Warum das gekippte Fenster die Kühlleistung kostet
Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 11 Minuten
Kurz zusammengefasst
Der Abluftschlauch bläst Luft aus dem Zimmer, und dieselbe Menge kommt durch das gekippte Fenster zurück. Im Sommer ist sie warm. Bei 420 Kubikmetern je Stunde und 10 Kelvin Unterschied kostet das 1.428 Watt, bei einem Gerät mit 3.500 Watt Nennkühlleistung also gut 40 Prozent. Am Hitzetag sind es über 60 Prozent. Über elf geprüfte Quellen hinweg nennt keine einzige dazu eine Watt-Zahl.
Die kurze Antwort
Ein mobiles Klimagerät mit Abluftschlauch bläst ununterbrochen Luft aus dem Zimmer
nach draußen. Diese Luft fehlt im Raum, und sie kommt zurück, weil Luft nun einmal
nachströmt. Der einzige nennenswerte Weg dafür ist die Öffnung, in der der Schlauch
steckt: das gekippte Fenster. Was dort hereinkommt, ist im Sommer genau die warme Luft,
gegen die das Gerät gerade arbeitet.
Wie viel Kühlleistung das kostet, lässt sich ausrechnen. Bei einem Gerät mit
420 Kubikmetern Luft je Stunde und 10 Kelvin Unterschied zwischen draußen und
Wunschtemperatur sind es 1.428 Watt, bei 3.500 Watt Nennkühlleistung also gut
40 Prozent. An einem Hitzetag mit 15 Kelvin Unterschied sind es 2.142 Watt und damit
61 Prozent. Der vollständige Rechenweg steht weiter unten.
Kurz gesagt
Das gekippte Fenster ist nicht der Fehler, sondern die Öffnung, durch die der Fehler
hereinkommt. Abschaffen lässt sich der Effekt nicht, nur verkleinern: die Öffnung
abdichten oder ein Gerät mit zwei Schläuchen wählen. Ob
ein mobiles Gerät für Ihren Raum überhaupt
reicht, ist eine eigene Frage und hängt genau an dieser Rechnung.
Was am gekippten Fenster wirklich passiert
In einem Monoblockgerät steckt der gesamte Kältekreislauf in einem Gehäuse. Der
Verdampfer entzieht der Raumluft Wärme, der Verflüssiger muss sie wieder loswerden. Dafür
braucht er Luft, und die nimmt er aus dem Zimmer. Erwärmt schiebt er sie durch den
Schlauch nach draußen. Die Herstellerdatenblätter nennen dafür 350 bis 420 Kubikmeter je
Stunde auf der höchsten Stufe.
Ein Zimmer von 20 Quadratmetern und 2,50 Meter Höhe fasst 50 Kubikmeter Luft. Ein
Gerät mit 420 Kubikmetern je Stunde schiebt also in einer Stunde mehr als das Achtfache
des Rauminhalts hinaus. Diese Menge muss nachkommen, sonst würde im Zimmer ein
Vakuum entstehen. Tatsächlich stellt sich ein leichter Unterdruck ein, der die Luft von
außen hereinzieht.
Der Schlauch schafft Luft hinaus, und dieselbe Menge kommt zurück. Ein Monoblockgerät kühlt seinen Verflüssiger mit Luft aus dem Zimmer und bläst sie nach draußen. Weil der Raum sonst geschlossen ist, bleibt nur ein Weg für den Nachschub: die Öffnung, in der der Schlauch steckt. Im Sommer kommt dort keine kühle Luft herein, sondern genau die Hitze, gegen die das Gerät gerade arbeitet.
Der TÜV-Verband beschreibt den Mechanismus in seiner Sommer-Pressemitteilung
qualitativ: Der Unterdruck ziehe warme Luft nach und mindere die Kühlleistung. Der
Hersteller Bosch wird deutlicher und nennt es einen „physikalischen Nachteil, der sich
auch mit optimaler Einrichtung nicht vollständig ausgleichen lässt“. Eine Zahl nennt
keiner von beiden.
Nutzer merken den Effekt körperlich. In einem Forenbeitrag auf gutefrage.net
beschreibt ein Nutzer seine mit Styroporplatten abgedichtete Lösung so: „In dem Raum war
dann immer Unterdruck, das hat man gemerkt, wenn man die Tür aufmachen wollte.“ Genau
dieser Unterdruck ist der Motor, der die Außenluft hereinholt.
Der verbreitete Irrtum
„Es ist doch nur ein schmaler Spalt.“ Wie viel Luft hereinkommt, entscheidet nicht die
Spaltbreite, sondern der Schlauch: Er bestimmt, wie viel hinausgeht, und genau so viel
kommt nach. Ein engerer Spalt lässt dieselbe Menge nur schneller durch. Was eine
Abdichtung zusätzlich verhindert, ist der freie Austausch durch die große Öffnung:
Wind, Auftrieb und die eigene, bis zu 70 Grad heiße Abluft, die am offenen Kippflügel
direkt wieder hereinzieht. Wie groß dieser zusätzliche Anteil ist, hat niemand
gemessen.
Ein zweiter Weg, den kaum jemand beziffert
Der Abluftschlauch selbst wird heiß. Der TÜV-Verband nennt Ablufttemperaturen von bis zu
70 Grad. Ein Forennutzer weist darauf hin, dass ein ungedämmter Schlauch einen Teil
dieser Wärme direkt wieder an den Raum abgibt. Wie groß dieser Anteil ist, hat in den
geprüften Quellen niemand gemessen. Die Rechnung unten enthält ihn nicht.
Wie viel Kühlleistung das kostet, in Watt
Für diesen Beitrag wurden elf rankende Seiten und mehrere Primärquellen einzeln
gelesen, darunter der TÜV-Verband, Stiftung Warentest und die Ratgeberseiten zweier
Hersteller. Keine einzige nennt eine Watt-Zahl. Es bleibt bei „mindert die
Kühlleistung“, „könne die Kühlleistung sinken“ und „verliert massiv an Leistung“. Dabei
ist die Rechnung seit Jahrzehnten Standard, nur eben aus der Heiztechnik.
Die Formel
Wer den Lüftungswärmeverlust eines Hauses berechnet, multipliziert das Luftvolumen je
Stunde mit der Temperaturdifferenz und einer Konstante. Beim Kühlen gilt dieselbe Physik, nur mit
umgekehrtem Vorzeichen.
Drei Zahlen genügen, und alle drei kann jeder nachschlagen. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein: den Luftvolumenstrom Ihres Geräts, die Differenz zwischen Außen- und Wunschtemperatur, dann die Konstante. Das Ergebnis ist die Leistung, die das Gerät zusätzlich aufbringen muss, bevor der Raum überhaupt kühler wird.
Die Konstante ist kein Erfahrungswert, sondern ein Produkt aus zwei Stoffgrößen. Die
spezifische Wärmekapazität trockener Luft liegt bei rund 1.005 Joule je Kilogramm und
Kelvin, die Dichte bei 20 Grad bei 1,204 Kilogramm je Kubikmeter. Beides multipliziert
ergibt etwa 1.210 Joule je Kubikmeter und Kelvin. Geteilt durch 3.600, um von Joule auf
Wattstunden zu kommen, bleiben 0,336, gerundet 0,34 Wattstunden je Kubikmeter und
Kelvin. Zwei unabhängige Fachquellen kommen mit eigener Herleitung auf denselben
Wert.
Woher die Zahlen stammen
Wärmekapazität: schweizer-fn.de und energie-lexikon.info, beide zwischen 1.000 und
1.005 J/(kg·K). Dichte trockener Luft bei 20 Grad und 1.013 Hektopascal: 1,204 kg/m³.
Der gerundete Faktor 0,34 Wh/(m³·K) ist bei wiki.energie-m.de und calculytic.com
übereinstimmend belegt. Die Geräteangaben stammen aus den Herstellerdatenblättern von
Comfee und De'Longhi, nicht aus Händlerseiten.
Eine Annahme, die offen bleibt
Kein geprüftes Datenblatt unterscheidet zwischen dem Abluftstrom durch den Schlauch und
einem allgemeinen Luftvolumenstrom. Comfee, De'Longhi, ein Otto-Handelsmarkengerät und
Klarstein nennen alle nur den undifferenzierten Wert; das offizielle EU-Produktdatenblatt
des Trotec PAC 3500 S nennt gar keinen, weil die Kennzeichnungsverordnung ihn nicht
verlangt. Diese Rechnung setzt den veröffentlichten Luftvolumenstrom als Näherung für den
Abluftstrom. Das ist plausibel (ein 130-Millimeter-Schlauch bei 250 bis 460 Kubikmetern
je Stunde entspricht 5 bis 10 Metern je Sekunde, ein realistischer Bereich), aber vom
Hersteller nicht bestätigt. Jede Watt- und Prozentangabe in diesem Beitrag steht unter
dieser Annahme.
Zwei reale Geräte, drei Wetterlagen
Als Beispiele dienen zwei Geräte, deren Datenblätter öffentlich sind: das Comfee
Mobile 12000 Plus mit 3.500 Watt Kühlleistung, 420 Kubikmetern je Stunde und
Effizienzklasse A, und das De'Longhi Pinguino PAC EX105 A+++ mit 2.500 Watt,
350 Kubikmetern je Stunde und Klasse A+++.
Am Hitzetag geht mehr Leistung ins Fenster als in den Raum. Beim Comfee bleiben von 3.500 Watt noch 1.358 Watt für die eigentliche Kühlung übrig, beim De'Longhi von 2.500 Watt noch 715 Watt. Das effizientere Gerät trifft es prozentual sogar härter: Es bewegt fast dieselbe Luftmenge, hat aber weniger Nennleistung, gegen die es gegenrechnen kann.
In Prozent der Nennkühlleistung: Beim Comfee sind es 24,5 Prozent am milden Abend,
40,8 Prozent am warmen Tag und 61,2 Prozent am Hitzetag. Beim De'Longhi sind es
28,6 Prozent, 47,6 Prozent und 71,4 Prozent. Diese Werte gelten für die höchste Gebläsestufe. Auf der niedrigsten
Stufe, 355 beziehungsweise 250 Kubikmeter je Stunde, sinken sie auf rund 20 Prozent bei
6 Kelvin und rund 51 Prozent bei 15 Kelvin. Vernachlässigbar wird der Verlust in keinem
Fall.
Der Verlust wächst geradlinig mit der Temperaturdifferenz. Je Kelvin sind es beim Comfee 143 Watt, beim De'Longhi 119 Watt. Die gestrichelte Linie markiert die Hälfte der Comfee-Nennkühlleistung; erreicht wird sie bei rund 12,3 Kelvin. Beim De'Longhi liegt dieselbe Schwelle schon bei 10,5 Kelvin. An einem Tag mit 35 Grad draußen und 24 Grad Wunschtemperatur sind Sie bereits bei 11 Kelvin.
Die Nennkühlleistung ist dabei die Zahl vom Typenschild, gemessen unter
Normbedingungen. Sie sagt nichts darüber, ob das Gerät zu Ihrem Raum passt; dafür
brauchen Sie die Kühllast. Wie Sie
die passende Kühlleistung für Ihren
Raum berechnen, steht in einem eigenen Beitrag. Die Rechnung hier kommt danach: Sie
zeigt, wie viel von der gekauften Leistung überhaupt im Raum ankommt.
Diese Rechnung ist die Referenz
Sie steht in diesem Ratgeber nur an dieser Stelle vollständig, mit Formel, Konstanten,
Quellen und der offenen Annahme. Andere Beiträge brauchen den Nachströmverlust
ebenfalls, etwa die Frage, ob
ein mobiles Gerät für Ihren Raum reicht,
oder der Blick auf
Geräte ganz ohne Abluftschlauch. Sie
verweisen auf diesen Abschnitt, statt die Zahlen zu wiederholen. Ändert sich hier ein
Wert, ändert er sich an genau einer Stelle.
30 Prozent oder 60 Prozent, was stimmt?
Im Netz kursieren zwei Zahlen zum Leistungsverlust am gekippten Fenster, und sie
unterscheiden sich um das Doppelte. arekoreshop.com nennt „bis zu rund 30 Prozent“ und
bezeichnet das im eigenen Text als „Schätzwert der Branche“, ohne Quelle.
klimaanlage-ratgeber.de nennt „bis zu 60 Prozent Effizienzverlust“, ebenfalls ohne
Quelle. Keine der beiden Seiten nennt ein Gerät, eine Temperatur oder einen
Rechenweg.
Beide Zahlen stimmen, nur unter verschiedenen Bedingungen. Die 30 Prozent passen zu einem milden Abend, die 60 Prozent zu einem echten Hitzetag. Weil keine der beiden Quellen sagt, welches Gerät und welche Temperaturdifferenz gemeint sind, kann eine Leserin mit keiner der beiden Zahlen etwas anfangen. Erst die Bedingung macht eine Prozentangabe brauchbar.
Die eigene Rechnung löst den Widerspruch auf, ohne ihn zu glätten: Beide Werte liegen
im berechneten Bereich, nur bei verschiedenen Temperaturdifferenzen. Vermutlich sind
beide Momentaufnahmen unter Bedingungen, die niemand aufgeschrieben hat. Als Ratschlag
taugen sie trotzdem nicht: Eine Prozentangabe ohne Gerät und ohne Wetterlage ist keine
Information, sondern eine Zahl.
Was in dieser Rechnung noch nicht steckt
Die nachströmende Luft bringt nicht nur Wärme mit, sondern auch Wasserdampf. Bevor der
Raum sich kühl anfühlt, muss ein Teil davon am Verdampfer auskondensieren, und das kostet
zusätzliche Leistung. Fachleute nennen die beiden Anteile sensible Last für die
Temperatur und latente Last für die Feuchtigkeit. Beide wirken gleichzeitig und
unabhängig voneinander.
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt ein Vergleich der Stoffwerte. Wasser gibt
beim Kondensieren rund 2.257 Kilojoule je Kilogramm ab, gemessen am Siedepunkt; bei
25 Grad sind es nach Umrechnung aus einem Tabellenwert etwa 2.441 Kilojoule je Kilogramm.
Ein Kilogramm Luft um ein Kelvin abzukühlen kostet dagegen nur rund 1,005 Kilojoule. Ein
einziges Gramm Wasser, das aus einem Kilogramm Luft auskondensiert, setzt also etwa so
viel Wärme frei wie das Abkühlen desselben Kilogramms um rund 2,4 Kelvin.
Eine offene Frage
Wie viele Watt die Feuchtelast im konkreten Fall „gekipptes Fenster“ ausmacht, steht
hier bewusst nicht. Dafür bräuchte es eine belastbare Annahme zur absoluten Luftfeuchte
innen und außen an einem typischen deutschen Sommertag, und keine der geprüften Quellen
liefert sie. Eine Seite trägt die Frage sogar im Titel und bleibt trotzdem bei
allgemeinen Zielwerten fürs Raumklima. Der Mechanismus ist belegt, die Größenordnung
nicht. Sie wird deshalb nicht geschätzt.
Praktisch merken Sie die latente Last am Tank oder am Ablaufschlauch: Je feuchter die
hereinströmende Luft, desto mehr
Kondenswasser fällt an. Der TÜV-Verband
nennt für mobile Geräte mehrere Liter am Tag, geräteabhängig. Ein voller Tank schaltet
viele Geräte ab, was die gefühlte Kühlleistung zusätzlich drückt.
Ein Schlauch oder zwei
Der Nachströmzwang hat eine einzige Ursache: Das Gerät nimmt die Luft für seinen
Verflüssiger aus dem Zimmer. Ein Zweischlauchgerät holt sie stattdessen über einen
zweiten Schlauch direkt von draußen. Damit bleibt die Bilanz im Raum ausgeglichen, es
entsteht kein Unterdruck, und nichts muss nachströmen.
Der zweite Schlauch beseitigt die Ursache, nicht nur die Folge. Er holt die Luft für den Verflüssiger direkt von draußen, statt sie dem Zimmer zu entnehmen. Die Bilanz im Raum bleibt damit ausgeglichen: kein Unterdruck, kein Nachströmzwang, und die Rechnung weiter oben greift nicht mehr. Was das in Watt bedeutet, hat allerdings auch für diese Bauart niemand gemessen.
Beim Vergleich der beiden Bauarten wird die Quellenlage dünn. Die Zahlen, die dazu
kursieren, stammen aus einem Vergleichstest der Stiftung Warentest von 2014. Er ist heute
zwölf Jahre alt, und keine der Seiten, die ihn zitieren, kennzeichnet ihn als veraltet.
Stiftung Warentest testet mobile Monoblockgeräte seit 2021 nicht mehr selbst und verweist
inzwischen auf einen französischen Test aus dem Jahr 2026. Die Einordnung dort bleibt
grundsätzlich: Mobile Geräte arbeiten bis zu siebenmal weniger effizient als fest
installierte Splitgeräte.
Ein Forennutzer berichtet, sein Gerät sei nach dem eigenhändigen Umbau auf
Zweischlauchbetrieb spürbar effizienter geworden. Das ist ein Erfahrungsbericht, keine
Messung. Wer ganz ohne Schlauch auskommen will, sollte wissen, was
Geräte ohne Abluftschlauch physikalisch
leisten können und was nicht. Und wer über eine fest installierte Lösung für mehrere
Räume nachdenkt, findet den Vergleich unter
Mono- oder Multisplit.
Was eine Fensterabdichtung wirklich bringt
Fensterabdichtungen gibt es in drei Bauarten: als Stoffbahn mit Reißverschluss, als
zugeschnittene Platte aus Hartschaum oder Acrylglas und als feste Durchführung vom
Fachbetrieb. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Rückbaubarkeit und Eignung für
Mietwohnungen. In einem Punkt unterscheiden sie sich nicht.
Die entscheidende Zeile ist in allen drei Spalten dieselbe. Wie viel eine Abdichtung tatsächlich zurückhält, hat niemand gemessen und veröffentlicht. Selbst ein auf Fensterdurchführungen spezialisierter Betrieb nennt für seine eigene Lösung keinen Wert. Wählen Sie deshalb nach Fenstertyp und geplanter Nutzungsdauer, nicht nach beworbener Wirksamkeit.
Für keine der drei Bauarten ließ sich ein veröffentlichter Messwert finden. Weder
Stiftung Warentest noch die Verbraucherzentrale haben Abdichtungsprodukte getestet. Am
nächsten kommt der Anbieter deutsche-thermo.de, der schreibt, je gründlicher montiert
werde, desto weniger Watt verbrauche die Klimaanlage. Eine Zahl nennt auch er nicht.
Produktseiten werben damit, dass ihre Lösung sicher abdichte, ohne zu sagen, woran man
das nachprüfen könnte.
Eine offene Frage
Wie viel Prozent des berechneten Verlusts eine Abdichtung zurückholt, ist damit
unbekannt. Plausibel ist, dass sie hilft: Sie unterbindet den freien Austausch durch die
große Öffnung und hält die eigene heiße Abluft davon ab, gleich wieder hereinzuziehen.
Um wie viel, sagt bisher niemand. Wer hier eine Prozentzahl liest, sollte nach der Messung fragen.
So gehen Sie praktisch vor
Die Wahl hängt vom Fenstertyp und von der geplanten Nutzungsdauer ab, nicht von der
beworbenen Wirksamkeit. Fünf Punkte aus den Praxisberichten, die auf Ratgeberseiten
selten zusammen stehen.
Erst den Fenstertyp bestimmen, dann kaufen. Für Dreh-Kipp-Fenster ist die
Stoffabdichtung mit Reißverschluss die schnellste Lösung. Für Schiebefenster und
Balkontüren passt eine zugeschnittene Platte besser, weil sich eine Stoffbahn dort
kaum spannen lässt. Für Dachfenster gibt es eigene Sets.
Nicht hermetisch abdichten. Ein Nutzer im Computerbase-Forum warnt
ausdrücklich: „Aber hermetisch abdichten ist auch schlecht, weil dann kommt die Luft
von woanders.“ In einem dichten Gebäude steigt der Unterdruck sonst so weit, dass die
Luft durch Türspalte, Schächte oder Kaminzüge kommt. Ein kleiner Restspalt am Fenster
ist oft die bessere Lösung als der Kampf um die letzte Fuge.
Den Schlauch kurz halten und dämmen. Er wird laut TÜV-Verband bis zu
70 Grad heiß und gibt einen Teil davon an den Raum zurück. Ein Forennutzer empfiehlt
deshalb ausdrücklich eine Dämmung. Je kürzer und gerader der Schlauch liegt, desto
weniger Fläche strahlt ab.
Die Zimmertür ist ein Zielkonflikt. Bleibt sie zu, hält der Raum die
gekühlte Luft, aber die Nachströmluft kommt vollständig von draußen und damit so heiß
wie möglich. Steht sie offen, kommt ein Teil aus der übrigen Wohnung und ist kühler,
dafür kühlen Sie eine größere Fläche mit. Welche Variante unterm Strich besser
abschneidet, hat in den geprüften Quellen niemand gemessen.
Danach messen statt schätzen. Ein Thermometer in Raummitte, einmal ohne und
einmal mit Abdichtung, jeweils über eine Stunde bei ähnlicher Außentemperatur: Das ist
der einzige Wirksamkeitsvergleich, den es zu diesen Produkten überhaupt gibt. Wie Sie
an Ihrem Gerät richtig messen, steht in einem
eigenen Beitrag.
Eine dauerhafte Fensterdurchführung vom Fachbetrieb lohnt sich erst, wenn das Gerät
über mehrere Sommer am selben Fenster stehen soll und die Vermieterin zugestimmt hat. In
der Mietwohnung ist alles vorzuziehen, was sich rückstandsfrei entfernen lässt.
Häufige Fragen
Ja, das Gerät läuft. Es kühlt nur deutlich schlechter, weil durch die offene Fensteröffnung genau die Luftmenge nachströmt, die der Schlauch hinausbläst. Bei einem Gerät mit 420 Kubikmetern je Stunde und 10 Kelvin Temperaturunterschied sind das rechnerisch 1.428 Watt, die zusätzlich aufgebracht werden müssen. Eine Abdichtung verkleinert die Öffnung und hält die Warmluft weiter vom Gerät weg.
Nicht die Größe der Öffnung entscheidet, sondern wie viel Luft der Abluftschlauch hinausbläst: Genau diese Menge strömt nach. Wie teuer das wird, hängt an der Temperaturdifferenz zwischen draußen und Ihrer Zieltemperatur. Je Kelvin kostet sie bei 420 Kubikmetern je Stunde rund 143 Watt. Bei 15 Kelvin sind das 2.142 Watt, mehr als 60 Prozent einer Nennkühlleistung von 3.500 Watt.
Wenn das Gerät läuft und die Luft am Auslass kalt ist, liegt es selten am Gerät. Die häufigste Ursache ist die nachströmende Warmluft am Fenster. Weitere Kandidaten sind ein zu kleines Gerät für den Raum, ein verschmutzter Filter, ein voller Kondensatbehälter und ein langer, ungedämmter Abluftschlauch, der seine Wärme wieder in den Raum abgibt.
Ja, und zwar an der Ursache. Ein Zweischlauchgerät holt die Luft für den Verflüssiger über einen zweiten Schlauch direkt von draußen, statt sie dem Zimmer zu entnehmen. Damit entsteht kein Unterdruck und es muss nichts nachströmen. Aktuelle Vergleichsmessungen dazu fehlen: Die kursierenden Zahlen stammen aus einem Stiftung-Warentest-Vergleich von 2014.
Weil der Raum nicht dicht ist und der Unterdruck sich die Luft aus der nächstbesten Richtung holt. Ist das Fenster gut abgedichtet, verlagert sich der Weg auf Türspalte, Steckdosen oder Lüftungsschächte. Deshalb warnen erfahrene Nutzer davor, das Fenster hermetisch zu verschließen: Die Luftmenge bleibt gleich, sie sucht sich nur einen anderen Weg.
Für Dachfenster gibt es eigene Abdichtungssets, weil die Öffnung schräg liegt und der Schlauch dort anders geführt werden muss. Ob sie besser oder schlechter abdichten als Lösungen für Dreh-Kipp-Fenster, ist nicht belegt: Für keine Bauart existiert ein veröffentlichter Messwert. Die Rechnung zum Leistungsverlust gilt unverändert, unabhängig davon, in welchem Fenster der Schlauch steckt.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.
Stand: 25. August 2026 · Quellen: Herstellerdatenblätter Comfee Mobile 12000 Plus und De'Longhi Pinguino PAC EX105 A+++ · EU-Produktdatenblatt Trotec PAC 3500 S · Produktangaben Klarstein und eines Otto-Handelsmarkengeräts · TÜV-Verband, Pressemitteilung vom 24. Juni 2026 · test.de, Mobile Klimaanlagen im Test, Stand 19. August 2026 · bosch-homecomfort.com · schweizer-fn.de und energie-lexikon.info für die Wärmekapazität · de.wikipedia.org für Dichte und Verdampfungsenthalpie · wiki.energie-m.de und calculytic.com für den Faktor 0,34 Wh/(m³·K) · tec-science.com · arekoreshop.com und klimaanlage-ratgeber.de für die beiden unbelegten Prozentangaben · deutsche-thermo.de · glas-voit.de · Forenbeiträge auf gutefrage.net, hardwareluxx.de und computerbase.de