je laufendem Meter; eine vierte fordert mindestens 1,5 Prozent. Ein Monteur rechnet es im Forum vor: „So ab 1 Prozent fließt das Wasser, 2 Prozent sind besser. Also 6 Zentimeter über 3 Meter.“ Eine DIN- oder VDI-Norm, die diesen Wert festschreibt, ließ sich in dieser Recherche nicht finden. Die geprüften Montageanleitungen von Haier, Riewitec und Kampmann verlangen alle „natürliches Gefälle“, ohne einen Prozentwert zu nennen.
- Nie einen Siphon im Schlauch. Ein Kältetechnikbetrieb warnt ausdrücklich davor: Bildet der Schlauch einen Bogen nach unten, steht dort Wasser und der Abfluss stoppt.
- Vorsicht am Regenfallrohr. In einem Bauforum wird beschrieben, wie ein zu dicht angeschlossener Kondensatschlauch bei Starkregen zurückstaut, weil beide Leitungen als kommunizierende Röhren wirken. Gelöst wurde es, indem der Schlauch unterhalb des Sinkkastens in den Kanal geführt wurde.
- Die Pumpe ist eine zusätzliche Fehlerquelle. Wo kein Gefälle möglich ist, hebt eine Kondensatpumpe das Wasser an, bei einem geprüften Hersteller bis 750 Millimeter. Sie macht Geräusche und sie kann ausfallen.
- Verstopfung kommt von innen. Algen, Schmutz und Insekten im Ablaufrohr gehören zu den häufigsten Ursachen für tropfende Innengeräte, neben Gegengefälle und einem vereisten Verdampfer.
Weil die Lamellen im Betrieb dauerhaft nass sind, ist der Verdampfer zugleich die Stelle, an der sich ein Biofilm bildet, wenn er nie abtrocknet. Genau dafür haben viele Geräte eine Nachlauffunktion, die den Lüfter nach dem Abschalten noch einige Minuten weiterlaufen lässt. Das ist keine Zusatzausstattung, sondern die direkte Folge der Physik aus den ersten Abschnitten. Wie oft Filter und Ablauf kontrolliert gehören, steht im Beitrag zur Wartung einer Klimaanlage.
Wird die Luft dadurch zu trocken?
Wer im Sommer stundenlang kühlt, entzieht der Raumluft literweise Wasser. Die Frage nach der Untergrenze ist also berechtigt. Nur wird sie im Netz mit einer Sicherheit beantwortet, die die Quellenlage nicht hergibt. Belastbare deutsche Quellen gibt es durchaus. Sie nennen nur nicht dieselbe Zahl, weil sie verschiedene Zwecke verfolgen.
- DGUV: mindestens 40 Prozent. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt für Arbeitsplätze ausdrücklich, „die relative Luftfeuchte auf mindestens 40 %, nicht wie häufig üblich auf 30 %, zu regulieren“. Als Obergrenze nennt sie rund 60 Prozent bei 22 Grad.
- DIN EN 16798-1: 40 bis 65 Prozent. Der deutsche nationale Anhang von März 2022 hebt die Mindestwerte gegenüber der europäischen Basisnorm an, und zwar ausdrücklich, „um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Personen zu erhalten“.
- DIN EN ISO 7730: 35 bis 60 Prozent. Das ist der Bereich, der im Behaglichkeitsmodell nach Fanger für Büroarbeit als thermisch behaglich gilt. Gerechnet wird darin üblicherweise mit 50 Prozent.
Alle drei Bereiche überlappen sich zwischen 40 und 60 Prozent, aber keiner von ihnen ist als Universalzahl gedacht. Wer eine einzelne Prozentzahl als „optimal“ hinschreibt, verschweigt, für welchen Zweck sie gilt.
Ein Regelwerk verknüpft Feuchte und Temperatur direkt. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 nennt eine Schwülegrenze, die an eine konstante absolute Feuchte gekoppelt ist.
Diese fünf Werte sind der beste Beleg dafür, dass eine einzelne Prozentzahl nicht reicht. Bei 26 Grad Raumtemperatur gelten 55 Prozent noch als erträglich, bei 35 Grad sind es nur noch 33 Prozent. Der Wassergehalt der Luft bleibt dabei rechnerisch derselbe, es ändert sich nur die Bezugstemperatur. Rechnet man die fünf Werte mit der Magnus-Formel vom Anfang nach, kommt man auf ein bis zwei Prozentpunkte an die Tabelle heran.
Praktisch heißt das: Wer die Solltemperatur moderat wählt, entzieht der Luft weniger Wasser. Ein Nutzer im Forum rät, „lieber nur leicht kühlen als volle Pulle über lange Zeit“, und weist darauf hin, dass bei 25 Grad Solltemperatur deutlich weniger Wasser anfällt als bei 20 Grad. Das deckt sich mit der Sättigungskurve vom Anfang. Wie stark dieselbe Anlage bei extremer Hitze insgesamt einbricht, steht im Beitrag darüber, warum manche Anlage bei 38 Grad kaum noch kühlt.
Häufige Fragen
Und warum kühlt dieselbe Anlage bei 38 Grad kaum noch?
Das Kennfeld eines Herstellers zeigt, wie viel Kälteleistung bei großer Hitze übrig bleibt, und ab wann das Gerät abschaltet.
Zum HitzebeitragStand: 25. August 2026 · Quellen: Magnus-Formel nach wetterochs.de, Konstanten gegengeprüft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg · engineeringtoolbox.com und de.wikipedia.org für die Sättigungswerte · Technisches Datenblatt Panasonic Etherea Z-Serie (Stand 2023) über prosatech.de · Samsung WindFree Avant über klimaworld.com · geprüft ohne Fundstelle: Datenblätter Daikin Ururu Sarara und Comfora, Mitsubishi Electric MSZ-RZ, LG AA09SP, Toshiba Seiya · daikin.at zur latenten Wärme · hvacprosales.com zum Sensible Heat Ratio · bosch-homecomfort.com zum Entfeuchtungsbetrieb · DGUV Fachbereich AKTUELL „Niedrige Luftfeuchte am Arbeitsplatz“ · ASR A3.5 Abschnitt 4.4 über die Reproduktion bei bgn-branchenwissen.de · DIN EN 16798-1, nationaler Anhang 2022, referiert in kka-online.info und tab.de · DIN EN ISO 7730 über gebaeudeforum.de · Montageunterlagen Riewitec und Kampmann · Einbaurichtlinien kaeltebringer.de und cilson.de · heizsparer.de zur Hygiene · Forenbeiträge auf akkudoktor.net, energiesparhaus.at und bauexpertenforum.de · geprüfte Ratgeberseiten: mediamarkt.de, kaeltewolf.de, hausjournal.net, klimaanlage-ratgeber.de, hitze24.com, isteshaltbar.de, klimeo.de, cold-man.de, dein-heizungsbauer.de
