Versteckte Kosten der Klimaanlage: was im Angebot fehlt
Oliver Takens
Entwickler von KlimaCraft · 25. August 2026 · Lesezeit ca. 12 Minuten
Kurz zusammengefasst
Versteckte Kosten stecken nicht im Gerätepreis, sondern im Weg zwischen den beiden Geräten. Die größte Position ist die Kältemittelleitung: In einem dokumentierten Angebot machen 14 Meter zu 79,90 Euro allein 12 Prozent der Auftragssumme aus. Ausgelöst wird das von einer Klausel, die wie eine Leistung aussieht: „bis 5 Meter je Inneneinheit“. Dahinter liegt eine zweite Grenze, die in keinem Angebot steht: Die Werksfüllung des Außengeräts reicht je nach Gerät 7,5 bis 10 Meter, danach muss Kältemittel nachgefüllt werden.
Die kurze Antwort
Versteckte Kosten bei einer Klimaanlage verstecken sich fast nie im Gerätepreis. Sie
stecken in den Zeilen, die den Weg zwischen den beiden Geräten beschreiben: die
Kältemittelleitung, das Loch durch die Wand, der Ablauf für das Kondenswasser, die
Stromzuleitung und der Zugang zum Montageort. Genau diese Positionen hängen an Maßen, die
am Schreibtisch niemand kennt.
Die mit Abstand größte davon ist die Leitung. In einem dokumentierten Angebot für eine
Anlage mit drei Innengeräten stehen 14 Meter Kältemittelleitung zu 79,90 Euro je Meter,
zusammen 1.118,60 Euro bei einer Auftragssumme von 9.356,56 Euro. Eine einzige
Zeile macht damit zwölf Prozent des Auftrags aus. Die Arbeitsbühne in demselben Angebot
kommt mit 649 Euro dazu, das sind weitere sieben Prozent. Zwei Zeilen, die in keinem
Ratgeber vorkommen, tragen knapp ein Fünftel der Rechnung.
Der Angebotspreis war der Startwert, nicht der Endwert. Ein einziger Nachtrag, ausgelöst allein durch die Leitungslänge, hat den Auftrag um ein Drittel verteuert. Aus dem Drittel folgt für sich genommen kein Anspruch. Es gibt keine Prozentzahl, ab der eine Überschreitung automatisch zu viel wäre. Das Bemerkenswerte daran ist ohnehin nicht die Höhe, sondern der Auslöser: Die Leitungslänge ist die einzige Größe im Angebot, die vom Grundriss abhängt und die man vorher messen kann. Sie wurde nicht gemessen.
Kurz gesagt
Prüfen Sie ein Angebot nicht an der Endsumme, sondern an den Bedingungen. Vier Sätze
entscheiden über den Preis: bis wie viel Metern die Leitung enthalten ist, welche
Wandart die Bohrung abdeckt, bis zu welcher Höhe gearbeitet wird und ob die
Stromzuleitung vorausgesetzt oder erbracht wird. Was sonst noch in einem Angebot steht,
erklärt Zeile für Zeile der Beitrag darüber,
woraus ein Angebot für eine Klimaanlage
besteht.
Warum dieselben Positionen zu knapp stehen
Vorab eine Abgrenzung, die in diesen Text gehört: Hier geht es nicht um Betrug. Wer
Muster für unseriöse Angebote erkennen
will, findet sie in einem eigenen Beitrag. Dieser hier handelt von seriösen Betrieben,
die eine Position zu knapp ansetzen, weil ihnen die Information fehlt.
Dafür gibt es drei nachvollziehbare Gründe. Erstens wird das Angebot oft ohne
Ortstermin geschrieben, aus einem Telefonat und ein paar Fotos. Zweitens steht der
Angebotspreis im Wettbewerb: Wer alle Eventualitäten einpreist, ist teurer als der, der
sie ausklammert, und verliert den Auftrag an das optisch günstigere Papier. Drittens sind
mehrere der teuren Größen am Angebotstag schlicht noch nicht bekannt: die tatsächliche
Leitungslänge, der Wandaufbau, der Zustand des Zählerschranks.
Der Umgang damit ist branchenüblich und steht offen im Angebot: als Klausel. Zwei
Anbieter mit veröffentlichter Montagepauschale zeigen, wie das aussieht.
Die teuersten Sätze im Angebot sehen aus wie Leistungen. „Bis 5 Meter“, „nicht in Beton“, „max. 2,50 Meter“ und „sofern bauseits vorhanden“ stehen in veröffentlichten Leistungsverzeichnissen zwischen lauter Selbstverständlichkeiten. Ein Laie liest sie als Leistungsbeschreibung. Tatsächlich ist jede davon eine Bedingung, und hinter jeder Bedingung steht ein Betrag, der erst am Montagetag fällig wird.
Das Bemerkenswerte an diesen Sätzen ist, dass sie vollständig und ehrlich sind.
Der Betrieb, aus dessen Leistungsverzeichnis die meisten davon stammen, gehört zu den
wenigen, die überhaupt Ausschlüsse benennen und zu zweien davon einen Preis nennen. Das
Problem ist nicht die Klausel, sondern ihre Stellung: Sie steht als Aufzählungspunkt
zwischen Selbstverständlichkeiten wie „Evakuierung der Anlage“ und
„Inbetriebnahmeprotokoll“.
Verbreiteter Irrtum
„Ein Angebot ohne Ausschlussliste ist das bessere Angebot.“ Das Gegenteil trifft eher zu.
Ein beobachtetes Festpreisangebot lautet auf „ab 2.749,99 €“ und nennt keine Meterzahl,
keine Bohrung und keine Arbeitshöhe. Für den Leser ist das optisch das günstigere und
inhaltlich das riskantere Papier, weil er nicht erkennen kann, wo die Pauschale endet.
Das Wort „ab“ ist in diesem Fall die gesamte Ausschlussliste.
Eine Besonderheit erklärt, warum ausgerechnet die Leitung so oft überrascht: Der
Meterpreis ist ein Einheitspreis mitten in einem Pauschalangebot. Er ist die einzige
Zeile, deren Betrag von einer Menge abhängt, während alles andere fest ist. Was das
grundsätzlich bedeutet, steht im Beitrag über
Pauschalpreis oder Einheitspreis.
Die zwei Grenzen bei der Leitungslänge
Zwischen Innen- und Außengerät laufen zwei isolierte Kupferrohre. Für ihre Länge gibt
es zwei völlig verschiedene Grenzen, und in fast jedem Angebot steht nur eine davon.
Die kaufmännische Grenze ist eine Vertragsgrenze. Sie lautet in zwei
veröffentlichten Leistungsverzeichnissen übereinstimmend „bis 5 Meter je Inneneinheit“.
Jeder Meter darüber wird nachberechnet, in einer Preisliste vom August 2026 mit 103,50
Euro, in einem abgerechneten Angebot vom Juli 2023 mit 79,90 Euro.
Die technische Grenze ist eine Gerätegrenze. Das Außengerät kommt mit einer
Werksfüllung Kältemittel, und die reicht für eine bestimmte Leitungslänge. Danach muss
nachgefüllt werden, sonst leistet die Anlage weniger, als verkauft wurde. Daikin gibt für
die Baureihen RXP und RXF zehn Meter an und danach 20 Gramm je zusätzlichem Meter,
Panasonic für die Etherea-Reihe Z20 bis Z50 siebeneinhalb Meter und danach 10 Gramm je
Meter. Beide Werte stehen im Herstellerdokument. Über acht ausgewertete Anleitungen reicht
die Spanne von 10 bis 45 Gramm je Meter, abhängig von der Baureihe und vom
Durchmesser der Flüssigkeitsleitung. Wie weit die Werksfüllung bei anderen
Baureihen reicht, steht im Beitrag darüber,
wie viel Kältemittel ab Werk im Gerät ist.
Die Pauschale endet früher als die Werksfüllung, und dazwischen liegt die Lücke. Zwischen fünf und siebeneinhalb Metern zahlen Sie Meter, aber kein Kältemittel. Darüber wird beides fällig, und im Angebot steht meist nur eines. Keine der neun geprüften Wettbewerberseiten erwähnt die zweite Grenze überhaupt, obwohl sie im Datenblatt jedes Geräts steht und den Pauschalversprechen direkt widerspricht.
Aus dem Nebeneinander beider Grenzen folgt etwas, das in keinem der neun geprüften
Wettbewerbertexte steht: Zwischen fünf und siebeneinhalb bis zehn Metern zahlen Sie
Mehrmeter, bekommen aber kein Kältemittel; dort ist die Werksfüllung noch ausreichend.
Jenseits der Werksfüllung wird beides fällig, und typischerweise steht nur der Meterpreis
im Angebot.
Rechnen Sie Ihre Leitungslänge vorher aus
Weg vom Innengerät waagerecht zur Außenwand, plus die Höhe von dort hinunter zum
Außengerät, plus ein Zuschlag für Bögen und Reserve. Ein Innengerät an der Innenwand
eines Wohnzimmers im Obergeschoss kommt so schnell auf zwölf bis vierzehn Meter. Bei
14 Metern und einem Daikin RXP wären das (14 − 10) × 20 Gramm = 80 Gramm
Zusatzfüllung, bei einer Panasonic Etherea Z35 (14 − 7,5) × 10 Gramm = 65 Gramm. Bei
einem Multisplit zählt jedes Innengerät seine eigenen Meter, und die Pauschale gilt je
Inneneinheit.
Wie groß der Hebel ist, zeigt die Pauschale selbst. Ein Anbieter verlangt für die
Komplettmontage eines Multisplits mit fünf Innengeräten 5.700 Euro brutto ohne Geräte.
Drei zusätzliche Meter je Innengerät sind fünfzehn Meter, zu 103,50 Euro also 1.552,50
Euro. Das sind 27 Prozent Aufschlag auf eine Pauschale, die als Festpreis beworben
wird, ausgelöst von drei Metern je Raum.
Ein Widerspruch, der hier nicht geglättet wird
Ein Meter Kältemittelleitung kostet 79,90 Euro oder 103,50 Euro. Beide Zahlen sind
belegt, der Abstand beträgt rund 30 Prozent. Warum, ist nicht geklärt. Möglich sind der
Zeitabstand von 2023 auf 2026, ein anderer Rohrquerschnitt, ein anderer Leistungsinhalt
oder schlicht ein Nachtragspreis ohne Wettbewerb. Für Sie folgt daraus eine konkrete
Frage: nicht „was kostet der Meter“, sondern „Meterpreis wofür“, also nur Material
oder Material plus Kanal, Kondensatleitung, Steuerkabel und Verlegearbeit. Und lassen Sie
den Meterpreis vor der Auftragserteilung schriftlich festhalten, nicht am Einbautag.
Ehrlich dazugehört auch die Gegenstimme. In einem Forenthread berichten zwei Nutzer
von Anlagen, die ohne Zusatzfüllung laufen: einmal mit 17 Metern Leitung, einmal mit
neun Metern bei fünf Metern Werksfüllung. Daraus folgt nicht, dass Nachfüllen unnötig
wäre. Es folgt daraus, dass der Leistungsverlust im Alltag oft nicht auffällt und deshalb
selten reklamiert wird. Genau das macht diese Position so leicht wegzulassen.
Kernbohrung, oder warum 70 und 198 Euro beide stimmen
Für die Leitungen braucht es ein Loch durch die Außenwand. Die Preise dafür wirken
willkürlich: Ein Portal nennt 100 bis 300 Euro je Einheit, ein Angebot aus Niedersachsen
vom Januar 2024 rechnet 70 Euro brutto pauschal, ein Angebot aus Nordrhein-Westfalen aus
demselben Monat 160 Euro je Bohrung, eine Preisliste führt Beton ab 198 Euro. Das ist der
Faktor 2,3 zwischen zwei zeitgleichen Angeboten.
Diese Zahlen widersprechen sich nicht. Sie beschreiben verschiedene Wände. Ein
Bohrbetrieb veröffentlicht seine Preise je Zentimeter Bohrtiefe, und damit lässt sich die
Spanne auflösen.
Der Preis einer Kernbohrung ist keine Zahl, sondern eine Rechnung aus drei Größen. Preis je Zentimeter mal Wandstärke, dazu ein Aufschlag für Bewehrung. Wer diese Rechnung kennt, sieht sofort, dass 70 Euro für eine 24er Ziegelwand und 198 Euro für Beton kein Widerspruch sind, sondern zwei verschiedene Wände. Die vierte Größe ist die Anzahl: Jede Bohrung kostet einzeln, die Anfahrt fällt nur einmal an.
Bei einem Durchmesser von 50 bis 80 Millimetern, dem üblichen Maß für eine
Single-Split-Anlage, verlangt dieser Betrieb 2 bis 3 Euro je Zentimeter in Mauerwerk und
3 bis 5 Euro in Stahlbeton. Bei 100 bis 150 Millimetern sind es 4 bis 5 beziehungsweise
5 bis 7 Euro. Für Bewehrung im Beton kommen 20 bis 40 Prozent dazu, für eine
Deckenbohrung 20 bis 30 Euro. Eine 24 Zentimeter starke Ziegelwand und eine 48 Zentimeter
starke Wand mit Dämmung unterscheiden sich damit um den Faktor zwei, bevor das Material
überhaupt eine Rolle spielt.
Hier fehlt eine Zahl
Für die Bohrung durch eine gedämmte Fassade ließ sich kein veröffentlichter Preis
finden. Belegt ist nur der technische Mehraufwand: zugelassene Brandschutzabschottung,
luftdichte Abdichtung innen, diffusionsoffene Ausführung außen, Schlagregenschutz. In
einem Forenfall bestand die Wand aus 30 Zentimetern Hohlblock und 18 Zentimetern
Mineralwolle, zusammen 48 Zentimetern. Ein einzelner Angebotsposten ist belegt: eine
Wandhalterung für 10 Zentimeter Dämmung mit 376,05 Euro netto. Der Bohrpreis selbst
bleibt offen. Welche Zuschläge das fertige Gebäude sonst noch auslöst, steht im Beitrag
darüber, was das Nachrüsten im bewohnten
Haus extra kostet.
Die vierte Größe ist die Anzahl. Jede Bohrung kostet einzeln, die Anfahrt und der
Aufbau der Maschine fallen nur einmal an. Deshalb ist die zweite Bohrung fast immer
billiger als die erste, und deshalb gehören alle Bohrungen in einen Termin. Verlangen Sie
im Angebot vier Angaben: Anzahl, Durchmesser, Material und Wandstärke. Fehlt eine davon,
ist der Preis nicht prüfbar.
Kondensat und Strom, die zwei stillen Nachträge
Ein Innengerät entzieht der Luft Feuchtigkeit, und das Wasser muss weg. Ob das etwas
kostet, entscheidet eine einzige geometrische Frage: Läuft der Schlauch vom Innengerät
durchgehend abwärts zu einem Ablauf? Dann kostet es nichts. Läuft er auch nur ein Stück
aufwärts, braucht es eine Kondensatpumpe. Diese Frage können Sie mit einer Wasserwaage
selbst beantworten, bevor Sie den Standort des Innengeräts festlegen.
Eine gängige Pumpe schafft 12 Liter Förderleistung je Stunde und bis zu 10 Meter
Förderhöhe.
Zwei Preise für dasselbe Bauteil
Für die Kondensatpumpe als Material stehen zwei Händlerpreise nebeneinander:
113 Euro bei einem Fachhändler für ein benanntes Modell und 149 Euro in der
Preisliste eines Montagebetriebs, beide inklusive Mehrwertsteuer. Es sind zwei Preise für
dasselbe Bauteil aus zwei verschiedenen Listen, keine zwei Angebote für dieselbe
Lieferung; gemittelt wird hier nicht. Ein Ratgeberportal nennt 100 bis 200 Euro ohne
Quelle. Diese Spanne umfasst beide Preise, ersetzt sie aber nicht. Wir rechnen deshalb
auf allen Seiten mit 113 bis 149 Euro Material, auch beim
Nachrüsten und bei den
Positionen im Angebot.
Der Materialpreis ist
nicht das Problem. Das Problem ist der Einbau: In einem Leistungsverzeichnis stehen
„Kondensatpumpen“ und „Montage von Kondensatpumpen“ ausdrücklich unter „nicht enthalten“,
ohne dass ein Preis danebensteht. Was das Wasser sonst noch an Fragen aufwirft, steht im
Beitrag darüber, warum eine Klimaanlage
Kondenswasser produziert.
Der Strom ist der unauffälligste und im schlechtesten Fall der teuerste Nachtrag. Der
Halbsatz „sofern Kabel bauseits vorhanden ist“ sieht im Angebot aus wie eine
Selbstverständlichkeit. Er ist eine Kostenklausel.
Drei Fragen, die Sie vor dem Angebot selbst beantworten können. Die Antworten entscheiden über einen zwei- oder einen vierstelligen Betrag. Ein Foto vom geöffneten Zählerschrank an den Betrieb zu schicken kostet nichts und verhindert den teuersten aller Nachträge. Die Stundensätze stammen aus einer allgemeinen Elektroquelle; ein Preis speziell für den Stromkreis einer Klimaanlage ließ sich nicht belegen.
Drei Ergebnisse sind möglich, und sie unterscheiden sich um eine Größenordnung. Reicht
eine vorhandene Steckdose auf einem wenig belasteten Stromkreis und erlaubt der Hersteller
das, bleibt die Elektroposition klein. Braucht es einen eigenen Stromkreis, bestimmt der
Leitungsweg zum Zählerschrank die Stundenzahl. Ist der Zählerschrank voll oder nicht mehr
auf dem Stand der Technik, muss er erweitert oder erneuert werden. Dafür nennt ein
Elektrobetrieb 800 bis 2.500 Euro oder mehr. Zum Vergleich: Ein Anbieter beziffert ein
komplettes Single-Split-Paket samt Gerät und Montage mit 2.900 bis 4.000 Euro. Der
Zählerschrank kann also fast so teuer werden wie die ganze Anlage, und er steht in keinem
einzigen Klimaanlagen-Angebot.
Was hier bewusst ohne Pauschale steht
Für die nachträgliche Elektro-Zuleitung einer Klimaanlage veröffentlicht kein geprüfter
Betrieb einen Preis. Belegt sind allein die Stundensätze einer allgemeinen Elektroquelle:
45 bis 65 Euro für den Gesellen, 65 bis 90 Euro für den Meister. Die Pauschalen,
die auf Portalen kursieren, nennen keine Quelle; wir führen sie deshalb auf keiner
unserer Seiten als Preis, weder hier noch beim
Nachrüsten noch bei den
Positionen im Angebot. Lassen Sie sich
stattdessen den Leitungsweg in Metern ins Angebot schreiben.
Höhe, Gerüst und der Satz „stellt der Auftraggeber“
„Max. Arbeitshöhe 2,50 Meter“ liest sich wie eine technische Randbedingung. Es ist eine
Kostengrenze. Hängt Ihr Innengerät im Obergeschoss oder soll das Außengerät an die Wand
über dem Erdgeschoss, ist sie überschritten, und dann wird es vierstellig oder es
verschwindet ganz aus dem Angebot.
In zwei dokumentierten Angeboten desselben Nutzers steht die Arbeitsbühne als eigene
Zeile mit 649 Euro und 629,51 Euro. Zum Vergleich die veröffentlichten
Mietpreise: eine Anhänger-Arbeitsbühne kostet 100 Euro am Tag oder 420 Euro in der Woche
netto, eine Lkw-Arbeitsbühne 230 bis 400 Euro am Tag und 970 bis 1.680 Euro in der Woche,
eine Scherenbühne 50 bis 65 Euro am Tag. Dazu kommen 15 Euro Maschinenversicherung und
500 Euro Kaution. Ein Fassadengerüst wird nach Fläche berechnet: 4 bis 8 Euro je
Quadratmeter und Monat Miete, dazu 4 bis 10 Euro je Quadratmeter für Auf- und Abbau.
Die eigentliche Falle steckt aber im Wortlaut. Wenn im Leistungsverzeichnis steht,
dass über 2,50 Metern „der Auftraggeber Hebebühne oder Gerüst stellt“, dann taucht dieser
Betrag im Angebot überhaupt nicht auf. Er wird nicht zu einem Nachtrag, er wird zu
einer eigenen Rechnung eines anderen Unternehmens. Beim Angebotsvergleich fehlt er auf
beiden Seiten und verzerrt trotzdem das Ergebnis.
Die drei kleinen Zeilen danebenKonsole und Schwingungsdämpfer: „Wandkonsolen, Bodenkonsolen, Dachkonsolen“ stehen
in einem Leistungsverzeichnis ausdrücklich unter „nicht enthalten“, ohne Preis.
Anfahrt: enthalten innerhalb von 50 Kilometern, darüber 1,19 Euro je Kilometer plus
79 Euro je Stunde Fahrzeit. Wandöffnung schließen: „nötige Gips-, Maler- und
Tapezierarbeiten“ sind ebenfalls ausgeschlossen. Für Statiknachweis, Schallgutachten,
Denkmalschutzgebühren und Entsorgung ließ sich in dieser Recherche kein einziger Preis
finden. Diese Positionen existieren, ihr Betrag ist öffentlich nicht dokumentiert.
Angebot, Kostenvoranschlag oder ein Preis mit „ab“ davor
Wie viel die Schlussrechnung überhaupt abweichen darf, entscheidet das Wort in der
Kopfzeile des Papiers. Die meisten Leser wissen nicht, dass es da einen Unterschied
gibt.
Angebot oder Festpreis. Mit Ihrer Annahme ist der Preis vereinbart. Mehr als
diesen Preis schulden Sie nur für einen Nachtrag, dem Sie zugestimmt haben.
Kostenvoranschlag. Grundsätzlich unverbindlich, und eine Prozentgrenze, ab der
eine Überschreitung wesentlich wäre, steht nicht im Gesetz. Was der Betrieb schuldet, ist
eine rechtzeitige Warnung: Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss er das
unverzüglich anzeigen (§ 649 Absatz 2 BGB), und Sie dürfen den Vertrag daraufhin kündigen
(§ 649 Absatz 1 BGB).
Kostenschätzung oder ein Preis mit „ab“. Keine belastbare Zusage. Das Wort
„ab“ vor einem Preis ist keine Preisangabe, sondern eine Untergrenze.
Der Fall aus dem Wasserfalldiagramm oben lag bei plus 33 Prozent. Diese Zahl allein
entscheidet nichts. War das Papier ein Kostenvoranschlag, kommt es darauf an, ob der
Betrieb den Nachtrag angezeigt hat, bevor er ihn ausgeführt hat. War es ein Angebot mit
festem Preis, kommt es darauf an, ob der Kunde dem Nachtrag zugestimmt hat. Beides geht
aus dem Forenthread nicht hervor. Deshalb lohnt eine schriftliche Frage vor der
Unterschrift: Ist das ein verbindliches Angebot oder ein Kostenvoranschlag?
Verbreiteter Irrtum: § 650 BGB
Die Norm zum Kostenanschlag trägt die amtliche Überschrift „Kostenanschlag“ und steht in
§ 649 BGB. Vor der Reform des Bauvertragsrechts trug sie die Nummer § 650; unter
dieser Nummer steht heute der Werklieferungsvertrag, also etwas ganz anderes. Die alte
Zählung hält sich trotzdem: Ratgeberseiten, Forenbeiträge und sogar der Ratgebertext einer
Fachkanzlei für Baurecht führen den Kostenanschlag weiter unter § 650 BGB. Wer dort
nachschlägt, liest den falschen Paragraphen. Im Beitrag
Woraus ein Angebot besteht steht dieselbe
Nummer wie hier.
Die Prozentgrenze, die es nicht gibt
Im Gesetz steht dazu keine Prozentzahl. Der Maßstab heißt „wesentliche Überschreitung“ und
wird am Einzelfall abgewogen: Was in einem Fall wesentlich ist, muss es im nächsten nicht
sein. Im Netz kursieren 10, 15, 20 und 15 bis 25 Prozent nebeneinander: fünf
geprüfte Ratgeber- und Kanzleiseiten geben vier verschiedene Antworten, und wo sie
überhaupt eine Herkunft nennen, verweisen sie auf Entscheidungen einzelner
Oberlandesgerichte, zwei davon aus Celle; zitiert sind sie nur aus zweiter Hand, die
Urteilstexte lagen dieser Recherche nicht vor. Einer Fundstelle am nächsten kommt das
Merkblatt einer Handwerkskammer, das als Richtwert etwa 15 bis 20 Prozent nennt, in
Ausnahmefällen bis zu 25 Prozent. Ein Richtwert einer Kammer ist aber keine Grenze, auf die
Sie sich berufen könnten, und ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das eine Prozentgrenze
festlegt, ließ sich nicht belegen. Eine Grenze, unterhalb derer Sie zahlen müssten oder
oberhalb derer Sie kürzen dürften, gibt es also nicht. Was zählt, ist die Anzeigepflicht:
Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss der Betrieb Sie unverzüglich
warnen.
Für Ihren Fall folgt daraus eine andere Frage als die nach der Prozentzahl. Nicht „wie
weit darf die Rechnung über dem Papier liegen“, sondern: Hat der Betrieb Sie gewarnt,
solange Sie noch aussteigen konnten? Das ist der Punkt, an dem die längere Fassung dieses
Themas ansetzt, im Beitrag über
Pauschalpreis und Einheitspreis.
Acht Sätze, die im Angebot stehen müssen
Alle bisher genannten Lücken lassen sich mit acht Formulierungen schließen. Sie sind
absichtlich als Satz geschrieben, mit Leerstellen für die Zahlen, damit Sie sie in eine
E-Mail an den Betrieb kopieren können.
Ein prüfbares Angebot erkennt man nicht an der Summe, sondern an acht Zahlen. Jede dieser acht Zeilen schließt genau eine der Lücken, um die es in diesem Beitrag geht. Sie sind bewusst als Satz formuliert, damit Sie sie in eine E-Mail kopieren können. Von neun geprüften Wettbewerberseiten stellt keine einzige diese Fragen, obwohl zwei von ihnen die Antworten in ihren eigenen Leistungsverzeichnissen stehen haben.
Zwei Dinge machen den Unterschied. Erstens: Lassen Sie den Meterpreis und den
Bohrpreis vor der Auftragserteilung schriftlich fixieren. Ein Preis, der erst am
Montagetag entsteht, ist ein Preis ohne Wettbewerb. Zweitens: Bestehen Sie auf
einem Ortstermin, bevor das Angebot geschrieben wird. Wer nachgemessen hat, muss die
Klauseln nicht so weit fassen.
Kommt am Montagetag trotzdem ein Nachtrag, gilt dasselbe wie im Angebot: Menge und
Einheitspreis schriftlich, bevor die Arbeit weitergeht. Unter Zeitdruck freigegebene
Mehrarbeit ist die teuerste Variante, und der Zeitdruck steht dabei fast immer auf Ihrer
Seite, nicht auf der des Betriebs. Ob die Endsumme insgesamt plausibel ist, ist eine
eigene Frage. Dafür gibt es die
Prüfliste: Ist mein Angebot realistisch?
Häufige Fragen
In zwei veröffentlichten Leistungsverzeichnissen übereinstimmend fünf Meter je Inneneinheit. Bei einem Multisplit gilt diese Grenze für jedes Innengerät einzeln, nicht für die Anlage insgesamt. Die Zahl ist eine Vertragsgrenze und kann bei jedem Anbieter anders liegen. Steht sie nicht im Angebot, ist der teuerste Nachtrag offen. Messen Sie den Weg vom Innengerät zur Außenwand und von dort zum Außengerät vorher selbst nach.
Belegt sind zwei Werte: 103,50 Euro je Meter in einer Preisliste vom August 2026 und 79,90 Euro je Meter in einem abgerechneten Angebot vom Juli 2023. Der Abstand beträgt rund 30 Prozent und ließ sich nicht auflösen. Möglich sind Zeitabstand, Rohrquerschnitt oder ein unterschiedlicher Leistungsinhalt. Fragen Sie deshalb nicht nur nach dem Meterpreis, sondern danach, was er enthält: nur Material oder auch Kanal, Kondensatleitung, Steuerkabel und Verlegearbeit.
Sobald die Leitung länger ist als die Werksfüllung des Außengeräts reicht. Daikin gibt für die Baureihen RXP und RXF zehn Meter an und danach 20 Gramm je zusätzlichem Meter, Panasonic für die Etherea-Reihe Z20 bis Z50 siebeneinhalb Meter und 10 Gramm je Meter. Bei 14 Metern und einem Daikin RXP sind das 80 Gramm. Über acht ausgewertete Anleitungen reicht die Spanne von 10 bis 45 Gramm je Meter, abhängig von Baureihe und Durchmesser der Flüssigkeitsleitung. Für Mitsubishi, Samsung und LG wurden die Werte nicht geprüft und lassen sich nicht hochrechnen.
Das hängt an vier Größen: Wandmaterial, Wandstärke, Durchmesser und Anzahl. Ein Bohrbetrieb rechnet 2 bis 3 Euro je Zentimeter Bohrtiefe in Mauerwerk und 3 bis 5 Euro in Stahlbeton bei 50 bis 80 Millimetern Durchmesser. Für eine 24er Ziegelwand ergibt das 48 bis 72 Euro, für dieselbe Wand in Stahlbeton 72 bis 120 Euro. In echten Angeboten wurden 70 und 160 Euro abgerechnet, eine Preisliste führt Beton ab 198 Euro.
Zum einen wegen der Wandstärke: Der Preis läuft je Zentimeter, und 18 Zentimeter Dämmung auf 30 Zentimeter Hohlblock ergeben 48 Zentimeter statt 24. Zum anderen wegen der Ausführung: Verlangt sind Brandschutzabschottung, luftdichte Abdichtung innen und Schlagregenschutz außen. Ein veröffentlichter Preis für diese Bohrung war nicht auffindbar. Belegt ist nur ein einzelner Angebotsposten: eine Wandhalterung für 10 Zentimeter Dämmung mit 376,05 Euro netto.
Das entscheidet ein Satz im Leistungsverzeichnis. Steht dort, dass über einer maximalen Arbeitshöhe von 2,50 Metern der Auftraggeber Hebebühne oder Gerüst stellt, zahlen Sie und der Betrag steht gar nicht erst im Angebot. In zwei dokumentierten Angeboten führte der Betrieb die Arbeitsbühne dagegen selbst auf, mit 649 und 629,51 Euro. Mietpreise liegen zwischen 50 Euro am Tag für eine Scherenbühne und 1.680 Euro in der Woche für eine Lkw-Arbeitsbühne.
Das hängt an der Bezeichnung des Papiers. Ein angenommenes Angebot mit festem Preis wirkt wie eine Preisvereinbarung; mehr als diesen Preis schulden Sie nur für einen Nachtrag, dem Sie zugestimmt haben. Ein Kostenanschlag ohne ausdrückliche Gewähr für seine Richtigkeit ist dagegen keine feste Zusage, sondern eine Berechnung des voraussichtlichen Aufwands; dafür darf die Rechnung höher ausfallen. Der Betrieb hat aber eine Pflicht: Zeichnet sich eine wesentliche Überschreitung ab, muss er das unverzüglich anzeigen, und Sie dürfen den Vertrag daraufhin kündigen. Eine feste Prozentgrenze, ab der Sie kürzen dürften, gibt es nicht: Die im Netz kursierenden 10, 15, 20 oder 15 bis 25 Prozent stehen in keinem Gesetz, und was „wesentlich“ ist, wird am Einzelfall abgewogen. Die Norm dazu ist § 649 BGB, amtliche Überschrift „Kostenanschlag“, nicht § 650 BGB, wie ältere Ratgebertexte schreiben.
Wer das geschrieben hat
Oliver Takens
Entwickelt KlimaCraft, eine Branchensoftware für Kälte- und Klimatechnik, und sieht dort täglich, woran Aufträge in der Praxis hängen. Schreibt hier für Leute, die keine Kältetechniker sind und auch keine werden wollen.
Stand: 25. August 2026 · Quellen: Daikin, Referenz für Installateure R32 Split RXP-L, ARXP-L und RXF-A, Dok. 4PDE513661-2 · Panasonic, Installationsanleitung Etherea ZKEW Außengerät, Tabelle A · veröffentlichtes Leistungsverzeichnis und Nachberechnungspreise eines Montagebetriebs für Multisplit-Komplettmontage sowie dessen Preis für eine Kondensatpumpe (Abruf 24.08.2026) · Leistungsumfang und Komplettpreise eines Shops mit eigenem Montageservice · Festpreisseite eines weiteren Anbieters · TF-Diamanttrenntechnik, Kernbohrung Kosten 2026 (10.06.2026) · Hubsteiger-Vermietung Gelsenkirchen, Mietpreisliste Arbeitsbühnen (02.03.2026) · Meister-Job, Baugerüst mieten (17.08.2026) · EB Elektrotechnik, Elektriker Kosten 2026 · § 649 BGB (Kostenanschlag) im Volltext, Abruf 24.08.2026 · Merkblatt Kostenvoranschlag der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Stand 05/2025, zum Richtwert, der keine Grenze ist · Kostenvoranschläge und Rechnungen aus den Threads zu Split-Klima-Kostenvoranschlägen, R32-Leitungslänge und WDVS-Kernbohrung auf akkudoktor.net, jeweils Einzelfälle · Positionsspannen von my-hammer.de, ohne Quellenangabe der Plattform