Die kurze Antwort: 0,9 Grad, gemessen
Ein Luftkühler, auch Verdunstungskühler oder Aircooler genannt, senkt die Temperatur eines Zimmers um höchstens rund ein Grad. Das ist keine Schätzung. Es sind die beiden einzigen unabhängigen Messreihen, die es zu diesem Gerätetyp im deutschsprachigen Raum gibt.
Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat am 5. August 2026 sieben Geräte in einem 15 Quadratmeter großen Büro laufen lassen und Temperatur und Luftfeuchte vor dem Start sowie nach einer, zwei und drei Stunden gemessen. Ergebnis: Nur drei der sieben Geräte senkten die Raumtemperatur überhaupt, und zwar um höchstens 0,9 Grad. Bei allen sieben stieg die Luftfeuchte, beim schlechtesten um 15,6 Prozentpunkte in drei Stunden.
Der Kassensturz des Schweizer Fernsehens ließ zusammen mit der Zeitschrift saldo zehn Geräte im Labor Applitest in Nürnberg prüfen. Sechs davon bekamen die Note ungenügend. Das beste senkte die Raumluft um 1,3 Kelvin, und nach drei Stunden war die Temperatur wieder auf dem Ausgangswert.
Luftkühler, Verdunstungskühler, Aircooler: ein Gerätetyp, drei Namen
Die drei Wörter meinen dasselbe Gerät. Im Handel kommen noch „mobiler Luftkühler“ und „Air Cooler“ dazu, in Werbeanzeigen auch schlicht „Klimaanlage“. Das ist der Grund, warum die Angaben im Netz so schwer zu vergleichen sind: Unter demselben Wort stehen Haushaltsgeräte zwischen 27 und 159 Euro und Anlagen für Werkhallen und Freizeitparks.
Im Gehäuse steckt ein Gebläse, ein Wassertank, eine kleine Umwälzpumpe und eine Verdunstungsmatte aus Wabenmaterial. Die Pumpe hält die Matte nass, das Gebläse zieht Raumluft hindurch, ein Teil des Wassers verdunstet. Verdunstung braucht Energie, und diese Energie nimmt sich das Wasser aus der vorbeiströmenden Luft. Die Luft kommt darum kühler heraus, als sie hineingegangen ist, und deutlich feuchter.
Was in diesem Gehäuse fehlt, ist genauso wichtig wie das, was drin ist: kein Verdichter, kein Kältemittel, kein Abluftschlauch. Warum ohne diese Teile keine Wärme aus dem Zimmer verschwinden kann, ist im Beitrag über Klimageräte ohne Abluftschlauch ausführlich hergeleitet. Hier genügt der Kern: Verdunstung wandelt fühlbare Wärme in Feuchte um. Der Wärmeinhalt der Raumluft bleibt dabei gleich, und der Strom für Gebläse und Pumpe kommt sogar noch dazu.
Drei Abgrenzungen ersparen die häufigsten Verwechslungen. Ein Ventilator kühlt nichts, er bewegt Luft und lässt dadurch Schweiß auf der Haut schneller verdunsten. Ein Luftbefeuchter tut technisch fast dasselbe wie ein Luftkühler, nur mit dem erklärten Ziel, die Feuchte zu erhöhen. Und ein Monoblockgerät mit Abluftschlauch hat einen Kältekreislauf und schiebt Wärme nach draußen. Nur das letzte Gerät ist eine Klimaanlage.
Im Luftstrom oder im Raum: der Unterschied, der alles erklärt
Die Zahlen im Netz reichen von einem bis fünf Grad. Sie widersprechen sich nicht so stark, wie es aussieht, denn sie messen zum Teil verschiedene Dinge. Der Kassensturz hat als einziger beides getrennt erfasst.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Die Frage „wie viele Grad?“ ist ohne die Angabe des Messpunkts nicht beantwortbar. Keine der geprüften Ratgeberseiten nennt einen Messpunkt. Keine nennt Raumgröße, Ausgangstemperatur oder Luftfeuchte. Damit sind ihre Gradzahlen nicht falsch oder richtig, sondern nicht überprüfbar.
Ein Nutzer im Wohnmobilforum beschreibt denselben Sachverhalt aus der Praxis. Er kaufte ein Gerät für zehn Euro und schreibt, es helfe etwas, wenn man direkt im Luftstrom sitze, etwa am Kopfende zwischen den Betten. Für die Kühlung des Wohnmobils insgesamt sei es unrealistisch. Ein zweiter Nutzer maß in Kroatien 1,2 Grad Absenkung in zwei Stunden, ausgehend von 31,7 Grad. Sein Fazit: rausgeschmissenes Geld. Diese private Messung liegt exakt im Bereich der beiden Labormessungen.
Die zweite Ursache für die Streuung ist die Ausgangsluft. Verdunstungskühlung stößt an eine physikalische Grenze, die Kühlgrenztemperatur. Sie sagt, wie kalt Luft durch Verdunstung überhaupt werden kann, und sie hängt davon ab, wie viel Wasser die Luft schon trägt. Im Wüstenklima von Phoenix, bei 40 Grad und 20 Prozent relativer Feuchte, liegt sie bei 22,7 Grad, der Spielraum beträgt also 17,3 Kelvin. An einem schwülen deutschen Sommerabend mit 28 Grad und 70 Prozent liegt sie bei 23,7 Grad, und der Spielraum schrumpft auf 4,3 Kelvin. Beide Werte sind nach der Näherungsformel von Stull aus dem Jahr 2011 gerechnet, deren Genauigkeit mit einem Kelvin angegeben wird.
Das ist der Grund, warum das Prinzip in trockener Hitze funktioniert und in Mitteleuropa nicht. Und es ist eine Obergrenze, keine Prognose: Ein reales Gerät schöpft davon nur einen Teil aus, und auch das nur in der Luft, die es gerade ausbläst. Wie sich diese Grenze für andere Wetterlagen rechnen lässt, steht im Faktencheck zu Geräten ohne Abluftschlauch.
Was das Gerät zerstört, während es kühlt
Die schwache Kühlung ist nicht der eigentliche Nachteil dieses Gerätetyps. Der eigentliche Nachteil ist, dass er genau die Sache beschädigt, für die man ihn kauft.
Menschen kühlen sich selbst durch Schwitzen, also durch Verdunstung auf der Haut. Wie gut das funktioniert, hängt davon ab, wie viel Wasser die Umgebungsluft noch aufnehmen kann. Je feuchter die Luft, desto weniger Schweiß verdunstet und desto schwüler fühlt es sich an, auch bei gleicher Temperatur. Ein Luftkühler senkt die Temperatur ein wenig und erhöht gleichzeitig die Feuchte. Nach ein bis zwei Stunden kippt das Verhältnis.
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Ein Anstieg um 15,6 Prozentpunkte in drei Stunden führt aus diesem Bereich heraus, selbst wenn man bei 45 Prozent startet. Dauerhaft hohe Raumfeuchte ist der bekannteste Wegbereiter für Schimmel an kühlen Außenwänden.
Damit steht dieses Gerät im genauen Gegensatz zu einer Klimaanlage. Eine Klimaanlage kühlt die Luft unter ihren Taupunkt, wodurch Wasser ausfällt und abgeleitet wird. Das ist der Grund, warum aus dem Ablauf einer Klimaanlage ständig Kondenswasser tropft. Das eine Gerät nimmt der Luft Wasser weg, das andere gibt ihr welches dazu. Dass beide unter demselben Suchbegriff angeboten werden, ist die eigentliche Verwirrung im Markt.
Die beiden Tests, die niemand zitiert
Zu kaum einem anderen Haushaltsgerät ist die Beweislage so dünn und gleichzeitig so eindeutig. Es gibt genau zwei unabhängige Messreihen, beide von Verbraucherorganisationen, beide aus den letzten anderthalb Jahren.
Bemerkenswert ist, wie ähnlich die beiden Titel ausfallen. Die Arbeiterkammer überschreibt ihre Meldung mit „Kaum Kühlung, mehr Luftfeuchtigkeit“, der Kassensturz mit „wenig Kühlung, viel Luftfeuchtigkeit“. Zwei Prüfstellen in zwei Ländern, zwei Jahre auseinander, dieselbe Kernaussage.
Ein Detail aus der Messung der Arbeiterkammer bekommt in keiner Kaufberatung Platz: die Lautstärke. Die sieben Geräte lagen zwischen 61 und 68 Dezibel, was die Arbeiterkammer mit der Spanne von einem normalen Gespräch bis zu einem laufenden Staubsauger beschreibt. Eine Ratgeberseite nennt dagegen 50 bis 59 Dezibel, ohne Quelle. Für die Frage, ob so ein Gerät nachts im Schlafzimmer laufen kann, ist das der entscheidende Widerspruch, und er wird hier nicht geglättet: Die einzige Messung liegt deutlich über der einzigen Behauptung.
Was es dagegen nicht gibt, ist ein Test der Stiftung Warentest. Das größte deutsche Vergleichsportal schreibt selbst, dass weder Stiftung Warentest noch Öko-Test einen gesonderten Luftkühler-Test veröffentlicht haben, und ein zweites Portal bestätigt das. Trotzdem stehen im Netz Bestenlisten mit Schulnoten. Diese Noten stammen aus fremden Magazinen und bewerten meist Ausstattung und Verarbeitung, nicht die Kühlwirkung. Woran man solche Angebote sonst noch erkennt, steht im Beitrag über unseriöse Angebote für Klimaanlagen.
Wasser, Kalk und Keime: was im Tank passiert
Der Tank ist die Schwachstelle, die im Laden niemand erwähnt. Er fasst je nach Gerät 0,3 bis 7 Liter. Am unteren Ende steht ein Minigerät mit 270 Millilitern Füllmenge, das die Arbeiterkammer im Test hatte. So ein Tank ist nach kurzer Zeit leer, und das ist folgerichtig: Wasser ist das Betriebsmittel dieses Geräts.
Wie viel Wasser das wäre, lässt sich ausrechnen. Um die Kühllast eines 15-Quadratmeter-Raums von 900 bis 1.500 Watt allein durch Verdunstung zu decken, müssten 1,3 bis 2,2 Liter Wasser je Stunde verdunsten. Ein Liter Wasser bindet beim Verdunsten rund 0,68 Kilowattstunden, das entspricht 683 Watt Kühlleistung je Liter und Stunde. Genau diese Wassermenge landet dann allerdings als Feuchte im selben Zimmer. Kein Haushaltsgerät mit Sieben-Liter-Tank schafft das über einen Nachmittag, und keines sollte es, denn die Wohnung wäre danach unbewohnbar feucht.
- Kalk setzt sich auf der Matte fest. Leitungswasser hinterlässt beim Verdunsten alles, was nicht Wasser ist. Nutzer im Akkudoktor-Forum vergleichen das mit Tropfsteinhöhlen und empfehlen entkalktes Wasser. Über eine Saison mindert der Belag die Verdunstung und damit die ohnehin geringe Wirkung.
- Im Tank steht warmes Wasser, oft tagelang. Das ist die Bedingung, unter der sich Keime vermehren. Ein Luftkühler ist technisch ein Kaltverdunster mit Gebläse, also dasselbe Bauprinzip wie ein Luftbefeuchter.
- Die Zahlen dazu stammen aus Befunden zu Luftbefeuchtern. Öko-Test maß bei Luftbefeuchtern Keimabgaben von 400.000 bis über 60 Millionen koloniebildenden Einheiten je Stunde, während der Richtwert des Umweltbundesamts für Innenraumluft bei 100 bis 500 Einheiten je Kubikmeter liegt. Die Stiftung Warentest prüfte 2025 acht Luftbefeuchter in einer Prüfkammer über acht Wochen. Beide Befunde betreffen Luftbefeuchter, nicht Luftkühler. Sie sind eine Analogie, kein Messwert für dieses Gerät.
Ein Nebenbefund gehört dazu, weil er etwas über die Leistungsklasse aussagt. Für einen Luftkühler gilt keines der Gesetze, die bei Klimaanlagen wichtig sind: Er erzeugt keine Wärme und fällt nicht unter das Gebäudemodernisierungsgesetz. Er ist nicht förderfähig. Er enthält kein Kältemittel, also greifen weder F-Gase-Pflichten noch eine Dichtheitsprüfung. Und er hat keine Kälteleistung, die eine energetische Inspektion auslösen könnte. Dass ein Gerät durch sämtliche Raster fällt, sagt bereits etwas darüber, wie viel es leistet.
Was es kostet, und was Sie dafür bekommen
Beim Strom gewinnt der Luftkühler jeden Vergleich. Bei 7 Watt Leistungsaufnahme, acht Stunden am Tag und 30 Tagen kostet er bei 37,0 Cent je Kilowattstunde 62 Cent im Monat. Bei 150 Watt sind es 13,32 Euro. Ein mobiles Monoblockgerät mit 800 bis 1.000 Watt kommt unter denselben Annahmen auf 71 bis 89 Euro im Monat.
Aus diesem Verhältnis macht eine der geprüften Seiten die Aussage, ein Verdunstungskühler brauche „50 bis 80 Prozent weniger Energie“ als eine Klimaanlage. Die Rechnung stimmt und die Schlussfolgerung ist trotzdem falsch, weil sie nur eine Seite der Gleichung anschaut.
Die Kühllast von 900 bis 1.500 Watt folgt aus der gängigen Faustzahl von 60 bis 100 Watt je Quadratmeter. Sie ist eine Branchengröße und keine Norm, für die Größenordnung reicht sie. Das Verhältnis bleibt dasselbe, egal welchen Wert aus der Spanne man nimmt: Auf der einen Seite steht ein vierstelliger Wärmestrom, der aus dem Zimmer muss, auf der anderen eine Null.
Dieselbe Grafik ordnet auch die Angabe „12.000 BTU“ ein, die derzeit an schlauchlosen Geräten steht. 12.000 BTU je Stunde entsprechen 3.517 Watt Kälteleistung, also mehr als ein Splitgerät. Ein Gerät ohne Weg nach draußen kann diesen Wert nicht erreichen, egal was auf dem Karton steht. Was die Einheit bedeutet, steht im Beitrag über BTU bei Klimaanlagen.
Wann ein Luftkühler die richtige Wahl ist
Bis hierher liest sich dieser Beitrag wie eine Absage. Sie gilt für den Wohnraum, und sie gilt dort deutlich. Es gibt aber eine Situation, in der genau dieses Gerät die passende Antwort ist, und sie wird im Netz nie sauber benannt.
Die vier Bedingungen hängen zusammen. Zieht die feuchte Luft ab, entsteht kein Feuchtestau und das Gerät arbeitet weiter mit trockener Zuluft. Ist die Ausgangsluft trocken, ist der physikalische Spielraum groß. Sitzen Sie im Luftstrom, bekommen Sie die Kühlung ab, die tatsächlich entsteht. Und wird der Tank gepflegt, bleibt aus dem Betriebsmittel kein Keimreservoir.
Praktisch trifft das auf überdachte Terrassen, offene Werkstätten, Garagen, Zelte und Wohnmobile mit offener Tür zu. Genau dort setzt die Industrie dasselbe Prinzip in großem Maßstab ein, in Werkhallen, Gewächshäusern und Freizeitparks. Das ist kein Zufall: In allen diesen Fällen wird ständig belüftet.
Wenn keine der vier Bedingungen zutrifft, ist die Reihenfolge der Alternativen klar.
- Ein guter Ventilator. Er erzeugt denselben spürbaren Effekt am Körper, ohne Wasser, ohne Tank und ohne Feuchte im Raum. Ein Nutzer im Forum empfiehlt statt eines Geräts einen Ventilator mit einem feuchten Handtuch davor, und für den Einzelplatz ist das nicht falsch.
- Nachts lüften und tagsüber verschatten. Das kostet nichts und wirkt mehr als jedes Kleingerät. Wie viel ein außenliegender Sonnenschutz an Kühllast wegnimmt, ist an anderer Stelle durchgerechnet.
- Ein mobiles Monoblockgerät. Es kühlt wirklich, kostet aber Strom, Lärm und einen Fensterdurchbruch für den Schlauch. Ob es für Ihre Lage reicht, steht im Beitrag darüber, ob eine mobile Klimaanlage sinnvoll ist. Für einzelne heiße Wochen kann sich auch das Mieten eines Klimageräts rechnen.
- Ein Splitgerät. Die einzige Lösung, die einen Wohnraum an heißen Tagen zuverlässig auf Temperatur hält. Was das gegenüber dem Monoblock bedeutet, steht im Vergleich beider Bauarten.
Häufige Fragen
Der Luftkühler fällt aus. Was kommt als Nächstes?
Was ein mobiles Monoblockgerät wirklich leistet, was es kostet und wo seine eigenen Schwächen liegen.
Zum Beitrag über mobile KlimageräteStand: 25. August 2026 · Quellen: Arbeiterkammer Oberösterreich, Luftkühler im AK-Check, Presseaussendung vom 5. August 2026, dazu der Bericht des ORF Oberösterreich vom selben Tag · SRF Kassensturz und saldo, Luftkühler im Test, 27. Mai 2025, Labor Applitest Nürnberg, mit den Einzelmesswerten im Sekundärbericht von galaxus.ch vom 30. Mai 2025 · VKI/Konsument, Verdunstungskühler, 29. August 2019 · Stiftung Warentest, Luftbefeuchter, test 10/2025 · Öko-Test, Luftbefeuchter, 2019 und Jahrbuch 2020 · ZDFheute-Faktencheck zu Fake-Klimaanlagen vom 4. Juli 2026 · Umweltamt Nürnberg zur 42. BImSchV · Stull, „Wet-Bulb Temperature from Relative Humidity and Air Temperature“, 2011, hier nachgerechnet · RP-Energie-Lexikon zur Verdampfungswärme von Wasser · BDEW-Strompreisanalyse, August 2026 · geprüfte rankende Seiten: heizungsfinder.de, vergleich.org, testberichte.de, kesselheld.de, klimaanlage-mobil.de, temperaturheld.de, klarstein.de · Forenbeiträge auf wohnmobilforum.de, hilferuf.de und akkudoktor.net · Fragetitel von gutefrage.net
